Testbericht Samsung Galaxy Note 8.0

5. Mai 2013 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Gut eine Woche hatte ich das Galaxy Note 8.0 von Samsung nun in Gebrauch. Da dies mein erster Testbericht hier ist, ein paar Worte vorneweg. Technische Details interessieren mich bei einem Gerät nicht. Wenn alles so läuft, wie es laufen soll, hat der Hersteller es richtig gemacht, egal ob da nun ein Dual-Core-Prozessor oder ein Hexa-Core-Prozessor verbaut ist.

SamsungGalaxyNote8_0

Jeder nutzt ein Tablet anders, alle Gesichtspunkte kann ich also nicht berücksichtigen, nur die, die ich ausprobiert habe. Als Vergleich werde ich im Bericht öfter das iPad mini heranziehen, nicht weil es ein direktes Konkurrenzprodukt ist, sondern weil beide ein 8-Zoll-Diplay verbaut haben. Getestet wurde die 16GB WiFi + 3G Version des Tablets. So, das sollte genug Erklärung sein, viel Spaß beim lesen.


Technische Spezifikationen

Wie bereits gesagt, die interessieren mich weniger, damit Ihr aber einen Überblick habt, seht Ihr hier die Eckdaten:

  • 1,6Ghz Quad-Core-Prozessor
  • 2GB RAM
  • WXGA-TFT-Display, Auflösung 1280 x 800
  • 4.600mAh Akku
  • Android 4.1.2 mit Touchwiz
  • Infrarot-Schnittstelle
  • S-Pen
  • Maße: 211 x 136 x 7,95 mm
  • Gewicht: 345g

Design und Verarbeitung

Das Design entspricht dem, was man von Samsung kennt. Eine relativ runde Form, die auf Bildern übrigens sehr viel unangenehmer aussieht als in der Realität. Man möchte fast von einem zu groß geratenen Galaxy S4 sprechen. Die Verarbeitung ist sehr gut, es gibt keine Spalten, die Druckpunkte der Hardware-Tasten sind trotz kurzer Wege, auch beim Hardware-Homebutton, sehr deutlich. Die Kunststoffrückseite kann etwas eingedrückt werden, dadurch fühlt sich das Tablet etwas weich an. Das ist aber nicht unbedingt ein Nachteil, es liegt nämlich super in der Hand.

Problematisch wird es beim Einlegen der SIM-Karte. Der Slot für eine Micro-SIM ist richtig mies. Und das aus zwei Gründen. Zum einen muss man die Richtung, in der die SIM-Karte eingelegt wird in der Anleitung nachschlagen, die Bebilderung auf der Abdeckung ist nämlich falsch herum. Zum anderen bezweifle ich, dass irgendjemand die SIM-Karte ohne Hilfsmittel in das Gerät einführen kann. Durch den Federmechanismus muss diese ziemlich weit in das Tablet geschoben werden. Das ist weder mit Fingern, noch mit Fingernägeln so einfach möglich. Gut, man legt eine SIM vermutlich nur einmal in das Gerät ein, trotzdem ist es komisch, dass es so schwierig ist. Nicht ganz so schwierig ist es beim MicroSD-Slot, fummelig ist es trotzdem.

Der S-Pen sitzt fest in der dafür vorgesehenen Halterung, lässt sich anfangs etwas schwer herausziehen, das gibt sich aber mit der Zeit. Die Frage ist nur, ob er bei Dauernutzung nicht irgendwann so locker sitzt, dass es des Guten zu viel wird. Kann ich nicht beurteilen, dazu müsste ich das Gerät länger nutzen.

Das Gewicht ist mit 345 Gramm etwas höher als beim iPad mini, das nur 300 Gramm auf die Waage bringt. Dennoch lässt sich das Tablet auch über einen längeren Zeitraum bequem halten.

Galaxy_Note_Benachrichtigungen

Display

Ein Hauptkriterium bei einem Smartphone- oder Tablet-Kauf ist das Display. Samsung verbaut hier einen 8 Zoll WXGA (1280 x 800) LCD Screen. Dieser hat beim mir gemischte Gefühle hinterlassen. Er bietet strahlende Farben und eine für mich ausreichende Pixeldichte von 189ppi. Zumindest im Normalfall. Für mich auffällig war, dass, je weniger Farbe der Screen darstellen muss, desto schlechter war er. Das fällt vor allem beim Lesen oder auf Webseiten auf. Die Schrift wirkt dann teilweise verwaschen. Ist jedoch alles bunt, wie beispielsweise bei Spielen oder auch im Menü, fällt das überhaupt nicht auf. Bilder und Videos werden sehr gut dargestellt.

