Spotify: Meine 5 Musik-Geheimtipps des Jahres 2019

Letztes Jahr stellte ich hier im Blog meine fünf Musik-Geheimtipps des Jahres 2018 vor. Ich höre mir beim Streaming-Anbieter laut meinen Statistiken im Durchschnitt jeden Tag vier bis fünf neue Bands an. Das kommt aber auch dadurch zustande, dass ich stets meinem Release Radar und meinem Mix der Woche folge. So hat es für mich aufgrund eurer positiven Reaktionen aus dem letzten Jahr dann auch nahe gelegen, euch wieder fünf Künstler vorzuschlagen, die mich persönlich sehr begeistert haben.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten und wer vorwiegend beatlastiger bzw. rhythmusbetonter Musik lauscht, kann sich wohl an dieser Stelle aus meinem Beitrag verabschieden: Früher habe ich selbst in Rock-Bands musiziert und auch wenn ich das Mikrofon lange an den Nagel gehängt habe, sieht man von manch durchzechter Karaoke-Nacht ab, ist das Interesse für Underground Musik verschiedenster Genres geblieben. 2019 habe ich vorwiegend Indie Rock, modernen Folk, Dream Pop und Shoegaze gehört – aber auch einige Synthwave-Bands verirrten sich in meine Dauerbrenner.

Gespannt bin ich natürlich ebenfalls auf die Gruppen und Neuentdeckungen, welche euch in diesem Jahr besonders vom Hocker gerissen haben. Teilt also gerne eure eigenen Favoriten mit den Lesern und mir – ich bin zwar auf meine Lieblingsstile ein wenig eingeschossen, aber trotzdem immer für Neues offen. Ich hoffe, ihr könnt auch mit dem ein oder anderen meiner Faves etwas anfangen. Da letztes Jahr danach gefragt wurde: Unten ist auch eine Spotify-Playlist mit diesen und weiteren Songs, die bei mir 2019 rauf und runter gelaufen sind.

5. The Howl & The Hum – The Only Boy Racer Left On The Island

Auch wenn sie noch kein komplettes Album vorgelegt haben, musste ich dieses Jahr eine meiner Neuentdeckungen, The Howl & The Hum, einfach auf den fünften Platz der Liste hieven. Frontmann Sam Griffiths wirkt optisch wie eine Art Hipster-Nerd, ich weiß nicht an welchem Pol ich ihn verordnen soll, hat aber eine mächtige Stimme, deren Pathos sicher etliche Frauenherzen schmelzen lassen könnte. So höre ich hier eine Band, die durchaus Stadien füllen könnte, sollte die richtige Plattenfirma sich im Rücken einen Ruck geben.

2019 veröffentlichte die Band den neuen Song „The Only Boy Racer Left On The Island“, der in nostalgischen Gefühle schwelgt und am Ende mit einem bombastischen Outro endet. Ich hoffe einfach mal, dass bald ein komplettes Album folgt, das hoffentlich zeigen wird, dass man von dieser Band eventuell auch in der Mainstream-Presse noch viel hören könnte.

4. Blankenberge – More

Blankenberge wollen mit ihrem Album „More“ keinen Innovationspreis gewinnen: Der fast schon puristische Shoegaze der Russen aus St. Petersburg erinnert an das erste Album von Ride, gewürzt mit etwas moderner Komplexität. Mir gefällt auch die recht kraftvolle Produktion, die Songs wie „Right Now“ ordentlich Power mitgibt. Der Gesang steht hier gleichberechtigt nebeneinander mit der Flut von Noise und Reverb, welche sich über die Ohren ergießt. Sehr hörenswert ist übrigens auch das erste Album der Band, „Radiogaze“, das noch eine Ecke rauer daherkommt.

Hinter dem kalkulierten Lärm der Truppe kann man traumhafte Melodien entdecken. Für mich schreien die beiden Alben „Radiogaze“ und „More“ nach voller Lautstärke, auch wenn meine Nachbarn da eventuell anderer Meinung sein könnten.

