Ausprobiert: Huawei MediaPad M3

23. Oktober 2016 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Benjamin Mamerow

Huawei_LogoTablets haben es heutzutage schon ein wenig schwer. In Zeiten von 5,5 oder mehr Zoll – man erinnere sich nur einmal an die 6,44 Zoll des Xiaomi Mi Max – bei Smartphones/Phablets sehen viele Anwender nicht mehr dringend die Notwendigkeit eines zusätzlichen Gerätes zum Surfen mit etwas größerem Display. Da muss das Tablet schon was wirklich Umwerfendes mitbringen, damit man noch einmal umdenkt. Huawei möchte den gewagten Schritt gehen und hat mit dem MediaPad M3 einen optisch zumindest schon einmal hübschen Nachfolger seines M2 auf den Markt gebracht. Ob das gewisse überzeugende Extra mit an Bord ist, das habe ich in einem kleinen Test für Euch herausfinden wollen.

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Beim Empfangen des Pakets war ich schon ein wenig gespannt was mich erwartet, ist es doch schon geraume Zeit her, dass ich ein Tablet bedienen konnte. Der Aufdruck „harman/kardon“ auf der Verpackung kommt nicht von ungefähr. Immerhin will man beim M3 mit sattem Sound aus integrierten Lautsprechen eben jenen Herstellers punkten.

Doch besinnen wir uns zuerst einmal auf die kalten Fakten:

Technische Daten Huawei MediaPad M3
  • System: Android 6.0 Marshmallow (eigene Oberfläche EMUI 4.1)
  • CPU: HiSilicon Kirin 950 Octa Core (bekannt vom Mate 8)
  • RAM: 4 GB
  • ROM: 32 / 64 GB je nach Ausführung, per microSD erweiterbar
  • Display: 8,4 Zoll IPS, 2560 x 1600, 359 ppi
  • WIFI: 802.11a/b/g/n/ac
  • Kamera: 8 MP Hauptkamera & 8 MP Frontkamera
  • Akku: 5.100 mAh (laut Huawei bis zu 11 Stunden Ausdauer)
  • Gewicht: 310 Gramm
  • Sonstiges: Fingerabdruckleser

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Verarbeitung

Am MediaPad M3 gefällt mir vor allem der komplett aus Aluminium gefertigte 7,3 mm dicke Body. Lediglich die Kameraleiste hebt sich hier mit ihrem Plastik ein wenig ab, was aber keineswegs störend wirkt.

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Das Gerät wirkt durch die Materialwahl sehr hochwertig und ist auch durchgehend sauber verarbeitet. Das weiße Gehäuse glänzt hingegen recht stark in der Sonne, passt aber ansonsten sehr gut ins edle Gesamtbild. Die Buttons an der rechten Seite für Lautstärke und Power haben einen sehr guten Druckpunkt, der Fingerprint-Reader an der unteren Seite des Displays ist schön schmal gehalten, eignet sich aber auch gerne mal dafür, dass man diesen fälschlicherweise für einen Homebutton hält – wie oft habe ich mich dabei erwischt… Der Slot für SIM und microSD-Karte befindet sich neben Lautsprecher, Mikrofon und Ladeport an der Unterseite des Geräts. Bei Letzterem hat man leider nicht den Schritt Richtung USB Typ-C getan, sondern ist bei Mikro-USB geblieben.

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Bedienung

Auf dem MediaPad M3 werkelt als Betriebssystem Android 6.0 Marshmallow mit Sicherheitspatch vom Juli. Dem OS wurde die hauseigene Oberfläche EMUI in Version 4.1 übergebügelt, die man bereits vom Huawei P9 oder auch dem Nova kennt.

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Diese und ähnliche Oberflächen kennt man von vielen Geräten aus China. Gerade in westlichen Ländern ist man damit aber häufig eher unglücklich, ist man doch vor allem einen App-Drawer gewohnt. Alternative Launcher wie der Nova Launcher können hier ja aber schnell Abhilfe schaffen. Die Oberfläche lässt sich flott bedienen und bringt an jeder Ecke die nötige Übersicht mit.

