Testbericht OnePlus 3: Aller guten Dinge sind bekanntlich drei – endlich!

3. Juli 2016 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Oliver Pifferi

OnePlus3_Front_BackEs ist mal wieder soweit – ein Jahr ist rum und nach vielen Vermutungen im Vorfeld präsentierte OnePlus vor kurzem den Nachfolger des letztjährigen OnePlus 2. Diesmal ohne allzu großes Marketing-Trara oder Slogans, an denen sich das Smartphone immer wieder messen lassen mußte – und erfreulicherweise unmittelbar nach der Veröffentlichung frei für jedermann verfügbar. Ob das chinesische Unternehmen hier auch aus den Fettnäpfchen der Vergangenheit gelernt hat und warum die dritte Edition des großen OnePlus einfach positiv überrascht, wollen wir uns in diesem Testbericht einmal genauer anschauen.

299 EUR setzte man einst für das OnePlus One an, einen ganzen Hunderter mehr durfte man für das OnePlus 2 auf die virtuelle Ladentheke legen, seinerzeit noch mit obligatorischen 20 EUR für den Express-Versand. Diesmal war es so, dass der Standard-Versand inklusive war und das OnePlus 3 in rekordverdächtigen zwei Werktagen in meinen Händen landete – freundlicherweise aus Frankfurt/Oder verschickt. Nach England beim OnePlus 2 und Shenzhen beim OnePlus X eine Optimierung der Logistik oder eben glücklicher Zufall? Der ein oder andere Leser hat schon vermerkt, dass sein Modell aus England kam. Nichtsdestotrotz legt Ihr auch hier in virtueller Natur 399 EUR auf den Tisch, seid so in recht kurzer Zeit mit im Spiel – zumindest, wenn Ihr nicht Opfer erster gemeldeter Lieferverzögerungen seid, über die die ein oder andere Plattform im Netz berichtet.

Das OnePlus 3 begleitet mich jetzt als „Daily Driver“ im Alltag und natürlich möchte ich das als Gelegenheit nutzen, Euch das dritte „große“ Smartphone des chinesischen Unternehmens ein wenig näher zu bringen und zu beschreiben, welche Eindrücke die dritte Generation bei mir hinterlassen hat. Vergessen sind die Tage der künstlichen Verknappung durch das endlich auf Eis gelegte Einladungssystem – das OnePlus 3 ist – sofern auf Lager – frei erhältlich. Auch das Säbelrasseln – Stichwort „Flaggschiff-Killer“ in Richtung Smartphone-Mitbewerberschaft fiel dieses Jahr unter den Tisch: Ob es endlich Demut ist (die man – ich greife hier aber leicht vor – bei dem OnePlus 3 nicht haben muss) oder die Abkehr vom hohlen Phrasendreschen, ohne auch all das liefern zu können – ich weiß es nicht. Das OnePlus 3 ist einfach da und das ist erst einmal gut so!

DAS INNENLEBEN DES ONEPLUS 3:

  • Display: 5,5 Zoll 1080p Full HD (1920 x 1080 Pixel)  Optic AMOLED-Display, 401 ppi, Corning Gorilla Glass 4
  • Prozessor: 64-Bit Qualcomm® Snapdragon™ 820, Quad Core, Kryo™ mit 2 x 2,2 GHz und 2 x 1,6 GHz und einer Adreno™ 530-Grafikeinheit
  • Arbeitsspeicher: 6 GB LPDDR4 RAM
  • Speicher: 64 GB UFS 2.0 (nicht erweiterbar), davon im Auslieferungszustand noch 52,5 GB frei
  • Kamera: Rückseite 16 Megapixel, Sony IMX 298 Sensor, 1.12 µm,  f/2.0-Blende, OIS, Autofokus, RAW-Unterstützung und einer Videoleistung von 30 Bilder pro Sekunde (4K) bzw. 120 Bilder pro Sekunde (720p) sowie Zeitlupenfunktion. Frontseite mit 8 Megapixel, einem Sony IMX179-Sensor, 1.4 µm, f/2.0-Blende, Videoleistung 30 Bilder/Sekunde in 1080p und einer Selfie-Automatik, die bei Lächeln auslöst
  • Betriebssystem: OxygenOS, auf Android™ Marshmallow-Basis (zum Testzeitpunkt Android 6.0.1 mit dem Juni-Sicherheitsupdate)
  • Akku: 3000 mAh Lithium-Polymer (nicht austauschbar)
  • Abmessungen: 152,7 x 74,7 x 7,35 mm, 158 Gramm, Unibody-Gehäuse aus anodisiertem Aluminium
  • Verbindungstechnologien: 4G LTE (Cat.6), Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.2, NFC, GPS, GLONASS, BeiDou
  • Maximaler SAR-Wert: Kopf: 0.394 W/kg , Körper: 0.323 W/kg
  • Sensoren: Fingerabdrucksensor, Hallsensor, Beschleunigungsmesser, Gyroskop, Näherungssensor, Umgebungslichtsensor und elektronischer Kompass
  • Farben: Graphite / Soft Gold (letzteres folgt später)
  • Sonstiges: USB Typ-C, LED-Benachrichtungsanzeige, Vibrationsmotor, Gestensteuerung (Display an/aus), wahlweise kapazitive oder Bildschirmtasten, physischer Alert Slider für alle / nur wichtige oder keine Benachrichtigungen, Dual Nano-SIM

