„Roblox“ erntet Kritik für seinen Umgang mit minderjährigen Entwicklern

„Roblox“ ist eines der Spiele, das in der Corona-Pandemie enormen Aufwind erlebt hat. Falls euch der Titel gar kein Begriff sein sollte: Im Wesentlichen handelt es sich um ein Online-Spiel mit einem besonderen Twist: Jeder Spieler kann quasi eigene Spiele und Welten auf Basis der „Roblox“-Plattform bzw. der Programmiersprache Lua entwickeln. Insbesondere Kinder sind vielfach von „Roblox“ begeistert. Genau das sorgt aktuell aber für Kritik.

„Warum?“, denkt man da zunächst: Kinder haben ihren Spaß und lernen gleichzeitig etwas über das Programmieren – tolle Sache. Schaut man genauer hin, sieht es schon schwieriger aus „Roblox“ erwirtschaftete im letzten Quartal 454 Mio. US-Dollar an Einnahmen. Der Wert der Roblox Corporation steht aktuell bei 45 Mrd. US-Dollar – höher als ein Gigant wie Electronic Arts. Und „Roblox“ generiert diesen Wert massiv mit den Beiträgen der Community. Viele der Entwickler, die Content für „Roblox“ erstellen, sind aber noch minderjährig.

Täglich sollen ca. 43 Mio. Anwender „Roblox“ spielen – die meisten davon dürften Kinder sein. Einige der Community-Schöpfungen generieren über Mikrotransaktionen im Jahr Millioneneinnahmen. Laut einer kritischen YouTube-Reportage und einem Bericht von Wired würden Kinder da jedoch möglicherweise abgezockt. So behalte die Roblox Corporation 75 % der Einnahmen aus Community-Beiträgen für sich. Nur 25 % gehen also an die Entwickler. Üblich sind in der Spieleindustrie 70 % für die Entwickler und 30 % für Plattformbetreiber wie etwa Valve hinter Steam – und bereits dieser Verteilungsschlüssel wurde kritisiert.

Bei „Roblox“ erhalten die Entwickler noch Boni, wenn die Spieler besonders hohes „Engagement“ zeigen. Dennoch zeigt sich hier, dass die Verteilung der Einnahmen wohl nicht unbedingt fair ist. Das widerspricht dem Image, das die Roblox Corporation selbst aufzubauen sucht. Da stellt man sich als Sprungbrett für Entwickler dar, mit der Chance, möglicherweise Millionen zu verdienen. Dass das Gros der hart erarbeiteten Kreationen aber vollkommen in der Masse untergehen wird, erwähnt man lieber nicht so groß.

Man rechtfertigt die Verteilung der Einnahmen mit der Bereitstellung der Entwickler-Tools und der Infrastruktur. Dennoch hinterlässt es sicherlich bei vielen einen faden Beigeschmack, dass viele Kinder indirekt für die Roblox Corporation schuften – immer mit der kindlichen Hoffnung plötzlich zum Star zu werden. Zumal selbst für semi-erfolgreiche Entwickler nicht alles so einfach ist: Wird über Mikrotransaktionen In-Game-Währung gescheffelt, dann müssen als Minimum 100.000 Robux zusammenkommen. Spieler, die 100.000 Robux kauften, haben dabei 1.000 US-Dollar ausgegeben. Jene erwirtschaftete In-Game-Währung können Entwickler nun quasi zurück an die Roblox Corporation schieben. Sie erhalten dann aber für 100.000 Robux nur 350 US-Dollar.

Das Abheben dieses Geldes ist auch nur möglich, wenn monatlich 5 US-Dollar für Roblox Premium gezahlt werden. Die ganze Taktik legt nahe: Die Roblox Corporation sieht es wohl lieber, wenn die erwirtschafteten Robux nicht in Echtgeld umgewandelt und ausbezahlt werden, sondern erfolgreiche Entwickler die In-Game-Währung selbst wieder im Spiel ausgeben. Gegenüber Wired wollte sich die Roblox Corporation nicht auf diese Argumentation einlassen und verwies auf die Unterstützung für Entwickler, das offizielle Mindestalter von 13 Jahren für Nutzer und viele erfolgreiche Entwickler, die durch Roblox wohlhabend geworden seien.

Tja, da muss man selbst entscheiden, wie man diese ganze Angelegenheit bewertet – was sagt ihr denn?

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