Testbericht Huawei P10

19. März 2017 Kategorie: Android, Hardware, Mobile, geschrieben von: caschy

Das ging flott. Gefühlt ist das Huawei Mate 9 noch sehr frisch (hier unser Testbericht), da folgt auch schon ein weiteres Flaggschiff, das Huawei P10. Dieses ist der offizielle Nachfolger des Huawei P9, ein Smartphone, welches ich hier im Blog ebenfalls testete. Die Besonderheit war damals die Optik der Kamera, die man in Zusammenarbeit mit Leica realisiert hat. In diesem Bericht möchte ich aufschreiben, wie sich das Huawei P10 sich bei mir in den letzten Wochen der Benutzung geschlagen hat. Ich stelle hier auch in Sachen Ausstattung kurz das größere Gerät mit vor, denn falls das Huawei P10 zu klein in euren Händen ist und ihr es etwas größer mögt, dann könnte das Huawei P10 Plus etwas für euch sein.

Das Huawei P10 ist mit einem 5,1 Zoll FullHD-Display ausgestattet. Das Gerät liegt meiner Meinung nach sehr gut in der Hand und wirkt auf den ersten Blick auch nicht wie ein 5,1 Zoll-Smartphone. Für Nutzer, die kleinere Geräte bevorzugen, könnte dies vorteilhaft sein. Das Huawei P10 Plus kommt mit einem 5,5 Zoll WQHD-Display, ist also nicht nur größer, sondern bietet auch eine höhere Auflösung.

Ausgestattet sind beide Geräte mit dem Kirin 960 SoC, der einen 2,4 GHz Octa-Core-Prozessor und eine Mali G-71 GPU für alle grafisch intensiven Anwendungen beherbergt. CPU und Speicher werden dabei durch Machine Learning (findet direkt auf dem Gerät statt) so angepasst, sodass die Nutzung auch auf Dauer nicht langsamer wird. Ein Punkt, den Huawei bereits zur Vorstellung des Mate 9 erwähnt wissen wollte.

USB-C ist in beiden Geräten anzutreffen, allerdings setzt Huawei lediglich auf den USB 2.0-Standard. Sollte aber in der Regel nicht weiter stören, normalerweise wird der Anschluss zum Aufladen verwendet. Übertragt ihr in der Regel aber große Datenmengen vom Rechner via Kabel auf das Smartphone – oder vice versa – dann könnte euch dieser Umstand stören.

Logischerweise wird über USB-C auch aufgeladen, hier kommt Huawei Super Charge ins Spiel, eine Schnelllademethode, welche die Temperatur niedrig und die Ladegeschwindigkeit hoch hält. In 90 Minuten lässt sich der Akku so komplett füllen. NFC, WLAN ac und Bluetooth 4.2 sind ebenfalls bei beiden Geräten an Bord. HiGeo soll unterdessen für eine bessere Positionsbestimmung sorgen, sodass man bei der Navigation zum Beispiel nicht mehr vom Weg abdriftet.

An einer neuen Position befindet sich der Fingerabdruckscanner. Der ist nämlich nach vorne gewandert, sorgt aber nicht nur für die Entsperrung des Smartphones, sondern dient auch als Homebutton – iPhone-Nutzer kennen das sicherlich. Auf Wunsch lässt sich der Button sogar mit Gesten bedienen.

Dann wiederum kann man die Softkeys ausblenden lassen, sorgt für eine noch cleanere Ansicht. Als Fingerabdruckscanner funktioniert der Button natürlich ebenfalls sehr gut, Huawei hatte schon immer mit die schnellsten Scanner auf dem Markt. Der Scanner ist unter Glas, es ist auch kein Button, der sich wirklich drücken lässt. Entsperren geht ratzfatz.

Kameras sind natürlich auch mit drin. Und wenn man sich den Vorgänger anschaut – nämlich das Huawei P9 – dann kommt man nicht umher, dass der Fokus beim P10 und beim P10 Plus auch auf den Kameras liegen sollte. 20 + 12 Megapixel gibt es auf der Rückseite.

Der Monochrom-Sensor liefert dabei 20 Megapixel für die Details, während der 12 Megapixel-Sensor für die Farbinformationen auf einem Bild sorgt. Im P10 gibt es im Prinzip den gleichen Kamera-Aufbau wie beim Mate 9. Leica Summarit Linsen (wie beim P9) mit einer Blende von f/2.2 werden hier eingesetzt.