HAPTIK UND OPTIK

Hat man die Verpackung des Geräts erst einmal aus der wirklich guten Luftpolsterung geschält, stellt man fest: Die Zeiten von allzu schlichten Verpackungen sind vorbei – auch die Umverpackung des OnePlus 3 sticht in den gewohnten Signalfarben hervor und enthält neben dem Gerät selbst, dem Netzteil, dem USB Typ C-Ladekabel und dem obligatorischen SIM-PIN auch noch eine kleine persönliche Note von Firmengründer Carl Pei und zwei Aufkleber.

Ja, auch hier ist die Präsentation des Gerätes samt Zubehör gelungen, wenngleich auch die Zeiten der Auspack-Orgien wohl vorbei sind. Persönlich finde ich, dass der erste Eindruck ein sehr wichtiger ist und sei es nur, wie das ganze Drumherum arrangiert ist. Macht natürlich keinen Unterschied, was den technischen Inhalt des Gerätes angeht, aber auf den ersten Blick darf sich das Auge schon einmal ein wenig freuen. Haken dran.

158 Gramm und eine relative „Dicke“ von 7,35 mm in einem wunderbaren Unibody-Gehäuse schlagen dann erst einmal zu Buche: Vorbei sind die Zeiten der charakteristischen Sandpapier-Rückseite, Aluminium dominiert auch hier. Der Vorteil: In meinen Augen hievt genau diese Optik das OnePlus 3 in ein ganz anderes Segment und die ersten Reaktionen auf das Gerät im Freundeskreis mutmaßten, HTC hätte wieder ein neues Gerät auf den Markt gebracht. Die optische Anleihe muß sich OnePlus auch gefallen lassen, aber das ist beileibe kein Kritikpunkt.

Da trotz der hervorragenden Optik die Griffigkeit leidet und man das Smartphone mit der (leider) herausstehenden Kamera nicht mehr plan auf jede Oberfläche legen möchte bzw. kann, wird schnell der Ruf nach einem passenden Case laut. Wer sein neues OnePlus 3 nicht mit den Standard TPU-Hüllen verschandeln möchte, wird direkt im Hersteller-Shop fündig und kann – diesmal auch in Wirklichkeit – ! – verschiedene Back-Cover für seinen neuen Smartphone-Liebling bestellen. Neben der Sandpapier-Optik gibt es unter anderem auch Carbon, Bambus und Rosenholz und zwei weitere Varianten.

One_Plus_3_Cases

Auf der linken Seite des OnePlus 3 finden wir den Benachrichtigungs-Slider und die Lautstärkewippe, die rechte Seite beherbergt den Dual SIM-Einschub und den Ein-/Ausschalter, unten finden wir den Lautsprecher, den Kopfhöreranschluss und den zentral platzierten USB Typ-C-Port. Die obere Seite des Gerätes ist frei von allem, die Benachrichtigungsleuchte vorne auf die linke obere Seite des Bildschirms gewandert.

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Meine favorisierte Smartphone-Größe hat sich so mittlerweile auf 5,2 Zoll eingependelt und ich muss – trotz nicht allzu kleiner Hände – bei den 5,5 Zoll des OnePlus 3 schon hin und wieder den Daumen strecken. Subjektiv empfunden wirkt das Smartphone zwar groß, aber nicht zu groß – hier ist ja immer die Frage, wie das Gerät generell in der Hand liegt. Von der Form her tut das OnePlus 3 das wunderbar, wenngleich die edle Rückseite nicht unbedingt für die beste Griffigkeit sorgt. Das Display ist geht übrigens nicht nahtlos in den Rahmen über, sondern es ist in der Tat eine kleine Kante – quasi die Abstufung zum Rahmen – zu erkennen. In Sachen Verarbeitung gibt es hier aber absolut nichts zu bemängeln – keine Spaltmaße oder sonstige Mängel sind zu erkennen, das Design ist schlüssig und wirkt einfach aus einem Guss.

