Vertraute Kontakte: Ich habe mir Googles Lokalisierungs-App angeschaut

vertrauenswuerdige-kontakteIm ganzen Trubel um Googles Veröffentlichung von Android 7.1.1 vielleicht etwas untergegangen: die neue App „Vertrauenswürdige Kontakte“ von Google. Eine App, deren Gedanke nicht neu ist – die aber Akzeptanz erfahren dürfte, weil sie von Google ist (oder trotz der Tatsache?). Was die App macht, ist schnell erklärt: Sie erlaubt den Zugriff auf die Standortdaten eines Kontaktes. Das muss dieser logischerweise abnicken. Vergleiche mit Messengern werden hier hinken, denn es handelt sich nicht um eine klassische App, mit der man seinen Standort teilt, stattdessen ist die App eher als Notfall- und / oder Kontroll-App gedacht. Ich habe mit die App mal angeschaut.

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Eine neue App von Google. „Vertrauenswürdige Kontakte“. Eine App, um Menschen zu orten. Albtraum? Nein, das kann in bestimmten Situationen wirklich nützlich sein. Und ist noch nicht einmal neu. Es gibt Notfall-Apps für diverse Plattformen. Von Dritt-Anbietern. Apple selber bietet im System iOS auch Möglichkeiten des Ortens an. Über die Freunde-App können Kontakte geortet werden (der Notfall-Aspekt ist hier nicht gegeben), des Weiteren kann man Familienmitglieder über Find my iPhone orten, sofern diese es erlauben. Notfall-Rundruf? Klappt beispielsweise über die Apple Watch.

Nun also Google – und man mag es mir nachsehen: Ich sehe da meine Bewegungsdaten eher bei Google und Apple, bevor ich sie irgendwelchen Dritt-Apps in den Hals werfe. Nicht anders eingestellt, weiß Google eh, wo ich mich gerade aufhalte. Google nutzt in der App „Vertrauenswürdige Kontakte“ nicht einmal großartig neue Funktionen, eine Art der Ortsvisualisierung eines Menschen hat es schon in Latitude oder auch Google+ gegeben.

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Nachdem ich Googles App installiert habe, kann ich direkt loslegen. Ich muss einen vertrauenswürdigen Kontakt finden. Das ist gar nicht mal so einfach, ist die App doch relativ neu und unbekannt. Wollen mal hoffen, dass es sich nicht wie Google Allo oder Google Duo verhält…

Die Einladung: Ich kann Menschen einladen, die ich als vertrauenswürdigen Kontakt definiere. Initial brauchen diese die App nicht, die Einladung ist unverbindlich an jeden adressierbar. Lade ich einen Nutzer ein, so bekommt dieser eine Informationsmail. Er wird in dieser darüber in Kenntnis gesetzt, dass er Aktualisierungen per Mail erhält, wenn ich meinen Standort über die App teile.

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Ebenfalls kann der Nutzer um meinen Standort bitten. Antworte ich nicht, so bekommt der Nutzer meinen Standort zu sehen. Das dauert rund fünf Minuten. Warum bekommt er diesen Standort zu sehen? Weil vielleicht etwas passiert sein kann, ich die Anfrage also nicht ablehnen kann. Die Mail erklärt noch einmal, was ein vertrauenswürdiger Kontakt ist und was dieser machen kann.

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Wird der Nutzer, der einen Kontakt eingerichtet hat, aktiv, so gibt es E-Mails. Soweit verständlich. Das volle Potential entfaltet sich allerdings erst, wenn das Gegenüber auch die App hat. Dann kann diese auch Anfragen nach einem Standort stellen. Ohne App muss man seine eingehenden Mails im Auge behalten, wenn nämlich das Gegenüber den Standort teilt.

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Standortfreigabe an einen Kontakt erfolgt dann in der App. Hierfür klickt man auf einen Kontakt und wählt den Punkt „Standort freigeben“. Infolge dieser Freigabe erhält das Gegenüber eine Benachrichtigung per Mail oder in der App. In der Benachrichtigungsleiste erscheint eine Info mit dem Hinweis auf die aktive Standortfreigabe über die App.

