Moto Z2 Play mit verschiedenen Moto Mods ausprobiert

26. August 2017 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Im Juni vorgestellt, seit August auch bei uns verfügbar: Das Moto Z2 Play. Der Nachfolger des günstigen Einstiegs in die Welt der Smartphone-Modularität hat mich ein paar Wochen begleitet – seit dem LG G5 meine erste Auseinandersetzung mit einem modularen Smartphone. Durch die Moto Mods kommt es auch, dass sich grundlegend am Design nicht viel geändert hat, die Rückseiten sollen ja nicht nur für eine Generation des Smartphones kompatibel sein.

Zum Smartphone selbst braucht man eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren. Die Ausstattung bewegt sich in der oberen Mittelklasse, die Verarbeitung ganz weit oben. Dennoch beginne ich natürlich mit einer kurzen Beschreibung von Optik und Haptik, das hat das Moto Z2 Play schon verdient.

Optik und Haptik

Schlank ist das Smartphone geworden, ohne jeglichen Mod ist das Moto Z2 Play gerade einmal 5,99 mm dick, lediglich die Kamera steht dann ein ganzes Stück hervor. Dadurch, dass das Gerät wenig abgerundet ist, fühlt sich dieses dünne Brett ohne Mod auf der Rückseite schon sehr unnatürlich an, aber man spürt eben auch, wie dünn es ist.

Natürlicher wird es da mit Style Shell, einer relativ dünnen Rückseite, die dem Moto Z2 Play nicht nur ein edles Aussehen verleiht, sondern auch ein wesentlich besseres Anfassgefühl. Die Mods werden per Magnet auf der Rückseite fixiert. Das hält sehr gut, auch bei schwereren Mods, allerdings ergibt sich daraus logischerweise ein bisschen Spiel.

Heißt, man kann die Mods ein klein wenig verschieben. Das merkt man während der normalen Nutzung in der Regel nicht und ist auch weniger, als ich erwartet hätte. Da dies wirklich nur passiert, wenn man es bewusst macht, ist das für mich nicht weiter schlimm.

Das Unibody-Gehäuse aus Aluminium verleiht dem Smartphone ein edles Äußeres, man nimmt es schon gerne in die Hand. Auf der Vorderseite gibt es Gorilla Glass. Die eigentlich komplett schwarze Front wird links oben von einem Dual-LED-Blitz verunstaltet, Selfie-Fans werden das nicht bemängeln, wer den Front-Blitz aber nicht benötigt, der würde sich wohl eher eine einheitlich schwarze Front wünschen. Das ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber mir fiel es eben (unangenehm) auf.

Auf der Rückseite findet man neben der Kamera, die auf der Moto-typischen Insel (man kann auch lieblos Kamerabuckel sagen) untergebracht ist, eigentlich nur noch die Kontakte für die Moto Mods. Insgesamt fand ich das Design schon ansprechend, auch wenn man natürlich gut überlegen muss, ob man heute noch ein Smartphone mit so viel Gerät um das Display haben möchte.

Aber wenn man in die Käuferkategorie für modulare Smartphones fällt, wird das ebenfalls nicht auschlaggebend sein. Das Moto Z2 Play wirkt sehr wertig und durch die Mods kann man es auch schlecht mit anderen Smartphones vergleichen. Im Gesamtpaket sind Optik und Haptik in der Tat über dem, was ich vorab erwartet hätte. Positive Überraschungen sind immer gern gesehen.

Hardware

Ein 5,5 Zoll Full HD-Display ist verbaut, die Auflösung auf dieser Größe ist meiner Meinung nach völlig ausreichend, auch wenn sich das Moto Z2 Play dadurch weniger gut für VR-Anwendungen eignet. Die Farben des Displays sind knackig, außerdem ist es auch hell genug, um bei widrigen Lichtbedingungen immer noch abgelesen werden zu können. In die Display-Einstellungen sollte man hingegen einmal schauen, wenn man nicht möchte, dass sich das Display automatisch aktiviert.

Was eigentlich hilfreich sein soll, nämlich dass man keinen Finger nutzen muss, um das Display zu aktivieren, kann sehr schnell nervig werden. Liegt das Moto Z2 Play neben mir, während ich tippe, aktiviert sich das Display immer wieder. Woran das liegt? An der Bewegung der Hände. Ich dachte erst, es wäre durch Geräusche, aber es ist die Bewegung. Also entweder Smartphone weiter weg legen oder diese Einstellung deaktivieren.