Beim OnePlus 2 suggerierte man dem Nutzer übrigens noch durch zwei Lautsprechergitter, man hätte Stereo-Sound mit an Bord, doch dem war nicht so und beim OnePlus 3 finden wir den Lautsprecher nur noch auf der linken unteren Seite. Die rechte Seite vom USB C-Anschluss ist nun die Heimat für den Kopfhöreranschluss. In Sachen Lautsprecher reißt das OnePlus 3 übrigens auch keine Bäume aus, ab einem gewissen Level fährt man die Lautstärke freiwillig wieder runter oder stellt auf einen Bluetooth-Lautsprecher um (je nach Anwendungsgebiet). Für die übliche Grundbeschallung reicht er aber auch – wie in vielen anderen Geräten – aus.

Übrigens bietet auch das OnePlus 3 einen Fingerabdruckleser, der als Home-Button fungiert und sehr schnell arbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger besteht der Button nun aus Keramik und soll auch nicht verkratzen, wie es beim OnePlus 2 noch der Fall war. Eine Verzögerung bei der Erkennung des Fingers fand nicht statt, das Smartphone wurde jederzeit punktgenau und schnell entsperrt. Im Übrigen reicht ein reines Tippen auf den Button, um wieder auf den Home-Bildschirm zu gelangen – hier ist es aber so, dass die Fläche nicht mit einem spürbaren Klicken nachgibt, sondern immer plan bleibt. Ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, geht aber ganz schnell in Fleisch und Blut über – so war es zumindest bei mir.

DAS DISPLAY

Kam das OnePlus 2 noch mit einem 5,5″ In-Cell Full HD-Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln bei 401 ppi, daher, hat sich beim OnePlus 3 weder etwas in Sachen Größe, Auflösung oder Pixeldichte getan: Alles bleibt beim alten. Einziger Unterschied ist der Wechsel der Displaytechnologie von In-Cell auf Optic AMOLED. Persönlich bin ich ein Freund von AMOLED-Displays, die knalligen Farben sind aber nicht jedermanns Sache – dem OnePlus 3 tut (subjektiv empfunden) der Wechsel der Displaytechnologie gut.

Die Displayqualität selbst ist immer noch sehr gut, die 401 ppi tun auch in Sache Schärfe ihr Übriges und ob man mehr braucht oder glaubt, dieses „mehr“ zu sehen, ist wie so vieles reine Geschmackssache. Auch die sehr gute Blickwinkelstabilität fällt ins Auge, die Farbbalance lässt sich ab Oxygen OS 3.1.2 individuell einstellen – wer also eher auf kühlere Farben steht, findet hier die Option dafür. Fein ist auch, dass die „Double Tap To Wake“-Funktion bei Bedarf aktiviert werden kann und das Gerät so auch aufwecken kann – braucht auch nicht jeder, ich bin aber ein Freund dieses kleinen kosmetischen Features.

One_Plus_3_Displayeinstellungen

Kurzum: Das Display macht auf mich einen sehr guten Eindruck, wenngleich man zumindest bei Nutzung der automatischen Helligkeitsregelung (damit bin ich immer unterwegs) bei direktem Sonneneinfall eine gewisse Blässe feststellen mag, die so gar nicht zu AMOLED passt. Ob das nun durch die serienmäßig aufgebrachte Displayschutzfolie kommt oder dann wirklich eine Einschränkung darstellt, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Es gibt aber sehr wohl Smartphones, die bei direktem Lichteinfall noch deutlich mehr Bildschirminhalt anzeigen, hier scheint draussen dann ein wenig die Leuchtkraft zu fehlen. Apropos Displayschutzfolie: Schön ist, dass standardseitig eine dabei und auch noch aufgeklebt ist. Erstaunlich, dass wie auch beim OnePlus 2 diese Displayschutzfolie ca. 5 mm vor dem eigentlichen Displayrand aufhört – warum, das bleibt wohl ein Geheimnis von OnePlus. Der Bildschirm an sich wird übrigens durch Corning Gorilla Glas 4 geschützt.

