Hotspots: Verbraucherzentrale kritisiert Unitymedia

artikel_unitymediaDie Geschichte wiederholt sich. 2013 begann Kabel Deutschland – mittlerweile zu Vodafone gehörend – mit dem standardmäßigen Freischalten von Hotspots beim Kunden. Der Kunde, der seinen Hotspot für andere Kabel Deutschland-Kunden freigab, der bekam im Gegenzug Zugang bei anderen Nutzern. So sollte ein möglichst großes Netz an frei verfügbaren Internet-Zugängen für die eigenen Kunden geschaffen werden. Doch nicht nur Kabel Deutschland agiert so, auch Kunden von Unitymedia geben ihre Zugänge für andere Kunden frei. So kommunizierte der Anbieter bereits Mitte April 2016, dass man bis zu 1,5 Millionen WLAN-Zugangspunkte zur Verfügung stellen wolle – getragen vom Kunden.

Nutzer sollen sich keine Sorgen machen müssen, der Router ist so konfiguriert, dass er zwei WLAN-Signale ausstrahlt, die komplett voneinander getrennt sind: Das private WLAN für zuhause und das verschlüsselte WifiSpot-WLAN-Signal für das öffentlich zugängliche Netz. Beide Netze sind auch innerhalb des Routers voneinander getrennt. Nutzer, die sich über die öffentliche Kennung anmelden, erhalten keinen Zugriff auf das private WLAN-Netz eines anderen Nutzers. Für den WifiSpot stellt Unitymedia exklusiv zusätzliche Bandbreite zur Verfügung, die gebuchte Bandbreite wird nicht beeinträchtigt. Die Geschwindigkeit beträgt 10 Mbit/s im Down- und 1 Mbit/s im Upload.

Bereits im April hieß es, dass das Ganze optional ist, aber dennoch vom Kunden deaktiviert werden müsse (zu deaktivieren im Online-Kundencenter unter „Meine Produkte > Internet deaktivieren > Homespot sperren“. Dies kritisieren derzeit Kunden und Verbraucherschützer. Unitymedia selber informiert die Kunden aktuell per Post. Aus dem Brief geht hervor, dass der Hotspot automatisch aktiviert werde, der Kunde innerhalb von vier Wochen widersprechen kann.

Gegenüber der WAZ gaben Verbraucherschützer zwar an, grundsätzlich nichts gegen die Funktion zu haben, wohl aber über das „Wie“.

„Zudem birgt ein Zugang immer ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für die Daten der Verbraucher. Der Wifi-Zugang darf auch nicht zu Lasten der vereinbarten vertraglichen Leistungen wie der Bandbreite der DSL-Leitung gehen.“  Diese Aussagen entkräftete Unitymedia ja bereits mit dem Tragen der Störerhaftung und dem Mehr an Leitung.

„Eine Vertragsänderung benötigt die Zustimmung des Kunden, die hier stillschweigend entgegengenommen wird.“

Die Aussagen basieren auch auf den Geschäftsbedingungen, wie man weiterhin mitteilt. Schaut man sich die Pflichten des Kunden an, so findet man in Punkt 6.7 nämlich folgende Aussage: „Wenn der Kunde die ihm obliegenden Pflichten erheblich und anhaltend verletzt, ist der Anbieter berechtigt, den Zugang des Kunden zu WifiSpot umgehend zu sperren, insbesondere, wenn der Kunde die Nutzung seines Homespots nicht nur kurzfristig, z. B. zum Neustart des Routers, beeinträchtigt oder unterbricht.„.

