Logi Circle View: Potente HomeKit-Kamera mit Entwicklungspotenzial im Test

Logitech bietet schon seit längerem auch Kameralösungen für das Smart Home an. Die Logi Circle gibt es in der zweiten Generation, wenn man diese gescheit nutzen wollte, benötigte man jedoch ein Abo, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Vorteil der Circle 2 ist jedoch die Flexibilität durch die verschiedenen Mounts und die HomeKit-Unterstützung der kabelgebundenen Variante. Mit der Circle-View hat Logi nun erneut eine Kamera gebaut, bei der man sich auf den ersten Blick die Frage stellt: Warum? Warum braucht man die Circle View, wenn es doch die Circle 2 gibt, die fast dasselbe Feature-Set hat. Ich wollte dem Ganzen auf die Spur kommen.

Die größte Neuerung liegt im Bereich des Designs. Die View ist nicht mehr weiß, sondern hat sich nun getreu dem Motto „Black is beautiful“ der dunklen Seite zugewandt. Eine große Runde Stellfläche bestehend aus mattiertem Metall bildet die Basis für die Kamera. Der Fuß, mit dem die Kamera schon einen um ein Vielfaches besseren Stand hat, geht nahtlos in ein Metall-Scharnier über, an dem die Kamera angebracht ist. An diesem könnt ihr den Kopf entsprechend eurer Wünsche einstellen.

Dabei ist das Scharnier in der Tat in jeder Einstellung stabil genug, sodass der Kopf nicht einfach nach unten fällt. Diese Flexibilität konnte man dem Fuß der Circle 2 nicht zuschreiben, die fiel dann oft um. Wer die Kamera nicht in den heimischen Gefilden aufstellen will, kann sie über das mitgelieferte Befestigungsmaterial auch an einer Wand anbringen.

Die Kamera selbst sitzt in der von der Circle 2 bekannten schwarzen, glänzenden Front, die eine Status-LED ziert, die nun länglich und leicht geschwungen auf der Stirn prangt und auf Wunsch den Status der Kamera verrät. Wer die LED aufgrund der Diskretion ausschalten möchte, kann das über die Einstellungen erledigen. Bei Nest gibt es diese Einstellung nicht mehr, da leuchtet die LED bei eingeschalteter Kamera, ob ihr wollt oder nicht. Ein Mikrofon ist auf der Front ebenfalls angebracht.

Auf der Rückseite des Kopfes findet ihr das austretende Kabel und einen Knopf, der zum Reset der Kamera genutzt werden kann. Weiterhin könnt ihr die Kamera darüber manuell abschalten. Das Kabel selbst kann nicht entfernt werden und wird über USB mit Strom versorgt. Höchstwahrscheinlich würde ein wechselbares Kabel die IP64-Zertifizierung nicht mehr garantieren, ein bisschen Regen macht dem Gerät also nichts. Alles in allem, hat Logi mit der Circle View eine wirklich gute und stabile Kamera zusammengezimmert, die ihren Vorgänger im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen lässt.

Kommen wir zur verbauten Technik. Die Logi Circle View ist auch eine 1080p-Kamera. Full-HD also, kein 4K und damit auf den ersten Blick nicht der letzte Schrei? Meiner Meinung nach muss es nicht unbedingt 4K-Auflösung sein, mir ist ein gutes Bild auch bei herausfordernden Lichtverhältnissen, eine gute Nachtsicht und ein weites Aufnahmefeld um einiges lieber. Damit will die View den Nutzer am Ende auch überzeugen.

180 Grad beträgt der Aufnahmewinkel der Kamera, damit hat man zwar auch die übliche Verzerrung bzw. den Fischaugen-Effekt im Bild, aber eben auch alle wichtigen Bereiche der zu überwachenden Fläche drauf. Für gescheite Nachtsicht sorgen zwei Infrarot-LED, die Objekte in einer Entfernung von bis zu 4,5 Metern ordentlich ausleuchten können. Wie auch beim Vorgänger sind sowohl ein Mikro zur Aufnahme der Geräusche als auch ein Lautsprecher mit an Bord, damit kann das gute Stück auch als Gegensprechanlage genutzt werden.

Tja, und wie richtet man das Ding nun ein? Hier kommt der Knackpunkt und neben dem Design der große Unterschied zur Circle 2. Die View ist nämlich eine reine HomeKit-Kamera und kann damit komplett ohne eigene App genutzt werden. Ist damit aber auch nichts für die Android-Nutzer, es sei denn ein Apple TV, HomePod oder iPad ist im Haus, über das die Kamera genutzt werden kann.

Mit HomeKit ist zur Einrichtung dann auch schon alles gesagt, denn hier gibt es keine Unterschiede zu allen anderen HomeKit-Gadgets. Home-App öffnen, Code scannen oder manuell eingeben, kurz warten, Zimmer festlegen, done.

