CES 2017: Ford und Toyota gründen SmartDeviceLink-Konsortium

6. Januar 2017 Kategorie: Hardware, geschrieben von: Oliver Pifferi

Der Automobilmarkt ist im Umbruch und das schon seit einiger Zeit: Neben dem Bewährten sind vor allem die Themen Elektromobilität und autonomes Fahren sicherlich die Fakten, die in den nächsten Jahren richtungsweisend sein werden. Doch auch die Einbindung smarter Funktionen in die Fahrzeuge der Zukunft ist so ein Thema, welches die Autohersteller immer mehr im Fokus haben – Android Auto und Apple CarPlay sind hier die Stichworte. Nun haben Ford und Toyota das SmartDeviceLink-Konsortium (sdl) ins Leben gerufen und gesellen sich zu der illustren Runde.

Das Netzwerk ist als Non-Profit-Organisation ausgelegt und soll als Plattform für Open Source-Software zur Entwicklung von im Fahrzeug nutzbaren Smartphone-Apps dienen. Ein wesentliches Ziel ist es, bei Automobilherstellern und Zulieferern einen brancheneinheitlichen Standard für die Einbindung von Smartphone-Apps in Automobile zu etablieren. Das macht meiner Meinung nach schon Sinn, denkt man mal an die Bluetooth-Implementation, die in der Vergangenheit gefühlt nach Modell und Hersteller samt Softwarestand des Smartphones ja schon einmal exotisch anmutete.

Die Autofahrer sollen durch diese offene Plattform eine größere Bandbreite an Möglichkeiten erhalten, wie sie die Apps auf ihrem persönlichen Smartphone mit ihrem Fahrzeug verbinden sowie während der Fahrt nutzen und steuern können. Als erste Automobilhersteller neben Ford und Toyota haben sich auch die Mazda Motor Corporation, die PSA Group, Fuji Heavy Industries Ltd. (FHI) und die Suzuki Motor Corporation dem Konsortium angeschlossen. Zu den ersten Mitgliedern zählen zudem Zulieferer wie Elektrobit, Luxoft und Xevo. Mit Harman, Panasonic, Pioneer und QNX haben zudem weitere namhafte Unternehmen durch Letters of Intent ihre Absicht erklärt, diesem Konsortium ebenfalls beizutreten.

Die Quintessenz dahinter: Alle sollen von dem neuen Standard profitieren! Kunden sollen Open Source-Charakter der Plattform zu schätzen lernen, da die App-Entwickler und die Automobilhersteller die Qualität und Sicherheit der Software kontinuierlich verbessern können und wollen. Die Autofahrer sollen ihre Applikationen im Fahrzeug ganz einfach und sicher per Sprachsteuerung bedienen können, während die Bedienoberflächen der Apps auf dem Fahrzeugdisplay gespiegelt werden.

So werden die Inhalte auf dem Display des Fahrzeugs angezeigt (sieht bei Mazda übrigens wunderbar als digitaler Tacho aus), während sich die App selbst beispielsweise über Steuertasten am Lenkrad und per Sprachsteuerung bedienen lässt. Dies soll die Anwendung der Programme gerade während der Fahrt noch nutzerfreundlicher, sicherer und komfortabler machen – so zumindest der Plan.

Für die App-Entwickler wiederum ergibt sich auf dem Reißbrett der Theorie ein sehr attraktiver Markt, da ihre Apps in Millionen von Fahrzeugen rund um die Welt genutzt werden, sobald sich SmartDeviceLink – so erwartet man zumindest – als branchenweiter Standard durchsetzt. Die App-Entwickler sollen darüber hinaus von SmartDeviceLink profitieren, da sie sich künftig voll auf Inhalte und Nutzwert ihrer Programme konzentrieren können sollen: Der gemeinsame Standard soll die Integration in die Fahrzeuge verschiedener Hersteller massiv vereinfachen. Ziel ist es natürlich auch hier, mit SmartDeviceLink alle Funktionen der Smartphone-Apps nahtlos mit dem Fahrzeug vernetzen zu können, wenn man es denn auch als Anwender so will.

Schlussendlich können alle teilnehmenden Hersteller und Zulieferer ihren Kunden ein mobiles Online-Ambiente nach deren individuellen Vorlieben anbieten. Die Entscheidung, inwieweit Apps Zugang zu den Fahrzeugdaten erhalten ist natürlich ebenfalls ein sicherheitskritisches Thema und soll weiterhin bei den jeweiligen Herstellern liegen. Technisch basiert SmartDeviceLink übrigens auf dem von Ford eingebrachten AppLink-Standard, den das Unternehmen 2013 für die Open Source-Community bereitstellte.

Die Ford AppLink-Software ist aktuell für mehr als fünf Millionen kompatible Fahrzeuge weltweit verfügbar. Schon heute stehen für ausgewählte Märkte Apps wie Pandora, Spotify, iHeartRadio, AccuWeather und viele weitere für Ford AppLink Nutzer bereit – parallel dazu steuert das im Besitz von Ford befindliche Software-Unternehmen Livio das Open Source-Projekt und berät das SmartDeviceLink-Konsortium sowie die einzelnen Mitgliedsunternehmen.

Shigeki Tomoyama, Präsident von Toyota Connected, fügt ausserdem noch hinzu: „Die Konnektivität zwischen Smartphones und der Fahrzeug-Schnittstelle gehört zu den wichtigsten vernetzten Diensten überhaupt. Mithilfe von SmartDeviceLink können wir unseren Kunden diesen grundlegenden Service auf Basis einer sicheren Technologie bieten. Wir freuen uns, mit so vielen Autoherstellern und Zulieferern zusammenzuarbeiten, die diese Auffassung teilen.“ Toyota wird seinen Kunden voraussichtlich ab 2018 auch ein Telematiksystem auf Basis von SmartDeviceLink anbieten. In meinen Augen wird das eine recht spannende Sache, die sich über alle Marken etablieren muss, um erfolgreich zu sein.

Ob und wie das der Fall wird, dürfte die Zeit zeigen – um aber hier wirklich einen Standard zu etablieren, sollten alle Autohersteller ins Boot geholt werden und das dürfte – nicht nur wegen der Einzelinteressen und unterschiedlicher strategischer Ausrichtungen – eine recht spannende Aufgabe sein.


Über den Autor: Oliver Pifferi

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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