Ever-App für Foto-Backups genutzt? Danke für eine verbesserte Gesichtserkennung!


Daten sind die Währung der digitalen Welt. Gerade für das Ausspielen zielgerichteter Werbung ist so etwas wertvoll. Facebook zeigt aktuell sehr schön, wie man nicht mit Daten umgehen sollte, letztendlich sind es aber alles Daten, die von Nutzern bereitgestellt wurden – wenngleich man davon nicht immer etwas mitbekommt, zum Beispiel wenn andere ihre Telefonbücher auf die Server von Diensten zum Abgleich hochladen.

Aber auch andere Daten lassen sich wunderbar nutzen, wie nun am Beispiel der Ever-App offenbart wurde. Der Dienst bot relativ früh kostenlosen Fotospeicher an, im Google Play Store wird die App mit 1.000.000+ Downloads angezeigt (die iOS-Version hat zahlreiche Bewertungen, da dürften die Downloads auch nicht so gering sein). Was die Nutzer aber bis April dieses Jahres nicht wussten: Hochgeladene Bilder werden von Ever verwendet. Nicht für irgendetwas, sondern um eine Gesichtserkennung zu trainieren.

Dabei handelt es sich um eine kommerzielle Technologie, die von Ever eben auch an andere verkauft wird. Auf Nachfrage von CNBNews wurden nun im April die Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert, die das dann auch einmal erwähnen. Also selbst, wenn man sich die Mühe gemacht hat, die AGB zu lesen, wusste ein Nutzer vorher nichts von der Verwendung der Bilder für diese Zwecke.

Der CEO von Ever beschwichtigt allerdings. Es werden nach seiner Aussage weder Daten an Kunden verkauft, die den Nutzer identifizieren könnten und auch die Bilder selbst natürlich nicht. Man verkauft also quasi nur das Ergebnis, das man durch die Nutzung der Bilder erreicht hat. Ob es das allerdings besser macht? Meiner Meinung nach nicht, genau solche Dinge sind es, die das Vertrauen bezüglich solcher Dienste immer wieder stark in Mitleidenschaft ziehen.

Allerdings ist Ever auch nicht der einzige Anbieter, der so etwas macht. Google und Facebook nutzen logischerweise ebenfalls die Bilder, um ihre Gesichtserkennung (und auch die Erkennung anderer Bildbestandteile) zu trainieren. Irgendwo müssen die Daten ja herkommen. Als Nutzer muss man da entweder darauf vertrauen, dass die Daten tatsächlich gut behütet werden – oder eben auf diese Dienste verzichten.

Habt Ihr Ever genutzt und was haltet Ihr von so einer heimlichen Vorgehensweise?

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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6 Kommentare

  1. Es ist schon ein riesen Unterschied, ob die die Daten nutzen, um ML-Modelle zu trainieren, und dann diese Algorithmen/Modelle/Engines verkaufen, oder ob sie diese Test-Daten mit weggeben. Beides ist nicht optimal, erst recht nicht, wenn es nicht klar kommunziert wird. Aber zweiteres halte ich für ein absolutes Unding, während ersteres … naja, mit sowas muss man rechnen, man zahlt halt mit seinen Daten.

    • Stimmt..das Training von Modellen/Gewichten(auch mit Nutzer-daten)ist noch kein Grund zur Aufregung.
      Weil es sich dabei ja nur um das mathematische ermitteln
      der kleinsten universellen Fehlerquote handelt.
      Es hätte aber trotzdem klar kommuniziert werden müssen.

  2. Alle Welt will mit der neuen AI so tolle Bilder machen mit dem Samrphoone.. Wie soll denn der Computer lernen? Also brauch man ja Bilder…

    Gut man hätte dies natürlich offen dalegen sollen, da mit der Nutzer bescheid weiß . Und da ich mal davon aus gehe, das der CEO nicht lügt ist es ja nicht scho schlimm wenn meine Bilder genutzt werden um ein Computer helfen zu lernen..

  3. Facebook und Google sagen einfach:
    Hey guck mal, hier kannst du deine Freunde auf deinen Fotos markieren. Und je öfter du deine Freunde markierst, desto eher erkennt unser System sie von selbst, so dass du sie zukünftig nur noch aus einer Liste auswählen musst, wenn du sie markieren möchtest.

    Tja, da hat man bei Ever nicht weit genug gedacht. Jetzt kennt man zumindest deren Geschäftsmodell. An sich auch nicht dumm, muss ich ja mal zugeben. Und den Speicher dafür kann man über ein entsprechendes Amazon S3 Paket kaufen.

  4. Egal wie „schlimm“ man es bewertet, es gehört kommuniziert.
    Gibt es denn Alternativen zum bequemen Synchronisieren und teilen?

  5. Einerseits gehört das eigentliche Geschäftsmodell klar kommuniziert. Andererseits sag ich immer, dass nichts auf der Welt wirklich kostenlos ist. Daher sollte jedem Nutzer klar sein, dass „Der Dienst bot relativ früh kostenlosen Fotospeicher an“ bedeutet, dass der Fotospeicher zwar kostenlos sein mag, die anbietende Firma das Geld dann aber auf andere Weise verdienen muss.

    Oder anders gesagt: „So, how do you sustain a business model in which users don’t pay for your service?“ Zuckerberg: “Senator, we run ads.“

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