Aber: Beim P10 Plus gibt es hingegen Summilux-Linsen mit einer f/1.8 Blende. Die aktuellen Smartphones zeigen: Nicht nur das normale Foto soll passen, auch in Sachen Porträts soll der Smartphone-Besitzer ohne viel Profiwissen im Bereich der Fotografie ansprechende Ergebnisse erzielen können. Porträts lassen sich bei den P10-Geräten nicht nur im automatischen Modus mit großer Linsen mit Bokeh-Efffekt schießen, sondern auch monochrom.

Neben dem Porträt-Modus gibt es auch einen 2x-Hybrid-Zoom, er ermöglicht verlustfreies Zoomen, das Ergebnis sind 12 Megapixel-Bilder. Da auch eine optische Bildstabilisierung (OIS) zum Einsatz kommt, werden Wackler beim Zoomen automatisch minimiert. Auch eine Refocus-Option gibt es wieder und natürlich diverse Software-Spielereien zur Verbesserung der Aufnahmen.

Wem zwei Leica-Kameras auf der Rückseite nicht genug sind, der sollte einen Blick auf die Vorderseite werfen, dort findet man erstmals ebenfalls eine Leica-Cam vor. Im P10 kommt sie mit Fixfokus, das P10 Plus bietet auch auf der Vorderseite Autofokus.

Mit 8 Megapixel löst die Frontkamera auf, der neue Sensor soll „zweimal hellere Bilder“ erlauben, so Huawei während der Vorstellung auf dem Mobile World Congress 2017 in Barcelona. Adaptive Selfie sorgt für eine automatische Erkennung, ob eine oder mehrere Personen auf ein Selfie sollen und zoomt die Objekte quasi immer bildschirmfüllend heran.

Die beiden Geräte kommen in unterschiedlichen Farben-, Oberflächen- und Ausstattungsvarianten. Die Versionen sind in den einzelnen Ländern oft unterschiedlich, das kennen wir bereits von anderen Geräten. In Deutschland wird der Kunde eine relativ überschaubare Auswahl haben, was vielleicht auch ganz gut so ist. In Sachen Ausstattung gibt es in Deutschland das P10 mit 4 GB RAM und 64 GB Speicher. Das P10 Plus wird in Deutschland mit 6 GB RAM und 128 GB Speicher verfügbar sein. (Update: Mittlerweile hat Huawei auch das Huawei P10 lite vorgestellt)

In Sachen Software setzt Huawei auf Android 7.0 Nougat und hat den eigenen Überzug EMUI 5.1 drauf. EMUI 5.1 geht auch noch einmal das Thema Fotografie an. In der Galerie gibt es nun ein Highlight-Feature, das automatisch Videos zu bestimmten Tagen oder Situationen erstellt. Die können dann natürlich auch geteilt werden, eine nette Funktion, die man ja auch von Google Fotos oder anderen kennt.

Hier noch einmal die technischen Daten von Huawei P10 und P10 Plus in der Übersicht, bevor ich kurz zu meinen gesammelten Erfahrungen komme.

So, was drin steckt, das wisst ihr nun. Doch das Ganze muss ja stimmig sein und passen. Und ob es das für mich ist, lest ihr nun. Anfangen möchte ich logischerweise mit der Optik und der Haptik, denn das ist der erste Berührungspunkt mit so einem Smartphone.

Ich habe mehrere Smartphones im Einsatz, neben einem iPhone 7 Plus liegt hier noch ein Google Pixel XL und ein Huawei Mate 9. Und dann nimmst du das Huawei P10 in die Hand und denkst erst einmal: Wow, das ist aber klein. Das sind halt die Nachteile, wenn man plötzlich von den größeren Geräten auf ein kleineres wechselt. Dennoch bietet das Huawei P10 satte 5,1 Zoll, bietet also schon eine recht ansprechende Bildschirmdiagonale.

Neu ist auch die Position des Fingerabdrucklesers, auf den ich direkt eingehen möchte. Der ist beim P9 und beim Mate 9 hinten und sitzt nun vorne – wie beim iPhone. Ich selber fand die Positionierung hinten nie wirklich schlecht, konnte aber auch jeden verstehen, den das störte.

