Im Schatten von Facebook: Badoo wächst und wächst

25. Mai 2012 Kategorie: Social Network, geschrieben von: Gastautor

In meinen Anfangstagen als Blogger habe ich mich ausschließlich dem „Web 2.0“ gewidmet und in diesem Rahmen sehr gern ein Social Network nach dem nächsten unter die Lupe genommen. Noch bevor jemand „Beta-Phase“ rufen konnte, war ich schon angemeldet. Fast gleichzeitig vollzog ich meinen virtuellen Umzug von MySpace zu Facebook. Wo Facebook heute steht, muss ich niemandem erzählen, was aus all den WKWs, StudiVZs und MySpaces geworden ist, hat ebenso jeder mitbekommen. Schwierige Zeiten also für ein Netzwerk, sich im Schatten von Facebook etablieren zu können. Wenn selbst ein Gigant wie Google zu kämpfen hat, kann man sich vorstellen, wie groß die Erfolgs-Chancen sind, heute ein Network aus dem Boden zu stampfen, welches die Massen anzieht.

 

Dem Russen Andrey Andreev ist exakt dieses Kunststück gelungen. 2006 hat der Kamerad sein Netzwerk badoo ins Rennen geschickt und seitdem beharrlich seine User-Zahlen in die Höhe geschraubt. Mittlerweile ist man bei 150 Millionen Nutzern angekommen, hat ein funktionierendes Geschäftsmodell – und keine Werbung. Somit scheint Andreev exakt das gelungen zu sein, was Mark Zuckerberg partout nicht gelingen will: ein veritables Finanzmodell zu etablieren!

Innerhalb eines Jahres konnte man in Deutschland seine Nutzerzahl  um 148 Prozent auf 2,3 Millionen anschwellen lassen, wie ComScore ermittelt hat. Doch da hört es mit den beeindruckenden Zahlen noch lange nicht auf: Badoo gehört zu den drei beliebtesten Facebook-Apps und die mobile Anwendung findet sich bei Google Play in den Top Ten wieder.

Wie das passieren konnte, ohne dass ihr jemals davon erfahren habt? Kann ich euch erklären: Badoo setzt darauf, dass wir eben nicht nur mit unseren Hintern vor den Rechnern hocken und uns vernetzen wollen. Stattdessen setzt man auf echte Kontakte. Badoo möchte, dass wir Bekanntschaften schließen, die wir nicht virtuell anstupsen oder gruscheln – sondern real treffen. Dabei gibt sich Badoo natürlich betont geschmeidig: ihr sollt angeben, ob ihr daran interessiert seid, mit jemandem einen Kaffee zu trinken, ins Kino zu gehen, spazieren zu gehen, whatever. Das ist natürlich sehr oberflächlich betrachtet, denn wenn Junge X bei Badoo Mädchen Y treffen will, dann haben beide tendenziell andere Dinge im Kopf als Kaffee oder Kino! Knallhart gesagt: Badoo wächst und wächst, weil es ein nahezu unendlich großer Kontakthof ist. Von der ebenso spontanen wie schnellen Nummer über eine wie auch immer geartete Beziehung ist alles möglich und wird auch dementsprechend genutzt. Seinerzeit habe ich mal bei Wired einen sehr interessanten Artikel dazu gelesen – die anschließende Anmeldung dort war übrigens nur zu Studienzwecken meinerseits erfolgt 😉

Aber wie finanziert sich die Bude denn, wenn dort keine lästigen Werbeeinblendungen das Flirt-Vergnügen einschränken? Ganz einfach: man setzt auf ein Freemium-Modell, welches sich im Ansatz vielleicht mit einem Netzwerk wie StayFriends oder auch Social Games wie Farmville vergleichen lässt. Ihr könnt euch Menschen in der Nähe anzeigen lassen, könnt auch deren Profil aufrufen, seht aber beispielsweise nur ein Foto anstelle des kompletten Albums. Es gibt die Möglichkeit, „SuperPowers“ zu erwerben, mit deren Hilfe ihr feststellen könnt, wer bei Badoo bereits angegeben hat, dass ihr ihm oder ihr gefallt. Desweiteren könnt ihr durch eben diese SuperPowers dafür sorgen, dass ihr viel prominenter auf Badoo wahrgenommen werdet, egal ob es dabei um die Startseite geht, bei denen ihr gegen Kohle euer Foto im Bilder-Stream wieder finden könnt, oder ob ihr einfach nur im Postfach des angebeteten Menschen ganz oben erscheinen wollt.

Diese Dienste lässt sich Badoo entlohnen: Soll meine Birne auf der Startseite kurzfristig auftauchen, kostet mich das 100 „Punkte“. 550 Punkte kann ich erwerben, das kostet mich schlanke 10 Euro. Wollt ihr die SuperPowers erwerben, die euch virtuelle Geschenke verteilen lassen und ähnliche Späße mehr, die euch Aufmerksamkeit bringen. Für drei Monate kostet dieses Abo dann insgesamt ca 20 Euro.

Das wird dem Vernehmen nach auch von den Nutzern sehr gern in Anspruch genommen. Klar, wenn ich plane, möglichst viele Menschen real zu daten, um was-auch-immer mit denen zu treiben, dann hau ich vermutlich auch gerne mal 20 oder 30 Euro für ein paar Monate raus. Jetzt die Preisfrage an euch: kennt ihr Badoo, seid ihr dort angemeldet – und wenn ja: habt ihr es bislang lediglich als einen weiteren Facebook-Klon wahrgenommen oder nutzt ihr es so, wie es scheinbar der Großteil der dort Angemeldeten tut?

Quelle: Focus.de via WiWo



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Über den Autor: Gastautor

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