Neato Botvac D5 Connected gründlich ausprobiert

12. August 2017 Kategorie: Hardware, Smart Home, geschrieben von: Benjamin Mamerow

Staubsaugerroboter hatten wir hier und da bereits im Blog thematisiert, Caschy selbst hat auch schon das eine oder andere Gerät für sich saugen und wischen lassen. Für mich persönlich war das Thema hingegen bisher immer ein rotes Tuch. „Brauch ich hier nicht!“, „Wir haben drei Treppen, was soll da der Roboter?“ waren nur zwei meiner Hauptargumente. Nun bekam ich allerdings für ein paar Wochen die Möglichkeit, den Botvac D5 Connected von Neato daheim auszuprobieren und meine Meinung hat sich doch ein wenig geändert. Warum? Das will ich euch hier berichten.

Der Neato Botvac D5 Connected bildet mit seinen Kollegen „D3 Connected“ und dem „Botvac Connected“ ein Dreiergespann, das im höheren Preissektor angesiedelt ist. So legt man derzeit für den D3 Connected noch rund 450 € auf den Tisch, der hier getestete D5 Connected kostet gar knapp 650 €. Das Premiummodell (und auch das einzige, das die abgefahrene Saug-Route in der App kartografiert) liegt bei stolzen 799 €. Das sind schon ordentliche Hausnummern, zumal das konkurrierende Feld nicht gerade klein ausfällt.

Neato Robotics existiert seit 2010 und zeichnet sich unter anderem auch für den Entwurf des Vorwerk VR100 und des VR200 verantwortlich. Demnach ähneln sich die Geräte auch ziemlich stark in Aufbau und Leistung.

Eckdaten Neato Botvac D5 Connected
  • Maße (LxBxH): 33,6 cm x 31,9 cm x 10 cm bei 3,4 kg Gewicht
  • Kombibürste (Gummilippen und Borsten), Seitenbürste
  • 700 ml Schmutzbehälter
  • Lithium-Ionen-Akku (rund 1,5 Stunden Laufzeit)
  • auch ohne die Neatp-App (iOS und Android) einsetzbar
  • kann via Google Home, Amazon Alexa und eigenen ChatBot angesteuert werden
  • Magnetband zum Abgrenzen einzelner Bereiche und Reinigungswerkzeug im Lieferumfang enthalten
  • filtert mit Ultra HEPA-Filter (D3 Connected „nur“ mit normalem Staubfilter
  • „Botvision“-Technologie (rotierender Laser zum Scannen der Umgebung
  • koordiniert sich unter Verwendung der SLAM-Technologie (später erklärt)

Der D5 Connected hat nun während des Testzeitraums in unserem Erdgeschoss seine Leistung unter Beweis stellen müssen. Hier konnte er auch gleich beweisen, wie er sich bei den unterschiedlichsten Böden so anstellt. Gerade in der Wohnstube wechseln sich Laminat, Kurz- und Langflor-Teppich miteinander ab, in Flur und Küche liegen Fliesen.

Ersteinrichtung

Das Einrichten des Roboters ist kinderleicht. Kaum aus dem Karton genommen und abgelegt, klemmt man nur noch die Dockingstation ans Stromnetz. Ab hier bemüht man nur noch die Step-By-Step-Anleitung der zugehörigen Neato-App (iOS und Android).

In Sachen Bedienelemente am Gerät kommt der D5 Connected angenehm übersichtlich daher. Es gibt einen Frontpuffer, der schnell auf Kontakt mit unzureichend erkannten Hindernissen reagiert und gleichzeitig in Kombination mit dem Start-Button zum Ein- und Ausschalten des Roboters genutzt wird. Zusätzlich befinden sich neben dem Start-Button noch eine Info-LED und eine weitere LED, die den Ladezustand aufzeigt.

Ein kurzer Druck auf den Start-Button lässt den Roboter direkt mit dem Reinigungsvorgang loslegen, ein weiterer Druck stoppt ihn an Ort und Stelle. Die Info-LED blinkt in unterschiedlichen Farben, blau beispielsweise beim Verbinden mit der App/dem heimischen WLAN, rot hingegen bei Fehlern.