Viele wollen ja „mal eben freischalten“, während das Gerät flach auf dem Schreibtisch liegt. Die Schaltfläche als solches bietet keinen Widerstand, je nach Konfiguration bekommt man ein haptisches Feedback. Was ich sympathisch finde, dass ist die Wahlfreiheit.

Der Nutzer kann das Android-System weiterhin über die virtuellen Schaltflächen auf dem Display bedienen und den Sensor nur zum Entsperren nutzen, er kann in den Einstellungen aber auch angeben, dass die komplette Navigation über den Fingerabdrucksensor laufen soll.

Das wirkte auf mich erst einmal komisch – obwohl das Konzept von iOS ja ungefähr bekannt sein dürfte. Ich probierte und machte – und stellte dann irgendwann fest, dass ich nur noch über den Fingerabdruckleser arbeiten wollen würden.

Die Arbeitsweise ist recht einfach: Einmal den verifizierten Finger auflegen und das Huawei P10 ist entsperrt. Wischt man mit dem Finger von links nach rechts oder von rechts nach links horizontal über die Schaltfläche, dann bekommt man die zuletzt verwendeten Apps, also den Task Switcher von Android zu sehen. Befindet man sich in einer App und möchte zum vorhergehenden Bildschirm, dann tippt man den Fingerabdrucksensor einmal an.

Ein längerer Press bugsiert euch zum Homebildschirm. Nun muss man bedenken, dass jede App anderes arbeitet. Während ich im Browser mit dem kurzen Tippen zur vorher besuchten Seite gelange, so ist es beispielsweise im Twitter-Client Flamingo anders.

Navigiere ich von Hand von meiner Timeline in die DMs oder in die Erwähnungen und will dann zurück, so muss ich das über das Display machen, nicht über den Fingerabdrucksensor. Der würde mich zum Startbildschirm des Systems bringen. Ist also immer eine Sache, wie die Android-App gestaltet wurde.

Hat nichts mit dem Fingerabdrucksensor zu tun, die App würde über die virtuellen Buttons ebenso reagieren. Probiert das mal aus, ich selber bleibe bei der Steuerung via Fingerabdrucksensor, auch wenn es mich anfangs nervte. Nervte deshalb, weil der Wisch für den Task Switcher anfangs nicht immer saß. Gewöhnt man sich dran, glaubt mir.

Ich sprach es bereits an: Das Huawei P10 wirkt trotz 5,1 Zoll Bildschirmdiagonale klein. Zumindest, wenn man auf ein größeres Gerät setzte. Ist natürlich Mumpitz, denn auch 5,1 Zoll sind ausreichend groß, sodass man Schwierigkeiten haben könnte, mit dem rechten Daumen in die linke obere Ecke zu kommen.

Man muss sogar aufpassen, dass man mit dem Handballen keine App startet, wenn man mit dem Finger eine App auf der anderen Seite des Bildschirms starten will. Das kann nämlich im schlechtesten Falle passieren.

Ansonsten ist das Smartphone in Sachen Verarbeitungsqualität wirklich sehr ansprechend. Das ist einfach wertig verarbeitet und unterstreicht den Anspruch, den Huawei mit den Flaggschiffen hat. Ich habe das Modell in Dazzling Blue. Die Vorderseite sieht aus wie mittlerweile fast jedes Smartphone. Schwarz und recht anonym – ohne Logos oder so. Die Rückseite ist anders, die ist leicht geriffelt, was auch für einen guten Halt in der Hand sorgt.

Einziger Punkt, den ich dahingehend bemängeln möchte: Der Übergang auf der Rückseite hin zum Kameramodul. Da ist ein winziger Spalt, der sichtbar ist, wenn sich Dreck ansammelt. Der innere Monk könnte rebellieren, sofern man keine Hülle nutzt.

Kommen wir nun zum Display. Huawei hat 1920 x 1080 Pixel im 5,1 Zoll großen Huawei P10 verbaut, der Gesamteindruck ist stimmig, hier wirkt nichts ausgefranst oder gar unscharf. Alles ist knackig scharf, das Display weist eine ordentliche Blickwinkelstabilität auf.

