Shokz OpenRun Pro im Test: Knochenschall-Kopfhörer überzeugen besonders bei Telefonaten

Kürzlich habe ich hier im Blog die Shokz OpenRun getestet. Letzten Endes war das aber eine leicht aufgewertete Version der bereits verfügbaren Aeropex. Nun starten allerdings die OpenRun Pro in Deutschland. Diese Kopfhörer stehen tatsächlich für völlig neue Kopfhörer, die laut dem Hersteller auch klare Mehrwerte mitbringen sollen – etwa bei Telefonaten. Ich habe mir die OpenRun Pro im Test einmal genauer angehört.

Der Preis der Shokz OpenRun Pro beträgt in Deutschland 189,99 Euro. Verbindungen zu Endgeräten erfolgen via Bluetooth 5.1. Die Kopfhörer werden primär als Begleiter für den Sport beworben. Ich möchte aber einwerfen, dass sie generell auch für Menschen mit empfindlichen Gehörgängen oder bestimmtem Hörschäden geeignet sind. Da Knochenschall verwendet wird und der Klang also eben nicht über die Luft übertragen wird, können hier auch andere Anwender profitieren.

Technische Daten der Shokz OpenRun Pro

  • Knochenschall-Kopfhörer
  • Frequenzbereich: 20 Hz bis 20 KHz
  • Mikrofonempfindlichkeit: -38dB ± 3dB
  • Bluetooth 5.1 (SBC)
  • Multipoint-Pairing wird unterstützt
  • Resistent gegen Staub und Wasser (IP55)
  • Mikrofone mit Dual-Noise-Cancelling für Telefonate
  • Akkulaufzeit: ca. 10 Stunden
  • Aufladezeit: ca. 1 Stunde
  • Gewicht: ca. 29 g
  • Preis: 189,99 Euro

Die OpenRun Pro nutzen die neunte Generation der Shokz-Bone-Conduction-Technologie. Insbesondere die Basswiedergabe wolle man verbessert haben. Wie auch bei den OpenRun setzt man zudem auf Quick Charge. 5 Minuten Aufladung sollen daher bereits für anderthalb Stunden Wiedergabe ausreichen. Je nach Szenario sollten bis zu 10 Stunden Laufzeit bei voller Ladung möglich sein. Das ist natürlich schon eine Ansage.

Ausstattung und Verarbeitung

Grundsätzlich ähnelt das Design der OpenRun Pro freilich dem kleinen Bruder, also den OpenRun. Auffällig sind die neuen Rastergitter vorne, welche wohl den verbesserten Mikrofonen für das Noise-Cancelling bei Anrufen geschuldet sind. Ansonsten ist das Design nahezu identisch. Dass die OpenRun Pro nun 3 Gramm schwerer sind als die OpenRun, habe ich beim Tragen nicht bemerkt.

Je länger ich die Kopfhörer genutzt habe, desto mehr stieß ich mittlerweile auf Szenarien, in denen die Verbindung der beiden Seiten stört, also das „Nackenband“. Wer einen hochgeschlossenen Kapuzenpullover trägt, merkt z. B. schnell, wie die OpenRun Pro dezent nach vorne geschoben werden. Da haben TWS-In-Ear-Kopfhörer dann doch Vorteile beim Komfort. Im Lieferumfang ist übrigens neben dem magnetischen Ladekabel auch eine robuste Tasche enthalten.

Ich erhielt die OpenRun Pro zum Testen in der Farbe Beige, die ich recht unauffällig finde. Sie passt ganz gut zu meiner Haarfarbe, sodass die Kopfhörer beim Tragen kaum optisch auffallen. Mein Kritikpunkt, den ich schon beim Geschwistermodell äußerte, bleibt übrigens bestehen: Ich finde die Lautstärke-Buttons an der rechten, unteren Seite unglücklich platziert. Man schiebt die Kopfhörer dadurch unbeabsichtigt leicht nach oben. Ansonsten ist die Verarbeitung aber gut: Die OpenRun Pro sind mit einer Art Gummibeschichtung überzogen, die recht unempfindlich gegen Schmutz und Fingerabdrücke ist.

Die neue Shokz-App

Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen, die auf eine Begleit-App verzichtet haben, bieten die OpenRun Pro nun mit der Shokz-App für Android und iOS einen entsprechenden Kompagnon. Allerdings sind die Funktionen der Software derzeit noch sehr pragmatisch gehalten. Beispielsweise  gibt es zwar einen Equalizer, der erlaubt euch aber keine manuellen Anpassungen, sondern nur den Wechsel zwischen zwei Modi. „Standard“ ist die Grundeinstellung, während „Gespräch“ eben vor allem bei Telefonaten aushelfen soll. Die klingen aber auch ohne den Wechsel schon sehr gut.

An- und ausschalten könnt ihr in der App auch noch das Multipoint-Pairing. Zudem lässt sich die Sprache der App ändern und die Firmware aktualisieren. In meinem Testzeitraum trudelten aber bisher keine Aktualisierungen ein. Tja, und dann gibt es noch eine Wiedergabesteuerung für Musik – braucht man sicherlich aber nicht unbedingt. Letzten Endes ist die App ein solider Anfang, ich hätte mir da aber durchaus mehr Funktionen wie z. B. einen frei konfigurierbaren Equalizer gewünscht.

