Amazon Prime Air: so sehen die Drohnen-Liefer-Pläne aktuell aus

19. Januar 2016 Kategorie: Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_amazonAls Amazon im Dezember 2013 ankündigte, Drohnen zur Auslieferung einzusetzen, wurde dies noch als PR-Stunt abgetan. Gut zwei Jahre später hat sich einiges getan, Amazon darf mittlerweile offiziell Testflüge abhalten und hat im November 2015 auch ein neues Modell seiner Liefer-Drohne gezeigt. Paul Misener (Amazon VP Global Public Policy) hat in einem Interview nun ein bisschen geplaudert, wo Amazon mit seinem Drohnen-Programm steht und wo Amazon hin will. Auch über die Probleme und die Normalität von Drohnen in der Zukunft verliert er ein paar Worte.

Das ganze Programm läuft unter dem Namen Amazon Prime Air, das Ziel ist nichts weiter als die Auslieferung von Paketen innerhalb von 30 Minuten nach Bestellung. Alleine der Zeitansatz schränkt den Wirkungsradius schon ein, Amazon versucht die Drohnen dennoch so zu gestalten, dass sie mehr als 10 Meilen zurücklegen können. Ausgestattet mit der Sense-and-Avoid-Technologie sind die Drohnen zudem in der Lage, völlig autonom zu fliegen, Hindernisse werden erkannt und umflogen.

Diese Technologie macht die Drohnen laut Misener mehr zu Pferden als zu Fahrzeugen. Ein Fahrzeug könne man jederzeit gegen einen Baum fahren. Ein Pferd hingegen nicht. So ist es auch mit den Drohnen. Hat man im Garten einen Baum stehen, wird die Drohne diesen umgehen, sie wird nicht in den Baum fliegen, also mehr wie ein Pferd reagieren.

Pakete können mit den aktuellen Drohnen-Prototypen ein Gewicht von rund 5 Pfund haben, ein Großteil der von Amazon verkauften Produkte fällt in diese Gewichtsklasse. Dennoch sollen die Drohnen keine Konkurrenz für klassische Auslieferer werden, sie sind eher für dringende Kleinartikel gedacht, die so eventuell schneller bei einem sind als wenn man noch einmal ins Auto steigt und in den Laden fährt. Mit 30 Minuten Lieferzeit könnte Amazon hier schneller liefern als man selbst besorgen könnte.

Auch auf so Alltagsfragen geht Paul Misener ein. Was Passiert, wenn man zum Lieferzeitpunkt nicht zu Hause ist? Was, wenn ein Fremder die Drohne abschießt, weil ein Tv-Gerät (unter 5 Pfund) geliefert wird? Das sind Probleme, die einfach mit der Neuheit der Lieferart zu tun haben. Misener geht davon aus, dass der Anblick der Drohnen einmal genauso normal sein wird, wie der heutige Anblick eines Liefertrucks. Den man übrigens auch beschießen könnte. Im Fall von nicht zu Hause wird es eine Ablage im Garten oder an der Haustür geben, analog zu normalen Auslieferungen (in den USA).

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Bei den Drohnen selbst testet Amazon verschiedene Typen, immerhin gibt es verschiedene Anforderungen. Klima spielt hier eine große Rolle. Die Drohnen müssen in Gebiete, die sehr trocken und staubig sind, aber auch in solche mit hohem Niederschlag und großer Hitze. Beides nicht optimal für Geräte, die auf Kleinstelektronik basieren. Auch leben Menschen unterschiedlich. Vom Bungalow bis zum Wolkenkratzer sollen alle Kunden beliefert werden.

Menschen müssen auch keine Angst haben, dass sich am Himmel bald nur noch Liefer-Drohnen von Amazon befinden. Ein weiteres Design-Ziel ist nämlich, die Geräte geräuscharm und unauffällig zu gestalten, sodass man sie im Alltag gar nicht wahrnimmt.

Das Design der Drohnen ist auch noch nicht abgeschlossen, Amazon ist immer noch auf der Suche nach dem passenden Fluggerät für alle Gelegenheiten. Ist diese Herausforderung einmal abgehakt, steht der Auslieferung nur noch die Regulierung im Weg. Aber auch das sollte sich, wenn es nach Misener geht, relativ schnell regeln lassen.

Amazon muss an den Punkt kommen, an dem man das System sicher einsetzen kann. Misener ist überzeugt, dass die Regulierung sehr schnell stattfinden wird, wenn man von der Sicherheit des Systems überzeugt ist. Amazon hat sich bereits mit Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt unterhalten und entsprechende Vorschläge zur Regulierung eingebracht. Diese Vorschläge wurden auch angenommen und werden hoffentlich eine Grundlage für entsprechende Regeln bilden.

Sollte die Technologie fertig sein bevor eine Regulierung steht, sieht sich Amazon auch nicht gezwungen, Prime Air zuerst in den USA auf den Markt zu bringen. Man hoffe dies zwar, aber es sei nicht unbedingt nötig. Eine sehr spannende Sache, die offensichtlich schon viel weiter ist, als man selbst vermutet hätte. Das komplette Interview findet Ihr bei Yahoo Tech, ein durchaus interessanter Einblick in Amazon Prime Air.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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