Unter der Haube schlummert ein Qualcomm Snapdragon 626, außerdem gibt es 4 GB RAM und 64 GB Speicher (es gibt auch eine Variante mit 3 GB RAM und 32 GB Speicher). In Sachen Performance habe ich nichts zu beklagen, das Moto Z2 Play war flott dabei – egal in welcher Situation. Für mich von der Leistung völlig ausreichend, so wie vermutlich für die meisten Nutzer da draußen.

Auszug Technische Daten Moto Z2Play
Display: 5,5 Zoll, 1920 x 1080, AMOLED, 403ppi
Maße und Gewicht: 156,2 x 76,2 x 5,99 mm, 145 Gramm
Speicher: 32 GB / 64GB, mit microSD erweiterbar
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 626 (Cortex A53, 2,2 GHz) + Adreno 506 GPU
Arbeitsspeicher:  3 GB (4 GB bei 64 GB)
Kamera: 12MP, Dual Autofocus Pixel, Laser Autofokus, f/1.7 Linse, Dual-LED-Blitz, 1.4-micron
Videoaufnahme: bis 1080p bei 30 fps
Front-Kamera: 5 MP, f/2.2, 1.4-micron
Akku: 3.000 mAh, TurboCharge (8 Std. Akku in 15 min.)
Betriebssystem: Android 7.1.1, Moto Display, Sprachaktionen
SIM-Karte: Nano-SIM
Weiteres: Fingerabdruckleser, USB-C, Alu-Unibody mit Gorilla Glass

Eine 12 Megapixel Kamera findet man auf der Rückseite und die kann auch sehr gute Bilder machen. Dabei helfen Laser Autofocus, Dual Autofocus Pixel, eine f/1.7 Blende und 1,4 µm Pixelgröße. Letztere machen sich vor allem bei schlechteren Lichtverhältnissen bemerkbar. Im Automatikmodus sind die Bilder schon sehr gut, wem das nicht ausreicht, der wechselt einfach in den Pro-Modus und nimmt relevante Einstellungen selbst vor.

Die Frontkamera löst mit 5 Megapixeln auf und der eingangs bereits erwähnte Blitz macht sich natürlich sehr gut bei Selfies in Dunkelheit. Auch sehr praktisch für Instagram Stories oder Snapchat. Muss man sich als alter Sack wohl damit abfinden, dass ein Blitz auf der Vorderseite (andere Hersteller lösen das über einen Display-Blitz, der aber nie so viel Helligkeit bringt) eben gewünscht ist.

Einen Schwung Bilder habe ich für Euch mal unbearbeitet zu Google Fotos gepackt (die in der Blog-Galerie sind verkleinert und komprimiert), falls Ihr einen genaueren Blick drauf werfen möchtet. Die Kamera passt und auch für Nutzer von Zusatzfunktionen wird allerhand geboten, wenngleich natürlich ein Dual-Kamera-Setup nicht vorhanden ist.

Einen Fingerabdruckscanner bringt das Moto Z2 Play auch mit, dieser befindet sich auf der Vorderseite. Er ist sehr flott und kann nicht nur für das Entsperren des Smartphones genutzt werden, sondern auch zum Sperren. Erspart den Griff zum Standby-Button, sehr praktisch. Man kann den Button allerdings nicht zur Navigation nutzen, wie es beispielsweise bei Huawei der Fall ist. Über die Moto-App lässt sich der Fingerabdruck-Scanner auch zur Steuerung umschalten, genannt Eintastensteuerung.

Bei der Hardware gibt es keine großen Ausreißer, das passt insgesamt alles sehr gut zusammen und man hat nicht den Eindruck, dass hier an irgendeiner falschen Stelle gespart wurde. Kommen wir zu den Moto Mods.

Moto Mods

Benny hatte seinerzeit mit dem ersten Moto Z Play bereits Mods ausprobiert und war doch recht angetan, bei mir waren es nun andere. Ich bin allerdings nicht weniger angetan, denn es gibt aktuell wohl wenig cooleres, das man mit seinem Smartphone anstellen kann. Einfach Rückseite austauschen, schon hat man eine neue Funktionalität. Hammer.

