LG G5 ausprobiert: Die Module spielen verrückt

8. Mai 2016 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_lg_g5_testLG überraschte vermutlich nicht nur mich mit der Vorstellung des G5. Nachdem Google uns seit Jahren mit Project Ara modulare Smartphones verspricht (und nicht liefert), kam LG mit dem G5 um die Ecke, das auch gleich noch seine „Friends“ dabei hat, so werden die Module bezeichnet, die mit dem G5 genutzt werden können. Ganz Project Ara ist das G5 zwar nicht, aber wohl das modularste Smartphone, das man aktuell kaufen kann. Kurioserweise ist der Magic Slot nicht die einzige Besonderheit, LG setzt zusätzlich auf ein Kamera-Setup mit zwei Optiken. Wie sich das LG G5 im Alltag so schlägt, habe ich mir die letzten zwei Wochen einmal angeschaut.

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Vorneweg die nackten Spezifikationen, für mich werden diese mit jeder Smartphone-Generation unbedeutender. Mir ist es völlig egal, welcher Prozessor in dem Gerät steckt oder wie viel RAM verbaut ist. Ob das Gerät taugt, sehe ich nicht an Benchmarks, das spüre ich bei der Nutzung. High-End-Geräte sind auf einem Niveau, auf dem man oft keine Unterschiede während der Nutzung mehr bemerkt, allenfalls sorgen die Herstelleroberflächen dafür, dass etwas nicht rund läuft.

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  • Display: 5,3 Zoll (2560 x 1440 Pixel) IPS Quantum Dot mit Always-On-Funktion
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 820, GPU: Adreno 530
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Speicher: 32 GB (erweiterbar per microSD)
  • Kamera: rückseitig Dual (16 MP normal, 8 MP Weitwinkel), vorderseitig 8 Megapixel
  • Akku: 2.800 mAh, wechselbar
  • Android 6.0 Marshmallow
  • Abmessungen: 149,4 x 73,9 x 7,7 – 8,6 mm
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Optik und Haptik

Wenn es technisch kaum noch Unterschiede gibt, müssen sich die Hersteller auf das Aussehen und die Verarbeitung konzentrieren, um beim Nutzer punkten zu können. LG hatte hier nie groß Probleme. Bis das G5 kam. Das Gehäuse aus Metall – das von LG durchaus auch für Werbezwecke genutzt wurde – fühlt sich so gar nicht nach Metall an. Dazu gab es relativ schnell Diskussionen, die auch LG zu einer Reaktion veranlassten. Was soll ich sagen? Ja, das LG G5 fühlt sich nicht wie ein „Metall-Smartphone“ an, aber es ist auch weit davon entfernt, beim Anfassen „billig“ zu wirken. Was den an sich guten Eindruck jedoch etwas schmälert, ist die Luft unter dem Gehäuse.

Diese ist notwendig, der Akkuslider benötigt nun einmal etwas Spiel, logisch. Dadurch entsteht aber dieser hohle Eindruck, den man besonders wahrnimmt, wenn man über das Gerät streicht. Das mag jetzt vielleicht etwas seltsam klingen, immerhin werden die wenigsten von Euch ihr Smartphone regelmäßig streicheln (ich hoffe es so sehr), aber dieses Streichen passiert auch ganz automatisch, zum Beispiel wenn man das Smartphone vom Tisch in die Hand nimmt.

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Davon ab fühlt es sich aber echt gut an, was auch durch die leicht angeraute Beschichtung ermöglicht wird. Die Rückseite ist außerdem zu den seitlichen Kanten abgerundet, was ebenfalls dafür sorgt, dass das Smartphone gut in der Hand liegt. Weitere Griffstabilität bietet die angeschrägte Kante. Das LG G5 bietet so quasi auf der Displayseite eine leicht kleinere Fläche als auf der Rückseite, aber das ist minimal.

