Apple Watch Ultra ausprobiert: Apple begibt sich in neues Terrain

Am 7. September hat Apple, wie immer im Herbst, die neuen iPhone 14 und 14 Pro präsentiert und auch eine neue Apple Watch Series 8 und eine runderneuerte Variante der Watch SE gab es zu sehen. Doch der eigentliche Star des Abends war wohl die Apple Watch Ultra. Wie Caschy so passend in einem Artikel schrieb: Die Apple Watch Series 8 ist für diejenigen, die nicht sterben wollen und die Apple Watch Ultra für die, die es wollen. Das konnte man zumindest nach der Präsentation denken. Ich habe mir eine zugelegt und möchte gerne ein paar Zeilen dazu schreiben.

Die Apple Watch Ultra ist im Gegensatz zur kleineren Schwester auffälliger unterwegs und kommt mit einem klobigeren „Rugged“-Design daher. Sie möchte Härte und Durchhaltevermögen ausstrahlen. Nutzer sollen all diejenigen sein, die einen Großteil ihres Lebens dem Sport, dem Wandern, dem Campen, dem Klettern, dem Bergsteigen, Tauchen und diversen anderen Extremen widmen.

Sicher möchte man auch die Berufe angehen, wie Bauarbeiter und Co., die nicht so zimperlich durch den Arbeitsalltag marschieren. Im Großen und Ganzen orientiert man sich an den ebenfalls mächtigeren Sport-Uhren, die von Garmin, Coros, Polar und Co. kommen.

Die Ultra hat ein leicht verändertes Case, das speziell auf diese Umwelteinflüsse ausgerichtet ist. Links sitzt nun ein Action-Button, den man programmieren kann, ein Lautsprecher, der noch deutlicher bei starkem Wind oder Nebengeräuschen zu hören sein soll und eines der neuen Mikrofone.

Rechts sitzen der Seitenknopf und die Krone, die jetzt größer und noch gröber ist. Beides sitzt in einer Verdickung des Rahmens und besitzt einen guten Druckpunkt. Man hat die Steuerelemente vorwiegend deshalb so konstruiert und platziert, damit sie mit Handschuhen besser zu nutzen sind. Ich habe das mit Handschuhen ausprobiert und kann mich nicht beschweren, beides, auch den Action-Button, kann man mit dickeren Ski-Handschuhen halbwegs ordentlich benutzen.

Meiner Meinung nach hätte der Seitenknopf ein wenig mehr herausstehen können. Am Anfang ist auch die Bedienung der Krone durch die Verdickung an der Seite gewöhnungsbedürftig.

Der Bildschirm selbst ist kaum größer als jener der Series 8, auch wenn man das vermuten könnte. Durch die flache Einfassung ist das mit Saphirglas geschützte OLED-Panel mit einem meiner Meinung nach etwas größeren Rahmen unterwegs. Der Rücken der Uhr ist mit vier Schrauben befestigt und aus Keramik. Das Gehäuse ist aus Titan und somit beständig. Es ist bis 100 Meter wassergeschützt, IP6X staubgeschützt und wurde nach MIL-STD 810H getestet.

Ich muss zugeben, dass die Uhr leichter ist, als sie aussieht. Man spürt beim Sport und Co. zwar, dass die Uhr schwerer als das Standardmodell ist, aber das ist nicht weiter tragisch.

Doch fangen wir mal beim Display an. Das ist das Hellste in einer Apple Watch und wahrscheinlich auch mit das hellste, was man in einer Smartwatch generell bekommen kann. 2.000 Nits schafft das Panel auf Wunsch und ist gut in hellen Umgebungen ablesbar. Ich mag persönlich das Wegweiser-Zifferblatt, das einen Nachtmodus speziell für die Ultra mitbringt.

Dreht ihr an der Krone, wird das Zifferblatt in einem dunklen Rot angezeigt und blendet euch beim Ablesen nicht. Wer schon mal auf ein helles Display geschaut und danach versucht hat, sich im bspw. dunklen Wald zurechtzufinden, der weiß, dass das sinnvoll ist.