Praxistest

Der Tragekomfort der OpenRun Pro ist bei mir zu den OpenRun identisch: Die Kopfhörer sitzen also locker vor dem Ohr und lassen sich auch mit Brille angenehm tragen. Wie schon zuvor erwähnt, kann lediglich der Bereich im Nacken möglicherweise stören – falls man etwa einen Fahrradhelm trägt. Auch beim Sport saßen die neuen Knochenschall-Kopfhörer von Shokz bei mir jederzeit sicher. Ich musste also nicht nachjustieren, damit der Klang konstant bleibt. Ein Druckgefühl blieb ebenfalls aus.

Wie steht es um den Sound? Den verglich ich ja sowohl bei den OpenRun als auch den Aeropex damit, dass ihr in eurer Nähe einen Bluetooth-Lautsprecher mit wenig Bass aufstellt. Einen Quantensprung, der plötzlich In-Ear-Klang gleichkommen würde, solltet ihr bei den OpenRun Pro nicht erwarten. Ja, der Klang ist hörbar besser als bei den OpenRun. Allerdings sind die Bässe zwar in der Tat etwas kräftiger geworden, dennoch hören sich die meisten Tracks an den Knochenschall-Kopfhörern sehr mitten- und höhenlastig an.

Man sollte also klar weiter im Kopf behalten, dass selbst relativ günstige TWS-Kopfhörer euch einen besseren Sound liefern werden als die OpenRun Pro. Technologiebedingt gibt es da aktuell Grenzen. Das soll aber nicht schmälern, dass die OpenRun Pro ein gehöriger Fortschritt sind. Doch was mich dann regelrecht baff machte: Vor allem die Anrufqualität ist erheblich gestiegen, wie mir meine Gesprächspartner begeistert mitteilten.

Etwa schritt ich einmal an einer viel befahrenen Straße entlang, als bei Regenwetter der Feierabendverkehr seinen Weg nahm. Währenddessen telefonierte ich mit einem Kumpel, der mich zwischendrin fragte, was ich gerade so treiben würde. Er wunderte sich dann arg, als ich mitteilte, dass ich zum Einkaufen ginge. So nahm er an, ich säße zu Hause. Von den Geräuschen der Straße konnte er nach eigenen Angaben gar nichts hören.

Mit meinem Kumpel hatte ich für Tests auch schon Telefonate mit etwa den Jabra Elite 7 Pro geführt. Laut ihm seien die Shokz OpenRun Pro aber von unseren Review-Experimenten das mit Abstand beste Modell für Anrufe. Ich selbst startete da auch einige Hörproben, indem ich die Kopfhörer meiner Freundin zum Joggen überließ. Und es stimmt, hier hat der Hersteller wirklich seine Hausaufgaben gemacht. Die Akkulaufzeit von 10 Stunden ist allerdings etwas hoch gegriffen, ich würde hier je nach Lautstärke eher mit 9 Stunden rechnen.

Ehrlich: Ich nutze die OpenRun Pro auch daheim gerne zum Telefonieren, da ich dennoch meine Umgebung wahrnehme und sie daher deutlich unauffälliger sind als andere Earbuds. So hat es sich ergeben, dass ich etwa mit den Kopfhörern abgewaschen und mit Freunden telefoniert habe – selbst Musik durfte dann über weitere Lautsprecher im Hintergrund laufen – was für eine Welt. Im Übrigen dringt nur bei sehr hohen Hörlautstärken Klang an eure Umwelt durch.

Fazit

Die Open Run Pro von Shokz gefallen mir nochmals eine ganze Ecke besser als die OpenRun. Insbesondere die Qualität der Telefonate hatte es meinem Bekanntenkreis absolut angetan. Auch der Sound von Musik und Co. hat sich verbessert, kann aber mit traditionellen In-Ears weiterhin nicht mithalten. Man ist aber auf einem guten Weg und klanglich sind die OpenRun Pro den normalen Open Run hörbar überlegen.

Auch die Verarbeitung passt und im Lieferumfang ist eine robuste Tasche enthalten. Die neue Begleit-App ist derzeit aber noch sehr pragmatisch gehalten. Für den Anfang ist sie in Ordnung, bleibt aber zu hoffen, dass der Funktionsumfang noch wächst. Mir wäre etwa eine manuelle Anpassungsoption für den Equalizer lieb.

Zu beachten bleibt, dass die OpenRun Pro sich immer noch in erster Linie an Sportler richten, welche beim Training einerseits Musik oder Podcasts lauschen möchten, andererseits aber in der Lage sein wollen, ihre Umwelt unbeeinträchtigt wahrzunehmen. Dafür sind die Kopfhörer mit Knochenschall-Technik trotz der Abstriche beim Klang auch eine tolle Lösung.

