Windows 10 und Classic Shell: Erfahrungsbericht eines Puristen

windows 10Meine Windows-Geschichte: Ein kaum heldenhaftes Abenteuer hat mich von ersten Krämpfen mit Windows 95, über eine Affäre mit 98, längeren Liaisons mit Windows Me, 2000 und XP schließlich zu meinem bisherigen Favoriten, Windows 7, geführt. Doch dank eines neuen Ultrabooks setze ich mich gerade mit Windows 10 auseinander. Und bevor ich irgendein anderes Programm installiert habe, wanderte Classic Shell auf meine Festplatte. Was folgt, ist die verbohrte ehrliche Story eines Puristen.

Was Windows betrifft, bin ich oldschool aus vollem Herzen: Mein erstes Windows war 95. Noch heute erinnere ich mich an mein erstes, traumatisches Erlebnis mit dem OS: Mein Vater löschte in meiner Abwesenheit glatt einfach mein „Magic: The Gathering“ Desktop-Theme. Nun gut, ich hatte es auf seinem PC installiert, denn ich sollte erst Jahre später mit meinem ersten Rechenknecht aufwarten können. Im Nachhinein bin ich ihm jedoch dankbar: Schnell war ich auf die schnörkellose, klassische Windows-Oberfläche eingeschossen.

Ausgerechnet das verbuggte Windows ME war dann mein erstes „eigenes“ Windows. Beschwert habe ich mich anno dazumal nicht, denn ich hatte die Kiste samt OS geschenkt bekommen. Als Erinnerung hat sich bei mir bis heute die verzweifelte Suche nach der Absturzursache von „Baldur’s Gate II“ im Gedächtnis eingebrannt. Tja, da war mein Intel Pentium II mit 266 MHz wohl überfordert.

Auf meinem ersten, selbst gekauften PC brachte ich damals Windows 2000 zum Laufen und begeisterte mich schnell für das ungewohnt stabile Betriebssystem. Ja, ja nach Windows ME ist man eben leicht zu begeistern. Zu XP bin ich reichlich spät gekommen – ich glaube 2004 habe ich mir das anfangs verspielt erscheinende OS auf die Festplatte geschaufelt. Mensch, was soll der ganze knallig-blaue Kram? Klassische, graue Windows-Oberfläche eingestellt und fertig war die Kiste.

Von meinem damaligen Arbeitgeber erhielt ich 2012 eine Lizenz für Windows 7. Brandneuen Rechner selbst zusammengeschraubt – also musste der Dung das Ding mal ran da. Vista hatte ich vorher gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Das war wohl nicht die ungewöhnlichste Vorgehensweise. Gut – klassisches Design aktiviert und fertig war die Laube. Noch heute nutze ich Windows 7 hier auf meinem Desktop-PC. Windows 8 hat mich mit seiner Kachel-Oberfläche zum mitleidigen Abwinken veranlasst – daran konnte auch Microsofts halbherziges Zurückrudern mit Windows 8.1 bei einem Puristen wie mir nix ändern.

Windows-10-10159-Desktop

Und ja, ich stehe dazu: Ich bin Purist. Diese Meinung muss keiner teilen, aber an meinem PC mit Windows will ich eine schlichte Oberfläche – keinen Spielkram. Ich brauche am PC keine Apps. Auf ein Startmenü mit zwanzigtausend Animationen und viel zu großer Schriftart sowie dazu riesigen bunten Bildchen verzichte ich. OneNote möchte ich nicht benutzen. Den Windows Store mag ich auch nicht. Der Vorteil eines PCs ist für mich, dass ich mir überall Programme herunterladen und kaufen kann und eben nicht auf eine zentrale App-Plattform angewiesen bin. Doch dann kam Windows 10…

Nein, ich bin kein Freund des kostenlosen Updates, das mir meine Windows-7-Lizenz entwertet. Zum Glück kann Microsoft mir das quengelnde Windows 10 Tray-Icon nicht mehr unterjubeln, da ich mich vom Update „KB3035583“ fernhalte. Allerdings besitze ich seit Kurzem ein Ultrabook von Lenovo, das ich direkt mit Windows 10 erhalten habe. Tolles Gerät, das mich als Retro-User, der zuvor jahrelang genervt mit einem MSI VR630 mit einem AMD Sempron herumgeschippert ist, voll ins nächste Jahrzehnt gerissen hat. Doch was muss ich da sehen? Ein Startmenü, das laut Microsoft besser sei als das von Windows 8 / 8.1 und bei vielen Usern für Freude gesorgt hat.