DER AKKU

Waren die Vorgänger noch mit 3100 (OnePlus) bzw. 3300 (OnePlus 2) mAh-Akkus unterwegs, bietet die dritte Generation „nur“ noch 3000 mAh. Fest steht: Auch wenn ein wenig mehr bestimmt nicht geschadet hätte, ist man mit dem OnePlus 3 besser unterwegs als mit dem direkten Vorgänger. Eigene Stromspar-Optionen bringt Oxygen OS nicht mit, also muss man mit den üblichen Mitteln haushalten und hoffen, dass die Balance zwischen SoC, Software und Akku das „Bigger-is-better“-Lager Lügen straft. Natürlich durfte – respektive musste – auch das OnePlus 3 mit seinem Akku durch die Knochenmühle namens „PCMark“ und sich den Fakten des Tests in Form eines synthetischen Benchmarks stellen. Wie mittlerweile bei unserem bloginternen Testszenario gewohnt, setzen wir auch hier die bekannten Parameter: Manuelles Herunterregeln der Helligkeit auf 50%, Einschalten von WLAN und Bluetooth und aller Benachrichtigungen und dann: Feuer frei!

OnePlus3_PC_Mark

Anschließend durfte der Benchmark bei 100% Akku seine Arbeit aufnehmen und bis zum Stand von 20% einige Szenarien am Stück durchlaufen, die wir in Summe zwar fast nie so schnell hintereinander nutzen, die aber zumindest grob ausspucken sollten, wo wir denn mit den 3000 mAh im OnePlus 3 am Ende stehen. Wurde eine bessere Akkulaufzeit dem schlanken Design geopfert oder ist OnePlus die schmale Gratwanderung zwischen Optik und Laufzeit – unabhängig von der Ladetechnik – geglückt?

Das Ergebnis: Kein Grund, hemmungslos in Jubelstürme auszubrechen, aber positiv überraschend und im Vergleich zu den Werten des direkten Vorgängers ein Grund für das ein oder andere anerkennende Nicken. War der Akku vorher vollgeladen, stand am Ende des Benchmarks noch 20% Restlaufzeit und laut PCMark ein Work Battery Life-Wert von 7:22 Stunden zu Buche. Rechnet man das Ganze dann hoch, kommen wir somit auf 9:13 Stunden und zu der mittlerweile hohlen Phrase, dass zumindest mich dieses Gerät locker über den Tag bringt, auch wenn es Abends dann doch knapp wird.

„Knapp“ ist allerdings relativ, bringt das mitgelieferte Netzteil mit der Dash Charge-Technologie das Smartphone doch bei einer ungefähren Ladezeit von 30 Minuten knapp über die 60 Prozent-Marke: Sofern Ihr also eine passende Steckdose findet, kann so nachgetankt werden. Da die Ladetechnik komplett aus dem Gerät in die äußere Peripherie verlegt ist, wird das Smartphone auch nicht warm, wenn es gerade nachtankt – zwar würde ich es begrüßen, wenn die Hersteller sich vielleicht einmal einen auf gemeinsamen Standard in Sachen Ladetechnik einigen würden, aber das ist ein anderes Thema. Dash Charge – übrigens basierend auf Oppos Schnellladefunktion VOOC – tut was es soll und das erschreckend gut, sofern Ihr natürlich die Original-Komponenten (und damit ist auch das USB Typ C-Kabel gemeint) nutzt.

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Auch hier gilt die übliche Belehrung: Dies ist (m)ein Testszenario und meine individuelle Nutzung eines jeden Endgerätes wird sich wohl definitiv von Eurer unterscheiden. Im Alltag habe ich die Helligkeit des Gerätes auf automatisch gestellt, WLAN und Bluetooth immer an, rufe drei E-Mail-Konten per Push ab, bin täglich in den üblichen sozialen Netzwerken- und News-Apps unterwegs und auch das ein oder andere Spiel ist mal dabei. Das Ganze kann bei Euch ungefährlich ähnlich, aber auch gänzlich anders aussehen und wie immer ist das eine hier ein Benchmark und das andere eine Erfahrung, die auf meiner subjektiven Nutzung des OnePlus 3 basiert: Also bitte nichts in Stein meißeln!