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8 Kommentare

  1. Siggi Krüger says:

    Hallo zusammen! Ich habe die OpenRun seit einigen Wochen und nutze sie vor allem beim Gassi gehen – ein oft unterschlagener Verwendungszweck! Was die Bedienung angeht: ich weiß ja nicht, wie ihr die Lautstärke regelt, ich nutze den Daumen, um von unten zu drücken und halte dabei mit dem Zeigefinger von oben dagegen. Da verrutscht gar nichts. So ist der OpenRun ein täglicher Begleiter geworden, länger als eine Stunde pro Tag. Lediglich das Nackenband kommt auch mir öfter in die Quere, vor allem bei dickeren Kragen. Aber es wird ja hoffentlich bald wieder wärmer!

  2. Verstehe ich das richtig, das die Kopfhörer im Endeffekt zum richtig Musik hören nicht geeignet sind?
    Also zumindest nicht wenn man ein wenig auf Klang Wert legt und nicht der Generation Streaming angehört.

    Finde die Idee dahinter ja gut, aber TWS Kopfhörer haben ja mittlerweile auch nen Ambient Modus um die Umwelt mitzubekommen.

    • André Westphal says:

      Beim Transparenz-Modus der In-Ears hast du aber grundsätzlich das Problem, dass über die Mikros Windgeräusche verstärkt werden – daher ist das z. B. in vielen Szenarien nichts.

      Der Klang der OpenRun Pro ist für Knochenschall-Kopfhörer klasse, hochwertige In-Ears sind da aber technologiebedingt eben stärker.

    • Natürlich sind sie zum Musikhören geeignet, aber klangliche Wunder darf man natürlich nicht erwarten, da sind einfach Grenzen gesetzt, die man schlicht akzeptieren muss. So muss man eben abwägen, was einem wichtiger ist. Für mich persönlich sehe ich einen großen Vorteil darin, dass nicht nur Umgebungsgeräusche wahrgenommen werden können, sondern auch einfach, dass nichts in den Ohren steckt. Und das kann der beste Transparenzmodus nicht bieten.

  3. Ich habe es vor ein paar Wochen mit den OpenRun probiert und war überrascht, wie die tatsächlich klingen, nämlich sehr viel besser, als ich erwartet habe. Als dann aber ein paar Tage nach dem Kauf die Pro-Version angekündigt wurde, habe ich mich doch erst mal dagegen entschieden, die zu behalten. So werde ich bei Gelegenheit dieses neue Modell auch mal ausprobieren, vor allem, weil man beim Klang wohl noch mal etwas zugelegt hat. Auf der anderen Seite ist das neue Modell nicht mehr wasserdicht. Das wird in der Praxis nicht unbedingt eine Rolle spielen, dennoch aber ist das eine Verschlechterung gegenüber dem Vorgänger und damit erstmal unschön.
    Generell bin ich mir auch noch nicht sicher, ob ich auf Dauer mit diesen Kopfhörern leben kann oder möchte, trotz der Vorzüge, denn als jemand, der sich im Apple-Universium bewegt, ist man ja auch etwas verwöhnt durch die AirPods, die sich automatisch mit dem jeweils genutzten Gerät verbinden. und verschiedene Kopfhörer für verschiedene Zwecke zu haben, ist für mich nicht wirklich eine Option. Aber vielleicht kann Apple sich ja mal aufraffen und eine Kooperation mit Shokz eingehen. 😉

  4. Ich bin absolut begeisterter Shokz Kunde und habe mir jetzt gleich den Open Run Pro bestellt. Aktuell konnte ich 5% bei Amazon abstauben https://de.shokz.com/pages/openrun-pro-campaign

  5. Fred Schneider says:

    Ich habe seit längerer Zeit die AfterShokz, nutze sie hauptsächlich beim Fahrradfahren und kann daher sagen, dass mich das Nackenband unter dem Fahrradhelm nicht stört, so tief sitzen die Helme ja nicht. Es stört nur etwas, wenn man wie bei den aktuellen Temperaturen zusätzlich einen Schal oder eine Mütze trägt, dann kann es schon etwas drücken, bei Mützen aber eher an den Ohren, das wird dann auf Dauer unangenehm.

    Was mich interessieren würde ist, ob das neue Modell beim telefonieren auch besser mit Windgeräuschen klar kommt. Im Stand kann man mit den AfterShokz ganz gut telefonieren, wenn es nicht zu viele Umgebungsgeräusche gibt, aber während der Fahrt ist das kaum möglich. Man selbst versteht den Gesprächspartner zwar gut, der hört aber eigentlich nur noch rauschen.

    Wurde das auch verbessert oder geht es nur um die Umgebungsgeräusche? Ich denke, dass die Mikrofone bei den AfterShokz einfach zu windempfindlich sind, da dürfte auch mit Elektronik nicht viel zu machen sein, wenn da nicht grundsätzlich etwas geändert wurde.

    • Fred Schneider says:

      Nachtrag: Die heißen natürlich Aeropex nicht AfterShokz, so hieß der Hersteller vor der Namensänderung in Shokz. Die Aeropex hießen später Openrun (mit Schnellladung). Da soll noch einer hinterherkommen!

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