Nicht bei mir – blankes Entsetzen und ein offener Mund waren die Folge: Wat is dat denn für ein Murks? Bunte Bildchen, die mir irgendwelche Apps unterjubeln wollen, die ich aus dem Windows Store ransaugen soll. Ne, danke, auf dem Smartphone darf das so aussehen, aber bitte nicht am PC. Live-Tiles nennt man das heute? Ich nenne das Klimbim. Und was muss ich da sehen? Viel zu wenige und mir chaotisch vorkommende Menüpunkte…Ne, was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Ultrabook aus, in die Ecke und wieder her mit meinem alten MSI…

Ne, oder? Das kanns ja irgendwie auch nicht sein. Seufzend habe ich also mit Windows 10 herumgespielt, mich an die positiven Berichte aus der Community erinnert. Und ja, das Ding läuft ja, wie es soll. Aber dieses Startmenü, dieses Startmenü…Mit der neumodisch aussehenden Taskleiste kann ich ja gerade noch so leben. Aber das Startmenü – ich mag es nicht mehr anklicken.

classic shell site

Was folgte war die Installation der Freeware Classic Shell. Schon die Website sieht aus wie aus den 1990er-Jahren – läuft! Das stimmt mich ein, da möchte ich gleich ein bißchen Grunge einwerfen und mir die Haare wieder schulterlang verfilzen lassen. Seit 2009 tüfteln Entwickler Ivaylo Beltchev und sein Team an Classic Shell und haben auch ältere Windows-Versionen auf retro umgemodelt. Und was dann passiert, ist wunderbar: Kleines Programm installiert und schon ist das ganze Blingbling und Funkel-Funkel weg aus dem Startmenü. Keine bombastischen App-Empfehlungen aus dem Windows Store mehr, stattdessen eine lange Liste von Menüs und Programmen. Dann sind da einzelne, sofort verfügbare Zugriffe auf Unterbereiche der System- und Programmverwaltung. So will ich das haben. Schön sieht das vielleicht nach modernen Maßstäben nicht aus. Aber das soll es auch nicht – pragmatisch und funktional muss das sein. Und wo sind die Live-Tiles? Weg, ins Nirvana geschickt, wo sie hingehören.

classic explorer

Aber Classic Shell kann noch mehr und hat für mich flugs noch die Ordneransichten angepasst. Hier kann man sich nach Herzenslust austoben und im Grunde jede Kleinigkeit so einrichten, wie man möchte. Damit bietet Classic Shell also nicht nur beim Startmenü, sondern auch für die Ansicht im Explorer mehr Möglichkeiten, als die meisten Anwender je nutzen dürften – finde ich klasse. Natürlich gibt es auch Alternativen, wie das just bei uns behandelte Better StartMenu. Ich persönlich kann aber nun dank Classic Shell meinen Frieden mit Windows 10 machen. Denn mein neues Startmenü sieht nun so aus:

startmenü classic shell

Was mich am Windows-10-Startmenü besonders gestört hat: Viel zu wenig Inhalt und stattdessen viel zu viele Bildchen und weit verzweigte Untermenüs, die wieder mit riesigen Schaltflächen protzen statt mit übersichtlichen Listen. Ja, ja ich weiß es schon: Man kann das Startmenü in Windows 10 auch von Haus aus anpassen. Allerdings ist das aus meiner Sicht dennoch wesentlich zeitraubender und fummeliger als einfach Classic Shell raufzubügeln. Für mich ist eher die Frage, warum Microsoft es mir hier so schwer macht. Aus meiner Sicht hatte man mit dem Startmenü von Windows 7 alles richtig gemacht. Einfach „neu“ heißt nicht gleich automatisch besser.