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DIE PERFORMANCE

Tja, Ihr habt die Eckdaten oben gesehen –  Snapdragon 820 mit 2 x 2,2 GHz und 2 x 1,6 GHz, einer Adreno 530-Grafikeinheit und 6 GB an Arbeitsspeicher sprechen für sich und holen im AnTuTu-Benchmark satte 139.505 Punkte. Pole Position auf dem Längenvergleich der Smartphone-Größen, Glückwunsch an OnePlus! Das Gesamtpaket stimmt, auch wenn die 6 GB RAM in meinen Augen zwar viel Luft nach oben darstellen, aber doch in erster Linie ein dicker Marketing-Aspekt sind – was meint Ihr? Zu keinem Zeitpunkt habe ich bei dem OnePlus 3 nennenswerte Temperaturveränderungen feststellen können und egal, was gemacht und angespielt wurde: Das Smartphone blieb seiner „Power-to-the-End“-Richtlinie treu und schlichtweg „cool“. Kein Ruckler trübte das Gesamtergebnis und auch nennenswerte Leistungseinbußen waren nach längerer, intensiver Nutzung nicht zu verspüren.

Stichwort „RAM“: Bei aller positiver Resonanz sorgte OnePlus in Sachen RAM-Management dann doch für ein paar Schlagzeilen, wo man sich erklären musste – warum 6 GB RAM im Smartphone verbauen, wenn die Apps durch das aggressivere RAM-Management eh nicht sonderlich lange verfügbar sind? Hand aufs Herz: Ich gehöre noch zu denen, die hin und wieder meinen, aus Ordnungsgründen (jaja, einen Tick hat ja jeder) vorhandene Apps schließen zu müssen. Aus dieser Sicht gesehen, habe ich (bewusst oder nicht) das RAM-Management nicht weiter zur Kenntnis genommen, bis ich halt darüber gelesen habe – tangierte mich also während der Nutzungsphase daher weniger bis gar nicht. Aber auch dieses „Manko“ möchte man ja zeitnah durch das Oxygen OS 3.1.4-Update beheben, der Gesamtperformance tat das bei meiner Nutzung aber absolut keinen Abbruch, wird aber beim ein oder anderen womöglich anders aussehen.

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DIE KAMERA

Ihr kennt das ja mittlerweile – in meinen Testberichten weise ich ja häufiger darauf hin, dass bei mir der Gesamteindruck eines Smartphones mit der Kamera steht oder fällt, während mir dieser Aspekt bei Tablets eher weniger wichtig ist. Wer sich also im Jahr 2016 in der Riege der Top-Smartphones behaupten möchte, muss sich an den Kameraeinheiten in den aktuellen Vorzeigemodellen der Mitbewerber messen lassen.

War die Kamera schon beim OnePlus 2 gut, so würde ich persönlich die Kamera im aktuellen Nachfolgemodell als deutlich besser bezeichnen, wenngleich auf dem ersten Blick die Bilder schon einmal deutlich kontrastreicher wirken. Die Farbgebung wirkt natürlich und nicht überzogen, bei weniger natürlichem Licht driftet sie aber eher in Nuancen ab, die ich als „weniger lebendig“ bezeichnen würde – das fällt auf. Auch der HDR-Modus – den einige Quellen im Netz auch nicht als optimal bezeichnen – kann ich nur lobend erwähnen, da hier wirklich mehr Details zum Vorschein kommen als ohne die Funktion. Der optische Bildstabilisator unterstützt den Hobbyfotografen ebenso gut wie die optional hinzuzuschaltende RAW-Unterstützung, um das ein oder andere Bild noch mit entsprechender Software auf Rohdatenbasis weiterzubearbeiten.

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Positiv auffallen tut auch der automatische Modus – in eigentlich keinem Fall hatte ich das Bedürfnis, den manuellen Modus verwenden zu müssen – ausser eben, um genau diesen Modus einmal auszuprobieren. Die 8 Megapixel bei der Frontkamera machen (je nach Motiv und Ausleuchtung) ihre Arbeit auch entsprechend gut, wobei mir persönlich eigentlich diese Kamera nicht wirklich wichtig ist – aber auch hier gilt der Hinweis auf die verschiedenen Geschmäcker und Einsatzzwecke. Regelrecht putzig ist übrigens die Möglichkeit, ein Lächeln bei Selfies zu erkennen und anschliessend einen Countdown zu starten, der in einer (hoffentlich gelungenen) Ablichtung des eigenen Erscheinungsbildes endet. Verschönerungsoptionen á la Huawei vermißt man hier (oder nicht), aber wie Caschy schon sagte: Das Leben zeichnet Gesichter und nicht die Frontkamera Eures Smartphones 😉 !