3. Hatchie – Keepsake

Die australische Künstlerin Hatchie hat das Talent mit ihrer Musik sowohl zurück zum Pop der 1980er-Jahre zu blicken als auch einen Weg in die Zukunft zu zeigen: Pop muss eben nicht dumm und aufdringlich sein. Kein anderes Album hat das für mich 2019 so gut verkörpert wie „Keepsake“. Egal, ob da elektronische Klänge wie beim hypnotischen „Stay With Me“ dominieren oder sanfte Gitarren, treibende Beats und ironische Lyrics in „Obsessed“ miteinander verwoben werden – „Keepsake“ passt für mich zu so gut wie jeder Gelegenheit und Stimmung.

Klar, eine leichte Melancholie wohnt fast allen Songs von Hatchie inne, die es mittlerweile bei Spotify auf fast 200.000 monatliche Hörer gebracht hat. Ihr Debütalbum „Keepsake“ verheißt jedenfalls Großes und ich hoffe, dass wir von der jungen Australierin in den nächsten Jahren noch viel hören werden.

2. Iris – Slowly, Forever

Die kanadische Band Iris bewegt sich zwischen Indie Rock und Shoegaze. Man ist kein Freund großer Worte, denn die Selbstbeschreibung „A band from Toronto, Canada“ ist alles andere als ausführlich geraten. Stattdessen lässt man lieber seine Gitarrenwälle und den verträumt-melodischen Frauen- und Männergesang in Songs wie „It Comes in Waves“ sprechen. Mit knapp 37 Minuten ist das Debütalbum der Band sehr auf den Punkt gebracht – Filler sucht man hier vergeblich, jeder der Songs hat seine Daseinsberechtigung. Das Gros der Lieder geht nahtlos ineinander über und so lässt sich „Slowly, Forever“ dann auch perfekt durchhören.

Iris kommt bei Spotify auf unter 2.700 monatliche Hörer, sodass die Band sich sicher über etwas Support freut, wo man sich selbst ja schon kaum des Eigenlobes übt. Anspieltipps aus dem Album sind das melancholische „Clementine“, die Shoegaze-Hymne „Away“ oder auch der epische Titeltrack „Slowly, Forever“.

1. Graveyard Club – Goodnight Paradise

Ein alter Bekannter: Graveyard Club schafften es mit ihrer Single „Ouija“ schon 2017 in meine Musik-Highlights des Jahres. Mit ihrem neuen Album „Goodnight Paradise“, welches die Band selbst als eine Art Neuanfang betrachtet, haben sie dann für meinen Geschmack einen echten Kracher vorgelegt. Der Sound der Band erinnert an die 1980er-Jahre und mischt bunt Pop, Indie Rock und auch Synthwave. Die Single „It Hurts“ ist dabei ein wahrer Ohrwurm und läuft bei mir seit Monaten jedes Mal beim Joggen.

Weitere Anspieltipps aus dem Album sind „Deathproof“ oder auch „Red Roses“. Wie gesagt decken die Jungs und das Mädel dabei stilistisch eine große Bandbreite ab. Gerade das macht „Goodnight Paradise“ aber für mich zu so einer exzellenten Platte, denn während etwa das besagte „It Hurts“ bei mir sofort hängen blieb, entwickelten sich andere Songs wie „William“ erst mit der Zeit zu neuen Lieblingen. Ich finde Graveyard Club hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, denn die Band könnte mit ihren Songs auch weltweit problemlos große Clubs füllen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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21 Kommentare

  1. Und bitte auch Tipps nicht vergessen für
    Jazz klassisch + neuer bis jetzt
    ‚Neue Musik‘ 1910-Gegenwart
    Klassisch (Bach … >>>)
    japanische Flöte, ZEN, …
    arabische, griechische, türkische, chinesische, isländische, deutsche … … …
    – auch – vielleicht sogar vor allem – ohne (zumindest nicht mit ‚westlichem’/englischem Gesang

    Bevorzugt Musik, für die eine gute Musik-Anlage gut wäre … , … die ich leider nicht habe.

    Und wenn dafür noch genügend Energie da ist: ich mache erste Fingerübungen mit Streaming (niedrigstes Niveau: Synfonisk + Echo Dot) und rätsel darüber, warum mein Tablet in langsamstes Tempo absinkt, wenn ich diese Gerätschaften einschalte.