Das Display bietet drei verschiedene Einstellungen: Dynamisch, Standard und Video. Diese beeinflussen Helligkeit und Kontrast. Mir persönlich hat die Standard-Einstellung druchweg am besten gefallen, aber das ist reine Geschmackssache. Es sollte zumindest für jeden die passende Einstellung dabei sein.

Das Seitenverhältnis von 16:10 sorgt dafür, dass zwar Filme optimal dargestellt werden können, allerdings ist die Nutzung im Querformat zum Betrachten von Internetseiten dadurch sehr flach, sprich es wird weniger Inhalt angezeigt als beim 4:3 Format des iPad mini. Hier muss jeder abwägen, für was er das Tablet hauptsächlich einsetzen will.

Performance und Akkulaufzeit

Über die Performance gibt es nichts zu meckern. Das System (Android 4.1.2) ist flott, es gibt keine Hänger, Apps starten schnell. Der Akku (4.600mAh) bringt einen locker über den Tag, bei intensiver Nutzung aber auch nicht viel weiter. Während der Testwoche habe ich das Tablet viermal geladen, es ist also auch möglich, dass der Akku noch nicht seine volle Kapazität erreicht hat. Das leuchtstarke Display zieht aber ordentlich Strom, während man im Standby-Modus kaum Akkuverlust wahrnehmen kann. Gefühlt hält der Akku dennoch länger als bei meinem Nexus 7, allerdings habe ich auf mehreren Seiten gelesen, dass es genau umgekehrt ist. Eine definitive Einschätzung ist deshalb für mich nicht möglich.

Software

Android wird Samsung-typisch gut unter der Touchwiz-Oberfläche versteckt. Die vorinstallierte Software inklusive System nimmt einen großen Teil der 16GB Speicher ein. Lediglich 9,78GB stehen als interner Speicher zur Verfügung. Dank MicroSD-Slot ist das aber kein großes Problem. Für den Alltagsgebrauch ist so viel Software installiert, dass man praktisch alle Aufgaben erledigen kann, ohne dem Play Store einen Besuch abstatten zu müssen. Von vielen wird dies gerne als Bloatware bezeichnet, ich sehe das anders. Der Massenmarkt erwartet ein umfangreiches Out-of-the-Box-Erlebnis, das ist hier gegeben.

Unter anderem ist Awesome Note HD vorinstalliert, eine App die auf dem iPad 3,59 Euro kostet und für Android überhaupt nicht verfügbar ist. Samsung bietet in diesem Fall einen echten Mehrwert. Aber auch praktische Apps wie Dropbox oder Flipboard können direkt nach Einschalten des Gerätes genutzt werden. Für den Power-User, der gerne alles selbst in die Hand nimmt, mag dies ein Nachteil sein, die breite Masse freut sich wohl eher über diese Zusatz-Apps.

Note8_screens_telefon_speicher

Natürlich sind auch die typischen Apps der Note-Geräte vorhanden. Die Schnellzugriffe durch Entfernung des S-Pen können selbst festgelegt werden. Bei meinem Test des Galaxy Note 10.1 bemängelte ich die schlechte Aufklärungsarbeit, die Samsung bei der Benutzung des S-Pen an den Tag legt, daran hat sich leider nichts geändert. So gut die Möglichkeiten des Stylus sind, so schlecht wird der Anwender an sie herangeführt.

Ebenfalls verbaut ist eine Infrarot-Schnittstelle, die das Tablet mit der entsprechenden App zur Universal-Fernbedienung macht. Ist die Smart Remote App eingerichtet, erhält man nicht nur eine Fernbedienung, sondern kann sich auch gleich das Fernsehprogramm anzeigen lassen. Nettes Feature, wenn man es braucht.

Android-Puristen werden mit Samsungs Oberfläche keine große Freude haben. In der Tat ist es nach Nutzung von Stock-Android sogar etwas schwer, gewohnte Einstellungspunkte oder Aktionen durchzuführen. Als Beispiel sei hier die Screenshot-Funktion erwähnt. Android-Standard ist Power-Button + Lautstärke runter, das Galaxy Note 8.0 nutzt aber ganz Apple-like Power-Button + Home-Button. In den Einstellungen gibt es ebenfalls größere Unterschiede als Gemeinsamkeiten zu Stock-Android.

Der S-Pen und seine Vorteile

Der absolute Hammer, anders kann man es echt nicht ausdrücken, ist die Handschrifterkennung bei Nutzung des S-Pen. Hier hat Samsung ganze Arbeit geleistet. Ich habe das, was man im Volksmund wohl als Sauklaue bezeichnet, das Galaxy Note 8.0 stört dies nicht im Geringsten. Egal was man auf das Display schmiert, es wird zuverlässig erkannt. Das ist mehr als beeindruckend.