classic start

In Classic Shell kann man derart filigran alle Einstellungen anpassen, von den Tönen über jeden einzelnen Reiter, die Skins, Schriften, etc…. Also da findet wirklich jeder seinen eigenen, optimalen Weg, um Microsofts Voreinstellungen zu entkommen. Klar, das neue Startmenü ist kunterbunter, verspielter, visueller…Für die junge Generation, welche derartige Menüs nunmal von mobilen Endgeräten kennt, mag das sogar ansprechend sein. Das will ich trotz meiner ironischen Kommentare keinesfalls herabwerten. Ich selbst finde die Gestaltung aber schlichtweg ineffizient und einfach anstrengend. Vielleicht bin ich zu alt und zu retro / oldschool. Wobei ich an mobilen Endgeräten gerne ein bißchen Funkel-Funkel habe und das durchaus in Ordnung finde – aber mein Desktop-PC oder Notebook, mit dem ich auch arbeiten möchte, ist für mich eine andere Angelegenheit.

Hinzuzufügen ist: Sogar die Systemsteuerung und sogar der Internet Explorer lassen sich durch Classic Shell anpassen – ich selbst nutze den Internet Explorer nicht, sondern bin mal mit Chrome, mal mit Firefox unterwegs. Aber man bekommt hier wirklich ein gelungenes Rundum-Paket, das einem Windows 10 wesentlich schmackhafter machen kann.

Fazit: Oliver hat jüngst erst das Better StartMenu vorgestellt, Caschy selbst die Anpassung des offiziellen Menüs erklärt und ich habe nun ein klein wenig Einblick in meine Freude über ClassicShell gegeben. Wer also eine ähnliche Windows-Nutzungsgeschichte wie ich hinter sich hat und Windows 10 erstmal direkt für sich aussortieren musste: Es gibt Möglichkeiten mit dem OS durchaus glücklich zu werden.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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77 Kommentare

  1. Cool. Und wie sieht der Desktop jetzt in voller Schönheit aus? Das würde mich ja jetzt mal interessieren. 🙂 Wenn ich das richtig verstanden habe, bekomme ich so die Möglichkeit, Windows 10 komplett wie Windows 7 aussehen zu lassen? Das wäre für mich echt ein Grund, endlich mal umzusteigen auf meinem Arbeitsrechner…..

  2. Nichts gegen Classicshell, aber als Verwender einer Drittanbietersoftware bist du sicher kein Windows Purist. Oder sollte dir der Widerspruch nicht aufgefallen sein?

  3. André Westphal says:

    @ Sven Purist was die Optik betrifft ;-). Da sehe ich keinen Widerspruch. Ich will es möglichst funktional und minimalistisch haben. Das hat für mich mit Software an sich nichts zu tun – ich benutze auch Photoshop und nicht Paint ^^. Es geht mir darum, dass ich aber eine saubere und funktionale und nicht so verspielte Oberfläche haben möchte :-). Weiß aber was du meinst per se.

    @ Sven Also alles komplett wie bei 7 hast du am Ende auch nicht, aber man kann mit Classic Shell die Systemsteuerung, die Ansichten im Explorer und eben das Startmenü anpassen. Das ist schon ziemlich viel, finde ich. Nach meiner ersten Reaktion „Was ist denn das?“ hat es für mich erstmal gereicht schon allein Classic Shell in den Grundeinstellungen raufzupacken – das ist schon ein deutlicher Fortschritt. Wie Caschy selbst geschrieben hat, gibt einem Microsoft selbst ja auch noch viele Optionen. Aber so richtig zufrieden war ich damit auch nicht.

  4. André Westphal says:

    @ Sorry, der erste Bereich sollte an ulkfisch gehen.

  5. Thomas Baumann says:

    /sign

    mehr ist dazu nicht zu sagen.

    Wobei… Leider greift das Win8 Design und Getue über. Letztens hatte ich erst Debian (+Gnome) installiert. Das war tatsächlich noch schlimmer als Win8. Man sagt ja es wird immer von den Besten kopiert. *NEIN!*

  6. Klingt schon super. Ich nutze auf meinem mobilen Rechner ja Windows 10 und finde es okay. Auf meinem Arbeitsrechner läuft noch immer Windows 7, weil ich ihn für die tägliche Arbeit brauche und da etwas Angst habe, mich erst ne Weile umgewöhnen zu müssen. Da wäre Classic Shell sicher schon praktisch, die Umstellung zu beschleunigen. Hast du denn noch einen Screenshot parat, wie es bei dir aktuell aussieht? Würde mich wirklich interessieren. 🙂

