3D im Heimkino ist endgültig gestorben

21. Januar 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

An dieser Stelle oute ich mich als Ex-3D-Fan: Als die Technik im Kino und Heimkino langsam Fahrt aufgenommen hat, verstrich nur wenig Zeit, bis ich mir meinen ersten Plasma mit Unterstützung für aktives 3D über Shutter-Technik sicherte. Gegen Polarisation sprach für mich die Halbierung der vertikalen Auflösung und das subjektive Empfinden, dass bei aktivem 3D die Effekte deutlicher wahrnehmbarer sind. Lange Zeit waren Blu-ray 3D wie „Ich – Einfach Unverbesserlich“, „Coraline“ oder „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ für mich echte Highlights. Doch nun haben im Grunde alle großen Hersteller 3D fürs Heimkino begraben. Und auch ich merke, dass mein Abschied von der Technik eigentlich im Stillen längst geschehen ist.

Vielleicht ist das ein wenig wie mit einer Liebesbeziehung: Am Anfang ist man begeistert, sieht über die Schwächen hinweg und findet viele an sich gewöhnliche Dinge, die der andere macht, aufregend. Doch mit der Zeit verschwindet die rosarote Brille, es kehrt Routine ein – und die anfängliche Begeisterung weicht eventuell Ernüchterung. Genau so lief es bei mir persönlich mit 3D: Erst letzte Woche habe ich noch „Kubo – Der tapfere Samurai“ als UK-Import auf Blu-ray 3D gekauft. Doch eigentlich ahnte ich schon bei der Bestellung, dass es wohl so enden wird, dass ich mir den Film doch nur in 2D ansehe. Warum? Bei aktivem 3D muss man die Lichtverhältnisse im Griff haben, denn jegliche Lichtquellen lassen das Flimmern der Shutter-Brillen extrem hervortreten.

Außerdem strengen die Brillen die Augen eben doch deutlich mehr an. Da ich 3D zudem so selten nutze, muss ich meine Brillen dann erstmal wieder aufladen bzw. die Knopfzellen wechseln und hoffen, dass die Verbindung zum TV dieses Mal auf Anhieb funktioniert. Denn mittlerweile nutze ich Brillen von Drittanbietern, da meine Originalbrillen irgendwann den Geist aufgaben. Irgendwie ist das Hantieren mit den Brillen einfach ein Ärgernis – gerade wenn man mit Freunden gemeinsam einen Film schauen möchte und für jeden Gast auch noch eine eigene Brille benötigt. Blickkontakt ist dann beim Filmschauen auch nicht mehr möglich – dass man in der Runde dann absolut freakig aussieht, ist fast noch die kleinste Nummer, wenn ich da an aktuelle VR-Brillen denke.

Ich denke allerdings, dass der Brillenzwang für die meisten Anwender 3D ruiniert hat. Eine Zeit lang konnte man ab der Mittelklasse so gut wie keinen TV mehr ohne 3D erwerben. Aber das bloße Vorhandensein des Features hat die Nutzung nicht vorangetrieben. Das haben Studien gezeigt und es spiegelt sich auch in meinem Bekanntenkreis wider: Etliche Leute besitzen 3D-TVs, ohne die Funktion jemals ausprobiert zu haben. Oder es blieb bei einem einzigen, ausgeliehenen Film. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen: 3D hat die Kunden nicht überzeugt. Und jetzt kehren eben auch die Hersteller der Technik den Rücken.

Es ist egal, ob ihr euch die neuen OLED-TVs von LG, die QLED von Samsung oder Sonys neue Modelle anseht: 3D glänzt überall durch Abwesenheit. LG und Sony hatten 3D zumindest letztes Jahr noch die Treue gehalten, kapitulieren jedoch nun ebenfalls. Wer also aktuell einen neuen Fernseher kaufen möchte und Wert auf sowohl Ultra HD als auch 3D-Unterstützung legt, kann sich nur bei älteren Geräten umsehen. Auch andere Hersteller wie Vizio, Sharp, TCL und Hisense haben von 3D Abstand genommen. Das führt aktuell zu der etwas absurden Situation, dass zwar noch Blu-ray 3D zu Filmen erscheinen, es aber zunehmend schwerer wird diese Streifen mit aktueller Hardware wiederzugeben.

Wir haben uns also weit von den Zeiten entfernt, als Sony gar auf Pressekonferenzen 3D-Brillen verteilte, um Videos in stereoskopischem Format zu zeigen. Auch von autostereoskopischen Bildschirmen, einer Technik, welche etwa für das Nintendo 3DS zum Einsatz kommt, spricht niemand mehr. Eine Zeit lang hofften viele Heimkino-Enthusiasten, dass brillenloses 3D der nächste große Schritt sein könnte. Vermutlich erwies sich die Implementierung am Ende entweder als zu kostspielig oder zu technisch komplex bzw. erreichte nicht die erhoffte Qualität. Denn alle autostereoskopischen TVs, die man auf Messen erspähen konnte, krankten daran, dass der 3D-Effekt nur dann funktionierte, wenn man an sehr spezifischen Sitzpositionen Platz nahm. Da ist ja auch gut am Nintendo 3DS zu beobachten. Auch am Handheld muss der Bildschirm schon optimal gehalten werden, damit das 3D tatsächlich gut wahrnehmbar ist. Die meisten Besitzer des 3DS, die ich kenne, haben den 3D-Slider ohnehin auf Null gestellt – was über die Beliebtheit des Features abermals viel aussagt.

Zum Versagen von 3D hat sicherlich auch die maue Umsetzung vieler Filme beigetragen. Seien wir ehrlich: Wenn ein Film nur minimal mehr Plastizität und einen moderaten Tiefeneffekt bietet, lohnt sich das Hantieren mit den Brillen kaum. Zumindest mir ging es so, dass ich bei einem 3D-Film dann auch tolle Pop-Outs erblicken wollte. Jene bieten aber nur eine Handvoll Filme wie „Sammys Abenteuer“, „Das Magische Haus“ oder „Final Destination 4“ wirklich über die gesamte Spieldauer regelmäßig.

Die Hersteller konzentrieren sich nun auf andere Dinge wie HDR, was laut LG von wesentlich mehr Nutzern als wichtiges Kriterium für die Kaufentscheidung bewertet werde. Sony antwortet auf die Frage, warum man kein 3D mehr einbinde, ähnlich: „Basierend auf aktuellen Trends am Markt, haben wir uns entschieden mit unseren TVs des Jahres 2017 auf 3D zu verzichten„. Bedauerlich ist, dass 3D gerade jetzt als Technik wesentlich reifer wurde. Durch die neuen Ultra-HD-Fernseher konnten passive Brillen für die 3D-Wiedergabe genutzt werden, ohne dass sich die Auflösung bei der Wiedergabe einer Blu-ray 3D halbieren musste. Doch das verbesserte Qualitätslevel wurde einfach zu spät erreicht.

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die großen Filmstudios nach und nach keine Blu-ray 3D mehr produzieren werden und die Technik endgültig zu einer Fußnote wird. Disney beispielsweise veröffentlicht schon seit einigen Jahren seine Animationsfilme in den USA nicht mehr auf Blu-ray 3D. In Europa ist das noch der Fall, fragt sich aber wie lange. Werdet ihr 3D vermissen? Oder seid ihr der Meinung, dass die Technik zurecht in den Hintergrund geschoben wurde?


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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