Zuverlässige Arbeit

Doch wie arbeitet der D5 Connected nun genau? Direkt nach dem Gerätestart surrt er los und beginnt damit, seine Umgebung kennenzulernen und abzufahren. Der Botvision getaufte Laser rotiert unentwegt und liefert dem Roboter die notwendigen Umgebungsinformationen. Der Botvac bedient sich hier der sogenannten SLAM (Simultaneous Localization and Mapping)-Technologie, erstellt also für sich eine eigene Karte der Umgebung und erkennt in dieser seine aktuelle Position. Das macht er sich spätestens dann richtig zunutze, wenn ihm während einer größeren Reinigungsfahrt einmal droht, der Saft auszugehen und er selbstständig an die Dockingstation fährt. Ist er wieder aufgeladen, so findet er ziemlich genau seine vorherige Position wieder und setzt seine Arbeit fort.

Die erste Amtshandlung beim ersten Start nach dem Auspacken des D5 Connected war dementsprechend eine Kennenlern-Tour durch unsere Räumlichkeiten: Aus der Stube in den Flur und einen Abstecher durch die Küche. Dabei fuhr er zuerst alle Ränder ab und „ertastete“ sich auf diesem Wege die Raumabgrenzungen. Den Niedergang der Kellertreppe erkannte er dann Gott sei Dank auch sehr schnell, auch wenn es einem schon mulmig werden kann, wenn ein 650 €-Roboter ziemlich zügig auf eine Treppe zubraust. Nach zwei Volldrehungen hat er diese als Hindernis erkannt und fortan umfahren.

Nachdem alle Ränder abgefahren waren, startete er mit dem ersten Saugvorgang in größtenteils koordinierten Schleifen durch sämtliche Räume. Dabei ließ er allerdings unseren Essbereich im Wohnzimmer erst einmal aus. Laut Batteriestand wäre hier durchaus noch Potential gewesen. Ich schiebe das aber tatsächlich eher auf das „erste Kennenlernen“ seiner Umgebung, denn bereits beim zweiten Reinigungsvorgang am Abend (zwischendurch wurde im Wohnzimmer viel gespielt, Mittag gegessen und die Katzen wuselten durch das Haus) nahm der Botvac tatsächliche alle Bereiche in Angriff und maulte dann auch nicht, wenn zwischendurch Stühle oder andere Gegenstände im Raum nun an einer anderen Position standen als zuvor. Hier lernt er anscheinend ausgesprochen schnell.

Die Neato-App

Wie bereits erwähnt, kann der D5 Connected auch vollkommen ohne die (zumindest noch zur Ersteinrichtung nötige) App genutzt werden. Roboter platzieren, Startknopf drücken und machen lassen. Der Hersteller empfiehlt, den Roboter generell an seiner Dockingstation zu parken, damit dieser am Ende seiner Arbeit auch dort wieder andocken und nachladen kann. Doch wozu hat man einen Staubsaugerroboter im Haus, wenn man nicht auch einmal einen Blick in die wirklich hübsche und übersichtliche App wirft?

Hier lassen sich – auch für den Laien – selbsterklärend feste Reinigungszeiten einstellen oder auch die sogenannte „Extra Care“-Funktion aktivieren. Diese lässt den Roboter noch vorsichtiger agieren, beispielsweise wenn man wertvolle Vasen im Raum platziert hat oder etwas in der Art. Ob ich hier dann auf einen automatisierten Roboter setzen würde, ist eine ganz andere Frage. Im Extra Care-Modus lässt der D5 Connected jedenfalls mehr Platz zu Objekten übrig, was wiederum Raum für Restschmutz bietet.

Ganz interessant finde ich die ebenfalls in der App abgreifbaren Statistiken zu den einzelnen Reinigungsvorgängen. Hier steht dann unter anderem, wie lange der Roboter jeweils unterwegs war und wieviel Quadratmeter er dabei gereinigt hat. Leider kann man beim D5 Connected keine vom Roboter erstellte Karte anzeigen lassen, dieses Feature bietet nur das Premiummodell „Neato Botvac Connected“. Die App liefert außerdem Push-Benachrichtigungen bei eventuell auftretenden Störungen oder wenn der Roboter seine Arbeit beendet hat.

Smart? Kann er!

Wo wir gerade bei der Bedienung sind: Neato Robotics baut nicht nur überzeugende Staubsaugerroboter, sondern sorgt auch gleichzeitig dafür, dass der Kunde möglichst viel Spielraum beim smarten Bedienen der Produkte hat. So kann man den D5 Connected nicht nur manuell und per App bedienen, es steht außerdem ein eigener ChatBot für den Facebook-Messenger zur Verfügung, sowie der Support von Google Home und Amazon Echo. Da mir derzeit noch ein Echo oder Echo Dot fehlt, habe ich die kostengünstige Alternative von Alexa herangezogen, die App „Reverb„. Diese gibt es für iOS und Android und verknüpft sich ebenfalls mit eurem Amazon-Konto. So kann man zahlreiche Skills auch ganz ohne Echo oder Dot nutzen. Kurz noch den Neato-Skill aktiviert und mit meinem Neato-Account verknüpft und schon weiß Alexa, dass bei mir im Haus ein kleiner D5 Connected darauf wartet, von ihr befehligt zu werden.