Tagsüber in einem normal hellen Raum werdet ihr nicht einmal 50 Prozent der Bildschirmhelligkeit benötigen und am Abend braucht ihr dementsprechend noch weniger Helligkeit. Das Display ist in seiner maximalen Einstellung sehr hell.

In Sachen Software sollte man bei Huawei aber vielleicht noch einmal nacharbeiten, denn die Autoerkennung wollte am Abend manchmal nicht so, wie ich das wollte. Da wurde dann zu hart geregelt, wie ich fand. War mir persönlich dann einige Male zu dunkel, trat aber eben auch nicht immer auf, sodass ich die automatische Steuerung der Helligkeit aktiviert ließ.

Ansonsten sei erwähnt: Sollte das Display euch nicht passen, dann werft einen Blick in die Einstellungen, hier kann man als Nutzer noch nachjustieren und die Farbtemperatur ändern. Diese lasse ich persönlich aber immer auf Standard. Auch dabei: Der Blaulichtfilter, der immer oder auf Basis Zeit aktivierbar ist. Dies soll am Abend die Augen schonen und weniger störend wirken.

Ein bisschen Getöse rund um das Display gab es in einigen Medien auch, denn das Huawei P10 kommt mit einer Displayschutzfolie. Die sitzt gut und selbst ich als Folienhasser habe die draufgelassen. Aber: Das Huawei P10 soll auf eine besondere fettabweisende Beschichtung verzichten. Das macht das Display unter Umständen anfälliger gegen eure Fingerabdrücke, des Weiteren lässt es sich nicht so einfach reinigen wie mit der Beschichtung.

Nun wäre ich nicht ich, wenn ich das nicht selber mal für mich nachvollziehen würde. Hier einmal ein Vergleichsfoto mit der standardmäßig aufgebrachten Folie nach Begrabschen. Danach reinigte ich „über die Hose“. Und den gleichen Spaß nahm ich vor, nachdem ich die Schutzfolie entfernte. Patscher zieht es magisch an, ja, es lässt sich aber wacker mit dem Wisch über eine Jeans reinigen. Verschmiert auch nicht schneller als Mate 9 oder iPhone.

Schmierig mit Folie

Nach Hosenreinigung mit Folie

Schmierig ohne Folie

Nach Hosenreinigung ohne Folie

Die Software: Ich habe keine Probleme mit der EMUI von Huawei. Ich nutze sie dennoch nicht, da ich auf jedem Smartphone den Nova Launcher mit einem auf mich angepasstem Setup einsetze. Dennoch verliere ich einmal ein paar Worte zur Oberfläche und den Apps. Huawei setzt beim P10 auf Android 7.0, EMUI ist in Version 5.1 enthalten. Es gibt Menschen, welche die Oberfläche lieben, andere hassen sie.

Ich persönlich mag nacktes Android, finde aber, dass in Sachen Einstellungen und Co. die Hersteller mittlerweile wieder Boden gutgemacht haben. EMUI 5.1 bietet einmal die aus iOS bekannte Ansicht mit allen Apps auf den Bildschirmen, seit dem Mate 9 gibt es aber auch einen App Drawer, der optional hinzugeschaltet werden kann. Die Einstellungen des Launchers sind für viele Nutzer sicherlich ausreichend. Man kann das Raster anpassen (4×5, 5×5 und 5×4), dazu gibt es einstellbare Übergänge.

Erwähnenswert für alle, die keine Dritt-App in Sachen Fotos nutzen oder gar Google Fotos: Die Galerie-App von Huawei taugt. Ich war ja immer der irrigen Meinung, dass Menschen Dritt-Apps oder so nutzen, aber als ich mal rumgefragt habe, haben viele Menschen, die ich nicht als Tech-Freaks bezeichne, durch die Bank ausgesagt, dass sie die Lösung ihres Herstellers nutzen. Die Huawei Galerie-App funktionierte auch mit größerem Bestand an Bildern gut und funktionierte „fluid“.

Sie ist auch nicht mehr das, was eine einfache Galerie früher ausmachte: nämlich ein Haufen von Bildern, die man in Ordner stecken konnte. Stattdessen ist man zusätzlich smart. Man zeigt die Location der Bilder an, sofern vorhanden – und sie versucht automatisiert, Bilder anzulegen. Ein Hauch von Google Fotos, allerdings auf dem Smartphone. Als ich mit meiner Frau und meinem Sohn den Spielplatz am Deich unsicher gemacht habe, sind auch einige Fotos entstanden.