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Auch hier erwartet den Käufer also keine Überraschung. Gerade Umsteiger von iOS finden sich sehr schnell zurecht, da auf den Android-typischen App-Drawer verzichtet wird und somit alle Apps direkt auf dem Homescreen oder eben in Ordnern angeordnet sind. Die Benachrichtigungsleiste beinhaltet unter anderem auch den Schnellzugriff auf Funktionen wie Screenshot und dergleichen.

Auf die integrierten Kameras gehe ich tatsächlich nicht so detailliert ein. Hier gilt für mich der Grundsatz, dass niemand ernsthaft mit einem Tablet und gerade einmal 8 Megapixel Hauptkamera auf Foto-Tour gehen wird. Die Bilder sind ok für Snapshots, mehr dann aber wirklich nicht. Die 8 MP Frontkamera hingegen kann zumindest vergleichsweise schöne Selfies knippsen, falls man das mal tun möchte.

Display

Als Display fungiert im M3 ein IPS-Panel, welches mit 2560 x 1600 Pixeln und einer Pixeldichte von 359 ppi auflöst. Das ist gerade für ein Tablet eine hohe Auflösung und sorgt dadurch auch für ein wirklich schönes Bild. Die Farben sind satt und kräftig, was vor allem der Darstellung von Bildern und Videos, aber auch gelegentlichen Games zugute kommt. Außerdem lässt sich der Bildschirminhalt immer noch aus recht spitzen Winkeln gut erkennen.

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Wie bereits erwähnt, spiegelt mir das Display allerdings ein wenig zu stark. Das ist definitiv Meckern auf hohem Niveau, sollte aber meines Erachtens nach erwähnt sein. Um die 8,4 Zoll des Geräts auch vernünftig ausnutzen zu können, gibt es von Huawei einen eigenen Multi-Window-Modus spendiert. So kann man ähnlich der Funktion von Android 7.0 Nougat zwei unterschiedliche Apps parallel auf dem Display anzeigen lassen. Das funktioniert völlig problemlos und scheint nicht nur mit Geräte-eigenen Apps zu funktionieren, sondern auch mit denen von Drittanbietern. So kann man beispielsweise neben laufenden YouTube-Videos gleichzeitig seine Lieblingsseiten im Netz durchforsten.

Fingerprint

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Der Fingerabdruck-Leser funktioniert ausgesprochen präszise und schnell, wenn – ja wenn er sich dann erst einmal hat einrichten lassen. Tatsächlich brauchte es bei mir satte fünf Anläufe bis ich diesen dann endlich eingerichtet hatte. Dabei möchte ich meinen, behaupten zu können, dass ich nicht unbedingt zu doof für die Technik wäre 😉

Der gewünschte Finger soll auf das kleine Plättchen gehalten werden und immer dann, wenn ein leichtes Vibrieren zu spüren ist, angehoben werden. Wie erwähnt benötigte die Einrichtung bei mir dann doch etwas länger als erwartet. Optisch passt der Sensor wirklich gut ins Gesamtbild und bietet zumindest ansatzweise außer der Autorisierung eine Nebenfunktion. Man kann ihn mit Gesten belegen, damit er die Navigationsbuttons für „Zurück“, „Home“ und „Recent Apps“ ersetzen kann. Für mein Empfinden ist dies aber recht unnötig, da man sich eh schon viel zu sehr daran gewöhnen muss, dass es sich hier lediglich um einen Sensor und nicht um den Homebutton handelt.

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Sound

Beim Sound möchte uns Huawei mit Lautsprechern der Marke Harman/Kardon verwöhnen. Hier soll deutlich satterer Klang und generell mehr Qualität geboten werden. Aber wie sieht es dann am Ende wirklich aus? Ich habe Spotify mal ein wenig ackern lassen und komme gefühlt zu dem Ergebnis, dass man hier tatsächlich gefühlt mehr Wumms aus den kleinen Speakern gedrückt kriegt. Der Bass ist zwar immer noch nicht umwerfend, aber eben deutlich besser als wenn sonst aus den meist so mickrigen Lautsprechern klappern würde. Man kann damit also einen Raum von knappen 20-30 Quadratmetern gut beschallen, sollte es aber in der Lautstärke trotzdem nicht übertreiben, denn spätestens dann merkt man schnell, dass man eben doch „nur“ mit einem Tablet agiert.