Wer also im Urlaub oder generell seinen Router ausschaltet – warum auch immer – dessen Zugang zu anderen Hotspots könnte eingeschränkt werden. Inwiefern das Ganze in den Geschäftsbedingungen rechtlich vertretbar ist, weiss ich nicht zu beurteilen. Doch aus persönlicher Warte würde ich sagen, dass das sicherlich Einzelfälle sind, die den Router tatsächlich lange und dauerhaft vom Strom trennen. Und wer aus der Argumentation heraus bei aktiviertem Hotspot diesen aber selten oder gar nicht verfügbar macht, der muss dann halt eben mit Einschränkungen leben. Glaube aber nicht, dass das viele Nutzer betrifft, die so agieren. Letzten Endes ist es so: Ich bin eigentlich dafür, dass der umgekehrte Weg gegangen wird, der Kunde also aktiv scharfschalten muss. Doch dann muss man halt sagen, wären sicher nur wenige bereit, ihren Hotspot freizugeben.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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41 Kommentare

  1. Sebastian says:

    Gut das darauf hingewiesen wird. Allein schon eine Frechheit wenn man den nicht einfach mehr abschalten kann bzw. seinen eigenen Router nutzen kann. Leider das WLAN von dem Teil was man geliefert bekommt der letzte Müll. Selbst bei der FritzBox. Ich freue mich einfach wenn ich endlich ein reines Modem kriege und nicht mehr Router hinter Router schalten muss.

    Prinzipiell finde ich alles was opt-out ist relativ fragwürdig. Es gibt sicherlich genug Leute die gar nicht wissen was ihnen da untergejubelt wird.

  2. Na dann soll es halt so sein, wenn die meinen, mich von den Homespots sperren zu müssen. Aus Stromspargründen wird bei mir die Horizon Box über Nacht ausgeschaltet, d. h. dann ist auch kein Router verfügbar.
    Im Übrigen frage ich mich sowieso was das Ganze wirklich bringt, unterwegs mit 10 Mbit/s zu surfen, wenn ich bei O2 LTE mit 50 Mbit/s habe und 5 GB Datenflat.

  3. > Im Übrigen frage ich mich sowieso was das Ganze wirklich bringt, unterwegs mit 10 Mbit/s zu surfen, wenn ich bei O2 LTE mit 50 Mbit/s habe und 5 GB Datenflat.

    Weil Datenflats in Deutschland absurd teuer sind für das geringe Volumen und die Netzabdeckung auch nicht überall so toll das man vollen LTE Empfang hat?

    Die Bedingungen von Unitymedia sind halt scheiße (Zwangsgerät und man darf es nicht ausschalten). Ansonsten ist das jetzt nichts total unnützes als kostenlose Zusatzleistung.

  4. Sollen Sie die Funktion doch aktivieren. Mein Router steht eh im Keller. Da ist nix mit WLAN draussen 🙂

  5. Ich nutze bereits diesen Dienst in Oesterreich, hier Wi-Free genannt. Ich bekam mehrere Wochen vor der Aktivierung eine Information diesbezueglich, inklusive Anleitung zum Aktivieren bzw. Deaktivieren im Router. Ich habe Wi-Free aktiv, es verlangsamt meinen Anschluss tatsaechlich nicht. Es werden nur freie Reserven in der Bandbreite genutzt.

    Hier in Oesterreich kann man den Support nett anschreiben und bekommt statt diesem DS-Lite noch eine echte IPv4-Adresse und auch den Bridge-Modus auf dem TC7200 freigeschaltet, Letzteres geht definitiv auch beim dt. UPC (ex-KabelBW).

    Mir wird da gerade zu viel Laerm um nicht existierende Einschraenkungen gemacht. Nur ueber das Opt-out statt Opt-in kann man diskutieren, der tatsaechliche Service ist wirklich harmlos. Einzig die zusaetzliche Nutzung von 2.4G-Netzen kann das eigene Wlan stoeren, aber dann stellt man halt das Heimnetz auf 5G um.

    Man muss auch bedenken, dass Nutzer an Rueckseiten von Hausern (also z.B. dem Fluss oder dem Innenhof zugeneigt), und viele Nutzer auf dem Land de facto nie fremden Traffic auf ihrem Router erleben werden, dafuer aber Zugriff auf UPC-Hotspots bekommen. UPC tritt nicht mit dem Ziel an, euren Speed aufzufressen. Euer Hotspot wird ja tendenziell in Staedten haeufiger genutzt, wo UPC wiederum mehr Konkurrenz durch schnelle Glasfaster-Anschluesse etc. ausgesetzt ist. Die koennen sich ja auch nicht alles erlauben, wie so haeufig behauptet wird.

