Misere Smart TV: Samsung knipst Netflix an alten Geräten aus (Update!)

10. September 2017 Kategorie: Hardware, Software & Co, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Smart TVs: Sie, oder besser gesagt ihre Apps, sind des einen Leid und des anderen Freud. Ich persönlich habe mit den Anwendungen, die auf Fernsehern vorinstalliert sind, bisher bestenfalls gemischte Erfahrungen gemacht. So verzweifelte ich im Familienkreis eher an Sonys älteren Geräten mit Android TV, bei denen die App für Amazon Prime Video trotz schneller und stabiler Internetverbindung die Bildqualität im Sekundentakt wechselte. Doch es kann auch dicker kommen: Samsung stellt etwa aktuell Netflix für ältere Smart TV ein.

So hat unser Leser Steffen uns darüber informiert, dass an seinem Samsung UE46ES5700 aus dem Jahre 2012 seit dem 30.08.2017 die App für Netflix ihren Dienst versagt. Vorab erhielt er von Samsung eine offizielle Bestätigung, dass die Anwendung bald nicht mehr funktioniere. Dabei handelt es sich um den zweiten Streich der Südkoreaner. Bereits Mitte des Jahres schoss man YouTube für seine älteren Fernsehgeräte ins Aus. Die genauen Hintergründe schlüsselte Samsung weder damals noch heute auf, es kann bei derart alten TVs und Apps, die schon seit einiger Zeit keine Updates mehr erhalten, aber vieles den Ausschlag geben. Ich persönlich vermute Sicherheitsbedenken. Aus Jux und Dollerei wird man den Zugriff zumindest nicht beendet haben.

Nun mag der ein oder andere von euch schmunzeln und sagen: „Na ja, wenn ein Gerät fünf Jahre alt ist, dann kann man es ja eh mal ersetzen.“ Und im Bereich Smartphones würde ich euch beispielsweise durchaus Recht geben. Fernseher sind aber wiederum eine Produktgruppe, die von vielen Verbrauchern länger als fünf Jahre genutzt wird. Oft wandert ja auch gerne das ehemalige Hauptgerät aus dem Wohnzimmer als Zweitgerät ins Schlafzimmer. Vielleicht haben das einige von euch z. B. nach dem Kauf eines Ultra-HD-Fernsehers so gehandhabt und ihren treuen Full-HD-Boliden im Schlafzimmer eine neue Chance gegeben – was schlüpfriger klingt, als es gemeint ist.

So oder so ist es ärgerlich, wenn man sich ein Gerät kauft, nur um zu beobachten, wie nach dem Kauf Features wegfallen, die vielleicht einmal ausschlaggebend dafür gewesen sind, dass man sich das Gerät ins Haus geholt hat. Und eventuell wägte der ein oder andere damals ja tatsächlich ab, sich einen TV mit oder ohne Smart-Features zu holen und entschied sich dann im Zweifelsfall wegen YouTube und Netflix für eines der betroffenen Samsung-Geräte. Wobei ich persönlich hier nicht speziell Samsung den schwarzen Peter zuschieben möchte – denn bei anderen Herstellern kann euch so ein Schicksal genau so treffen. Siehe Sony, die bei ihren Android-TV-Geräten anfangs beworbene Funktionen teilweise erst Monate später nachreichten.

Im Blog sind wir uns deswegen übrigens ziemlich einig: Wir lassen allesamt die Finger von den integrierten Smart-TV-Features und setzen auf externe Boxen. Ich selbst bin etwa sehr großer Fan der Nvidia Shield Android TV – Caschy ebenfalls. Bei mir hängt aber auch ein Amazon Fire TV an meinem Zweitgerät. Ich bin auch der Meinung, dass sich die Investition im Alltag schnell auszahlt. Statt dass man sich am Smart TV über langsam startende Apps, Abstürze oder Verbindungsprobleme ärgert, kann man an externen Boxen in aller Regel mehr Leistung erwarten und die Bedienung ist deutlich benutzerfreundlicher. Und wenn man den TV wechselt, zieht man seine Kiste (oder seinen Stick bzw. Dongle) ab und steckt ihn einfach wieder ans neue Gerät – alle Einstellungen und Daten behält man.