Bei mir zu Gast waren: Schwarze Moto Style Shell, Moto Style Shell with Wireless Charge, Turbo Power Pack und JBL SoundBoost 2 (bei der deutschen Variante im Lieferumfang). Mein Liebling war ganz klar die Style Shell mit Ladefunktion. Allerdings weniger wegen der Ladefunktion, sondern vielmehr wegen ihrer Dicke. Bei der normalen Style Shell schließt die Cam gerade so mit der Style Shell ab (oder Cam steht noch ein Stück hervor, ganz knappe Geschichte), die mit Ladefunktion versenkt die Kamera, ohne das Gerät dabei zu dick werden zu lassen.

Die kabellose Ladefunktion mag für viele ein Plus sein, ich verstehe sie nach wie vor nicht. Klar, man muss das Smartphone nur hinlegen und es wird geladen, aber sobald man es anhebt eben auch nicht mehr, für Vielnutzer super unpraktisch, wie ich finde. Aber egal, viel gefragte Funktion, liefert das Moto Z2 Play mit der entsprechenden Style Shell sehr elegant.

Das Turbo Power Pack hält, was der Name verspricht. Er versorgt das Z2 Play mit zusätzlichem Strom, 3.500 mAh gibt es on top. Das macht das Gerät ein bisschen dicker – etwa so, als wenn man ein Mophie Juice Pack nutzt – allerdings erspart es eventuell eine Powerbank. Und das ist wiederum sehr praktisch. Geladen wird diese Rückseite per USB-C, so wie das Moto Z2 Play selbst auch.

Nachteil ist allerdings, dass man so keinen anderen Mod mehr anbringen kann, wenn man auf den Strom angewiesen ist. Was natürlich der Fall sein könnte, wenn man den JBL SoundBoost 2 Mod anschließt. Ein ziemlich dicker Mod, der das Moto Z2 auch hochkant aus der Kategorie „hosentaschentauglich“ wirft.

Dafür aber auch ziemlich fetter Sound liefert, durchaus vergleichbar mit kleineren Bluetoothboxen. Verbindung super easy, einfach Rückseite an das Moto Z2 Play klatschen und fertig. Man kann über eine zusätzliche App noch weitere Einstellungen vornehmen, muss man aber nicht. Funktioniert auch direkt nach erstmaliger Verbindung.

Ein Kickstand am JBL SoundBoost 2 sorgt für ein einfaches Aufstellen des Smartphones, damit der Sund auch in die passende Richtung abgestrahlt wird. Der Sound selbst ist relativ ausgeglichen, auch bei höheren Lautstärken, eben typisch für Garten oder Strand oder ähnliches.

Man kann die Mods teilweise auch durch Zusatzgeräte ersetzen, logisch. Aber man muss eben nicht und kann die passenden Zusätze für sein eigenes Smartphone erwerben. Ja, ich würde eher einen JBL SoundBoost 2 mitnehmen als einen extra Speaker und auch würde ich das Turbo Power Pack einer Powerbank vorziehen. Das ist aber eine persönliche Vorliebe.

Man wird sich ein Moto Z2 Play nicht kaufen, um dann keine Mods zu nutzen, da bekommt man an anderer Stelle wohl mehr Smartphone für sein Geld, aber die Mods haben durchaus einen Reiz, das kann man nach all den Jahren des Tech-Bloggings nicht von jeder Hardware behaupten.

Die Mods sind jedenfalls eine saucoole Sache, deren tatsächlicher Nutzen allerdings durchaus angezweifelt werden darf, da sie ja auch nur Zusatzgeräte ersetzen und dabei selbst ein Zusatzgerät sind.

Akku

Weniger ist mehr hat sich Lenovo offenbar gedacht und dem Moto Z2 Play nur einen 3.000 mAh-Akku spendiert. Dieser hielt bei selbst bei straffer Nutzung (Fototour) erstaunlich gut durch, brachte mich angenehm durch den Tag. Über USB-C ist er auch schnell wieder geladen – oder man nutzt eben das Turbo Power Pack, um das Moto Z2 Play mit frischer Energie zu versorgen.