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Interessant für Nicht-Nutzer der App, die aber ein vertrauenswürdiger Kontakt sind: Sie bekommen eine Infomail mit aktuellem Standort und können im Browser, ohne App die Standortbewegung live mitverfolgen. Der Link sollte nicht weitergegeben werden, aber er kann. Man kann sogar untereinander chatten – App zu App – oder eben App zu Browser und vice versa.

Aktives Anfragen ohne App. Gibt ein Nutzer mit App seine Daten frei, so muss das Gegenüber nicht zwingend die App haben, das ist aus dem Textverlauf bisher hoffentlich klar geworden. Er bekommt Mails mit Informationen zum Verlauf, er kann aber auch selber den Standort anfragen. Beispiel: Tochter hat die App auf dem Smartphone, Mutti aber nicht. Mutti kann nun diese Seite besuchen und die Kontakte um Standort bitten.

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Hier kommen nun zwei Faktoren zum Tragen. Stelle ich eine Anfrage, dann bekommt die Person mit der App eine Anfrage, über die sie den Standort teilen kann – oder eben nicht. Ist allerdings eine Inaktivität von fünf Minuten gegeben, so teilt die App den Standort automatisch. Es könnte ja was passiert sein. Heißt: Wer nicht prompt reagiert, gibt seinen Standort automatisch frei. Zu übersehen ist die Anfrage eigentlich kaum:

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Auf der anderen Seite kann die hier im Text als Beispiel genannte Tochter auch automatisch ihren Standort freigeben und vertrauenswürdige Kontakte informieren. Hierbei kann man einen Kontakt auswählen oder im Falle eines Notfalls direkt alle informieren. Oben rechts in der App findet der Nutzer das entsprechende Notfallsymbol. Auch hier gilt: Die Empfängermeldung kommt per Mail oder App. Die so erstellte Freigabe des Standortes ist 24 Stunden gültig – oder bis sie beendet wird.

Das erst einmal zu den grundsätzlichen Funktionalitäten. Nutzt man die App aber mit mehreren Personen, so haben diese bestimmt auch die App installiert. Hier gibt es dann ein paar Mehrinfos, die es im Web so direkt nicht gibt. Hat mir jemand seinen Standort freigegeben, so sehe ich beispielsweise, wann die letzte App-Aktivität geschah und wie es um den Akku des Smartphones bestellt ist. So sieht man, ob geladen wird oder ob er geladen werden sollte.

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Aufpassen: Manche Smartphones haben einen harten Energiesparmodus und schießen die App komplett ab. Das sieht das Gegenüber auch – wird mit einem „Offline“ vermerkt. Im Kontextmenü eines jeden Kontaktes lässt sich ferner festlegen, ob er meine Aktivitäten sehen darf – oder ob ich seine noch sehen möchte. Übrigens: Geht der Akku zur Neige, so wird das Gegenüber noch den letzten Standort sehen.

Alles in allem eine nachvollziehbare App in Sachen der Funktionen. Bisher aber nur für Android zu haben. Wobei Google schon verlauten lassen hat, dass eine iOS-App folgen wird. Dennoch darf man natürlich über Apps dieser Art streiten. Fangen wir bei Apple an: Hat man da in der Familie oder der Freunde-App den Standort freigegeben, dann ist und bleibt dieser frei. Beglaubigte Nutzer können immer schauen, wo ein Kontakt ist und dieser bekommt es nicht einmal mit.

Google ist da transparenter und setzt eine Benachrichtigung beim Nutzer ab. Das wird allzu neugierige Nutzer Überwindung kosten, vertrauten Nutzern hinterher zu schnüffeln. Übereifrige Eltern oder Partner könnten sich durch diese Funktion auch vollends zum Löffel machen, wenn sie schnüffeln. Es wird sicher Fälle geben, wo Apps dieser Art sinnvoll sein können. Wenn es abgesprochen ist und auf beiden Seiten zu 100% passt. „Ja, ich möchte, dass ihr im Notfall schauen könnt, wo ich bin.“. „Ja, ich möchte, dass ihr generell schauen könnt, wo ich mich aufhalte.“. Das setzt Vertrauen voraus. Wer aber generell so etwas einfordert – vielleicht sogar von seinem Partner – der sollte sich und sein Leben generell hinterfragen.

