Blogger: Google zensiert eigene Plattform für Meinungsfreiheit

24. Februar 2015 Kategorie: Google, Internet, geschrieben von:

“censoring this content is contrary to a service that bases itself on freedom of expression” – das ist ein Ausschnitt aus der Content Policy von Googles Blogger Service im Bezug auf Erwachseneninhalte, also Bilder und Videos, die sexuelle Handlungen zeigen. Das passt nicht zu dem, was Google jetzt von Blogger-Nutzern erwartet, die Seiten mit solchen Inhalten bereitstellen. Diese wurden von Google informiert, dass sie bis 23. März Zeit haben, um derartige Inhalte zu entfernen, andernfalls würden diese zwar nicht gelöscht, aber die Blogs in einen „Privat-Modus“ versetzt, so dass sie nur noch für Menschen erreichbar sind, mit denen sie direkt geteilt wurden.

Google Office

Blogs, die nach dem 23. März 2015 erstellt werden und pornografische Inhalte zeigen, können von Google direkt gelöscht werden, auch das geht aus der neuen Content Policy von Google hervor. Google schließt Nacktheit aber nicht komplett aus. “We’ll still allow nudity presented in artistic, educational, documentary, or scientific contexts, or where there are other substantial benefits to the public from not taking action on the content,” liest man direkt in der Einleitung der neuen Regeln dazu. Ob Inhalte unter diese Kategorien fallen, entscheidet allerdings Google.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Seiten dies betrifft, Global News geht davon aus, dass es sich um Millionen handelt.

Jason Scott vom Internet Archive sieht diesen Schritt mehr als kritisch und bekundet dies auch bei Twitter (@textfiles). Das Internet Archive Team wird nun beginnen, Blogger-Accounts zu sichern, was sich allerdings als schwierige Aufgabe herausstellt, das keiner weiß, welche Seiten Google entfernen, beziehungsweise auf „privat“ setzen wird.

Sicher kann man Googles Schritt ein Stück weit verstehen, immerhin gibt es bei solchen Seiten bisher nur eine Warnung, klickt man diese weg, hat man Zugriff auf die Inhalte. Gerade im Bezug auf Kinder und das Internet ist dies keine gute Lösung. Auf der anderen Seite haben auch die meisten Porno-Seiten nicht mehr als einen Button, mit dem man bestätigt, dass man alt genug ist, um die Inhalte zu sehen.

Was Google mit dieser Änderung der Content Policy macht, ist nichts anderes als Zensur – und das auch noch rückwirkend. Das widerspricht dem, für was Blogger bisher stand. Andere Dienste wie WordPress oder Tumblr erlauben hier mehr, letzterer von Yahoo übernommener Dienst hat aber wohl die wenigsten Probleme damit. Die Regeln zu Erwachseneninhalten lauten hier schlicht: “We have no problem with that kind of stuff. Go nuts. Show nuts. Whatever.” Schade, Google.

(via Engadget)


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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