  7. Seit Windows 7 nutze ich das Startmenü ausschließlich für das Blind-Starten von Programmen im Sinne von Windows Taste -> Anfangsbuchstaben -> Enter…
    Ich muss nicht mehr hinschauen – und das machte das Design des Startmenüs irgendwie irrelevant. Das einzige was störend war war das Fullscreen-Menü in Windows 8. Von nur Windows-Taste auf „Windows-Taste+S“ gewöhnt man sich halt nicht so schnell.
    Das ist bei Windows 10 ja jetzt wieder anders und ich kann immer noch während des Programme-Startens in Blogs weiterlesen ohne gestört zu werden…

  8. Für mich gab es bisher nichts, was mich mehr überzeugen konnte als das dreigeteilte Menü von GNOME 2, heute MATE. Auswahl aller Programme nach Kategorie, Orte nach eigener Auswahl und das System-Menü. Nichts kommt dagegen an.

  9. immer dieses startmenü-gebashe.. ich kann es langsam nicht mehr hören/lesen. wie unproduktiv muss man sein, wenn man sich den ganzen tag scheinbar nur im startmenü aufhält?

    ich starte 99% meiner programme, mit denen ich ARBEITE, mit windows-taste + die ersten 3 buchstaben des namens + enter. das menü bekomme ich dabei noch nicht mal zu gesicht.

  10. André Westphal says:

    Ich hab auf meinem Desktop auch weiter Windows 7 und am Ultrabook nun 10, weil es halt schon drauf war ^^. Da hatte ich also quasi keine Wahl und dachte auch „Na gut, irgendwann musst selbst du mit der Zeit gehen.“ Also das Startmenü sieht bei mir aktuell erstmal so aus wie im Screenshot hier, in dem auch mein Name steht. Vielleicht probiere ich auch nochmal das ganz alte Design aus oder änder noch ein paar Sachen manuell. In erster Linie wollte ich nur möglichst schnell vom verspielten 10er-Design weg. Denn das gefiel mir echt überhaupt nicht. Ist sicher aber auch Gewöhnung, mich haben halt die Kacheln, Bilder und Animationen abgeschreckt – ja, ich weiß aber wie gesagt, dass man die auch ohne Classic Shell deaktivieren kann.

    Den Explorer stellt Classic Shell in der Voreinstellung sehr ähnlich ein wie bei Windows 7. An deiner Stelle würde ich das Ding einfach runterladen und austesten, denn es gibt da so endlos viele Anpassungsoptionen (die man aber nicht nutzen muss, das ist wirklich enorm), dass da wirklich jeder schauen kann, wie er / sie es gerne hat. Wenn es dir nicht gefällt, schmeißt du es halt direkt wieder runter. Man kann auch während des Betriebs über einen Button im Startmenü jederzeit temporär zur Windows-10-Standard-Ansicht des Startmenüs zurückgehen z. B.

    Der Installer von Classic Shell ist keine 7 MByte groß, also das kann man schnell testen und zur Not löschen ohne Probleme :-).

  11. André Westphal says:

    @ roo Wenn du das so machst, ist das ja fein – aber es gibt halt auch andere User, die das Startmenü hin und wieder nutzen. Ich verbringe da auch verhältnismäßig wenig Zeit, aber wenn ich es benutze, will ich mich nicht jedes Mal drüber ärgern müssen ;-). Und gerade nachdem ich oft gelesen hatte, wie gut das Menü wieder in Windows 10 sein solle, war ich doch sehr erschrocken als jemand, der Windows 8 / 8.1 nur bei Bekannten sporadisch mal genutzt hatte und im Grunde von Windows 7 kam. Für mich sind das halt alles Verschlimmbesserungen, die Microsoft da gemacht hat. Geht eben alles in Richtung riesige Symbole, große Bilder, etc. Das mag an mobilen Endgeräten Sinn machen, aber für mich hat das am Desktop nix zu suchen.

    Das ist meine Meinung – die musst du keinesfalls teilen. Dann muss man aber nicht unbedingt gleich wieder anfangen „Jeder, der es anders als ich macht, ist eh doof.“ ^^

  12. @roo
    Genau das habe ich auch gedacht.
    Und vielleicht mal einen vernünftigen Dateimanager benutzen … ich habe seit Win95 nicht mehr ins Startmenü geschaut.