Diese fand ich dann in einem separaten Album, welches das Smartphone für mich angelegt hatte. Nicht nur das – das Huawei P10 zeigt auf Wunsch auch kleine Filmchen an, die aus den Fotos, bzw. den Highights generiert wurden. Rückgrat des Videomodus ist die Partnerschaft mit GoPro, die die entsprechende Quik-App bereitstellen, die zugleich auch Video-Editor ist. Das ist eine nette Sache, denn so werden eure Fotos zu anpassbaren Filmchen, was vielleicht zu Erinnerungszwecken oder zum Versand an die Familie wirklich nett ist.

Ansonsten bietet EMUI 5.1 wieder einiges. So wird bei jeder App gewarnt, die viel Strom im Hintergrund verbraucht. Dann kann man diese kappen. Machte ich hinterher auch bei einigen, denn alles muss ich tatsächlich nicht immer aktiv haben, Instagram oder meinen Feedreader rufe ich wirklich nur bei Nutzung ab und ich bin immer dankbar für jedes Quentchen, welches ich einsparen kann.

Muss man nur schauen, dass man keine wichtigen Apps drosselt, sonst funktionieren diese im Hintergrund nicht. Bei Mail und ähnlichem vielleicht nicht so gut. Ansonsten habe ich keine Probleme, Benachrichtigungen kommen immer durch, dies ist ja ein Problem bei Huawei gewesen, welches in manchen Foren besprochen wurde.

Die Akkuleistung: Ich habe das Huawei P10 als mein Hauptgerät einige Zeit genutzt. Hierbei habe ich bis auf Bluetooth alles aktiv gelassen. Bei moderater Nutzung ohne Gaming bin ich jeden Tag bis in die Nacht hinein mit dem Akku hingekommen – morgens war dann noch Dampf auf dem Kessel. Ich habe dann aber dennoch immer am Abend nachgeladen, da ich tagsüber ja ohne Anschluss hinkommen wollte. Dennoch ist das Huawei P10 kein Akkuwunder, sondern liegt in Sachen synthetischer Benchmark etwa mit dem Huawei P9 gleichauf.

Eine auf die Minute genaue Angabe ist allerdings unmöglich, da so unfassbar viele Szenarien wie WLAN oder mobiler Netzzugang, Signalstärke, automatische Displayhelligkeit, Außenbedingungen, Art der Anwendung und ähnliches mit in die Laufzeit des Akkus fallen. In der letzten Zeit gehen wir hier aber im Blog etwas anders mit Test-Szenarien um, um zumindest etwas konkreter werden zu können.

Wie bei den letzten Tests haben wir einen synthetischen Benchmark hinzugezogen –  in Form der App „PCMark“. Hierbei wurde die Helligkeit manuell auf 50 Prozent eingestellt (was schon viel ist), WLAN war die ganze Zeit über aktiv, LTE auch und die Benachrichtigungen des Smartphones waren aktiviert.

Daraufhin durchläuft der Benchmark verschiedene Alltags-Nutzungsszenarien wie das Betrachten von Bildern und Videos, das Surfen um Web und vieles mehr. Dies spielt der Benchmark-Test so lange durch, bis der vorher vollgeladene Akku auf 20 Prozent runtergefahren ist. Hier ergab sich der Wert von 6 Stunden und 36 Minuten – 396 Minuten. Kramt man sein Schul-Mathe raus auf und rechnet die restlichen 20 Prozent drauf, kommt das Huawei P10 auf eine ungefähre Akkulaufzeit 495 Minuten – oder aber auch rund 8 Stunden und 16 Minuten.

Das ist ziemlich identisch zum P9, welches auf 8 Stunden und 22 Minuten kam. Das ist natürlich eine Ecke weniger als das Huawei Mate 9, damit kam ich in diesem Test auf 10 Stunden und 37 Minuten. Zum Vergleich: Der Akku des Mate 9 hat eine Kapazität von 4.000 mAh, der des P9 hat 3.000 mAh. Der P10-Akku hat 3.200 mAh.