Ansonsten ist das quasi eine Apple Watch Series 8 mit Doping. Der S8 SiP sorgt für flüssige Animationen im System und die neuen Temperatur-Sensoren oder die Technik zur Unfallerkennung sind beim diesjährigen Top-Modell auch mit dabei. Der Vorteil des großen Gehäuses ist, dass ein größerer Akku reinpasst. Das ist ja oft der Kritikpunkt bei der Apple Watch. Sie kommt über den Tag, aber viel mehr geht halt auch nicht. Die Apple Watch Ultra kann deutlich mehr und hält laut Apple 36 Stunden durch.

In meinem Test variierte das je nach Nutzung und Belastung via GPS oder Trainingsapp. Wenn man nicht viel auf der Uhr macht, bekommt man zweieinhalb Tage mit einer Ladung hin. Wenn es mal mehr Sport und GPS sein darf, dann ist schon nach knapp zwei Tagen Schluss. Demnächst soll noch der neue Stromsparmodus kommen, der einige Aktivitäten herunterregelt und mit dem man bis zu 60 Stunden hinkommen soll. Wird sich zeigen, ob das möglich ist.

Solltet ihr tatsächlich Extremsportler sein und so Sachen wie Ultra-Marathon, ewig lange Triathlons oder Ähnliches erledigen, dann gibt die Uhr wesentlich eher den Geist auf. Der Normalsterbliche wird sich mit Marathon oder Halbmarathon beschäftigen und dann bleibt zum Schluss noch einiges an Akku übrig.

Wirklich nützlich ist der Action-Button, der direkten Zugriff auf eine Aktion der Wahl gibt. Schade, dass es den nicht bei allen Apple Watches gibt. Zum Belegen habt ihr die Auswahl aus Training, Stoppuhr, Wegpunkt, Backtrack, Tauchen, Taschenlampe, Kurzbefehl oder gar nichts. Je nachdem für welche Aktion ihr euch entscheidet, stehen euch weitere Optionen wie das Starten eines Tauchgangs, bestimmte Aktionen innerhalb des Trainings (bspw. Segment festlegen) und mehr zur Verfügung.

Ich hätte gerne die Möglichkeit, neben dem einfachen und dem langen Druck, der die Sirene startet, noch einen doppelten Druck zu belegen, um eine dritte Aktion auszuführen. Vielleicht kommt da von Apple ja noch etwas.

Die Sirene gibt einen 86 Dezibel lauten Ton aus, der zugegeben nicht besonders laut ist, aber eine Tonfolge abspielt, die bis zu 180 Meter zu hören sein soll, wenn ihr in der Pampa seid. Haben wir hier ausprobiert, bei 130 Metern war Schluss. Hier kommt es auf Gelände und Umgebung an.

Apple hat in der Ultra insgesamt drei Mikrofone und den bereits erwähnten lauteren Lautsprecher verwendet. Per maschinellem Lernen filtert die Uhr Störgeräusche wie Wind heraus und soll somit für bessere Gesprächsqualität sorgen. Auch das funktionierte gut. Ich habe einen Vergleich mit der Series 8 und der Ultra gemacht und die Gesprächsqualität mit dem teureren Modell ist deutlich besser.

Neu ist auch der Tiefenmesser, der dafür sorgt, dass die Watch in der Lage ist, die Wassertiefe anzugeben, in der ihr euch gerade befindet. Außerdem zeigt die Uhr die Wassertemperatur und die Dauer unter Wasser an, auch die maximale Tiefe. Bisher habe ich es noch nicht in ein Schwimmbad geschafft, das hole ich für euch aber nach. Fakt ist: Die App startet auf Wunsch automatisch, sobald die Uhr unter Wasser ist.