Ob es dem schwächeren Prozessor geschuldet ist oder am guten Energiemanagement liegt, der Akku hat für mich bei normaler Nutzung gepasst, das kann bei Euch aber schon wieder ganz anders aussehen. Vielspieler werden weniger lang mit einer Akkuladung hinkommen als Webleser, aber das ist ja immer das gleiche.

An dieser Stelle hätte ich Euch gerne noch unseren üblichen Akku-Benchmark via PCMark angeboten, das Moto Z2 Play hatte aber etwas dagegen und der Test hat sich immer an der gleichen Stelle aufgehangen. Aber allzu viel sollte man auf diese Zahlen sowieso immer nicht geben, sie entsprechen selten der tatsächlichen Nutzung durch die einzelnen Gerätebesitzer.

Software

Lenovo verzichtet beim Moto Z2 Play – wie bei den anderen Moto-Smartphones auch – auf großartige Anpassungen des Android-Systems. Natürlich gibt es einige Moto-spezifische Dinge, auch die Mods müssen ja integriert werden, aber das ist nicht störend. Es sollte zudem nicht für allzu große Verzögerungen bei der Verteilung von Updates sorgen. Wie es mit den Updates aussehen wird, kann man bald feststellen, Android O steht vor der Tür, aktuell läuft das Moto Z2 Play mit Android 7.1.1 Nougat.

Das System läuft flüssig und bis auf den Aussetzer beim Akku-Benchmark hatte ich auch keine Probleme mit Apps. Was der Snapdragon 626 zu leisten vermag, könnt Ihr Euch in den Benchmark-Ergebnissen ansehen. AnTuTu und 3D Mark Slingshot Extreme habe ich durchlaufen lassen, selbst gebe ich auf solche Ergebnisse nicht viel. Mir ist wichtig, dass es zu keinen großen Ruckeln oder Verzögerungen kommt, das hat das Moto Z2 Play während der Nutzung problemlos hinbekommen.

Android ist offen genug, damit man auch unkompliziert Anpassungen vornehmen kann, sei es durch einen neuen Launcher oder auch Icon Packs. Man ist nicht gezwungen, die vom Hersteller vorgegebene Oberfläche zu verwenden, es heißt schließlich „be together, not the same.“

Fazit

Das Moto Z2 Play ist ein Smartphone, das sich schlecht in eine Schublade stecken lässt. Durch die Mods ist es eine Besonderheit auf dem Smartphone-Markt. Insofern lässt es sich auch preislich schwer vergleichen. Zu den billigen Smartphones zählt das Moto Z2 Play gewiss nicht, dafür bietet es eben die Möglichkeit der Mods.

Das muss man für sich selbst entscheiden, ob diese für einen selbst einen Vorteil bringen, der eben mit einem etwas höheren Preisschild kommt. Ich finde die Mods – wie Ihr sicherlich gemerkt habt – absolut cool, allerdings passen sie nicht wirklich in mein Smartphone-Nutzungsverhalten, sodass sie mir persönlich keinen Vorteil bringen.

Dennoch habe ich keinen Grund, das Moto Z2 Play in irgendeiner Form schlecht dastehen zu lassen. Es war schon lange nicht mehr der Fall, das mich eine Smartphone-Rückseite so fasziniert hat. Unabhängig von den Mods selbst, ist das auch technisch eine tolle Lösung. Und durch die Style Shells kann man sogar noch ein bisschen das Design bestimmen.

Das Moto Z2 Play ist ein super interessantes Smartphone, das aber sicher nichts für jeden ist. Aber ich verstehe ich jetzt, warum die Smartphones mit Moto Mods doch eine wachsende Fangemeinde haben. Bleibt Lenovo dann noch mit Software-Updates am Ball, holt man sich mit dem Moto Z2 Play ein tolles Stück Hardware ins Haus.

Noch ein Hinweis zur Verfügbarkeit, bei Motorola selbst steht als Status vorbestellbar, legt man das Moto Z2 Play dann aber in den Warenkorb, erscheint „vorrätig“ mit Lieferdatum 1. September. Das deckt sich mit der Verfügbarkeit bei Media Markt, dort ist das Moto Z2 Play mit einer Lieferzeit von 11 bis 12 Werktagen angegeben.


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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