An den Seiten findet man exakt drei Buttons, wobei nur die Lautstärkewippe erfühlbar ist. Auf der linken Seite befindet sich außerdem noch der Button, um den Akku zu entfernen, die Verriegelung des Magic Slots. Der Button ist eben mit dem Rahmen, unbeabsichtigtes Betätigen ist ausgeschlossen. Auf der Oberseite befindet sich der 3,5 mm Klinkenanschluss, unten gibt es USB-C, Lautsprecher und Mikrofon.

Auf der Vorderseite gibt es bis auf den Touchscreen keine Bedienelemente, das Displayglas bedeckt aber logischerweise auch nicht die komplette Vorderseite. Die untere Leiste nimmt man beim Modultausch ja ab. Sie ist in der Farbe des restlichen Gehäuses gehalten, das passt also schon einmal. Die rechte kannte wird nur durch das Löchlein zum Herausfahren des SIM-/microSD-Slots unterbrochen.

Die Rückseite fällt vor allem durch Ihr Kamera-Setup mit zwei Linsen auf, darunter befindet sich der Power-Button, der gleichzeitig als Fingerabdruckscanner dient. Zu dessen Platzierung äußere ich mich später noch.

Alles in allem ist das LG G5 ein Gerät, das gut, aber nicht perfekt verarbeitet ist und sich auch gut – aber nicht sehr gut – anfühlt. Dieses „Optik und Haptik“-Ding ist sehr subjektiv, nur weil sich für mich etwas gut anfühlt, muss das für die Masse da draußen nicht auch der Fall sein.

Das Display

LG verbaut im G5 ein 5,3 Zoll großes IPS Quantum Dot-Display mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixel und spendiert diesem auch eine Alwas-On-Funktion. Wie beim Galaxy S7 edge schon, ist dies für mich ein Rückschritt der Smartphone-Industrie. Das Always-On-Display zeigt diverse Informationen, bei LG bekommt man zum Beispiel angezeigt, für welche Apps Benachrichtigungen vorliegen. Und natürlich die Uhrzeit. Wer das braucht, super. Wer nicht, kann es abstellen.

LG bietet keine großartigen Optionen im Bezug auf das Always-On-Display, man kann es aktivieren oder deaktivieren. Und anstatt der Zeit kann man sich auch seine Signatur anzeigen lassen. Wer also schon immer einmal seinen Namen als Laufschrift auf seinem Smartphone sehen wollte, selbst wenn das Display im Standby ist, erhält dank LG die Gelegenheit dazu.

Aber das Display soll ja hauptsächlich Inhalte anzeigen. Das macht es sehr gut, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dann gibt es satte Farben, starke Kontraste und alles sonst, was man sich von einem modernen Display so wünscht. Weniger farbig und kontrastreich wird es allerdings, wenn man sich in die Außenwelt begibt.

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Gerade beim Fotografieren ist es sehr sinnvoll, wenn man auf dem Display erkennt, was gerade so los ist. Das Motiv richtet sich nicht nach dem Einstrahlwinkel der Sonne, man kann das Smartphone also nicht einfach passend halten, um etwas zu erkennen. Es benötigt noch nicht einmal die fiese Direkteinstrahlung der Sonne, um die Inhalte auf dem Display schon so gut wie nicht mehr erkennbar zu machen.

Während des Testzeitraums hatten wir jedes Wetter. Schnee, Regen, Sonne. Sobald ich draußen war, musste ich entweder manuell die Displayhelligkeit nachregeln oder konnte nichts mehr erkennen. Aber selbst bei höchster Helligkeit wird es bei ungünstigem Licht schwierig, noch etwas zu sehen. Es spiegelt einfach brutal. (Disclaimer: Natürlich war die Schutzfolie abgezogen.)