Spreche ich nun „Alexa, sage Neato zu reinigen.“ so dauert es keine 5 Sekunden und der Botvac startet mit der Reinigung. Genial einfach 😉 Die Befehle klingen zwar ein wenig hart aus dem Englischen eingedeutscht („Alexa, tell Neato to find my robot“ klingt schon sinniger als die deutsche Übersetzung „Alexa, sage Neato meinen Roboter zu finden“), dennoch hat man sie schnell verinnerlicht. Folgende Befehle sind mit dem Skill derzeit möglich:

  • Alexa, sage Neato zu reinigen.
  • Alexa, sage Neato zu stoppen.
  • Alexa, sage Neato zu pausieren.
  • Alexa, sage Neato fortzufahren.
  • Alexa, sage Neato Wie voll ist mein Roboter.
  • Alexa, frage Neato nach dem Batteriestand.
  • Alexa, sage Neato meinen Roboter zu finden.

Die Nutzung des Skills von unterwegs per Reverb macht für mich durchaus Sinn, da ich den Roboter gerne saugen lasse, wenn ich außer Haus bin. Klar kann man hier mit festen Zeiten arbeiten, aber viel zu oft verlasse ich das Haus auch ungeplant für kurze Ausflüge oder beispielsweise zum Joggen. Dann darf der Botvac gerne rotieren sobald ich ihm die Order dazu gegeben habe.

Überzeugende Reinigung

Die Leistung des Geräts würde ich persönlich als hervorragend einstufen. Bereits beim zweiten Reinigungsvorgang (wir erinnern uns: der erste war noch zum Kennenlernen) kroch er in jede für ihn erreichbare Ecke, die er dank Seitenbürste auch wunderbar sauber bekommt. Sein D-förmiger Aufbau ist ideal, um gut in Ecken zu kommen. Dank SLAM-Technologie arbeitet er die einzelnen Räume wirklich effizient ab und nimmt jeden Dreck (auch die Katzenhaare) soweit möglich mit. Selbst als ich die Erweiterung unseres Flurs (durch eine Schiebetür separiert) ein Mal vergessen hatte zu schließen, fuhr er auch diesen Bereich ab und säuberte ihn problemlos.

Mir persönlich ist der D5 Connected allerdings deutlich zu laut im Betrieb. Klar, wenn ich sonst manuell staubsauge ist es dabei auch keineswegs leise. Bei so einer Haushaltshilfe, wie es ein Staubsaugerroboter nunmal ist, will ich aber parallel andere Dinge erledigen – bloggen zum Beispiel – während das Gerät die Arbeit verrichtet. Konzentrieren kann ich mich bei dem Lautstärkepegel allerdings gar nicht, empfindliche Gemüter sollten hier also vorher unbedingt einmal „Probehören“. Da mein Einsatzszenario aber erlaubt, dass der Roboter immer dann werkeln kann wenn ich/wir außer Haus bin/sind, stört mich persönlich die Lautstärke weniger. Die Leistung ist wie gesagt überzeugend, die Technik sorgt für effiziente Abläufe beim Reinigen.

Beim regelmäßigen Kontakt mit kleineren Hürden bleiben natürlich Kratzer an der Unterseite nicht aus.

Auch Nr. 5 braucht Zärtlichkeiten

Zeit für eine Anekdote: Im Wohnzimmer haben wir eine Reispapierlampe neben dem Sofa stehen. Diese hat einen recht flachen metallischen Fuß, der gerne mal Staub ansetzt. Der D5 Connected hat bereits beim ersten Ertasten der Umgebung eine besondere Zuneigung zu eben jenem Lampenfuß gezeigt. Immer wieder fährt er nun während der Reinigung in Auf-und-Ab-Bewegungen auf diesen herauf, ganz so wie es Lumpi sonst gern mit seinem Lieblingskuscheltier tun würde 😉 Wer hart arbeitet, darf sich auch mal entspannen.

