Spotify: Fünf Geheimtipps aus dem Jahr 2017

Musikstreaming ist eine zwiespältige Sachen: Musik per Flatrate – das kann man gut oder auch schlecht finden. Z. B. hatte sich der Musiker Robert McVey in einem Interview hier im Blog sehr kritisch über Spotify und Co. geäußert. Denn auch wenn das Abonnement und der Zugriff auf ein schier unbegrenztes Portfolio an Musik für den Kunden gut ist, verdienen Musiker damit am Ende kaum etwas. Allerdings gibt es durchaus die Chance, über die Streaming-Plattformen auch die ein oder andere Perle zu entdecken, die einem sonst entgangen wäre. 2017 konnte ich über Spotify etwa viele Künstler und Alben aus dem Underground aufstöbern, auf die ich ohne den Streaming-Anbieter sicherlich nie gekommen wäre.

Um klarzustellen: Die fünf Bands und Alben entsprechen natürlich meinem subjektiven Musikgeschmack. Jemand der vorwiegend Hip Hop, Metal oder Weltmusik hört, würde sicherlich eine völlig andere Liste zusammenstellen. Aber das macht es auch interessant, denn ich bin durchaus auf eure Kommentare mit euren eigenen Entdeckungen des Jahres 2017 gespannt. Vielleicht ist da ja auch für mich die ein oder andere Anregung dabei, um über den Tellerand zu blicken.

5. Tusks – Dissolve

Hinter Tusks verbirgt sich im Grunde nur eine Person: die Songwriterin Emily Underhill aus London. Sie gibt sich auf ihrem Debütalbum einer sehr getragenen, düsteren Schwermut hin. Die sanfte Stimme der Multi-Instrumentalistin in Verbindung mit den sphärischen Gitarrenklängen funktioniert für mich besonders beim Titeltrack sowie „False“ besonders gut.

Es wundert nicht, dass Underhill mit dem Album Verlust, Trennung – allgemein gescheiterte Liebeseziehungen verarbeitet. Das Album könnte zwar meiner Meinung nach in sich etwas geschlossener sein, denn es sind auch einige Filler mit von der Partie, aber Tracks wie eben „Dissvolve“ gleichen das locker wieder aus.

4. Slow Crush – Ease

513 monatliche Hörer – auch das muss man bei Spotify erst einmal schaffen. Trotzdem ist klar, dass die noch sehr junge Band Slow Crush aktuell ganz am Anfang steht. Ihre erste EP „Ease“ hat es bei mir zur Dauerrotation geschafft, nachdem ich das Lied „Dizzy“ durch Zufall über eine Playlist vorgeschlagen bekam und aufhorchen musste.

Slow Crush mischt dabei sowohl im Songwriting als auch im eher rauen, reduzierten Sound den Alternative Rock der 1990er-Jahre mit Shoegaze-Elementen. Da Shoegaze 2017 die Rückkehr von zwei Veteranen feiern konnte, sowohl Ride als auch Slowdive haben nach jahrzehntelanger Pause neue Alben veröffentlicht, verbessern sich natürlich auch die Chancen für Newcomer wie Slow Crush. Das Reinhören kann ich persönlich definitiv empfehlen.

3. Pinkshinyultrablast – Find Your Saint

Die Band mit dem konfusen Namen: Pinkshinyultrablast stammt aus St. Petersburg in Russland. Stilistisch kann man diese Kapelle irgendwo zwischen Shoegaze, Dreampop und 1980er-Jahre-Avantgarde einordnen. 2017 hat die Band mit „Find Your Saint“ eine neue Single veröffentlicht, die nicht unbedingt schnell ins Ohr geht, bei mir aber so manchen, abendlichen Run an der Kieler Förde untermalt hat.

Weitere Anspieltipps sind das verträumte „Umi“, das treibende „Holyforest“ oder auch das Noise und Melodie verquickende „The Cherry Pit“. Ohne Spotify wäre ich auf diese Band mit Sicherheit nicht gekommen und bin mehr als dankbar für diese wunderbare Entdeckung.

2. Graveyard Club – Ouija

Graveyard Club – warum diese Band keine Stadien füllt, bleibt für mich ein Mysterium: Die Band sieht unverschämt gut aus, schwimmt musikalisch voll im aktuellen 1980er-Jahre-Trend, verpasst dem ganzen aber einen modernen Spin. Die neuste Single der Band, „Ouija“, geht sofort ins Ohr und fräst sich quasi unbarmherzig ins Hirn. Stellt euch eine unverschämt eingängige Mischung aus David Bowie und Joy Divison vor.

Ich hoffe, dass Graveyard Club noch Großes bevorsteht, denn mit knapp 7.600 Hörern im Monat ist die Band aktuell noch absoluter Underground. Hier sollte eine Plattenfirma zuschlagen und das Konzept der Band, das in den Texten eben nicht von Hipster-Themen sondern Horror und einem gewissen Augenzwinkern zehrt, auf die nächste Stufe hieven. Lauscht einfach mal „Ouija“ und der Kracher für die nächste Party ist gesichert. Weitere Anspieltipps: „Nightcrawler“, „Into the Dark“ und die Ballade „Nightingale“.

1. Airiel – Molten Young Lovers

Erstmals wurde ich auf die Band Airiel durch den Soundtrack zum sehr schrägen Film „Kaboom“ des Regisseurs Gregg Araki aufmerksam. Das Lied „In Your Room“ untermalt auch den Trailer zum Film und blieb mir sofort im Ohr hängen. Nun war es allerdings einige Jahre ruhig um diese Formation aus Chicago.