Letzten Endes bleibt wohl festzuhalten: Wenn es in diese Bereiche geht, muss man vertrauen. Und dennoch wird es natürlich auch Missbrauch geben.

Euer Senf zum Thema? Nützliche App?

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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14 Kommentare

  1. Meine Kinder sind noch jung und haben kein Smartphone. Ich könnte mir aber vorstellen, dass diese App früher oder später „angeschafft“ und zumindest eingerichtet wird. Wie die Nutzung dann aussieht, ist natürlich schwer davon abhängig, wie zuverlässig und kommunikativ die Leute sind. Das Kind, welches ständig zu spät kommt und sich nie vorher mal kurz meldet, wird sicher dann und wann angepingt werden, während in anderen Fällen die App sicher brach liegt.
    Vielleicht macht das auf Familienausflügen oder Reisen auch mal Sinn, dass man gegenseitig für ein paar Tage komplett seiner Gruppe gegenüber den Standort freigibt.

    Allerdings erinnere ich mich an einen Fall, wo ich auf Dienstreise war und die ständigen Nachfragen, wo ich denn sei/bleibe von vornherein abwürgen wollte, indem ich meinen Standort per Glimpse freigegeben habe. Das Resultat waren dann wütende Anrufe, dass ich nicht so rasen soll.

  2. In meinen Augen ist das Mißbrauchspotential höher als der Nutzen. Innerhalb von 5 Minuten antworten? Dazu muß man mitbekommen, daß eine Nachricht ankam. Das ist nicht immer der Fall oder man sieht nicht immer nach. Also geht man davon aus, daß kein Mußbrauch passiert, aber keine Antwort kommt. Was dann? Ruft man an? Das hätte man auch direkt, weil man den anderen zwingt zu schreiben, er/sie könnte dann auch einfach ans Telefon. Ruft man also die Polizei? Die handelt nicht, weil zu wenig Zeit verstrichen.
    Die App bringt nur etwas für Leute, die immer sofort antworten, Smartphone Junkies, Kontrollfreaks und nur dann wirklich etwas für die Sicherheit, wenn die Vertrauenspersonen in Reichweite sind um notfalls selber nachzusehen oder zumindest jemanden in der Nähe um selbiges zu bitten. Ein Nutzen dürfte im Promillebereich der Anwender liegen. Was nicht heißt, sie sei nutzlos! Jeder sollte aber genau abwägen.

    Was die Standortfreigabe für Google betrifft bzw. Google und Apple zu vertrauen. Nun, man kann sein System Abschotten, angefangen mit deaktivieren von GPS wenn man es nicht braucht (auch wenn man dann vertraut daß das Ding wirklich aus ist). Zudem könnten die Ortsangaben auch End-to-End verschlüsselt über die Server laufen.
    Ich hab eher den Eindruck, daß auf diese Weise die Ortsangabe an Google/Apple durch den Nutzer legitimiert werden soll und diese es dann für ortsspezifische Werbeeinblendungen in Zukunft nutzen werden.

  3. Ich/wir haben die App und nutzen sie seit Erscheinen. Uns fehlt sofort ein Zwei-Stufen-Recht. Gern teilt man für Verabredungen o.ä. den Standort auf dem Weg, aber man möchte danach niemals, dass diese “ automatische 5min Freigebe“ erfolgt.