Weiter im Test…

Auch wenn alles schön smart von allein funktionieren soll – hier und da ist natürlich immer mal ein wenig Wartung und Pflege vonnöten. So circa einmal die Woche habe ich sowohl die Kombibürste als auch die Seitenbürste demontieren und von Restschmutz befreien müssen. Außerdem prüfe ich auch immer noch einmal die Aufhängungen der Bürsten und den Bürstenlauf auf Reste. Das Ganze dauert keine fünf Minuten und dient vor allem der Langlebigkeit des Geräts. Natürlich muss auch der HEPA-Filter irgendwann einmal getauscht werden und auch die Bürsten dürften nicht unbedingt ein volles Leben lang durchhalten. Doch ganz ehrlich – wer sich so eine smarte Hilfe in den Haushalt holt, der sollte sich auch regelmäßig darum kümmern.

Der Schmutzbehälter fasst ca. 700 ml und ist ausgesprochen schnell geleert. An der Oberseite des Botvac befindet sich eine Tragemulde, auf derer anderen Seite man den Deckel öffnen kann. Mit einem Griff entfernt man dort den Behälter und leert ihn. Hier befindet sich auch der eingesetzte Filter.

Nichts negatives? Hm doch…

Doch wie in jedem Test gilt auch hier: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Zwar sind die mir aufgefallenen Probleme nicht groß, erwähnt haben wollte ich sie natürlich aber dennoch. Die Lautstärke hatte ich bereits erwähnt und lasse sie hier nun außen vor. Zum einen aber ist hier die Höhe des Botvac D5 Connected zu nennen. 10 Zentimeter sind für so ein Gerät im Grunde nicht viel, bei uns kommt er damit immer noch gerade so unter das Sofa (wo andere Staubsauger generell schon Probleme bereiten) und unter unsere Holzschränke.

Hiermit dürften wir als Ideal-Haushalt für den Roboter gelten, denn viel zu oft wird der D5 Connected immer noch viel zu hoch für viele sein, was eben auch dem Aufbau mit rotierendem Laser geschuldet ist. Auf der anderen Seite hat der Botvac aber auch einen wirklichen Endgegner, den vermutlich jeder Staubsaugerroboter fürchtet: den Langflor-Teppich. És bedarf keiner 20 cm Weg auf diesem und schon beendet der Roboter seinen Dienst mit der Pushmeldung „Fehler – Bürste reinigen!“ nebst rot blinkender Info-LED. Die langen Flusen des Teppichs wickeln sich einfach zu schnell um die Rolle und blockieren diese. Hier bleibt keine andere Wahl als den „Hindernismarker“ – das Magnetband – entlang des Teppichs zu legen und den Botvac diesen ab sofort umfahren zu lassen. Das klappt dann allerdings auch perfekt.

Am Ende werden Langflor-Teppiche und ähnliche Hindernisse wohl weiterhin manuell nachgereinigt werden müssen, auch Treppenstufen sind für den „normalen“ Staubsaugerroboter weiterhin natürlich keine Option. Das weiß man aber, wenn man sich so ein Gerät zulegt. Und das bringt mich auch zu meinem persönlichen Umdenken. Kleiner Nachtrag: Seit Fertigstellung meines Testberichts hat sich der Neato leider bereits zweimal selbstständig aus dem (immer noch aktiven) heimischen WLAN verabschiedet und konnte auf eigene Faust keine neue Verbindung herstellen. Hier musste ich erst wieder über die App und manuell eine Neuverbindung herbeiführen. Kann am Testgerät liegen oder an der Software. Das WLAN-Netz war und ist definitiv durchgehend mit voller Leistung aktiv, keines der anderen Geräte hat hier Verbindungsprobleme. Daher klarer Abzug in der B-Note, denn wer unterwegs ist, kann den Roboter in dem Falle nicht neu verbinden.

Mein Fazit

Wo ich bisher immer stur behauptete, niemals einen solchen Roboter nutzen zu wollen und einfach keinen Bedarf dafür sah, schiebt sich inzwischen der Gedanke dazwischen, irgendwann doch einmal ein eben solches Gerät zur heimischen Unterstützung zu beschaffen. Der Neato Botvac D5 Connected zeigt eindrucksvoll, was ein wirklich hochwertiges (wenn auch sehr teures) Gerät zu leisten vermag und ist dank App, dem Support für Google Home, den ChatBot und nicht zuletzt der Unterstützung von Amazon Alexa einfach universell und simpel zu bedienen. Chapeau von meiner Seite, Neato Robotics, der Test hat wirklich Spaß gemacht. Und unsere Wohnzimmerlampe wird ihn wohl auch vermissen 🙁


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Über den Autor: Benjamin Mamerow

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