„The Yakuza Remastered Collection“ angespielt: Drei Spiele, drei Highlights

Schon im August 2019 hatte ich hier im Blog aufgegriffen, dass am 11. Februar 2020 zu einem meiner absoluten Lieblings-Franchises, „Yakuza“, eine Sammlung mit gleich drei Games erscheinen würde. Nun ist sie da: „The Yakuza Remastered Collection“ enthält als Set die drei Titel „Yakuza 3“, „Yakuza 4“ und das zuvor im Westen rein digital erschienene „Yakuza 5“. Die ursprünglichen PS3-Versionen wurden für die Neuauflage für die Sony PlayStation 4 überarbeitet. Für mich hat sich der Blick gelohnt.

Die drei Spiele lagen auf der PS3 nur in 720p mit 30 fps vor. Für die PS4 hat man nun aufgestockt auf natives 1080p bei 60 fps. Außerdem wurden die englischsprachigen Übersetzungen stark verbessert und zuvor herausgeschnittene Inhalte wieder eingefügt. So fehlten damals in „Yakuza 3“ die Hostessen-Minispiele – sie sind aber im Remaster vorhanden. Nun haben alle drei Games ja einige Jahre auf dem Buckel – sie erschienen erstmals 2009 („Yakuza 3“), 2010 („Yakuza 4“) bzw. 2012 („Yakuza 5“). Mittlerweile hat sich viel in der Spieleindustrie geändert. Machen die Games also auch mehr als eine Dekade nach der Erstveröffentlichung noch Laune?

So sieht man allen drei Spielen das Alter an. Etwa hat sich zwar die Auflösung erhöht, Aliasing, also Kantenflimmern, ist aber sehr deutlich sichtbar – allerdings deutlich reduziert, wenn man mit den PS3-Varianten vergleicht. Auch die Benutzeroberflächen wirken mittlerweile arg retro und lassen zum Teil modernen Komfort vermissen. Etwa gibt es zwar jeweils Mini-Maps und Karten der Areale in denen Protagonist Kazuma Kiryu und Co. herumstromern, man kann aber keine eigenen Wegpunkte setzen.

Auch die Animationen wirken eher hölzern und die Cutscenes, damals State-of-the-Art im Hinblick auf die Gesichter der Charaktere und deren Mimik, liegen im Vergleich mit „Yakuza 6“ oder „Yakuza Kiwami 2“ nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Das sollte man eben bedenken – ihr bekommt hier Remaster und keine Remakes. Bei einem Preis von aktuell 55 Euro für alle drei Games, kann man aber meiner Ansicht nach nicht meckern. Denn jedes der drei Spiele kommt für sich genommen locker auf 40 bis 60 Spielstunden, wenn ihr nicht nur stur der Hauptquest folgt, sondern auch die Nebenaufgaben mitnehmt.

Noch nie ein „Yakuza“ gezockt? Dann empfehle ich euch, lieber mit „Yakuza Zero“ zu starten, welches von Anfang an die mitreißende Story um Kiryu erzählt. Solltet ihr aber schon in eines der PS4-„Yakuza“ reingeschnuppert haben und Gefallen daran gefunden haben, dann ist die „Yakuza Remastered Collection“ natürlich ein cooler Blick zurück. Neulingen sei dennoch kurz erklärt, von was für einer Art Spiel / Genre ich hier spreche.

Die Reihe „Yakuza“ ist extrem eigenwillig und deswegen auch erst mit „Yakuza Zero“ so richtig im Westen durchgestartet. Im Grunde mischt man verschiedene Genres wie RPG, Prügelspiel und Open-World-Action-Adventure a la „Grand Theft Auto“ bunt durcheinander. Gerade durch den harten Kontrast aus extrem gut geschriebenen und dramatischen Hauptgeschichten, meiner Meinung nach mit das Beste im gesamten Gaming-Bereich, und absurden und urkomischen Nebenaufgaben entwickelt dieses Franchise einen komplett eigenständigen Charme, den ihr in dieser Form nirgendwo anders findet.

In „Yakuza“kann es passieren, dass ihr während einer dramatischen Story-Sequenz aufgrund eines Twists ins ungläubige Schwitzen geratet… und nur Minuten später wild beim Karaoke abrockt oder einem Studenten helft für seinen Test zu büffeln. Dieser harte Kontrast sollte das Spiel eigentlich komplett ins Lächerliche ziehen, doch gerade diese Mischung macht jedes der Games zu einer absoluten Gaudi. Denn die Spiele sind eben hervorragend geschrieben und liefern somit harte Crime-Kost wie in einem Gangster-Drama von Martin Scorsese aber auch kuriosen Humor, der ur-japanisch ist.

„The Yakuza Remastered Collection“ empfiehlt sich dabei vor allem wegen „Yakuza 5“, das für viele Fans sogar als möglicherweise bester Teil der Reihe gilt. Im Westen erschien das 2012 in Japan auf den Markt gekommene Spiel aber erst mit reichlich Verspätung: 2015. Deswegen habe bestimmt nicht nur ich jenen Teil verpasst, weil das Gros der Gamer längst zur PS4 gewechselt war. Großartig, dass diese vergessene Perle also nun die Aufmerksamkeit erlangt, die sie verdient.

