So setzen sich die Kosten des Fairphone zusammen

14. September 2013 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Über das Fairphone haben wir bereits berichtet. Das Smartphone, das so vieles besser machen will, faire Arbeitsbedingungen, fair gehandelte Rohstoffe und nicht zuletzt ein fairer Verkaufspreis. Die faire Produktion fällt dabei gar nicht einmal so sehr ins Gewicht. 22 Euro soll sie vom Verkaufspreis (325 Euro) nur ausmachen. In diesen 22 Euro sind bereits Beiträge für Brancheninitiativen und einen medizinischen Versorgungs-Fond für Arbeiter ein.

fairphone_infografik


Die Kosten für Komponenten und Fertigung liegen bei knapp 130 Euro. Das ist mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Verkaufspreises in Höhe von 257,50 Euro (ohne Steuern). 34 Dollar des Verkaufspreises gehen an Patentinhaber und Zertfizierungsstellen. Auch einen Gewinn will man erwirtschaften. Dieser ist mit 5 Euro veranschlagt und dient als Rücklage für unvorhergesehene Ereignisse.

Den kompletten Bericht zur oben eingefügten Grafik können sich Interessierte an dieser Stelle als PDF-Dokument herunterladen. Man erhält einen recht guten Einblick in die Produktion des Smartphones und sieht auch einmal, dass es eben nicht nur auf das Zusammenbauen erhältlicher Komponenten ankommt. Bis Ende des Jahres will Fairphone 25.000 Geräte verkaufen, der Zähler auf der Webseite steht momentan bei unter 15.000.

Hat sich von Euch jemand ein Fairphone bestellt? Die reinen Kosten für die “faire” Produktion sind mit 22 Euro relativ niedrig. Das allein kann also nicht der Grund sein, warum andere Hersteller nicht auf diese Weise produzieren. Oder würden Euch als Kunde 22 Euro Fairness-Aufschlag stören?

Neueste Beiträge im Blog

Quelle: Fairphone | ZDnet
Gefällt dir der Artikel?
Dann teile ihn mit deinen Freunden.
Nutze dafür einfach unsere Links:
Über den Autor: Sascha Ostermaier

Freund von allem was mit Technik zu tun hat und waschechter Appaholiker. Android oder iOS? Egal, Hauptsache es funktioniert. Außerdem zu finden bei Twitter und Google+.

Sascha hat bereits 2475 Artikel geschrieben.


21 Kommentare

st1age 14. September 2013 um 19:16 Uhr

nein Björn…das ist Fairphone ist was anderes…die Blöcke wurden nur zur Illustration genutzt

gnb 14. September 2013 um 19:26 Uhr

Ich würde bei meinem nächsten Smartphone gerne 22€ für eine faire Produktion drauf zahlen. Das Fairphone interessiert mich von den Spezifikationen her aber leider nicht.

Sven 14. September 2013 um 19:46 Uhr

Gern auch hier. Meinetwegen kann Apple auch 50€ drauf packen, wenn ja wenn es dann ankommt wo es soll

Droidler90 14. September 2013 um 19:59 Uhr

Hmmm ich hab immernoch meine Zweifel an einer “Fairen” produktion…

elknipso 14. September 2013 um 20:06 Uhr

“Die reinen Kosten für die “faire” Produktion sind mit 22 Euro relativ niedrig. Das allein kann also nicht der Grund sein, warum andere Hersteller nicht auf diese Weise produzieren.”

Doch. Das ist der Grund. Jeder der was anderes glaubt rate ich sich mal intensiver mit der Thematik zu beschäftigen.
“22 Euro” mag im ersten Moment wenig klingen, aber das ist es nicht. Das ist sehr viel Geld, denn man muss das große Ganze sehen. Es ist ja nicht mit den “lausigen” 22 Euro getan sondern es sind z.B. 40 Millionen Smartphones x 22 Euro und schon haben wir 880 Millionen Euro. Wenn hier nur 80% oder auch nur 50% oder gar noch weniger gespart werden kann ergibt das eine gewaltige Ersparnis für den Hersteller. Das darf man nie aus den Augen verlieren.

Und niemand hat etwas zu verschenken. Die Margen bei den meisten Geräten sind gering, sowohl bei Smartphones, aber auch bei PCs etc. da fallen selbst solche scheinbar “kleinen Beträge” sehr stark ins Gewicht.

