Microsoft Xbox One X: Der zweite Blick hat sich gelohnt

19. November 2017 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von:

Am Launchtag der Xbox One X hatte ich unter Hochdruck einen ersten Bericht zur Spielekonsole abgeliefert. Leider hatte ich entsprechend wenig Zeit mich mit der Konsole zu beschäftigen: Ja, ich konnte einige Spiele antesten, kurz schauen, ob die Filmwiedergabe funktioniert, aber so einige Details wie die Lautstärke bei längeren Spielesitzungen nicht antesten. Mittlerweile ist die Xbox One X mehr als eine Woche auf dem Markt und ich habe das gute Stück etwas mehr durch die Mangel genommen. Ein paar lobenswerte Aspekte aber auch Kritikpunkte sind mir dann tatsächlich noch zur Ergänzung aufgefallen – auch im Vergleich zum Launch der Sony PlayStation 4 Pro.

So erinnere ich mich, dass zum Start der PS4 Pro noch relativ wenige Games mit Pro-Unterstützung verfügbar gewesen sind und auch nicht einmal jeder neue Triple-A-Blockbuster ein Herz für Sonys Konsole hatte. Hier sehe ich die Xbox One X besser positioniert: Die Liste der Neuerscheinungen und des Backktalogs mit Xbox-One-X-Unterstützung ist lang und vielseitig.

Subjektiv wirkt der Launch der ersten Spiele, vielleicht auch aufgrund der Erfahrungen, die Entwickler schon mit der PS4-Pro-Anpassung bereits erhältlicher Titel machen konnten, runder. „Assassin’s Creed: Origins“ etwa läuft nicht nur in einer höheren Auflösung und mit besserer Bildqualität als die Standardvariante für die Xbox One S, sondern liefert auch eine stabilere Framerate. Da gab es bei Erscheinen der PS4 Pro leider auch Negativbeispiele mit durchwachsener Performance.

Mittlerweile konnte ich, trotz ausgepumpten Budgets, dank eines freundlicherweise von Microsoft zur Verfügung gestellten Testmusters auch „Forza Motorsport 7“ unter die Lupe nehmen. Microsoft bewirbt das Spiel wegen seiner nativen 4K-Auflösung und der Darstellung mit 60 fps ja als Vorzeigetitel. Obwohl ich eigentlich mehr der RPG- und Action-Adventure-Spezi drin, mochte ich schon „Forza Motorsport 6“ sehr gerne. Hui, und da legt der Nachfolger dann aber wirklich deftig eins drauf. Das hervorragende Gameplay gar nicht berücksichtigt, ist das Spiel technisch extrem beeindruckend. Ich hätte jedenfalls nicht mehr damit gerechnet ein Spiel mit nativen 3.840 x 2.160 Bildpunkten und 60 fps an dieser Konsolengeneration zu erleben.

Heftig ist aber auch hier das Update, dass ich nach der ohnehin langwierigen Installation von Disk (über 40 GByte) noch herunterladen musste: Über 60 GByte wollten aus dem Netz gesaugt werden. Wie ich auch in meinem ersten Erfahrungsbericht angedeutet hatte, wird die Festplatte da bei wenigen Spielen schnell prall gefüllt sein. Allerdings kann ich persönlich leben, auch wenn mich die riesigen Updates daran erinnern, dass ich gerne eine schneller Internetanbindung hätte.

„Forza Motorsport 7“ in 4K zu zocken, macht allerdings wirklich Laune. Wenn selbst ich als Gelegenheits-Rennspieler hier begeistert werde, glaube ich, dass das Spiel in dieser Qualität durchaus für manche Xbox-Fans das Zünglein an der Waage sein könnte, wenn es um die Anschaffung einer Xbox One X geht. Was mich abseits der technischen Qualität bei diesem Game aber immer noch etwas enttäuscht: Die Entwickler von Turn 10 Studios sollten den Karambolagen-Fans wie mir mal mehr Futter geben. Denn die Schadensmodelle sind immer noch sehr eingeschränkt.

Ansonsten ist „Forza Motorsport 7“ aber ein exzellenter Start in die Welt der Xbox One X und sollte von frischgebackenen Besitzern der Konsole definitiv allein als technisches Demonstrationsmaterial in den Blick genommen werden.

Auch „Assassin’s Creed: Origins“ habe ich mich noch weiter gewidmet. Das Spiel mit seinem neuen Schwenk Richtung Action-Adventure ist die Frischzellenkur, welche die Marke nötig hatte. So hatte ich zuletzt mit „Assassin’s Creed: Brotherhood“ so viel Spaß innerhalb dieser Serie. Da ich hier tatsächlich einmal nächstens ca. vier Stunden am Stück gezockt habe und die Zeit aus dem Blick verlor, konnte ich auch mehr Eindrücke zur Lautstärke der Xbox One X sammeln.

Hier rutschte mir dann wirklich nur ein ehrfürchtiges „Wow!“ raus: Selbst nach mehreren Stunden erschien mir der Lüfter nahezu genau so leise wie im Idle-Betrieb. Ich muss schon direkt an die Konsole gehen, um ihn wahrzunehmen. Microsofts Vapor-Chamber-Kühllösung scheint ein Volltreffer zu sein.