    Also Fazit:
    gutes Teil, aber bitte mit Zwei Kontaktypen: Notfallrelevant & Standard und bei Standard muss man immer zustimmen

    Und ja, wir kennen auch Glympse

  4. Ich finde die Zeit sollte einstellbar sein, 5 Minuten sind viel zu kurz.

  5. Carsten Lorenz says:

    @SteSte: Innerhalb der Familie kann Trusted Contacts / Vertraute Kontakte genutzt werden. Um den Freunden zu zeigen, dass man unterwegs ist, kann die App Glympse genutzt werden –> https://play.google.com/store/apps/details?id=com.glympse.android.glympseexpress

    Da erfolgt es genau, wie Du es beschreibst. Man gibt seinen Standort für einen Zeitraum frei und nach Ablauf des Zeitraums war es das auch schon wieder mit der Standortfreigabe.

  6. Meine Frau und ich teilen uns unsere Standorte gegenseitig über Google+. Da gibt es ja schon lange die Funktion „Standorte“ (das hieß früher Google Latitude).

    Für gelegentliche und zeitlich beschränkte Nutzung mit Freunden nehmen wir Glympse.

    Die neue Google-App klingt aber auch gut. Mal ausprobieren.

  7. @Carsten Lorenz
    in o.g. Fall wurde eine App mehr oder weniger für handling und Darstellung herausgegeben, wo die Basis-Daten (bspw. google timeline) ja sowieso schon vorhanden sind.
    glympse ist ein externes Unternehmen, denen ich die Daten zusätzlich zur Verfügung stelle – warum soll ich das tun? vielmehr sollte google das Produkt weiter optimieren und die App könnte manch dieser Drittanbieter ersetzen

  8. Rupert Mohr says:

    Unter Google oder „vertrauen“ habe im Play nichts gefunden. Anmerkung: Bei Besprechungen bitte immer einen „findfähigen“ Namen der App angeben.

  9. Such unter ‚Trusted‘.

    Zum Thema: Mit einem psychisch kranken Menschen in der näheren Bekanntschaft macht so eine App schon Sinn.

    Und es soll ja auch ältere Menschen mit Demenz geben.

    Selbst ohne derartiges: meine Schwiegermutter hatte neulich einen Autounfall. War recht heftig, auch, wenn es gut ausgegangen ist. Sie ist von anderen Autofahrern gefunden und gerettet worden.

    Ein Feature der App würde übrigens nicht genannt: Es zeigt auch an, ob das Handy des Kontakts zuletzt bewegt/benutzt worden ist.

  10. Alle Jahre wieder baut Google Features aus Apps aus und Jahre/Monate später wieder ein.

    Dann freuen sich die Blogs und können wieder berichten.
    Latitude wurde schon genannt.

    In Google Maps wurden schon häufiger Features ausgebaut und später wieder eingebaut.
    Ebenso bei Youtube.

    Ich bin es ein wenig Leid.

    Ansonsten weiter so.

    Kritik an Google, nicht an euch.

  11. Abgesehen ob Smartphonjunky oder nicht, ist die App als Notfall App sehr gut und auch die 5 Min. Regelung. Wem das nicht zusagt, kann ja einfach über Google ansich seinen Standort freigeben und in den Voreinstellungen angeben, ob derjenige den exakten oder Umkreis Standort veröffentlicht. Wem das immernoch zu heikel ist, der deaktiviert am besten die Google Standort Dienste und gibt deinen Standort einfach z.B. manuel über WhatsApp frei.

  12. Die App ist eine Notfall-App!

    Ist mein Kind / meine Frauauf dem Heimweg und es passiert was, können sie einen Alarm ausgeben der mir den Standort freigibt und auch anzeigt dass ein Alarm vorliegt.

    Nach meiner Meinung ist die App nicht dazu gedacht dass Ehemann und Ehefrau sich generell ihren Standort freigeben, das geht über Google+ besser und das auch schon seit langem. Hier kann ich Personen auf Stadtebene und auf Straßenebene meinen Standort generell freigeben.

    Wie gesagt, in der App geht es ja darum dass ich aktiv meinen Standort übermittle, weil etwas passiert ist.

  13. Frank Hartmann says:

    Also das, was G+ schon immer konnte.

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