Hier ist jedoch folgendes zu bedenken: Dies sind Testszenarien. Meine Nutzung ist immer anders als die eure. Die Akkulaufzeit hängt immer von der persönlichen Nutzung und den installierten Apps ab. Daher ist dieser Akkutest lediglich als Richtwert anzusehen und nicht als absolute Angabe – zudem hat jeder Hersteller unterschiedliche Helligkeitswerte bei 50 Prozent.

Wer noch mehr Akku will, der muss sich halt ein anderes Gerät kaufen – oder noch besser: eine günstige und transportable Powerbank. Des Weiteren ist zu bedenken: Man kann mit recht kurzer Ladezeit viel Nutzzeit aus dem Huawei P10 ziehen. Hierbei ist zu bedenken, dass der Akku von leer nach etwas voll schneller lädt als von leer nach ganz voll. Nach hinten raus dauert es immer eine Ecke länger.

Die Leistung. Wie immer habe ich das Huawei P10 auch bespielt. In den gängigen Casual Games gab es keine Ruckler und auch Asphalt und Co. liefen bei mir fehlerfrei. Gesprochen in Zahlen muss man allerdings aufpassen. Mich interessieren für gewöhnlich keine Benchmarks, doch muss man bedenken: Moderne Prozessorarchitektur gibt nicht immer Vollgas.

Wird das Smartphone über längere Zeit starker Last ausgesetzt so erwärmt es sich, gelegentlich kann es so sein, dass die Leistung zeitweise herunter geregelt wird. So kann es sein, dass sich unterschiedliche Werte bei den Benchmarks ergeben, der erste somit einen höheren Wert erreicht als der fünfte. Sieht man auch sehr gut in meiner Gegenüberstellung. Lasst euch also nicht von Zahlen blenden.

Wir sprachen hier schon häufig im Blog über Tricks, die manche Hersteller betreiben, damit die CPU immer volle Kanne läuft. Fakt ist: Will man nackte Zahlen heranziehen, so sind diese Werte höher als beim Vorgänger und als beim Mate 9. Dennoch empfinde ich beide Geräte im normalen Alltag nicht als langsamer oder schlechter.

Die Kamera. Sie soll wieder ein Herzstück sein. Ist sie auch. Ich werde hier nicht noch einmal auf die ganzen Möglichkeiten der Frontcam eingehen. Generation Selfie hat im P10 die perfekte Lösung, wie aber auch schon im P9 oder Mate 9 – der einzige Unterschied ist das Leica-Branding. Die 8 MP starke Frontcam hat Autofokus nur im Plus-Modell, das P10 kommt mit Fixfokus.

Der Fokus ist rasant und Fotos gelingen. Dies übrigens auch, wenn man nicht den bekannten Verschönerungsmodus von Huawei nutzt, der die gröbste Pore so glattziehen kann als sei ein frischer Babypo fotografiert worden. Nein ernsthaft. Die Front-Kamera kann richtig was, auch ohne das direkte Verschönern. Es gibt einige Filter, darunter Schwarz-Weiß-Modi, mit denen man wirklich ein nettes Bild von sich hinbekommt. Wie immer gilt: Nicht den Perfect Selfie-Modus auf höchster Stufe nutzen! 😉

Das Huawei P10 bietet diverse Voreinstellungen, OIS und einen Automatikmodus, der wahrscheinlich den meisten Menschen auf die Schnelle reicht. Aber es ist auch ein professioneller Modus dabei, der sämtliche Einstellungen manuell erlaubt. Neben meinen Fotos habe ich euch mal ein paar meiner bloggenden Kollegen reingepackt, damit auch mal Inhalte aus einem anderen Blickwinkel dabei sind. Die Kollegen sind Daniel Matzkuhn und Sascha „Gilly“ Israel.

Geht man nach den Profis, so spielt die Kamera in einer Top-Liga. 87 Punkte erreicht man im DxOMark Mobile, der aber auch nur spezielle Testszenarien abspult. Damit spielt man in der Top-Liga, das Pixel von Google steht mit 89 Punkten an Platz 1. Hierbei zeigt sich sicherlich, dass es Unterschiede gibt – von denen ich aber behaupte, dass der normale Nutzer sie nicht mitbekommt. Man liegt ein wenig über dem Mate 9 – und selbst da kann ich bei Standardfotos keinen Unterschied ausmachen.