In „Mittelerde: Schatten des Krieges“ ergab sich ein ähnliches Bild: Die Xbox One X blieb selbst bei geringer TV-Lautstärke bei 2 m Sitzabstand unhörbar. Damit ist die Xbox One X in meinem Fall leiser als die PS4, PS4 Pro und Xbox One S, welche ich bisher besessen habe – trotz der höchsten Leistung. Kühllösungen sind ein heikles Thema, denn sie müssen in Konsolen platzsparend sein, effizient arbeiten und im Idealfall dennoch leise operieren. Beim zuletzt genannten Aspekt sind die Hersteller leider oft am ehesten gewillt Kompromisse einzugehen. Zum Glück hat Microsoft jenes bei der Xbox One X offenbar vermieden.

Kritikpunkte sind mir dennoch in meiner bisherigen Nutzung ebenfalls aufgefallen. Einer ist das Dashboard. Sorry, Microsoft, aber da fällt mir nur ein Wort ein: Chaos. Wo bei Sony alles simpel und aufgeräumt ist, muss ich im Xbox Dashboard mal oben im Menü rumhampeln, dann auf mein Profil gehen, um z. B. meine Update- Spracheinstellungen anzupassen oder die Konsole auszuschalten und dann wieder mitten im Bild herumwurschteln, um etwa im Kachel-Wirrwarr ein Spiel zu starten. Dazu kommen auch kleinere Bugs, die zwar einen gewissen Humor versprühen, aber doch sehr irritieren.

So scheint Microsoft es irgendwie blöd zu finden, dass ich als Wohnsitz Deutschland angebe, aber das System auf Englisch betreiben möchte. „Das treiben wir dem schon aus“, scheint man sich in Redmond zu denken. Denn für die nachträglichen Sprach-Downloads bei Spielen schlägt mir das System immer Russisch vor. Warum die Xbox One X mich also nach Osteuropa versetzen möchte, weiß ich leider nicht. Abhilfe schuf in meinem Fall als Wohnsitz nun auch noch Großbritannien zu nennen – man raubt mir also komplett den Patriotismus.

Dann ist da noch das Problem mit der Wiedergabe von Ultra HD Blu-rays: Letzten Dienstag konnte ich leider nur kurz die Filmwiedergabe antesten und da fiel es mir aufgrund des Zeitdrucks nicht auf. Aber tatsächlich gibt es mit der Luminanz Probleme. Schwarz sieht eher nach Grau aus und es gibt generell Probleme mit der Farbdarstellung. Die kräftige, plastische Darstellung, die ich bei den selben Filmen noch an der Xbox One S ausmachen konnte, etwa bei „X-Men: Apocalypse“, vermisse ich kurioserweise an der Xbox One X.

Microsoft will diese Kinderkrankheit durch ein Update beheben, aber aktuell ist das noch ein Ärgernis. Ich habe beispielsweise hier im Regal die Ultra HD Blu-ray zu „Wonder Woman“ und „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ stehen und wollte beide Streifen an der Xbox One X genießen. Nun warte ich allerdings lieber auf das angekündigte Firmware-Update, da ich beide Filme gerne in bester Qualität zelebrieren wollte. Eine kleine Enttäuschung ist das erst einmal schon.

Was aber am Ende nun für mich am wichtigsten ist: Ich habe mir die Microsoft Xbox One X genau wie einige von euch für hart verdiente 499 Euro im Handel gekauft. Da hat man ja immer schnell ein subjektives Gefühl und fragt sich selbst – hat sich die Investition gelohnt? Denn nach meinem Spontankauf der Nintendo Switch folgte schnell die Ernüchterung. Und auch die Xbox One S war im Nachhinein für mich tendenziell eher ein Fehlkauf – da die Konsole von mir am Ende eher als Ultra-HD-Blu-ray-Player beansprucht wurde. Es fehlten mir die spannenden Exklusivtitel. Multiplattformtitel wiederum zockte ich stets an der der PS4 Pro.

Doch das Schicksal der Xbox One S wird die Xbox One X nicht ereilen: Die niedrige Betriebslautstärke und die für eine Konsole massive Leistung sind eine tolle Sache. Zumal die Nachrüstung bereits veröffentlichter Spiele bisher besser verläuft, als zum Start der PS4 Pro. Außerdem steht für mich jetzt schon fest, dass ich kommende Triple-A-Titel wie „Anthem“, „Red Dead Redemption 2“ oder „Far Cry 5“ definitiv an der Xbox One X spielen möchte. Das macht die PS4 Pro keinesfalls überflüssig, denn Spiele wie „God of War“, „The Last of Us: Part II“ oder „Spider-Man“ sind die Trumpfkarten von Sony. Und auch ein JRPG wie „Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs“ rechtfertigt es schon alleine, die PS4 Pro in Ehren zu halten.

Aber am Ende hat Microsoft mit der Xbox One X viele Fehler der Vergangenheit ausgebügelt und eine durchdachte Konsole veröffentlicht, die als Mid-Generation-Refresh aus meiner Sicht neben der Xbox One S ihre Daseinsberechtigung hat. Ich hoffe inständig, dass Entwickler die Xbox One X weiter bzw. noch stärker intensiv unterstützen, denn dann werde ich mich auch die nächsten Jahre gerne weiter als überzeugter Konsolero fühlen.


Du entscheidest mit! Wir suchen das Smartphone des Jahres 2017! Jetzt abstimmen!

 

Über den Autor:

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich
eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das
erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto
auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 2615 Artikel geschrieben.