Lasst euch dabei übrigens nicht abschrecken: Einige der Cutscenes liegen nach meinem Eindruck nur in 720p und mit geringerer Framerate vor, wurden aber mit eher bescheidenen Ergebnissen hochskaliert. So ist bei Bewegungen deutliches Ghosting wahrnehmbar und ich bekam erst einen gehörigen Schreck. Das betrifft aber nur vereinzelte Videosequenzen – nicht die In-Game-Cutscenes und das Gameplay.

Die rasanten Kämpfe, Markenzeichen von „Yakuza“, sind dabei so kurzweilig wie eh und je, treten manchmal aber derart geballt auf, dass ich lieber die Beine in die Hand genommen habe. Wer nicht permanent die Fäuste schwingen will, kann sich in den jeweiligen Games Mahjong, Bowling, Blackjack und Co. hingegen die Zeit vertreiben. Einzelne Mini-Games wie Billard sind so gelungen, dass sie fast als eigenständige Spiele funktionieren könnten.

„Yakuza 3“ erzählt dabei die persönlichste Geschichte, denn hier steht noch Kazuma Kiryu allein im Vordergrund. In „Yakuza 4“ und „Yakuza 5“ erhöht sich die Anzahl der spielbaren Charaktere drastisch und nicht jeder davon ist genauso greifbar. Einer meiner Favoriten ist der smart-ironische Shun Akiyama, während ich z. B. mit dem rüden Taiga Saejima wenig anfangen konnte. Die Stories der einzelnen Figuren greifen aber in „Yakuza 4“ und dem Nachfolger immer wieder ineinander, auch wenn Kiryu sicherlich nicht nur mein Liebling bleiben dürfte.

Lohnt nun nach all der Zeit noch der Blick auf diese Sammlung? Fragt ihr mich, dann ist schon allein „Yakuza 5“ für Fans der Reihe eben den Preis auf jeden Fall wert. Man muss angesichts des Alters der Spiele eben mit einigen Ecken und Kanten leben, da aber der Reiz der Games in der tollen Story und den absurden Nebenaufgaben liegt, hier spielt „Yakuza“ seit jeher seine Kreativität aus, ist immer noch Spielspaß pur garantiert – ohne Mikrotransaktionen oder anderes Gebimmel.

Mein Fazit? Ihr erhaltet mit „The Yakuza Remastered Collection“ drei Spiele, die zusammen auf 120 bis 150 Stunden Spielspaß kommen – mit hochwertigen Stories, tollen Charakteren und witzigen Nebenaufgaben. Klar, die Technik ist angestaubt und auch damit, dass die Sprachausgabe nur japanisch ist, muss man sich arrangieren. Es gibt zudem keine deutschen Untertitel – die sind ausschließlich englisch. Fans der Reihe muss ich das aber eigentlich nicht erzählen, die halten das Game (hoffentlich) ebenfalls schon in den Händen.

Neueinsteigern lege ich zunächst „Yakuza Zero“, „Yakuza Kiwami“ und „Yakuza Kiwami 2“ ans Herz. Habt ihr jene Titel bereits gezockt und denkt über den Kauf dieser Sammlung nach, dann vergebe ich eine absolute Empfehlung.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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3 Kommentare

  1. Kann mich dem Fazit und der Empfehlung nur anschließen. Hoffe die Remastered Collection kommt auch noch für den PC. Da Sega als Publisher den PC als Zweitverwertungsplatform für sich (wieder-)entdeckt hat, stehen die Chancen nicht schlecht.

  2. Jochen Pampus says:

    Ich bin mittlerweile glücklicher Besitzer aller Yakuza -Spiele auf der PS4 und freue mich auch schon auf die kommende Veröffentlichung der Yakuza Serie im XBOX-GamePass. Ich habe gestern Teil 5 begonnen und wollte auch eigentlich nur… Aber Fans der Spiele kennen das, man kann nicht mehr aufhören ob der spannend geschriebenen Geschichte. Ich möchte allen Yakuza Fans auch DRINGEND den Ableger Judgment empfehlen, wo etwas weniger geprügelt, dafür mehr ermittelt und vor Gericht verhandelt wird. Absolut spielenswert.
    Was mich allerdings beunruhigt, ist die Tatsache, dass im kommenden Teil 7 ein rundenbasiertes Kampfsystem eingeführt wird, ganz abgesehen von einem anderen Protagonisten als Kazuma Kiryu, der einem nach 6 Teilen doch ans Herz gewachsen ist

    • André Westphal says:

      Das mit dem rundenbasierten Kampfsystem finde ich auch nicht so mega – die Entwickler haben aber gesagt, wenn Fans es nicht mögen, wird man zum alten System zurückgehen. Kiryu war auch immer mein Liebling – einer der besten Gaming-Protagonisten überhaupt meiner Ansicht nach. Der japanische Sprecher macht auch einen 1a Job. Da kommt auch viel rüber, selbst wenn man die Sprache nicht versteht.

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