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Die Kamera-App ist direkt über den Launcher, den Lock-Screen oder via Geste aufzurufen und reagiert schnell. Optionstechnisch sind genau die Punkte da, die man für ein schnelles Bild benötigt und die schon quasi standardtechnisch in den Kamera-Apps vorhanden sind: Foto, Video, Panorama, Zeitlupe- und Zeitraffer. Einen manuellen Modus, der einem dann natürlich noch deutlich mehr Möglichkeiten bietet als die Automatik-Funktionen, ist ebenfalls direkt per Wisch vom linken Bildschirmrand nach rechts erreichbar. Positiv zu bewerten ist auch die quasi nichts existente Auslöseverzögerung – auch beim OnePlus 3 ist ein Schnappschuss ein Schnappschuss und kann entsprechend schnell erstellt werden, ohne dass die Kamera-App zwei Sekunden braucht, um in die Gänge zu kommen.

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Die Performance der Kamera als auch die Möglichkeiten der Bedienung  habe ich als absolut und übersichtlich empfunden. Ohne viel Schnickschnack kann man sich auf das Wesentliche ohne eine spürbare Auslöseverzögerung konzentrieren und wer es für sich einstellt, kann über das doppelte Drücken der Power-Taste die Kamerafunktion direkt starten. Auch in Sachen Videoaufnahme ist man gut unterwegs: 720p, 1080p oder 4K-Auflösung ist bei den Videos möglich und auch hier farbecht – speziell bei gutem Licht. Auch die Qualität paßt, sofern man nicht extrem oder schnell zoomt, hier läßt das Kameramodul des OnePlus 3 Federn, ist aber schließlich auch keine Action-Cam, sondern ein Smartphone. Von daher: Geschenkt!

Auch der manuelle Modus bietet einem wie auch beim OnePlus 2 genug Möglichkeiten, sich auch abseits der Standardmodi entsprechend auszutoben und an dem ein oder anderen Parameter gezielt Hand anzulegen. Übrigens beherrscht die Software auch die Speicherung im RAW-Format und auch die Standortbestimmung der Fotos ist natürlich auch möglich, wenngleich die Optionen hierfür ein wenig versteckt scheinen: Wischt Ihr die einzelnen Kamera-Modi herbei, sehr Ihr rechts oben das Zahnrad, wo Ihr unter anderem die Standortfreigabe, den Auslöseton oder den RAW-Modus aktivieren könnt.

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Knips-Fazit: Mir gefällt die Kamera des OnePlus 3 und erfüllt meine Bedingungen an eine Smartphone-Kamera mehr als nur „so eben“. Sie spielt Ihre Stärken bei hellem Tageslicht aus, dann wirken die Bilder am lebendigsten – fehlt das Licht, kommen die Schnappschüsse hingegen eher kühl daher und ich vermisse ein, zwei lebendige Nuancen. Die Schärfe scheint auch zu den Rändern hin nicht unbedingt zu verwischen, anscheinend hat man hier die Balance zwischen Qualität und einem gewissen Grad an softwareseitigen Optimierungen gefunden. Im Dunklen lässt das Kameramodul dann deutlich Federn – die Ergebnisse sind weit davon entfernt, schlecht zu sein, aber das machen die Gesamtpakete in Samsungs Galaxy S7 oder dem Huawei P9 – die beiden Lieblinge meines Kalenderjahres – deutlich besser. Aber wie gesagt, auch das ist ein rein subjektiver Eindruck, aber so richtig schlecht habe ich eigentlich lange keine Kamera erlebt – zumindest nicht so schlecht, dass ich persönlich vom Kauf des Gerätes Abstand nehmen würde, weil die Kamera einem Totalausfall gleichkommt. Wer sich die Bilder einmal in der Qualität, wie sie auf dem Smartphone im Original abgelegt werden, genauer anschauen möchte, findet Sie übrigens auf dieser Dropbox-Freigabe!

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DIE SOFTWARE

Nach wie vor setzt OnePlus beim OnePlus 3 auf Oxygen OS, das dem von mir so geliebten „Vanilla Android“ optisch sehr nahe steht, in Sachen Software allerdings durch die ein oder andere pfiffige Sache erweitert wird. Direkt bei der Ersteinrichtung des Gerätes haben wir die Möglichkeit, uns für eine Tastatur zu entscheiden – ich bin beispielsweise ein Freund der Google-Tastatur, als Alternative lässt mir OnePlus aber auch die Möglichkeit, direkt mit der bekannten SwiftKey-Tastatur zu starten. Hat man sich dafür entschieden, prüft das Gerät erst einmal die Verfügbarkeit von Oxygen OS-Updates (das war hier der Fall), dann kann man loslegen und die üblichen Einrichtungsschritte weiter verfolgen, die man auch von anderen Android-Geräten kennt – beispielsweise die Datenübertragung von einem anderen Telefon oder das Zurückspielen aller installierten Apps Eures Vorgänger-Smartphones.