In Gebäuden macht sich das Spiegeln naturgemäß nicht so stark bemerkbar, aber selbst da ist es mir einige Male aufgefallen, als ich plötzlich mich selbst statt meiner Twitter-Timeline sah. Ich hatte wirklich lange kein Smartphone in der Hand, dem Reflexionen so sehr zu schaffen machen. Dem Display ist das ja nicht einmal geschuldet, die Glasabdeckung ist der Übeltäter, das machen andere Hersteller deutlich besser.

Dennoch, wenn die Lichtbedingungen passen, ist das Display sehr schön anzusehen, einzelne Pixel erkennt man bei dieser Auflösung logischerweise mit dem bloßen Auge nicht mehr. Wäre die Sache mit den Reflexionen nicht, das Display würde die volle Punktzahl von mir erhalten.

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Der Magic Slot

Schon zur Präsentation des LG G5 fand ich das modulare Konzept des LG G5 spannend, war aber ebenso skeptisch, ob sich das alltagstauglich realisieren lässt. Die Idee hinter den LG Friends ist, dass sich der Nutzer bestimmte Accessoires zu seinem Smartphone dazu kauft. Nämlich die, die er persönlich benötigt. Das sehe ich nun nach dem Ausprobieren leider nicht mehr so. Also ich finde den Ansatz immer noch super, aber realistisch betrachtet ist es einfach nur eine teure Spielerei.

Ich hatte zum Test das Cam Plus-Modul, die Akku- und Kamera-UI-Erweiterung. Ebenfalls verfügbar ist ein DAC, der das LG G5 zum Hi-Res-Player macht (passende Kopfhörer und Sound-Files vorausgesetzt). Das klingt an sich natürlich super, allerdings kosten die Module auch Geld. Gehört man nicht zu den von der Aktion profitierenden Frühkäufern, soll man für das Cam Plus-Modul 100 Euro auf den Tisch legen.

Dafür bekommt man dann ein Teil, das man sich an das 700 Euro teure Smartphone klemmt, welches aber noch nicht einmal die Bildqualität verbessert, sondern einfach nur für eine andere Bedienung der Kamera-App und ein paar Minuten mehr Laufzeit durch den verbauten Zusatzakku sorgt. Danke, nein danke. Zu den technischen Finessen des Moduls gehe ich im Kamera-Abschnitt noch einmal ein.

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Auch der DAC (kostet um die 130 Euro) ist mehr so halbgar. Es ist super, dass man mit einem Modul dafür sorgen kann, ein Smartphone als Hi-Res-Player zu nutzen. Vermutlich hat man als Zielgruppe für dieses Modul sogar schon die passenden Kopfhörer im Besitz. Für die Masse – und das LG G5 präsentiert sich als Flaggschiff-Gerät einer solchen – ist das völlig uninteressant. Da wird matschiges Spotify gestreamt oder die brutal komprimierte MP3 gehört.

Hinzu kommt, dass die Friends immer das Aussehen des Smartphones verändern. Die Tauglichkeit für Hosentaschen geht quasi verloren, sobald ein Modul angedockt ist, ist man unterwegs, möchten die benötigten Module eventuell auch mitgeführt werden. Handtaschenhersteller freut es. Was mich persönlich zusätzlich stört: Die Farbgebung. Es ist verständlich, dass man die Module nicht in verschiedenen Farben erhält, so sieht das silberne Cam Plus-Modul auf einem dunklen G5 aber nicht mehr wirklich harmonisch aus.

Immerhin scheint die Mechanik solide zu sein. Ich habe gewechselt, was das Zeug hält, Ermüdungserscheinungen an der Befestigung oder dem Button zum Entriegeln konnte ich nicht feststellen. Ich behaupte einmal, dass kein Nutzer des G5 mehrmals täglich die Module austauscht, da sollte es also auch über einen längeren Zeitraum keine größeren Probleme geben.

Was für mich auch fraglich ist, ist die Zukunftssicherheit der Module. So wie sie jetzt gestaltet sind, passen sie auf das G5, das war es dann aber auch, da die komplette untere Leiste getauscht wird. Ein G5-Nachfolger? Entweder er kommt mit dem gleichen Abmessungen an der Unterseite des Gerätes oder man benötigt neue Module. Was das Konzept modularer Smartphones mit Füßen tritt.