  6. @BeardMan

    Nicht jeder hat LTE… Es gibt immer noch Leute (zu denen ich zähle), die einen einfachen Vertrag mit kleinem Datenvolumen haben (bei mir 500 MB/Monat). Liegt bei mir einfach daran, dass der Vertrag von meinem Arbeitgeber bezahlt wird – der achtet ja gern auf Kostensenkung – und ich ohnehin die meiste Zeit in irgendeinem WLAN bin, es sich für mich also auch nicht wirklich lohnt dicke Bandbreite oder hohes Volumen zu haben. Für mich reicht das Datenvolumen in der Regel. Ich bin auf Arbeit permanent im WLAN und zuhause auch. Und für unterwegs reicht das aus, was mein Vertrag her gibt.

    Ich war am Anfang skeptisch, was diese Hotspots angeht. Da wusste ich aber auch noch nicht, dass die nicht zu Lasten meiner Bandbreite gehen (da wäre ich definitiv Sturm gelaufen. Ich zahle schließlich jeden Monat 60€, warum soll ich bitte für andere mit bezahlen?). Dass UM den Weg des Deaktivierens statt des Aktivierens durch den User geht, ist auch verständlich (hat caschy ja im letzten Satz auch geschrieben). Würde UM seine Kunden auffordern, den Hotspot selber zu aktivieren, würde das kaum jemand machen.

    Ich finds also völlig ok – auch, dass UM den Leuten den Zugang zu den Hotspots verwehren will, wenn die bei sich den Hotspot deaktivieren. „Nehmen und Geben“ heißt die Devise – wer nicht bereit ist, den Hotspot bei sich zu aktiveren, hat auch nicht das Recht zu verlangen, selber überall WLAN zu haben.

  7. Ob das wirklich so sicher ist, wie UM das der Kundschaft glauben machen will? Schließlich ist es ein Gerät auf dem die Netze parallel laufen und wie die Erfahrung lehrt, hat Software/Firmware immer ihre Macken und Lücken. Mal ganz abgesehen von dem Thema „Störerhaftung“. Da tut sich zwar einiges, aber noch ist nichts entschieden. UM kann ja viel versprechen, wenn man dann aber einen „Abmahnanwalt“ an der Backe hat, wird es düster.

  8. Höre von Kabelnutzern, dass die verfügbare Bandbreite zu bestimmten Zeiten zusammenklappt.

    Dann dürfte doch auch die zusätzliche Bandbreite für die externen User nichts bringen?
    Die externen User würden dann dem Hotspotinhaber effektiv Bandbreite wegnehmen

  9. @asdfg
    Wie du siehst, schreibe ich ja was mir das bringen soll. Ich habe das nicht verallgemeinert.
    Mein Netzempfang in der Stadt ist immer gut. Und nur weil Unitymedia das jetzt kostenlos anbietet, werde ich meinen Mobilfunkvertrag mit 5 GB Datenvolumen bestimmt nicht ändern oder kündigen.

    Unitymedia preist das Ganze jetzt grossartig an mit bis zu 150 Mbit unterwegs surfen zu können. In den Fussnoten steht dann aber, dass es nur 10 Mbit/s bei den privaten WifiSpots sind und nur bei den öffentlichen WifiSpots (Cafe, Restaurant etc.) bis zu 150 Mbit/s. Die Geschwindigkeit ist dabei auch noch abhängig von deinem Vertrag. Wer einen Vertrag unter 100 Mbit/s hat, bekommt auch nur 50 Mbit/s bei den öffentlichen WifiSpots zur Verfügung gestellt. Steht halt alles nur im Kleingedruckten.

    Natürlich sehe ich das Ganze als gute Sache für Leute mit geringem Datenvolumen, aber für mich wird es wohl eher weniger in Frage kommen.