Sollte jetzt jemand einwenden, dass er den Aufpreis zahlen würde. Mag sein, das tut er vielleicht. Die Mehrheit tut es aber nicht, und greift dann bei einem auch nur minimal höheren Endpreis zum Konkurrenzprodukt. Und schon haben wir die Erklärung warum alles so ist, wie es nun mal aktuell ist.

Bernd 14. September 2013 um 20:06 Uhr

Es gibt ja bereits einige Berichte von Firmen, die versucht haben “fairer” zu produzieren (dürfte auch für Apple und Samsung gelten). Es ist äußerst schwer, weil bei der Massenproduktion viele Firmen oft eingespannt sind und das Bezahlen fairer Löhne keinesfalls heißt, dass das Geld dann auch wirklich bei den Arbeitern ankommt.

Genauso ist es recht schwer alles immer zu kontrollieren (siehe Brandfall Kik, wobei hier wirklich fahrlässig kontrolliert wurde).

Ich will die großen nicht unbedingt verteidigen, aber es ist keinesfalls “leicht” das alles einzuhalten. Das wird auch für Fairphone schwer werden.

Und anderer interessanter Punkt: Apple produziert ja nun einige Sachen in den USA (Google auch). Aber der Hauptpunkt warum die iPhone-Produktion nicht in die Staaten geht ist die fehlenden Infrastruktur. Fast alle Hersteller sitzen in Asian (einzeln die Teile zu verschiffen ist viel aufwendiger als ein ganzes Telefon) und in den Staaten (und auch in Europa) fehlen die Massen an Arbeitern, die solch hochkonzentrierte Arbeit durchhalten.
Da findet man ein paar Tausend in der Mitte der USA, aber man findet nicht die Zehntausende für die komplette Produktion. Und wenn, dann ist der Aufpreis weit weit höher als die paar Euro die Google momentan angibt für das Moto X (höhere Nachfrage, mangelndes Angebot).

dischue 14. September 2013 um 20:15 Uhr

elknipso hat wohl recht – man denke nur mal an so Kleinigkeiten, die woanders eingespart wurden. Da war es mal irgend wo ein billiger Kunststoff-Ring am Tankstutzen des Astra – ein Pfennig-Bauteil (der gute Herr Lopez….). Hat letztlich den Ruf ziemlich ruiniert.
Die andere Frage ist imemr auch, ob das Geld da ankommt, wo es hingehört.

22 € Preisvorteil also – und nun überlege jeder mal, wann er das letzte Mal evtl. über irgendeinen Preisvergleich irgendwo was (online) gekauft hat, weil es 5 € oder 10 € günstiger war, als im Laden um die Ecke.

Juzam 14. September 2013 um 20:57 Uhr

22 € sind ja nur die Zusatzspäße, die die sich einfallen haben lassen. Was ist denn mit den Löhnen der Arbeiter? Zahlen die die gleichen wie alle anderen?

Chriz 14. September 2013 um 21:11 Uhr

Naja 22 Euro sind immerhin 22 Euro für die eigene Tasche. Und es gibt genug Konsumenten, die das leider nicht interessiert.

Philip 14. September 2013 um 22:00 Uhr

Ja und was geht bei Apple in die Tasche? 100, 200, 300€ da geb ich doch gerne läppische 22€

FlyingT 14. September 2013 um 22:10 Uhr

Mein Englisch ist ja nicht das beste, aber wo steht denn das die Arbeiter gut oder fair bezahlt werden? Da steht doch nur das man 22€ an entsprechende Verbände oder Vereine spendet. Man erkauft sich also mit einer Spende von 7,50 fürs made with care Program und 1,93 für den Arbeiter Fond nen Persilschein, und der Otombo in der Mine hat immer noch kein Geld zum Leben.

Falls es anders ist bitte ich um Aufklärung.

dischue 14. September 2013 um 22:19 Uhr

ich vermute mal:
würde die ganze Kette der Arbeiter von der Beschaffung der Rohstoffe bis zum Versand des fertigen Gerätes fair bezahlt werden und würden überall gewisse Standards eingehalten werden, was Arbeits- und Umweltschutz betrifft – die meisten von uns könnten sich so ein Gerät kaum leisten, schon gar nicht alle 2 Jahre ein neues, noch hipperes “Spielzeug” dieser Art.
Aber schön, dass anderswo eben “günstiger” produziert wird und man so beim nächsten, noch besseren Gerät mit 8-Core statt Quad-Cor, Full-HD statt irgendwas so ein richtiges Schnäppchen drin sein wird….
Was jammern wir doch über Nichtigkeiten

Grainger 15. September 2013 um 11:51 Uhr

Die Hersteller könnten ja die Artikel in zwei Varianten anbieten:

• mit Fairness-Aufschlag
• ohne Fairness-Aufschlag

Am besten in Prozent vom Verkaufspreis, beim Fairphone wären das rund 6,25%. Sagen wir der Einfachheit halber also mal 7,00% Fairness-Aufschlag.