Klar, auch an Smart TVs hat sich in den letzten Jahren viel getan und die Apps laufen flotter. Ich selbst empfinde es aber dennoch als deutlichen Unterschied, ob ich eine Anwendung z. B. am Samsung KS8090 starte, so sehr ich den TV schätze, oder ob ich an der Nvidia Shield Android TV hantiere. Es funktioniert eben doch alles zwei Nummern flotter und lässt sich flüssiger bedienen. Es macht einfach mehr Spaß und genau das ist ja im Heimkino das Wichtigste überhaupt: Spaß, gut unterhalten werden, entspannen und abschalten.

Nun könnte man wieder einwenden, dass auch an so einer Box theoretisch mal Features wegfallen können oder andere Ärgernisse geschehen – siehe etwa das mich selbst frustrierende Update der YouTube-App, welches erst kürzlich wieder korrigiert wurde. Aber man hat mehr Optionen „sich zu wehren“ bzw. sich zu behelfen. Als es etwa noch keine App für Amazon Prime Video an der Shield gab, hievte ich eine via Sideload auf das Gerät. Einige „Fans“ der neuen YouTube-App wiederum bugsierten auf diese Weise auch wieder eine ältere App-Variante auf Nvidias Kiste. Das geht an einem Smart TV eben nicht ohne Weiteres.

Fazit: Smart TVs werden manchmal dümmer – wie Samsung durch das Dichtmachen der Netflix-App an älteren Fernsehern beweist. Falls ihr also dauerhaft und flexibel derlei Features im Heimkino nutzen mögt, nehmt im Zweifelsfall etwas Geld für einen externen Stick in die Hand. Wenn ihr nicht viel ausgeben wollt, holt euch z. B. einen Amazon Fire Stick oder Google Chromecast. Wollt ihr höher hinaus, greift vielleicht zur Nvidia Shield. Das macht es nicht besser, dass Hersteller nachträglich Funktionen streichen oder versprochene Features erst spät nachliefern. Aber ihr spart euch selbst etwas Ärger. In diesem Sinne: Habt Spaß beim Streamen – ich gebe mir heute noch eine Folge The Muppets“, bevor die Serie bei Amazon Prime Video herausfliegt.

UPDATE (11.09.2017):

Samsung hat uns kontaktiert und dementiert, dass die Netflix-Unterstützung an den TVs aus dem Jahr 2012 wegfiele. Außerdem betonen die Südkoreaner, dass sie nicht selbst über die Einstellung oder Weiterführung von App-Unterstützung entscheiden, sondern jenes den jeweiligen Anbietern obliege. Ich bleibe an dem Thema dran, da wir eben gegenteilige Aussagen von Nutzern erhalten haben. Vielleicht gibt es bald Klärung.

UPDATE 2 (11.09.2017):

Laut unserem Leser Steffen funktioniert bei ihm Netflix aktuell weiterhin – viel Lärm um nichts? Der Hinweis auf die Einstellung bleibt also bisher folgenlos. Somit haben weder Netflix noch Samsung offenbar etwas gedoktert – von mir gibt es deswegen auch eine Entschuldigung in Richtung des Unternehmens!

Dennoch bleibt natürlich die YouTube-App an den Smart-TVs des Unternehmens betroffen und meine persönliche Meinung ist, schon allein aus Stabilitäts- und Performance-Gründen, dennoch externe Lösungen einzusetzen. So toll die Bildqualität bei den Samsung QLED, den OLEDs von LG oder auch den Geräten von Sony und Co. sein mag: Ich selbst würde die smarten Zusatzfunktionen schon des Komforts wegen immer über eine separate Box nutzen.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich
eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das
erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto
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