Noch ein paar Worte zur Akkulaufzeit. Apple gibt an, dass die Uhr bei normaler Nutzung bis zu 36 Stunden und im Stromsparmodus bis zu 60 Stunden halten soll. In gemischter Nutzung mit vielen Benachrichtigungen, etwas Herumspielen, einem halbstündigen Workout etc. habe ich im Schnitt zwischen 20 und 30 Prozent Akku (mit eSIM) über den Tag gelassen. Das heißt, ich komme ohne Probleme mindestens 2 Tage damit aus, ohne die Watch zu laden. Mit der Series 8 habe ich am Ende des Tages lediglich 20 Prozent übrig. Das ist schon ein Zugewinn, den viele sicher zu schätzen wissen.

Mein Fazit fällt vorerst so aus: Wird Apple Garmin und Co. mit der Apple Watch Ultra den Rang ablaufen? Eher nicht, doch das brauchen sie auch nicht. Diejenigen, die Apple-Produkte kaufen wollen, machen das ohnehin und genauso ist es auch mit den Garmin-Interessenten. Man beschäftigt sich in der Regel genau mit Investitionen in den Sport und dabei kristallisiert sich frühzeitig heraus, zu welcher Marke man greifen wird. Was Apple mit der Ultra aber geschafft hat, ist es, eine Alternative für eben die Nutzer zu bieten, die immer eine Apple Watch wollten, die aber nichts mit dem fragilen Konstrukt anfangen konnten. Die Akkulaufzeit wird für viele sicher auch das Argument sein.

Ihr möchtet etwas zur Ultra wissen? Lasst gern einen Kommentar da.

Ein paar Worte zur Ultra (hier das Handbuch) von Carsten Knobloch:

Grundsätzlich kann ich meinem Kollegen zustimmen, auch, was sein Fazit betrifft. Die jetzigen Extremsportler, die wird Apple, Stand jetzt, nicht abholen. Die werden weiterhin auf spezielles Equipment zurückgreifen. Aber es gibt die große Menge zwischen dem Watch-User, der keinen Sport macht und dem, der extrem unterwegs ist. Und die finden mit der Apple Watch Ultra vielleicht etwas, was ihnen mehr zusagt – etwas als Allrounder zwischen Casual und Sport. Macht die Apple Watch Ultra optisch etwas her? Auf jeden Fall! Sie erlaubt es noch mehr Menschen, ihre Erfolge aufzuzeichnen oder sich zu verbessern. In meinem Test war es so, dass die Watch Ultra nicht anders gemessen hat als der Vorgänger oder gar die Series 8. Ich persönlich komme theoretisch also mit einem älteren oder „kleineren“ Modell gut hin.

Meine Highlights der Uhr, subjektiv betrachtet:

Das Display ist fantastisch. Ich mag auch die Optik der Apple Watch Ultra. Es ist eine markante Smartwatch mit Ausstrahlung. Dennoch darf man nicht vergessen, dass die Anschaffungskosten von 999 Euro allem gegenüberstehen. Eine Smartwatch wird im Laufe der Jahre nicht mehr wert, bei klassischen und wesentlich teureren Uhren sieht das anders aus.

Auch die Akkulaufzeit überzeugt mich. Es ist die erste Apple Watch – und ich habe alle getragen – die ich bislang rund um die Uhr aufhabe. Irgendwann am Tage lade ich einfach für eine gute Stunde nach und bin dann wieder akkutechnisch auf der sicheren Seite. Das Schlaftracking selbst schaue ich mir derzeit an, erkenne da für mich aber so nicht den Mehrwert. Zumal ich das Gefühl habe, dass alles nicht so genau ist. Liege ich während des Schlafen-Fokus auf der Couch und schaue fern, dann denkt die Uhr, vermutlich aufgrund meiner Ruheherzfrequenz und Nichtbewegung, dass ich schlafe. Nun ja. Dennoch kann so etwas vielleicht dem einen oder anderen einen kleinen Insight zum Schlaf oder Wohlbefinden geben. Aber dafür benötigt ihr jedoch keine Ultra.