Ein Schwenken auf das P10 nur aufgrund der Kamera ist von daher nicht wirklich gegeben. Ich für meinen Teil kann festhalten, dass ich die Kamera-Software des P10 sehr mag und ich aus diesem Gerät für mich fabelhafte Fotos ziehe. Und ja, mir ist so etwas wichtig, da ich keinerlei andere Kameras mehr nutze und vor allem auch nicht mehr nutzen möchte. Man ist mit der Kamera des Huawei P10 im Standardmodus gut bedient – und wer sich die Zeit nimmt, der holt da eine ganze Menge mehr mit raus.

Dennoch möchte ich noch einmal separat den Porträtmodus erwähnen. Denn den finde ich verbesserungswürdig. Ich habe zum Vergleich den des iPhone 7 Plus und der ist subjektiv betrachtet besser. Ich habe mit dem Huawei P10 massig Fotos gemacht. Im Porträtmodus mit und ohne große Blende. Ehrlich, die meisten Fotos sind Schrott. Entweder fehlen Haare, es ist verwischt oder es fehlen halbe Ohren. Hier einmal ein paar Fotos zum durchwischen:

Das hat mir echt ein wenig die Freude am Modus vermiest, da ich gerne mit dem Smartphone Portätfotos aufnehme. Und da möchte ich schon eine ordentliche Ausbeute haben. Habe ich hier leider nicht gehabt. Noch einmal: Es gelingen auch garantiert gute Fotos, wenn man herumexperimentiert und zig Shots macht. Aber die Porträtfotos gelangen nie so schnell und nie so gut wie auf einem iPhone 7 Plus.

Außerdem hat der Videomodus bei mir und einigen Testern ein Problem: Der Ton im Standardmodus 1080p ist minimal asynchron. Lippenbewegungen passen also nicht ganz zum gesprochenen Wort.

Weiteres in Kurzform: Ich hatte mit dem Huawei P10 keinerlei Probleme im WLAN. Auch Telefonieren war absolut keine Hürde für das Gerät, in einem normalen Netz konnte ich meine Gesprächspartner gut verstehen und diese mich. Der Lautsprecher des Huawei P10 ist ausreichend laut und bringt auch warme Klänge in ausreichender Lautstärke rüber. Keine Selbstverständlichkeit. Lediglich im letzten Viertel der Lautstärke wurde es quakig, wie bei vielen Smartphones.

Das Gerät unterstützt den Einsatz von zwei SIM-Karten. Dieses Feature nutze ich nicht, stattdessen ist auch der Einsatz einer microSD-Karte möglich. Die habe ich kurzzeitig zum Test eingesetzt, mich aber dann auf die Nutzung ohne entschieden, da die 64 GB-Variante in meinem Test für alle Inhalte ausreichend Platz bot.

Eine Art Fazit? Wie ich erwähnte: Wer sich auf große Geräte eingeschossen hat, der wird sich mit dem Huawei P10 keine Freude machen. Greift zum P10 Plus, wenn ihr diese Art Smartphone oder den Hersteller ins Auge gefasst habt.

Falls ihr die Monochrom-Kamera oder den Porträtmodus eh nicht nutzt: Nehmt auch das Mate 9 ins Visier. Wie ich sagte: Beim normalen Machen von Fotos – und ich mache einige – sehe ich da kaum Unterschiede. Ich habe aber ein größeres Gerät und auch mehr Akku.

Wer allerdings etwas Handliches sucht und mit den angesprochenen Dingen leben kann, der ist mit dem Huawei P10 sehr gut bedient. Es ist top verarbeitet und ich hatte während der ganzen Testzeit keine Bauchschmerzen, das Gerät zu nutzen. Ganz im Gegenteil. Und wenn man Selbstzahler und kein Vertragsverlängerer ist: Das Huawei P10 kostet 599 Euro. Das ist weniger als die Flaggschiffe, die man sonst derzeit so kaufen kann (üblicher Preisverfall nicht eingerechnet).


 

Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Daddy von Max, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter, Gerne-Griller und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Carsten hat bereits 23551 Artikel geschrieben.