Die Plattenfirma beschreibt „Young Molten Lovers“ als „It’s loud. It’s pretty. You can dance to it“. Trifft es perfekt. Anspieltipps von diesem hervorragenden Shoegaze-Album mit viel Melodie sind „Cloudburst“, „Song of You“ und natürlich der hypnotische Titeltrack „Young Molten Lovers“. Für mich persönlich ist „Young Molten Lovers“ das Album des Jahres und ein heißer Anspieltipp bei Spotify. Falls ihr etwas mit sphärischer Gitarrenmusik anfangen könnt, die abseits des üblichen Strophe- / Refrain-Schemas agiert, dann hört einfach mal rein.

Wie ihr seht, handelt es sich bei meiner Liste im wahrsten Sinne des Wortes um Geheimtipps – am meisten monatliche Hörer erreicht von den genannten Bands Tusks mit etwa 102.000 monatlichen Hörern. Vielleicht gefällt euch ja auch eine der genannten Truppen – oder ihr habt vielleicht eure eigenen Tipps, die ihr gerne über die Kommentare teilen möchtet? Ich bin jedenfalls gespannt und höre mir immer gerne Neues an.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

16 Kommentare

  1. Noch ein Geheimtipp von mir: The Midnight – könnte man sagen moderne 80´s 🙂 https://open.spotify.com/album/0Dr07jOTUnku5ZdRQ3Kmcd

  2. André Westphal says:

    Cool, vielen Dank,das klingt wie meine Ecke – werde ich gleich reinhören :-D.

  3. Sorry to spam aber The Midnight sollte man sich ggf. mit diesem ganz tollen Video anschauen: https://youtu.be/hotQa-v1rDk
    Wenn da keine gute Laune auf kommt weiß ich auch nicht 😀

    Luk Hash ist auch für elektro nicht zu verachten: https://open.spotify.com/artist/3hvgLXeDFNiqDOVXl0xTge?autoplay=true
    oder auch Danger: https://open.spotify.com/artist/2o3U0ld93tHYowkoari4Vi

    Meine Favoriten aus 2017 🙂

  4. Vielleicht sollte man, auch wenn es hier um Spotifiy geht, auch auf die Bandcamp Seiten der Bands hinweisen, dort kann man die Bands für keines Geld direkter unterstützen:
    https://airiel.bandcamp.com/album/molten-young-lovers
    https://graveyardclub.bandcamp.com/album/cellar-door
    https://pinkshinyultrablast.bandcamp.com
    https://slowcrush.bandcamp.com/
    https://tusksofficial.bandcamp.com/album/dissolve

  5. sollte lieber Geheim bleiben so gruselig klingt das 😛

  6. André Westphal says:

    Meinst du deinen eigenen Kommentar ;-)? Ne, nichts für ungut, so ist das eben mir dem Geschmack, mein lieber Jung :-).

  7. Bei der Überschrift hatte ich eher Anwendungstipps erwartet, Titel ist m.E. irritierend.

  8. Warum hast denn keine Spotify-Playlist erstellt? Wäre doch perfekt…

  9. @Alph
    https://open.spotify.com/user/1126670412/playlist/3umKGtnj0J4pC819Y4AdMr

    Bitteschön!

    @Oli – Probehören und geniessen! – MerryXmas!

    @Andre – vielen Dank! Ich mag sowas – Ist immer interessant was andre so neu entdecken!

  10. Ich finde diesen Artikel sehr unnötig. Wie bereits ein anderer schrieb, hatte ich technische Tipps erwartet. Musikgeschmack ist äußerst subjektiv! Und nun kommt hier jeder mit seinen, ganz ohne Zweifel interessanten, guten, Geheimtipps um die Ecke. Soetwas gehört in diesen, grundsätzlich sachlich distanzieren Technik-Blog nicht hinein!

  11. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Von einem Tech-Blog erwarte ich keine Musiktipps, ich höre da schon gar nicht rein. Wer passende (Geheim)-tipps bei Spotify möchte, der kann für sich „Discover Weekly“ und „Release Radar“ abonnieren.

  12. Ist das diese Firma, die Musiker ausnutzt? Würde ich nicht unterstützen. Es sei denn, man hasst Musik, ergo die Musiker.

  13. Finde diesen Artikel mal etwas abwechslungsreich. Sehr gut gemacht bzw. gute Idee Andre/Stadt-Bremerhaven, weiter so!

  14. Geheimtips bei Musik …. ist ja schon etwas schwierig sowas, oder? Ich meine, es gibt dermaßen viel Musik, so viele Richtungen, so viele Geschmäcker … unmöglich da was zu finden was allen gefällt, würde ich mal sagen.

    Mir gefällt z.B. das Zeug hier:

    Cool Ghouls – Gord’s Horse
    https://open.spotify.com/album/4PhHJah4oi1hX8N82DCLMY

    Moon Duo – Occult Architecture Vol. 1
    https://open.spotify.com/album/4AlRpwAsVlD0fuDnt9i3XD

    Michael Nau – Some Twist
    https://open.spotify.com/album/1dvDATuFdYg41ONb1PZ7HQ

    Ulrika Spacek – Modern English Decoration
    https://open.spotify.com/album/4P5B6hMF3QavOLvYPfvqRQ

    The Surfing Magazines
    https://open.spotify.com/album/5qyMXqtzrXuDeOWY67Y10H

    Cut Worms – Alien Sunset
    https://open.spotify.com/album/6FmwvG3TkSqqSv8vL2Pj0r

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