Für einen einfachen Akkuwechsel – auch damit bewirbt LG die Modularität des G5 – ist der Magic Slot hart übertrieben. Zumal es gar nicht so einfach ist, nur den Akku zu wechseln. Dieser sitzt nämlich ziemlich fest in der Halterung, man muss schon etwas beherzter Zupacken, um ihn zu lösen und eventuell einen neuen einzusetzen (oder den Original-Akku in das Cam Plus-Modul zu bekommen).

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Mit beherzter Zupacken meine ich, dass ich kurz schwitzte und Angst hatte, dass ich etwas zerstört habe, als ich ihn das erste Mal tauschte. Ist auf der einen Seite natürlich toll, da man so relativ sicher sein kann, dass auch alles an seinem Platz bleibt, auf der anderen Seite gibt das aber ein Gefühl von „und bist Du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt.“ Das hat bei Technik selten zu Erfolg geführt und es fühlt sich einfach auch nicht richtig an.

Bedenken sollte man, dass ein LG G5 ohne Zusatzmodule bereits so viel kostet wie Gesamtpakete anderer Hersteller. Holt man sich die Module dazu, liegt man schnell auf einem Preisniveau, das schon sehr grenzwertig ist.

Ein Fazit zum Magic Slot? Die Idee ist nach wie vor großartig. Die Ausführung lässt meiner Meinung nach aber zu wünschen übrig, es scheint nicht ganz zu Ende gedacht zu sein, beziehungsweise rechtfertigen die einzelnen Vorteile in den wenigsten Fällen wohl die zusätzliche Investition und den zusätzlichen Platzbedarf. Das Fazit zum Cam Plus-Modul? Richtig, im Abschnitt Kamera, der nun folgt.

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Kamera

Die Kamera wird dieses Jahr von allen Herstellern in den Fokus gerückt. LG hat sich für eine Dual-Kamera entschieden. Mit dieser sind grundsätzliche zwei Aufnahme-Modi möglich, einmal „normal“ und einmal Weitwinkel. Satte 16 Megapixel-Bilder entstehen bei Nutzung des normalen Modus, mit 8 Megapxieln werden die Weitwinkel-Aufnahmen aufgelöst. Die Kamera-App kombiniert in verschiedenen Aufnahme-Modi (Pop-Out, Multi View) auch beide Varianten, sodass hier nicht nur ansehnliche, sondern auch kreative Möglichkeiten gegeben sind.

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Die Kamera liefert gute Ergebnisse, ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, mit einer Aufnahme nicht zufrieden sein zu können. Das gilt auch für Aufnahmen bei Dunkelheit, die zwar im Vergleich mit anderen nicht unbedingt besser sind, aber eine Qualität erreichen, die mir persönlich ausreicht. Die Bilder werden bei Dämmerung (im Automatik-Modus) leider sehr stark aufgehellt. Dadurch geht entsprechend Kontrast verloren und es wirkt nicht mehr wirklich natürlich. Bei Google Drive habe ich Euch einen Ordner mit Bildern (unbearbeitet) hochgeladen, die Dämmerungsbilder erkennt Ihr recht einfach an der eingeschalteten Straßenbeleuchtung.

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Bei guten Lichtverhältnissen macht so ziemlich jedes Smartphone gute Bilder, das LG G5 steht dem in nichts nach. Farben werden gut eingefangen, Details werden gut erfasst, hier gibt es nichts zu bemängeln. Interessanterweise war das LG G5 das erste Smartphone, das mich die Kamera-App-Features freiwillig nutzen ließ. Ich bin kein großer Fan von „Live-Manipulation“, lieber bearbeite ich Bilder im Nachhinein, meistens reicht mir allerdings auch ein billiger Filter irgendeiner Smartphone-App.