Dann würde sich sehr schnell zeigen, wie groß der Anteil an Kunden tatsächlich wäre, die für auch nur geringfügig bessere Bedingungen für die Arbeiterschaft in fernen Ländern bereit sind, einen Aufpreis zu bezahlen.

Denn jenseits aller Lippenbekenntnisse glaube ich nicht, dass das einen signifikanten Teil der Kundschaft ausmacht.

Von der bekannten Problematik mal abgesehen, dass bestenfalls ein Bruchteil des so zusammen kommenden Geldes am Ziel ankommt. Da wird doch gleich mal wieder im jeweiligen Ersten-Welt-Land ein großer Verwaltungsapparat aufgebaut (mit Vorstand, Aufsichtsrat, Geschäftsführer, usw., die sich vermutlich aus braven Parteisoldaten rekrutieren, die alle noch ein weiteres Pöstchen für ein paar Zusatzeinkünfte benötigen). Und auch das muss natürlich erst mal bezahlt werden.

Letztendlich kämen dann von den eingesammelten 7,00% Fairness-Aufschlag bestenfalls 2,00% dem eigentlichen Zweck zu Gute (und das ist noch sehr sehr großzügig geschätzt).

FlyingT 15. September 2013 um 13:42 Uhr

Und der Hermesbote schaut trotzdem doof aus der Wäsche

Fabian 15. September 2013 um 22:12 Uhr

Man kann doch die Postboten oder Ladenverkäufer nicht mit den Minen- und Fabrikarbeitern vergleichen.

Andy 16. September 2013 um 00:45 Uhr

> “Die reinen Kosten für die “faire” Produktion sind mit 22 Euro relativ niedrig. Das allein kann also nicht der Grund sein, warum andere Hersteller nicht auf diese Weise produzieren. Oder würden Euch als Kunde 22 Euro Fairness-Aufschlag stören?”

Darum geht’s doch gar nicht. 25.000 Geräte sind schonmal ne Ansage. Aber versuch mal, einen Hersteller zu finden der das auf Stückzahlen in Millionenhöhe skalieren kann/will. Da bleibt dir nur übrig zu den Großen wie Foxconn zu gehen und dort versuchen mit Audits Einfluss auf die Bedingungen auszuüben. So macht es Apple. Ich kann mir Vorstellen dass Google, Amazon, Nintendo etc das auch so machen, aber da läßt sich nichts drüber finden.

toni 16. September 2013 um 06:41 Uhr

Bei 22€ mehr für Fairness wäre ich auch sofort dabei. Auch bei 50€ mehr. Aber ich würde mir gerne das Produkt dabei raussuchen. Schade, dass Apple nicht für Fairness steht. Das wäre mal eine super Werbung!
Wenn es so viele dumme Menschen gibt, die mit ihrer Gier für die Ausbeutung anderer stehen – und dem ist ja so! – dann müsste das ganze eben gesetzlich geregelt werden. Traurige Welt…

Hansbert 16. September 2013 um 10:00 Uhr

Ich sags jetzt einfach mal: Ich würde nie auch nur einen Euro mehr bezahlen für sowas. Ich kauf auch die 500 ml Senfflasche und werf die Hälfte weg wenn sie billiger ist als das 200 ml Glas. Und fast alle sind so wie ich. Gegen das schlechte Gewissen hilft auch eine Tafel Schokolade.

Daniel 16. September 2013 um 10:50 Uhr

@Hansbert: Sehr schade… dass du dich darauf dann auch noch ausruhst – naja, wat soll’s nach mir die Flut, nicht wahr?!

Sebastian 16. September 2013 um 13:35 Uhr

Ich habe mir damals eins bestellt als noch die 5000 Käufer erreicht werden mussten. Ich war gerne bereit das Geld zu bezahlen um ein faires und trotzdem gutes Produkt zu erhalten. Schade das es nun erst im Dezember kommt. Aber ist eben das erste Telefon der Truppe und daher verständlich, das nicht gleich alles 100% sauber läuft. Man will den Kunden am Ende ja ein Telefon zuschicken, was auch funktioniert.


Deine Meinung ist uns wichtig...

Kommentar verfassen

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich eine Zusammenstellung.