Und dann stellt ein Betreiber deine IoT-Hardware ab…

5. April 2016 Kategorie: Hardware, Smart Home, geschrieben von: caschy

revolvImmer mehr Geräte funktionieren heute durch eine Anbindung an die Cloud. Lokale Services werden nicht mehr genutzt, stattdessen fokussiert man sich auf die Wolke als Dienst. Hat für die Anbieter unter Umständen auch einige Vorteile – so kann man dem Kunden nicht nur das Gerät einmal verkaufen, sondern vielleicht auch einmal die Zusatzleistung, die in der Cloud stattfindet. Konkretes Beispiel? Überwachungskameras, die das lokale Speichern von Videos nicht anbieten, wohl aber in der Cloud. Will der Kunde mehr Speicher, so kann man ihm diesen verkaufen.

Dass Cloud-angebundene Geräte aber nicht immer die absolute Erfüllung sind, das müssen jetzt Kunden von Revolv schmerzlich erfahren. Die Firma wurde Ende 2014 von Nest gekauft. Nest selber gehört zu Alphabet, die mittlerweile als Google-Mutter fungiert. Nest stellt Thermostate, Überwachungskameras und auch smarte Rauchmelder her, da passte der Kauf von Revolv ganz gut, die einen Smart Home Hub für das Steuern von Lampen, Türen und Alarmsensoren anboten.

Durch die Übernahme änderte sich erst einmal nichts (man stellte die Herstellung des Produktes ein, versprach aber weiter Updates und Funktionalität), doch mittlerweile sieht das ganz anders aus, denn durch die Übernahme wird das Team stärker an Nest arbeiten und eben nicht am ursprünglichen Produkt. So heißt es einfach, dass der Dienst zum 15. Mai eingestellt wird, sodass sowohl Steuer-App als auch Smart Home Hub nicht mehr funktionieren werden. Man hinterlässt hier also nicht mehr nur ein Produkt, welches bei 300 Dollar lag – man stellt es komplett ein.

Das mag den deutschen Kunden natürlich nicht interessieren, da Revolv nicht direkt über den deutschen Handel zu beziehen war, zeigt aber immer ganz schön, wie teuer solche Early Bird-Spielereien kommen können. Oder wie es Arlo Gilbert, ein Besitzer der Revolv-Lösung, nennt: „That’s a pretty blatant “fuck you” to every person who trusted in them and bought their hardware.“.

Es sind natürlich „nur“ ein paar hundert Dollar, aber man stelle sich vor, dass ein Smartphone, ein Tablet oder ein günstiger Rechner einfach seine Arbeit einstellen müsste, nur weil sich eine Firma entschloss den Dienst einzustellen. Das Geschrei wäre groß. Man hat im konkreten Fall das Gefühl, als gehöre einem die Hardware nicht mehr, man hat sie nur teuer gemietet, so lange der Betreiber sie unterstützt. Kein gutes Zeichen an Kunden, deren Vertrauen man in Sachen IoT haben möchte.

Update 6. April: Revolv hat Venture Beat mitgeteilt, dass Kunden für die Einstellung entschädigt würden. In welcher Form, wurde allerdings nicht kommuniziert. Betroffene Kunden sollen sich dafür direkt an Revolv wenden.


Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Carsten hat bereits 25078 Artikel geschrieben.