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Aber da hier durch die Dual-Kamera eben so Dinge wie Pop-Out oder Multiview möglich sind, macht die Nutzung dieser auch Spaß. Es ist eben nicht nur einen Filter drüberklatschen oder künstlich für Bokeh sorgen, durch die beiden Linsen lassen sich schöne Bilder gestalten, die Kamera-App trägt ihren Teil dazu bei.

Drei verschiedene Nutzungs-Modi bietet die Kamera-App: Einfach, Normal und Manuell. Im einfachen Modus kann man keine Einstellungen vornehmen, Auslöser drücken und fertig. Der normale Modus dürfte der am häufigsten verwendete sein, hier findet man die unterschiedlichen Features und erhält gute Bilder im Automatik-Modus. Der manuelle Modus ist für anspruchsvollere Aufnahmen gedacht, entsprechende Einstellungen können getrennt voneinander vorgenommen werden.

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Cam Plus, so nennt LG das „Kamera“-Modul, welches man mit dem G5 verwenden kann. Direkt vorneweg: alles, was Ihr mit dem Modul machen könnt, könnt Ihr auch ohne dieses, lediglich die Bedienung wird verändert. Ich schreibe bewusst verändert, weil von vereinfacht möchte ich nicht sprechen. Aber der Reihe nach.

Das Modul selbst ist mit einem 1200 mAh-Akku ausgestattet, der auch das Smartphone laden kann. Das ist super und man merkt den Zugewinn der Laufzeit auch während der Nutzung. Darüber hinaus gibt es zwei Auslöse-Buttons, einen großen für Fotos und einen kleinen, um direkt Videos aufzunehmen. Außerdem gibt es da noch ein Rädchen, das an Sonys Jog-Dial erinnert, falls das noch jemand kennt. Zu guter Letzt gibt es noch einen Schiebeschalter, der die Kamera aktiviert, egal ob das Smartphone gesperrt ist oder nicht.

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Eigentlich beste Voraussetzungen, um aus dem LG G5 eine schön zu handhabende Kompaktkamera zu machen. In der Praxis hat sich für mich das Cam Plus-Modul nicht gelohnt. Der Zusatzakku war nett, aber nicht nötig. Die Bedienung der Kamera über das Modul? Gewöhnungsbedürftig. Selbst beim Testen, wo man sich auf ein Produkt konzentriert, habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie ich die Kamera-App über das Display bediente statt das Modul zu nutzen.

Der Grund dafür? Ich kann nur spekulieren. Vermutlich habe ich mich im Laufe der Zeit so sehr an die Bedienung per Touchscreen gewöhnt, dass es nun automatisch abläuft. Aber das allein ist es nicht, denn die Bedienung des Moduls ist auch nicht so wirklich prickelnd. Die Auslöser sind gut, allerdings ist der Druckpunkt eher suboptimal, sodass es beim Auslösen gerne einmal zu einem Wackler kommen kann. Das kann auch beim Tap auf das Display passieren, hier bringe ich wieder meine Gewöhnung ins Spiel.

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Das Rad an der Ecke? Kann zum Zoomen genutzt werden. Schlimm. Wirklich. Ersten reagiert das Rad so unfassbar träge, das man nur mit Glück schnell die gewünschte Zoom Stufe erreicht. Zweitens ist es eben nur ein Digitalzoom, der nicht gerade toll ist. Nichts, was ich nutzen würde.

Als Unding empfinde ich auch, dass man im manuellen Kamera-Modus, indem man übrigens auch auf eine RAW-Speicherung als DNG umstellen kann, das Rädchen nicht zur Bedienung nutzen kann. Das User Interface ist sogar mit virtuellen Rädchen ausgestattet, die sich auf dem Display drehen lassen, um den passenden Wert einzustellen. Wählt man also beispielsweise ISO aus und dreht dann intuitiv am Rad, weil es einfach richtig erscheint, zoomt man wieder fröhlich rum.