Ab diesem Zeitpunkt ist die Kamera in der Home-App zu finden und kann für HomeKit Secure Video konfiguriert werden. Kurzer Reinholer für alle diejenigen, die nicht wissen, was das ist. Secure Video ist eine Videoaufnahme-Lösung, bei der das Material direkt in eurem iCloud-Account verschlüsselt gespeichert wird. Dazu benötigt ihr einen Speicherplan von iCloud mit mindestens 200 GB für eine Kamera oder den 2-TB-Plan für bis zu fünf Kameras, der mit 9,99 Euro pro Monat euer Konto belastet. 10 Tage bleibt das Videomaterial in dem Speicher und wird dann gelöscht. Die aufgezeichneten Daten werden übrigens nicht gegen euer Speicherkontingent gerechnet, falls ihr euch das gefragt habt.

Neben der Kamera bekommt ihr in HomeKit noch Zugriff auf den verbauten Bewegungs- und Lichtsensor und könnt mit diesen Daten Automationen triggern. Das Gerät ist also nicht nur als Kamera gut. Weiterhin habt ihr die Möglichkeit, euch bei bestimmten Ereignissen wie dem Erkennen einer Bewegung benachrichtigen zu lassen. Außerdem stehen Optionen zur Aufnahme bei An- oder Abwesenheit zur Verfügung. So könnt ihr den Modus „Streamen“ zulassen oder ganz abschalten, wenn ihr zu Hause seid, und die Aufnahme und das Streamen aktivieren, wenn ihr irgendwo unterwegs seid. Die Kamera kann übrigens auch zwischen Personen, Tieren und Fahrzeugen unterscheiden. Damit könnt ihr steuern, was genau für euch kritische Bewegungen sind. Mit iOS 14 kommen noch die Gesichtserkennung und die Aktivitätszonen dazu, was das Paket dann meiner Meinung nach gut abrundet.

Zu guter Letzt bleiben euch in den Einstellungen noch Toggles für das Statuslicht der Kamera und den Nachtsicht-Modus übrig. Ihr habt also volle Kontrolle über das, was die Kamera für euch tun soll.

Auch sonst macht die Kamera einen echt guten Job, ist über die Home-App schnell erreichbar, das Bild ist zügig ohne großes Nachladen da, die Gegensprechanlage funktioniert super und bisher konnte ich noch keine Probleme ausmachen. Sicher könnte man hier nun wieder die Auflösung bemängeln, denn wer stark heranzoomt wird wohl oder übel zügig auf ein gepixeltes Bild stoßen. Da Gesichter aber klar und deutlich erkennbar sind, ist eher dies für mich das ausschlaggebende Kriterium.

Übrigens ist das Bild auch bei starkem Gegenlicht sehr gut und man blick nicht in einen grell-weißen Bildschirm. Auch der Nachtmodus ist meiner Meinung nach wirklich gut und das Bild war doch heller, als ich ursprünglich erwartet hatte.

Alles in allem hat Logitech eine wirklich gute HomeKit-Kamera gebaut, die eben leider nur mit iOS funktioniert, dafür aber kein separates Konto benötigt und man sich keine Sorgen um die Datenhaltung bei einem Dritten machen braucht. Wer generell gegen Cloud ist, wird sowieso zur IP-Cam greifen und die Synology oder einen anderen Server bemühen, doch das ist ein anderes Thema. Dafür, dass es sich “nur” um eine HomeKit-Kamera handelt, ist das gute Stück aber Apple-like auch nicht ganz preiswert.

180 Euro fallen an, für die man jedoch eine wirklich gute Kamera bekommt. Wer mehr Flexibilität möchte und bei Logitech bleiben will, ist mit der Circle 2 jedoch besser dran, denn dafür gibt es auch mehr unterschiedliche Befestigungsmöglichkeiten. Ihr volles Potenzial wird die Kamera auch erst mit den neuen Einstellungen von iOS 14 entfalten können.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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9 Kommentare

  1. Peinlich, dass die Kamera bei Logitech noch immer nicht bestellbar ist. Einen Monat nach Ankündigung der sofortigen Verfügbarkeit.

  2. Greift man jetzt zur Logitech Circle View? Zur Eve Cam? Oder doch zur günstigen eufy Security Indoor Cam 2K?

    • Ich bin mit der Eve recht zufrieden. Sehr störend nur, dass bei aktiver Infrarotbeleuchtung zwei rote leuchtende Punkte deutlich sichtbar sind und sich die ansonsten eigentlich unauffällige Kamera dadurch sofort selbst verrät.

      • Also der Klassiker, die beiden kleinen Lämpchen abkleben. 😉
        Was mich wundert, ist das die Eve Cam kein USB-C Anschluss hat. Wollte doch endlich weg von alten USB-Schnittstellen. Aber das ist wohl ein Luxusproblem.

  3. Würde sagen Eufy cam 2K!
    Es gibt für mich kein Argument pro Logi Circle, dass 140€ mehr Wert ist.

    • Datenschutz und funktionierende HomeKit Unterstützung wären mir 140 Euro wert.
      Und vielleicht gibt es die Kamera ja auch demnächst mal im Angebot.

  4. Könntet ihr mal bei Logitech nachfragen wann die Cam wirklich verfügbar sein wird? Warte seit etlichen Wochen und der Shop zeigt nur „demnächst verfügbar“..

  5. Habe die Eufy und sie ist leider der letzte Dr***, Homekit ist lediglich „angekündigt“, aber nicht verfügbar. warte auch auf die logitech, die nirgendwo verfügbar ist..

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