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Optisch wirkt das Ganze nach wie vor und wie bereits Eingangs erwähnt sehr nah am Vanilla-Android und könnte auch als Nexus-Smartphone durchgehen. Übersetzungsfehler, wie ich sie seinerzeit in den Optionen des OnePlus 2 gefunden habe, sind diesmal nicht mehr zu finden: Ein Indiz mehr dafür, dass man auch hier seine Hausaufgaben gemacht und an einem stimmigen Gesamterlebnis gearbeitet hat. Die gesamte Oberfläche an sich läuft ruckelfrei (alles andere wäre bei der Hardware auch ein kleines Armutszeugnis für die Software-Adapation) und während des gesamten Testzeitraums von aktuell zwei Wochen ohne Abstürze: Das Benutzererlebnis wirkt hier komplett gereift.

Als optionale Erweiterung des Launchers lässt sich übrigens auch wieder Shelf verwenden: Hier können wir durch das Wischen nach rechts eine Übersichtsseite zu Tage fördern, wo die bekannten Widgets, die beliebtesten Apps oder die letzten Anrufer in Kartenform hinzugefügt werden können. Das erfordert Anfang eine Umgewöhnung, man spart sich aber beispielsweise das Wetter-Widget, da hier in der Übersicht das Wetter des aktuellen Standorts bereits angezeigt wird. Eine kleine, aber feine und auf Wunsch auch wieder deaktivierbare Erweiterung, die Sinn macht. Gefallen hat mir übrigens ebenso die unter anderem vom OnePlus X bekannte Möglichkeit, die systemweite optik wieder komplett auf dunkel zu stellen.

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Für mich immer noch positiv in Sachen Umfang von Oxygen OS: Lästige Software, die man nicht braucht oder sinnfreie Apps finden wir auch hier nicht – das System kommt schlank und nur mit dem Notwendigsten, aber auch mit den entsprechenden Google-Diensten- und Apps daher. Selten agiert ein Hersteller-ROM so nahe an dem von mir so geliebten Vanilla-Android und wem der äusserst gut zu konfigurierende OnePlus-Launcher nicht zusagt, kann sich natürlich problemlos an einem der vielen, in der Vergangenheit bereits oft genannten Alternativen versuchen.

One_Plus_3_SIM_Software

Die Dual-SIM-Steuerung gefällt mir ebenfalls sehr gut und Ihr könnt hier auch bequem und direkt konfigurieren, welche Karte für Datendienste, Anrufe und/oder SMS verantwortlich sein soll. Aufatmen für alle, die ob der Gerüchte in der Vergangenheit nicht wußten, welche LTE-Bänder vom OnePlus 3 unterstützt werden: Das OnePlus 3 unterstützt übrigens alle deutschen LTE-Frequenzbänder!

Wer übrigens in der Taskansicht nicht das normale Symbol rechts unten nutzt, um alle aktiven Apps zu schliessen, sondern den stattdessen das Besen-Symbol in der Mitte verwendet, räumt nicht nur auch diverse Hintergrundprozesse auf, sondern kann mitunter als Nutzer einer auf Android Wear basierten Smartwatch auf ein weiteres Problem stoßen: Die Synchronisation zwischen Endgerät und Uhr versagt danach schlichtweg ihren Dienst, auch wenn die Bluetooth-Verbindung weiter besteht. Erst ein Neustart des OnePlus 3 machte die Kommunikation zwischen beiden Einheiten wieder möglich. Die folgende Warnung sollte man also entsprechend beherzigen, da der Besen wohl wirklich entsprechend kehrt: Ob diese Funktion jetzt dem RAM-Management geschuldet ist, kann ich an dieser Stelle nicht ergründen – Fakt ist aber, dass diese Funktion durchaus mehr aus dem Speicher löscht als vielleicht ursprünglich gewünscht.

One_Plus_3_Task_Broom

DAS FAZIT

Lange Rede, kurzer Sinn: In der heutigen Zeit vom „großen Wurf“ in Bezug auf ein Smartphone zu sprechen, finde ich persönlich immer schwer. Der Markt ist eigentlich gesättigt und nur Nuancen heben den ein oder anderen Hersteller mit seinem jeweils aktuellen Modell wieder für einen Moment auf eine kleine Stufe über das Level der jeweiligen Mitbewerber-Geräte. OnePlus ist mit der dritten Generation aber endlich ein „größerer“ Wurf gelungen, der den Chinesen in einem Jahr, in dem mir persönlich Samsungs 7er-Serie und Huaweis P9 besonders gefallen haben, auf jeden Fall ein Plätzchen auf dem Treppchen beschert. Das OnePlus 3 ist ein wunderbares Gesamtpaket zum – Vorsicht, ausgelutscht! – oberen Mittelklasse-Preis und bietet viele Stärken bei fast keinen Schwächen. Ob in Sachen purer Leistung, mitgebrachter Standards oder Software: Das OnePlus 3 ist eine sehr runde Sache zu einem Preis, der entweder wirklich in Richtung Mittelklasse abzielt oder aber für Flaggschiffe (da ist es wieder, das Wort!) des letzten Jahres in Betracht kommen könnte.