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Was wiederum sehr nett ist und auch durchaus praktisch, ist der umgekehrte Zoom, quasi das Hinauszoomen aus einem Bild. Die Kamera-App startet im Normal-Modus, wenn man sie über das Modul startet. Zoomt man nun heraus, wird das Bild zur Weitwinkelaufnahme (mehrstufig möglich) und man erfasst mehr vom Geschehen. Das kann sehr nützlich sein, rechtfertigt für mich aber keinen zusätzlichen Ballast.

Fazit Cam Plus: Es ist ähnlich dem Fazit zum Magic Slot. Die Idee ist gut, das Ergebnis schade. Kommt das Cam Plus-Modul nicht als Bundle mit dem G5, niemals würde ich 99 Euro dafür ausgeben oder jemandem diese Investition empfehlen. Für 99 Euro kann man sich auch ein paar Zusatzakkus holen, falls man es deswegen nutzen möchte. Einen Vorteil beim Fotografieren kann ich durch das Modul nicht feststellen, im Gegenteil, die Nutzung fühlte sich komisch an.

System und Leistung

Android 6.0 Marshmallow, man braucht nicht mehr viel dazu sagen. LG nimmt nicht allzu viele Änderungen am System vor, das System lässt sich insgesamt gut bedienen und man findet sich zurecht. Wie soll es auch anders sein. Gleiches gilt für die Leistung. Der Snapdragon 820 SoC und die 4 GB RAM bringen das LG G5 nicht so schnell an seine Grenzen und ich konnte auch keine ungewöhnliche Wärmeentwicklung bei anspruchsvolleren Aufgaben feststellen.

Was ich an dieser Stelle aber einmal loswerden muss, weil ich es echt krass finde: Die Übersetzungen von LG. Ich empfinde es durchaus schon als unverschämt, wenn ich in Deutschland ein Smartphone für den deutschen Markt kaufe und alles, was mit LG zu tun hat, stammt von irgendeinem Online-Übersetzer. Sei es die Smart World oder auch System-Updates, das ist für mich ein No-Go. Und es ist mir bisher auch bei keinem Hersteller so krass aufgefallen.

Logisch, Fehler schleichen sich ein, das ist normal. Aber was mit der LG Software oder in der LG Smart World los ist, das ist schon derb. Kaum ein Wort korrekt übersetzt, handelt es sich um ganze Sätze, dürfte jeder Grundschüler ein besseres Grammatikverständnis haben. Offensichtlich kein Schwerpunkt bei LG, wer damit leben kann, den wird es auch nicht stören. Was ich anfangs noch witzig fand, ging mir aber bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven, eben durch die massive Häufung.

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Man müsste in dieser Hinsicht vielleicht auch einmal an den Kunden ohne große Kenntnisse denken. Wenn Tante Elfriede plötzlich ein Update für die „AppSchublade“ in gebrochenem Deutsch angeboten bekommt, schrillen bei ihr hoffentlich alle Alarmglocken und sie installiert es nicht, weil sie nach der dritten Malware gelernt hat aufzupassen, was sie so installiert.. Gut gemacht, Tante Elfriede, leider hast Du ein Hersteller-Update nicht gemacht und verzichtest damit auf die neue Version des App-Drawers, der per Update nachgereicht wurde.

Stört sich bestimmt nicht jeder dran, ich könnte damit bei täglicher Nutzung nicht leben, dazu gibt es genug Alternativen. Erfreulich ist allerdings, dass es wenig zusätzliche Apps im System gibt. Sieht man ja leider auch immer mehr, der PC-Trend „Bloatware“ hat es mittlerweile auch auf die kleineren Rechenkünstler geschafft. Bei LG nicht ausufernd und das ist auch sehr angenehm.