  2. Die neue Pladdde von As I Lay Dying ist auch nice.

  3. Iris – Slowly, Forever finde ich auch stark. Sonst ist mein Musikgeschmack doch etwas anders. Aber ganz wollen wir den André ja nicht im Regen stehen lassen.
    Dave Hause – Kick. Nicht mehr so laut und agro wie früher, aber immer noch Wert zu hören. Auch super zu hören, und eigentlich viel besser, denn der Mann braucht nur eine Gitarre und seine Stimme: We could be kings – https://www.youtube.com/watch?v=-XSJDxxtgME&t=26

  4. Coole Tipps. Besten Dank!

  5. Sehr spezieller Musikgeschmack. Wer generell gute Musik hören möchte, hört mal bei Deutschlandfunk Nova rein

  6. Shoegaze musste ich erstmal googlen. Aber das ist ja mal überhaupt nicht meine Richtung.

    Mein Album des Jahres Nach Conquerors Oath von Visigoth im letzten Jahr: Second to None von Dream Troll, ein NWOTHM nach dem anderen.

  7. Die vorgestellte Mucke ist so ganz und gar nicht mein Ding.
    Dauerbrenner bei mir sind dieses Jahr:
    – Diana Krall
    – Helen Schneider
    – Melody Gardot
    – Brad Mehldau
    Dazu noch Deodato wieder aus der Versenkung befreit.
    Und natürlich darf das legendäre Köln-Konzert von Keith Jarret nicht fehlen.
    Ziemlich jazzlastig dieses Jahr.

  8. Uh, das ist nicht wirklich mein Musikgeschmack. Ich kann nicht mal genau beschreiben warum, wahrscheinlich, weil es mir „zu viel auf einmal“ ist. So wie ein leckeres Gericht mit verschiedenen Zutaten auf dem Teller, wenn man da alles mit der Gabel zu Brei zermatscht, ist immer noch alles drin, aber man kann die einzelnen Geschmacks- und Texturkomponenten nicht mehr differenzieren – es ist dann halt Brei :-). Allerdings immer noch tausendmal besser als jeder Autotune-Müll der im Radio läuft.
    Apropos Radio, ich bin absoluter Verweigerer, ich höre seit Jahren keine Minute Radio mehr freiwillig. Daher bin ich wahrscheinlich der einzige Mensch, der Wanda erst vor kurzem entdeckt hat, ca. 5 Jahre nach dem Rest der Welt.

    • Wer ist Wanda? Da ich das nicht kenne, kannst Du nicht der einzige sein 😉
      „Normales“ Radio hör ich schon Ewigkeiten nicht mehr. Aber Internetradio öfters, da ist abseits des üblichen Mainstream für jeden was dabei.

    • André Westphal says:

      Autotune ist wirklich schlimm – aber jeder Musiker winkt da ab, wenn das so übertrieben eingesetzt wird. Zumindest jeder den ich kenne :-). In Maßen ist Autotune ja in Ordnung, aber als Negativbeispiel empfehle ich mal die Musical-Nummern in Riverdale…Klingt wie ein Androiden-Konzert :-D.

    • Als Radioverweigerer bist Du wahrlich nicht allein.

  9. Danke für den Beitrag. Ich erinnere mich noch gut an den vom Jahr zuvor, der mir einige neue Künstler gezeigt hat. Und, dass dieses Jahr sogar die Spotify Playlist dabei ist, ist perfekt. Ich habe mir den Artikel gespeichert und nun schon mehrfach seit Weihnachten „durchgearbeitet“.
    Dass diese Musik natürlich nicht für jeden passt, ist ja klar. Kunst ist im hohen Maße Geschmackssache und den, den es interessiert kann den Artikel lesen, und alle anderen finden auf dem Blog genug zum Lesen. Solche persönlichen Artikel machen Stadt-Bremerhaven auch aus. Wir Leser erfahren mehr über euch Autoren. Auch Caschy macht das immer wieder und dafür Danke ich euch sehr.

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