Wie bereits erwähnt, meine sportlichen Aktivitäten deckt fast jede andere Apple Watch ab. Ich laufe jeden Tag 10 Kilometer oder mache ein entsprechendes Cardio-Training. An Wochenenden kommt mal ein Halbmarathon dazu. Nichts, was die Apple Watch Ultra nicht herunterspulen kann. Die Mehrwerte, die sie anderen, noch sportlicheren Menschen gibt, sind aber unbestritten. Mit Funktionen wie Backtrack, dem Kompass und anderen Dingen habe ich gerne herumgespielt. Dennoch muss sich jeder Mensch fragen, ob bei dieser Ausgabe ein „Haben ist besser als brauchen“ gerechtfertigt ist.

Das Design ist intuitiv und übertrifft andere Fitness-Uhren in puncto Benutzeroberfläche, Streaming und Konnektivität um Längen. Auf der anderen Seite hätten sich viele sicher über Dinge wie Offline-Topo-Karten oder Erholungsmetriken gefreut. Aber hey! Apple hat sicherlich nicht vor, es bei einer Ultra zu belassen. Und schaut man sich den Erfolg der Apple Watch von der von vielen verlachten Gen. 1 bis heute an, dann kann das was werden. Es ist ein sehr guter Start ins Feld und wird anderen Herstellern früher oder später Bauchschmerzen bereiten. Die Ultra ist durchaus mehr als eine Apple Watch in robustem Gehäuse.

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Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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8 Kommentare

  1. Wie an anderer Stelle schon mal gesagt – ich hab mir die Ultra einfach nur deswegen geholt, weil das Design der normalen Apple Watch mit der Zeit etwas langweilig wurde und ich das Teil optisch einfach nur klasse finde. Ich habe eher große Handgelenke und habe auch zu Zeiten, als ich noch klassische Uhren trug, bevorzugt größere und massive Modelle getragen. EIGENTLICH waren mir die bisherigen AWs immer schon etwas zu klein.

    Von den Zusatzfunktionen der Ultra brauche ich als reiner Desk Diver genau gar nichts…

    Gegenüber der Edelstahlversion (ein Vergleich mit der Alu verbietet sich natürlich) kostet sie gerade mal 50,- mehr, was die Entscheidung noch einfacher machte.

    Von Bluestein gibts ab Ende Oktober eine Titanversion von deren Link Bracelet Kopie. Das Original in Edelstahl sieht auch schon prima an der Ultra aus. Hab mir das Bluestein trotzdem mal vorbestellt.

    • Das Bluesteinband ist nur „titanfarben“ und nicht aus Titan. Es ist weiterhin aus Edelstahl.

      • Ja, weiß ich… 😉 Sollte rein optisch aber trotzdem besser passen. Für mich ist deutlich spannender, ob das Teil qualitativ halbwegs mit dem Original mithalten kann. Von den schon länger verfügbaren beiden anderen Varianten in silber und schwarz hatte ich noch keins. Die Meinungen reichen von „vom Original nicht zu unterscheiden“ bis „Kernschrott“… 😀

        • Ich bin neulich auch wieder über die Fa. gestolpert. Schon seltsam, dass Apple die nicht verklagt. Die stellen nahezu 1:1 Kopien her. Apple ist doch sonst nicht so zimperlich: Das Alpine-Band kommt dort auch bald…

    • Vielen Dank für den Hinweis mit Bluestein. Habe es mir direkt vorbestellt!

      Ansonsten ist die Ultra absolut top! Der Aufpreis zur Edelstahl-Watch ist wirklich ein Witz. Alleine die längere Akkulaufzeit ist es das schon wert.

  2. Oliver Müller says:

    Ich hoffe sehr, dass derartige Wegwerfprodukte, die weder repariert, geschweige denn mal der Akku gewechselt werden können, in Zukunft von der Politik verboten werden.

  3. @Olli

    Ich würde gerne wissen welchen Handgelenkumfang du hast und wie sich die Uhr damit trägt. Besten Dank!

    • Hi, mein Handgelenkumfang ist 16,3 cm. Ich bin mit der Uhr zufrieden. Klar ist sie größer als andere Modelle, aber ich habe damit kein Problem.

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