Wie bereits eingangs erwähnt, kommt das LG G5 mit allen Aufgaben problemlos klar. Das zeigt sich eben nicht nur an einem flüssigen System, sondern auch beim Spielen. Hier wird trotz hoher Auflösung des Displays weder der Akkuverbrauch extrem in die Höhe getrieben (verglichen mit FullHD-Smartphones), noch hat das Smartphone Probleme damit, Spiele flüssig darzustellen.

Die Oberfläche von LG gefällt mir, es wirkt alles sehr aufgeräumt und übersichtlich, anders als man es beispielsweise von EMUI kennt (womit ich persönlich auch kein Problem habe, viele stören sich allerdings daran). Im Bereich System und Leistung gibt es technisch also keine Kritik, das ist gut gelungen. Und ich bin mir sicher, dass LG das irgendwann auch mit den Übersetzungen hinbekommt.

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Akku

Der Akku ist beim LG G5 auswechselbar, das wisst Ihr ja bereits. Wenn man nicht gerade das Cam Plus-Modul oder einen anderen Zusatz-Akku nutzt, muss man mit dem hinkommen, was das Gerät von Haus aus bietet. Das sind 2800 mAh, die im Alltag auch für viele ausreichen dürften. Gut, nach der Nutzung des LG G5 hätte ich nun nicht mit 2800 mAh gerechnet (ich habe die Specs selten im Kopf und bewerte diese dann erst anhand meiner Erfahrungen, wenn ich den Test schreibe), aber ich war auch nie mit leerem Akku dagestanden.

Aufgeladen wird der Akku via USB-C, unterstützt wird QuickCharge 3.0. In der Praxis bedeutet dies, dass Ihr das Smartphone in gut einer Stunde aufgeladen habt, wobei die letzten paar Prozent gerne 20 Minuten in Anspruch nehmen können. Das ist sehr stark und bedeutet auch, dass Ihr selbst bei kurzer Verbindung mit der Steckdose wieder eine längere Nutzungszeit gewinnen könnt. Entsprechendes Ladegerät natürlich vorausgesetzt.

Der Akku hat mich gut durch den Tag gebracht, ich habe allerdings auch überdurchschnittlich viel mit dem G5 herumgespielt. Vergleiche ich es mit meinem iPhone 6 Plus, erreiche ich ungefähr die gleiche Laufzeit bei ungefähr gleicher Nutzung. Könnt Ihr nicht viel mit anfangen, weil Ihr vermutlich anders nutzt, aber unabhängig vom sterilen Akku-Benchmark bin ich zufrieden mit der Leistung.

Natürlich geht der Akku schneller in die Knie, wenn man spielt oder die ganze Zeit die Kamera-App geöffnet hat, aber das ist ja bei jedem Smartphone so. Der synthetische Akkubenchmark lässt das LG G5 ganz vorne mitspielen, einen Eindruck, den ich während der Nutzung allerdings auch nicht hatte.

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Der Sound

Wenn als Zubehör schon ein Hi-Res-DAC verkauft wird, kann man vom internen Sound nicht viel erwarten, richtig? Nein. Ich würde die Soundverarbeitung einfach als normal bezeichnen, wenn man über Kopfhörer auf Musik zugreift. Aber hier machen noch die wenigsten Hersteller einen Unterschied (HTC hat Hi-Res im HTC 10). Der Sound, der allerdings aus den Lautsprechern kommt, ist nicht so der Knaller (da würde aber auch der DAC nichts ändern).

Es wird zwar relativ laut, aber es hört sich dabei nicht sehr gut an. Sehr hohl, sehr blechern, sehr dünn. Kein Sound, den ich aus Lautsprechern eines Flaggschiff-Modells erwarte, dazu gibt es zu viele, die es besser machen. Aber vielleicht kommt ja noch ein Modul, das einen besseren Lautsprecher liefert, er befindet sich immerhin in der „Austauschleiste“. Der Sound mit Cam Plus-Modul unterschiedet sich nicht sehr vom normalen Sound, kann man akzeptieren, ist ja ein Kamera-Modul.