  13. ich stimme zu, was hat sich microsft bei diesen riesigen Bilder im Startmenü gedacht? Vielleicht mache ich im Urlaub nochmal einen Ausfug auf Windows 10, Spiele sollen ja schneller laufen und das ist der einzige wirkliche Vorteil im Vergleich zu Win 7

  14. Wie André bin ich auch schon seit Windows 95 dabei. Und nach reihenweise selbstgebauten PCs und einem mehrjährigen Umweg über einen Mac mini immer noch Windows-Nutzer. Schon wegen einiger Programme, die ich weder unter OS X noch unter Linux gehabt hätte. Für mich braucht es kein großes Klimbim in der Startleiste, meine wichtigen Programme habe ich per Verknüpfung alle auf dem Desktop. Es soll nur „einfach“ so aussehen wie immer (seit XP eben). Und obwohl ich auch Classic Shell einsetze bin ich noch nicht ganz zufrieden (jedenfalls unter Windows 10):
    Was hat Microsoft eigentlich geritten, das Farbschema erstens auf Dunkel umzustellen, was schon für mich blöd ist und zweitens auch noch dem User zu verbieten, das abzuändern?? Ich habe jedenfalls keine Möglichkeit gefunden, zurück zu einem hellen Layout zu kommen.

  15. Seit langem mal wieder ein Beitrag dieses Blogs, bei dem ich mir dachte: What?
    Ich kann deine Meinung verstehen, die du hier mitteilst – teilen tue ich sie aber nicht.

    „Ich hab mir gestern den BMW i3 gekauft .. der Elektro-Motor ist absolut geil, spart Strom, schont die Umwelt… aber die Innenausstattung .. und erst der Lack! Hab ich erstmal alles abgeschmirgelt, wieder ordentliches Plastik draufgeklebt und mir n Edelstahl-Endrohr unter die Heckstoßstange montiert. Komischer neumodischer Kram.“

    Wenn man sich nicht mit Neuem anfreunden kann, hat man in der heutigen IT-Welt meiner Meinung nach das falsche Berufsfeld gewählt.
    Ich habe nahezu alles mitgemacht, ab Windows 3.1. Vista und Windows 7 hatte ich jeweils ein Jahr auf meinen Rechnern. Zufrieden. Windows 10 ist im Vergleich aber das bisher am besten laufende System, das ich von den Microsoft Brüdern kenne. Sicherlich, es wurde nicht wirklich fertig auf den Markt geworfen – ist heute in der Software aber ein leidiger Trend.

    An Cortana habe ich mich ebenfalls schon gewöhnt – hier hoffe ich, dass man noch mehr rausholt. Bei meinem Windows Phone die Suchtaste gedrückt halten „Navigation nach Hause“ – fertig. Navi-App öffnet sich & geleitet mich Richtung Heim.
    Auf meinem Desktop nutze ich Cortana meistens dazu, nach dem Wetter zu fragen oder mir Termine anzulegen (ist erstaunlich, dass man während der Anlage des Termins oder dem Wetterbericht gemütlich weitersurfen/arbeiten kann.)

    Apps? War ein kluger Schachzug von Microsoft. Apple macht’s vor, Microsoft kopiert das Gute. (Gutes kopieren kann Apple mit dem iPad Pro ja neuerdings auch – sie versuchen es zumindest)
    Was ist an Apps zu verteufeln? Was ist der Unterschied zu Programmen? Sie laufen ab Windows 10 auf jedem Gerät einheitlich. Man muss sich nicht durch elende Setup’s quälen, die einem eh nur wieder die Web.de oder Ask.Com-Toolbar installieren.
    „Installieren“ geklickt – fertig. 2 Minuten später benutzbar.
    Apps werden mit Windows 10 beginnend langsam Business-tauglich.

    Dass man die Systemsteuerung so langsam von einer neuen Lösung ablöst (nebenbei ebenfalls eine App) finde ich auch gut – noch nicht zu 100% umgesetzt, allerdings ist das beim Server-Manager nicht anders – manches läuft nunmal noch in der MMC.