NFC ist an Bord, eine Schnellladetechnik ist (mit Originalzubehör) ebenfalls mit dabei, Qualcomms aktuell schnellster SoC feuert das OnePlus 3 an und bescheren ihm – zumindest in Benchmark-Theorie via AnTuTu – die Pole Position auf dem Leistungsspektrum. Ob die 6 GB RAM sein müssen oder eher dem Marketing geschuldet sind, liegt auf einer anderen Hand: 4 GB RAM und ein anderes RAM-Management (an letzterem arbeitet man ja und soll das mit Oxygen OS 3.1.4 beheben) wären hier interessanter, damit nicht wieder irgendwie der Eindruck aufkommt, man hätte unnötig getrickst – denn das Gesamtbild des OnePlus 3 ist stimmig.Wer mehr als ein Full HD-Display möchte und auf den Bereich VR schielt, wird an diesem Smartphone höchstwahrscheinlich vorbeiziehen – persönlich brauche ich (aktuell) nicht mehr.

One_Plus_3_Hand

Müßte ich auf hohem Niveau jammern, würde ich mir trotz der großzügig bemessenen 64 GB Speicher einen Micro SD-Karten-Slot und einen minimal größeren Akku, respektive eine erweiterte Energieverwaltung, wünschen. Auch sind die 5,5 Zoll eine Hausnummer, die nicht jeder Hand liegen – in meinem Fall scheinen 5,2 Zoll das Maß aller Dinge zu sein. Aber versteht mich nicht falsch: Das ist schon das bekannte Suchen nach der Nadel im Heuhaufen, dann dieses Gerät ist für den Preis kompletter, als es sein könnte und in Sachen Komponenten fast ultimativ gut ausgestattet. Und vor allem: Das OnePlus 3 ist endlich ist endlich ohne großes Marketing-Gejodel oder künstliche Verknappung sehr zeitnah nach dem Produkt-Launch frei auf dem Markt verfügbar.

Kurzum: Mir fehlt – auch oder gerade als Techie – das große „Aber“ beim OnePlus 3. Das Gesamtpaket stimmt – die richtig gute Kamera stinkt nicht gegen Samsungs S7-Geräte und (subjektiv empfunden) nicht gegen das Huawei P9 an (zwei Geräte, mit denen ich direkt vergleichen kann) an, aber so ziemlich alle Kritikpunkte der Vergangenheit sind aktuell einfach nicht da. Klar – wichtig wird, wie sich OnePlus bei etwaigen Servicefällen- und Reparaturen verhält: Hier mußte man in der Vergangenheit – zu Recht – arge Schelte einstecken.

In Sachen Software-Updates habe ich binnen knapp zwei Wochen zwei OTA-Updates erhalten und verweile aktuell auf Oxygen OS 3.1.3 mit dem Juni-Sicherheitspatch und Oxygen OS 3.1.4 steht in den Startlöchern. Hält OnePlus dieses Tempo bei, darf man hoffen, dass das immer noch junge Unternehmen aus der Vergangenheit gelernt und seine Hausaufgaben gemacht hat – wobei man aber auch nicht die Pflege der Vorgängermodelle vergessen sollte. Nebenher (danke für die Erinnerung, Blackbird1997!) darf man auch nicht vergessen, dass man nicht an OxygenOS festgenagelt ist, bringt das OnePlus 3 doch schon von Haus aus einen per Option entsperrbaren Bootloader mit und wird bereits von CyanogenMod und Paranoid Android in Sachen Custom ROMs versorgt. Mit dem OnePlus 3 hat man auf jeden Fall eins meiner persönlichen drei Smartphone-Highlights des bisherigen Jahres auf den Markt geworfen und gezeigt, dass überwiegend kompromißlose Qualität nicht erst zwingend ab 700 EUR aufwärts zu bekommen ist. Chapeau, OnePlus!



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Über den Autor: Oliver Pifferi

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