realme 6 im Test: 90 Hz für die untere Mittelklasse ab 229 Euro

realme gehört mit OnePlus und Oppo zu den BBK-Töchtern und deckt vorrangig Geräte im unteren Preissegment ab – einen Platz, den OnePlus mit Wandel von den Flaggschiff-Killern zu Flaggschiff-Geräten freigemacht hat. Für Ende April hatte man mit dem realme 6 ein Mittelklasse-Smartphone vorgestellt: Ab 229 Euro geht es da für 4 GB + 64 GB preislich los, wo auch einige Einsteigergeräte anzusiedeln sind. Bei doppeltem Speicher sowie Arbeitsspeicher liegt man immer noch unter der 300-Euro-Grenze. Besonderheit in dieser Preisregion: Das realme 6 kommt mit einem 90-Hertz-Display. Grund genug, um sich das Gerät einmal näher anzuschauen und meine Eindrücke niederzuschreiben – mir vorliegend ist die letztgenannte Ausstattung.

Zuvor aber nochmals ein Blick aufs Datenblatt:

Spezifikationen des Realme 6:

  • Display: 6,5 Zoll 90 Hz Full-HD+ LCD, 2.400 x 1.080 Pixel (405 ppi; 20:9)
  • SoC: MediaTek Helio G90T (bis zu 2,05 GHz)
  • GPU: ARM Mali G76 800MHz
  • Speicher: 64 GB bzw. 128 GB (UFS 2.1) erweiterbar: microSD
  • Arbeitsspeicher: 4 GB bzw.  8 GB RAM (LPDDR4X)
  • Maße: 162.1 x 74.8 x 8.9 mm (191 g)
  • Kamera: 64 MP (Hauptkamera F1.8), 8 MP (119 Grad Ultraweitwinkel F2.3), 2 MP (Tiefensensor F2.4), 2 MP (Makro F2.4)
    Videos bis zu 4K und 30 fps
  • Frontkamera: 16 MP (f/2.0); Videos bis zu 1080p und 30 fps
  • Verbindungen: 4G: Band 1/2/3/4/5/7/8/20/28/38/40/41 3G: B1/2/4/5/8 GSM: 850/900/1800/1900
  • SIM: Dual-SIM (Nano-SIM)
  • GPS: Built-in GPS, A-GPS, Beidou, Glonass
  • Konnektivität: Bluetooth 4.2, Wi-Fi 2.4 GHz+5 GHz 802.11 a/b/g/n/ac
  • Batteriekapazität: 4300 mAh (VOOC Flash Charge mit 30 Watt)
  • Betriebssystem: realme UI v1 basierend auf Android 10
  • Farben: Comet Blue, Comet White
  • Sicherheit: Fingerabdrucksensor im Homebutton
  • Sonstiges: NFC, USB-C, 3,5-mm-Klinkenanschluss vorhanden, keine IP-Zertifizierung
  • Preis: 4GB+64GB: 229,90 Euro;  4GB+128GB: 269,90 Euro; 8GB+128GB: 299,90 Euro

Ersteindruck

Erstmals in die Hand genommen, so ist das Realme 6 alles andere als ein kleines Smartphone, es erinnerte mich in den Abmessungen sehr an das OnePlus 8, obgleich letzteres durch eine geringere Dicke, ein geringeres Gewicht und die stärker gerundete Rückseite wesentlich besser in der Hand lag. Der Rahmen fasst sich – wie bei fast allen Smartphones inzwischen – gut an, dass man hier auf Kunststoff setzt, merkt man dem Smartphone nicht an – wohl aber auf der Rückseite: Hier merkt man deutlich, dass Plastik zum Einsatz kommt und das mindert etwas das Wertigkeitsgefühl – trotzdem wiegt das Gerät rund 190 Gramm. Die Rückseite ist schillernd und glänzend, Fingerabdrücke sieht man, jedoch nicht ganz so stark wie auf Hochglanz-Glas-Rückseiten.

Die Druckpunkte der Tasten sind angenehm, der Power-Button ist etwas abgeflacht, da er den Fingerabdruckscanner beinhaltet. Liegt das Smartphone auf einem flachen Untergrund, wackelt es deutlich aufgrund des herausragenden Kamera-Buckels mit 4 Linsen. Ein gräulich-transparentes Case liegt zum Schutz der Rückseite bei, der Kamera-Buckel fällt im Case nicht mehr ganz so stark ins Gewicht. Auf der Unterseite gibt es dann USB-C zum Aufladen und einen Kopfhöreranschluss.