Ein entscheidendes Kaufkriterium bieten die Lautsprecher also für mich nun nicht unbedingt. Schade, hier hatte ich mir irgendwie mehr erhofft.

Leistung

Kann das M3 dann wenigstens bei der Leistung überzeugen? Nun, der Kirin 950 rappelt mit immerhin acht Kernen, wovon vier davon mit 2,3 GHz arbeiten, die anderen vier mit je 1,8 GHz. Zusammen mit den 4 GB Arbeitsspeicher sollte doch auf dem Papier zumindest ein wenig Leistung zu erreichen sein.

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Beim normalen Arbeiten will ich da auch gar nicht widersprechen. Selbst im Multi-Window-Modus kommt keine Anwendung ins Stocken oder schießt sich selbst ab. Alles läuft sehr geschmeidig und lässt das Gefühl, im Besitz eines modernen Gerätes zu sein, zurück.

Wer gelegentlich daddelt, der muss sich darauf einstellen, dass das M3 bei grafisch opulenteren Titeln die Grätsche macht. Mit seinen knapp über 94.000 Punkten im AnTuTu-Benchmark liegt das MediaPad M3 zwar noch vor dem P9, aber immerhin weit hinter dem Galaxy S7 Edge oder dem LeEco Max2 zurück.

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Modern Combat 5 und Asphalt 8: Airborne werden aktuell gern als Referenz genommen. Als ehemaliger Gamer (der einfach mittlerweile zu wenig Zeit für’s Hobby hat 😉 ) nerven mich die Ruckler in den Games dann aber doch zu sehr. Andere behaupten hier gern, dass es sich nur um minimale Störungen handelt, ich mag ein Spiel so hängend aber nicht mehr zocken – macht mir den Spaß daran kaputt.

Halten wir also fest: Zum üblichen Arbeiten an einem Tablet eignet sich das M3 sogar mehr als gut. Beim Daddeln sollte man nicht zu sehr auf aufgepumpte Spiele setzen, da die Ruckler ingame sonst schnell nerven. Casual-Titel haben hier die Nase vorn.

Akku

Der Akku, der Akku. Sicher eines der interessantesten Aspekte bei heutigen Geräten. Im M3 lagern gute 5.100 mAh, die laut Hersteller auch für immerhin 11 Stunden Laufzeit reichen sollen. Das mag beim reinen Hantieren – sprich Browsen und Film gucken auch hinkommen, wer das Gerät aber dann doch auch des Öfteren zum Spielen nutzt, dem dürfte logischerweise deutlich schneller der Saft ausgehen.

Ich habe für einen einigermaßen authentischen Test der Laufzeit mal wieder den PCMark zur Hilfe genommen, die Display-Helligkeit manuell auf 50% gedreht und ihn einfach mal rattern lassen. So dauerte es dann genau 8 Stunden und 31 Minuten (511 Minuten) bis der Akku von 100% auf 20% Rest gesunken war. Mathe sei dank, kommen wir am Ende also bei 10,65 Stunden oder eben knappen 639 Minuten an. Kommt also den Angaben von Huawei schon recht gleich und ist ein guter Wert.

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Fazit

Lasse ich meinen Test nun noch einmal Revue passieren, so kann ich leider am Ende immer noch nicht behaupten, dass uns Huawei mit dem MediaPad M3 das Über-Tablet präsentiert hat. Das Display ist klasse, die 359 ppi Pixeldichte sorgen für eine wirklich feine Darstellung. Aber irgendwie war es das leider neben dem schicken Design auch schon. Der Sound ist besser als gewohnt, aber nicht überragend. Die Hauptkamera ist ein nettes Gimmick, mehr dann aber auch nicht – wohingegen die Frontkamera hübsche Selfies erstellt.

Die Leistung reicht für alle üblichen Anwendungen mehr als aus und kann auch Spielern einiges bieten, solange diese auf nicht zu überladene Games setzen. Nichtsdestotrotz bekommt man für knapp 340 € bei der WiFi-Variante / 380 € für die LTE-Version ein schickes Tablet mit durchaus überzeugender Hardware zu einem recht fair gehaltenen Preis. Die Offenbarung sollte man aber dabei eben nicht erwarten.



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Über den Autor: Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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