Notizen lassen sich superschnell anfertigen. Zieht man den Stift aus dem Tablet, öffnet sich standardmäßig S-Note. Handschriftliche Notizen lassen sich sofort erstellen. Die Eingabe ist sehr präzise, es gibt keine Verzögerungen und es sieht aus, wie wenn man auf Papier schreibt. Ebenso verhält es sich mit Zeichnungen. Der verwendete Digitizer in Verbindung mit dem S-Pen kann schlichtweg nicht mehr getoppt werden. Hier muss ebenfalls nochmal das Galaxy Note 10.1 als Vergleich herhalten. Bei dem großen Bruder war dies nämlich nicht mit dieser Präzision möglich. Auf dem iPad mini mit einem nicht gerade billigen Wacom Stylus sind ebenfalls nicht annähernd diese Ergebnisse zu erzielen.

Screenshot_2013-05-05-13-48-07

Auch das Hovering ist stark verbessert worden. Musste man beim Galaxy Note 10.1 das Display mit dem S-Pen noch fast berühren, um entsprechende Anzeigen zu erhalten, springt beim Galaxy Note 8.0 auch bei einem Abstand von knapp 2cm die Funktion an. Man kann also tatsächlich auch noch sehen, was man gerade macht. Beim Galaxy Note 10.1 verdeckte man gerne noch mit der Hand diesen Bereich. Schwer zu beschreiben, muss man sich wohl mal live ansehen.

Die Nutzung des S-Pen macht einfach Spaß und ist in einigen Fällen sehr nützlich. Dieses Alleinstellungs-Merkmal im 8-Zoll-Tablet-Bereich löst sofort ein „muss ich unbedingt haben“-Gefühl aus und zeigt im direkten Vergleich mit dem iPad mini die Einschränkungen des Apple Tablets.

Kamera

Mit dem Tablet fotografieren ist so eine Sache. Bereits in meinem Kameravergleich zwischen Galaxy Note 8.0 und iPad mini, erwähnte ich, dass ich nicht viel davon halte. Samsung anscheinend auch nicht, sonst hätte man nicht nur einen 5-Megapixel-Sensor verbaut. Die Kamera bietet ein paar Einstellungen und bringt auch von Haus aus diverse Filter mit. Die Funktionen sind nicht so umfangreich wie beim Galaxy S4, dessen Kamerafunktionen Euch Caschy schon in einem Video vorgestellt hat. Die Kamera ist ausreichend für Schnappschüsse, mehr aber auch nicht. So lange gute Lichtverhältnisse herrschen, kommen brauchbare Ergebnisse.

LowLightiP5_Note8

Telefonfunktion

Das Galaxy Note 8.0 ist nicht einfach nur ein Tablet, es ist auch gleichzeitig ein riesiges Smartphone. Telefonanrufe können ohne Headset getätigt werden, entweder per Freisprechfunktion oder direkt am Ohr. Schaut bescheuert aus meint ihr? Was schert mich das, sage ich. Das Tablet kann bequem genug in einer Hand ans Ohr gehalten werden, zumindest wenn das Gespräch nicht über Stunden geht. Die Sprachqualität ist sowohl direkt am Ohr, als auch über die Lautsprecher sehr gut. Für mich ist das Galaxy Note 8.0 das Smartphone des Jahres. Allerdings telefoniere ich nicht viel.

Fazit

Das Galaxy Note 8.0 spielt in einer ganz eigenen Liga. S-Pen und Smartphone-Funktionen, die zahlreich vorhandenen Apps und die gute Verarbeitung sind in dieser Form bei keinem anderen Gerät zu finden. Insofern lässt es sich auch schwer mit anderen Geräten vergleichen. Mir hat das Galaxy Note 8.0 große Freude bereitet, was vor allem dem S-Pen und der Telefon-Funktion geschuldet ist. Hosentaschentauglich ist es zwar nicht, unter bestimmten Umständen kann man sich aber das Mitschleppen von zwei Geräten (Smartphone und Tablet) damit sparen. Der Preis des 2-in-1-Gerätes ist im Vergleich zu anderen Tablets relativ hoch, dafür bekommt man aber auch wesentlich mehr geboten, als bei “vergleichbaren” (faktisch gibt es kein vergleichbares) Produkten.

Gefällt dir der Artikel?
Dann teile ihn mit deinen Freunden.
Nutze dafür einfach unsere Links:
Über den Autor: Sascha Ostermaier

Freund von allem was mit Technik zu tun hat und waschechter Appaholiker. Android oder iOS? Egal, Hauptsache es funktioniert. Außerdem zu finden bei Twitter und Google+.

Sascha hat bereits 3136 Artikel geschrieben.