  10. Problem bei den Schundgeräten von UM: Leistung. Die Dinger brechen komplett ein wenn man mehr als die üblichen Geräte angeschlossen hat. Bei uns so an Weihnachten, als plötzlich mehr Leute da waren und es dann 5 Handys, 4 Tablets, 4 Laptops, 2 eBook Reader und 2 WiFi Empfänger (Firestick, Audio Stick) waren…. Alle paar Minuten war die Bandbreite auf 1,5 kB/s eingebrochen bei 50 MBit/s… Kurzerhand alten WLAN Router angeschlossen und alles easy…
    Sprich wohnt man zentral, bekommt der Router Schluckauf wenn sich da mal mehrere einloggen.

  11. Genau das gleiche gibt es doch auch bei der Telekom.
    Nennt sich dort WLAN TO GO.
    http://www.telekom.de/privatkunden/zuhause/zubuchoptionen/internet-optionen/hotspot/wlan-to-go

  12. @Rainer
    Es wird extra Bandbreite zur Verfügung gestellt, die nicht über das eigene WLan-Netz läuft, somit muss man auch keine Einschränkungen befürchten.

    Wie sich das Ganze dann aber in der Realität gestaltet, muss man sehen. Vor allem weil bis zu 10 User einen privaten WifiSpot nutzen können, die sich dann die 10 Mbit/s teilen müssen.

  13. Dirk Rafelt says:

    Interessant zu wissen wäre auch, ob das auf ALLEN Endgeräten durch UM ohne weiteres möglich ist, ich frage mich nämlich wie man die Fritzboxen dazu umkonfigurieren will, wird dann der Gastzugang von UM zwangskonfiguriert, oder eine „versteckte“ zweite Firmware gestartet?

  14. @Dirk
    Das geht nur mit UM-eigenen Routern über die auch die Internetverbindung hergestellt wird, funktioniert nicht mit privatgekauften Routern, die du selbst konfiguriert hast.

  15. Das klingt so als ob man schon die Routergeschichte der Unitymedia nutzen muss …
    Wurde der Routerzwang nicht mal abgeschafft … ?

  16. Meine Horizon-Box (nur als TV-Receiver/Recorder genutzt) wird jeden Abend automatisch stromlos geschaltet, sobald sie heruntergefahren ist. Einzig das externe UM-Kabelmodem + eigene Fritzbox als Router bleiben noch online. Der HotSpot könnte einzig auf der Horizon-Box konfiguriert werden, das das ext. Modem kein WLAN besitzt und an meiner Fritzbox hat UM keinen Zugriff. Da ich aber nicht diesen Stromfresser Horizon Box ständig angeschaltet lassen möchte, habe ich die Option im Kundenportal deaktiviert und damit widersprochen. Thema durch.

  17. @George:
    „Einzig die zusaetzliche Nutzung von 2.4G-Netzen kann das eigene Wlan stoeren, aber dann stellt man halt das Heimnetz auf 5G um.“

    Das ist nicht so einfach, wie du dir das vorstellst. Viele Geräte unterstützen ja 5G gar nicht, vor allem Spielekonsolen.

  18. Hab mal aus Spaß eine Anfrage an UM geschickt, ob sie die Routerkonfiguration auf Sicherheitsaspekte von externen haben testen lassen. Bis jetzt nur den Hinweis auf die Marketing FAQs bekommen.

  19. Im Grunde eine schlaue Idee, sonst würde jeder 2. das Ding abstellen und den Dienst dennoch nutzen. Dann war’s das mit flächendeckend.

    Aus eigener Erfahrung muss ich aber sagen, dass der Horizon HD Recorder, selbst im Standby (Hoch), ein absoluter Stromschlucker ist. In der Nacht + wenn keiner zuhause ist, ist das Ding komplett aus.

  20. Wenn man noch ewig in der WLAN-Diaspora leben möchte und zum freien WLAN-Surfen nach Island oder Dänemark fahren will, sollte man sich natürlich empören.

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