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Der Fingerabdruckscanner

LG verbaut den Fingerabdruckscanner rückseitig, wie man es schon von früheren Modellen kennt. Der Scanner ist dabei nicht nur zum Auslesen des Fingerabdrucks zuständig, sondern dient auch als Powerbutton, er lässt sich also drücken. Muss man sich dran gewöhnen, oft genug erwischte ich mich, wie ich den Rahmen nach dem Button absuchte. Immerhin hört man es deutlich, wenn man den Powerbutton gedrückt hat und es klingt auch nicht danach, als würde sich das im Laufe der Zeit geben.

Mit der Positionierung des Buttons habe ich persönlich meine Probleme. Ich habe hier ein Huawei Mate S, ebenfalls mit rückseitigem Scanner. Nehme ich dies in die Hand, rutscht es quasi automatisch in die Position, die den Zeigefinger auf dem Scanner landen lässt. Eine natürlich Bewegung und ein normales Halten des Smartphones. Leider nicht so beim LG G5.

Nehme ich das LG G5 bequem in die Hand, muss ich meine Finger verrenken, um an den Button zu kommen, er sitzt für mich zu tief, mein Finger landet meist zwischen Scanner und Kamera. Kuriose Sache, die auch aber tatsächlich über mehrere Tage beobachtete. Kurios deshalb, weil der Abstand zwischen Unterkante Smartphone und Fingerabdruckscanner bei beiden Geräten fast gleich ist. Im Zweifelsfall etwas, das man vorher ausprobieren sollte.

Erwischt man den Scanner aber – und hat ihn ordentlich eingerichtet – verrichtet er seinen Dienst tadellos. Ich hatte in den letzten drei Wochen vielleicht 5 Fehlversuche, diese resultierten aber eher aus einem nur halb aufgelegten Finger, weil ich wieder mal nicht traf. Auch der Entsperrvorgang ist sehr flott, also genau so, wie man es auch erwarten würde.

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Fazit

Oh Mann LG. Es tat mir wirklich leid, diesen Test zu verfassen. Das LG G5 ist – so wie es mir hier vorlag – ein klassischer Fall von „es hätte so schön sein können“. Ich bin immer noch von der Idee mit den Modulen begeistert, verstehe aber auch wieder einmal, warum Smartphones so erfolgreich geworden sind. Eben weil man nicht mehr mehrere Teile mit fragwürdigem Nutzen herumschleppen muss, man hat alles in einem Gerät.

Modular ergibt dann Sinn, wenn der Nutzer von den Modulen auch profitiert. Das sehe ich hier leider nicht. Weder sind die Module zukunftssicher gestaltet, noch bringen sie den Mehrwert, den zumindest ich mir von einem modularen Smartphone erwartet habe. Die Modularität ist aber auch das, was die Schwächen des G5 entschuldigen könnte, aber auch hier fehlen eben die Vorteile, die die Nachteile aufwiegen könnten. Zumindest noch.

Im Moment stellt es sich aber so dar, dass man 699 Euro (mittlerweile nur noch gut 600 Euro) für ein Smartphone bezahlen soll, das man dann durch nicht gerade günstige Module „aufwerten“ soll. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber wenn ich ein neues Smartphone kaufe, möchte ich für 699 Euro das bestmögliche Gesamtpaket. Und nicht ein Grundgerüst, dass ich dann mit zusätzlichen Käufen füttern soll.

Wer für sich einen Vorteil durch die verfügbaren LG Friends sieht, kommt natürlich an LG nicht vorbei. Das glaube ich allerdings aktuell noch nicht und mir würde bis auf die Kamera, die wirklich Spaß macht und in dieser Form auch noch nicht bei der Konkurrenz zu finden ist, kein Grund einfallen, warum ich das LG G5 kaufen oder empfehlen sollte. Sollte LG den Weg der Modularität weiter verfolgen, wären der Konzern wohl gut beraten, einen größeren Mehrwert zum Ausgangsprodukt zu schaffen.


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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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