    Nichtsdestotrotz danke für deinen Beitrag, hat mich zum Nachdenken angeregt, wie man sieht 😀

  16. @André
    „Nein, ich bin kein Freund des kostenlosen Updates, das mir meine Windows-7-Lizenz entwertet.“

    Das tut das Upgrade nicht. Das wäre rechtlich auch garnicht machbar. Zwar hast du nach einem Upgrade in der Tat nur 30 Tage Zeit, es rückgängig zu machen und zu Windows 7, 8 oder 8.1 zurück zu kehren, aber das dient wohl eher der „Ordnung“. Neu installieren kannst und darfst du dein altes, gekauftes Betriebssystem jederzeit.

    Und Vista hat seinen schlechten Ruf übrigens auch nicht so wirklich verdient, das war nach dem ersten Servicepack ein tolles Betriebssystem, welches Windows 7 nahezu in nichts nach stand. Windows 8 halte ich hingegen genauso für ne Gurke wie du 😉

    Was das Startmenü selbst angeht, stimme ich dir weitestgehend zu. Allerdings stören mich die Live-Tiles an sich nicht, die „modern Apps“ und der Store auch nicht wirklich. Was mich stört ist die fehlende Anpassbarkeit. Unterordner anlegen? Geht nicht mehr „einfach so“, Einträge in Unterordner verschieben? Geht nicht mehr einfach so. Wichtige Ordner oder Verknüfungen anpinnen -und zwar in einer Liste mit Namen dahinter, statt als Tile – geht nicht. Und viele andere derartige Dinge. Außerdem ist das ganze Startmenü durch die Umstellung auf XAML einfach viel langsamer, weniger reaktionsfreudig geworden, weils eben nicht mehr nativer Code ist. Ich hätte gern die Option, mir das Startmenü wirklich aus alten und neuen Elementen so zusammen zu basteln, wie ich es gern hätte. Diese alten gestrichenen und neuen nützliche Elemente zu verbinden, bietet leider noch keines der mir bekannten Tools.

  17. @Dennis
    Wenn man sich nicht mit Neuem anfreunden kann, hat man in der heutigen IT-Welt meiner Meinung nach das falsche Berufsfeld gewählt.

    Da vertrittst du die Ansicht einer Minderheit. Windows 8 hat gezeigt, die Leute wollen Einfachheit und gewohnte Abläufe. Ich auch. 🙂

  18. @st: Mag sein 🙂 Zugegebenermaßen hatte ich auf meinem Desktop zur Win8/8.1 Zeit auch Classicshell am Laufen. Habe ich heute auch bei Kunden auf einigen RDS-Server am Laufen, damit die Leute überhaupt klar kommen.
    Ich find den Windows 10-Kompromiss hinsichtlich Startmenü gut 🙂

  19. Apps MIT Appstore gibt’s bei Linux schon seit… ewig. Ein Feature, was mich nach meinen ersten Zusammenstößen 2001 mit Linux nie wieder los ließ. Eine Stelle, an der man alle Programme findet, immer auf die selbe Art mit einem Klick installiert, und Programme, die ohne Registryvollmüllen wieder mit einem Klick deinstalliert werden können. Wie genial ist das?

    Man darf sich auch durchaus von der Idee trennen, dass Apps Spielereien und Programme echte große Programme sind. Diese Idee mit einfach einfach einfach ist nicht der App geschuldet, sondern der Tablet-Touch-Eingabe und den Nutzerwünschen (übrigens eine Idee, die sich bei Oberflächendesignern krampfhaft seit Jahrzehnten hält – Keep it simple stupid).

    Und keine Angst, in 3 Jahren werden wir alle Kacheln verwenden. Alle? Nein nicht alle. Ein kleines Dorf in Gallien verweigert sich weiterhin der Zivilisation.

  20. Habe auch unter 8.1 Classicshell genutzt, mit Win10 dachte ich, dass man MS nun eine Chance geben sollte und habe ersteinmal classicshell nicht installiert.
    Ganz ehrlich? Mir ist aufgefallen, das ich das Startmenü gerade mal für IE benutze, der es bei mir nicht auf die Desktopoberfläche oder die Schnellstartleiste schafft und auch nie schaffen wird :).
    Das wars. Achtet mal auf die Häufigkeit der Startmenünutzung. Da müssen 95% der Leute nicht auf Classicshell zurückgeifen.
    btw. Natürlich war das erste mit Windows10 alle klickiklacki-bunte-bildchen-verknüpfungen im Startmenü zu löschen.

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