Display

Auf der Front fallen die Displayränder des 6,5 Zoll (ca. 17 cm) großen Displays erstaunlich schmal aus: Hier gibt es eine Aussparung für die Frontkamera und ein etwas breiteres Kinn als die restlichen Ränder. Beim Display setzt man auf – insbesondere bei dieser Preiskategorie – völlig ausreichende 2.400 x 1.080 Pixel. Und es gibt 90 Hertz Bildwiederholrate.

Ja, richtig gehört: 90 Hertz, in einem Gerät ab 229 Euro – das kennt man sonst nur aus Flaggschiff-Geräten bislang, welche entsprechend auch einen höheren Kostenpunkt haben. Und das merkt man dem Gerät auch positiv an – Animationen sind spürbar flüssiger, Gesten gehen einfacher von der Hand. Die erhöhte Bildwiederholrate wirkt sich auf jeden Fall positiv auf die Gesamtperformance des Geräts aus – kann auf Wunsch zu Akkusparmaßnahmen jederzeit in den Einstellungen deaktiviert werden.

Abstriche gibt es dafür bei der Display-Technologie: Hier kommt ein LCD zum Einsatz: Farben wirken teilweise übersättigt und die Helligkeit des Panels ist nicht die stärkste – die Ablesbarkeit im Freien bei Sonneneinstrahlung leidet enorm. Eine manuelle Anpassung der Farbeinstellungen lässt sich nicht vornehmen, auch die Deaktivierung der Option für knackige Farben ließ die Farben für meinen Geschmack zu knackig und nicht ganz so natürlich erscheinen – Geschmackssache. Für ein LCD-Panel gehen die Schwarzwerte jedoch sehr für mich in Ordnung und auch die Blickwinkel fallen nicht negativ auf. Aufgrund der LCD-Technologie gibt es keinen Fingerabdruckscanner im Display, dieser sitzt beim realme 6 im Power-Button an der rechten Geräteseite.

System

Der Fingerabdruckscanner an der Seite entsperrt das Gerät äußerst schnell und zuverlässig. Nett: Ihr habt die Wahl, ob ein Drücken des Power-Buttons vonnöten ist oder ein Berühren mit dem Finger ausreicht. Auch das Entsperren über die Frontkamera erfolgt ausgesprochen flott. Kleines Manko an dieser Stelle fiel mir auf: Sind der Fingerabdruckscanner und die Kamera aktiviert und das Smartphone durch die Kamera entsperrt, so lässt sich der Lockscreen nur durch Hochswipen nicht aber durch Fingerauflegen am Scanner zur Seite schieben.

realme setzt auf Android 10 mit eigenem realme-UI-Überzug, welcher stark an Oppos ColorOS angelehnt ist und auch Feature-technisch ähnlich (Fokusmodus, etc.) mit teils sogar mehr Features als die OnePlus-Smartphones ausgestattet ist – falls da wer einen Wert drauf legen sollte. Um ein Beispiel zu nennen, wird in der Auflistung der Wi-Fi-Spots angezeigt, ob das Netzwerk 2,4 GHz, 5 GHz oder beide Frequenzen mit Band Steering unterstützt. Je nach aufgelegtem Finger auf den Fingerabdruckscanner lassen sich andere Schnellzugriffe starten. Trotz Feature-Reichtum ist das System angenehm in der Benutzung und wirkt nicht überladen.

realme UI weicht auch optisch stärker von Stock-Android ab – geht so ein wenig in die MIUI-Richtung. Im Auslieferungszustand gab es leider einige Bloatware – unter anderem eine App mit russischem Namen, vermeintlich eine Suchmaschine. Ließ sich alles deinstallieren, finde ich nichtsdestotrotz erwähnenswert. Updates möchte ich – bis dato – ebenfalls positiv erwähnen, da gab es in meinem Testzeitraum gleich drei Stück: Sowohl der April-Patch, als auch der Mai-Patch wurden separat neben weiteren Verbesserungen ausgeliefert.

Das Betriebssystem liefert mit MediaTek Helio G90T und bis zu 8 GB LPDDR4X-Arbeitsspeicher eine Performance ab, die für den Alltag und auch die meisten Spiele mehr als ausreicht und in der Benutzung Spaß macht. Auf Benchmarkergebnisse verzichte ich – mangels Aussagekraft – positive Einflüsse wie auch durch das 90-Hz-Panel in der Benutzung kommen dort ohnehin nicht zum Vorschein.

Missfallen hat mir der Vibrationsmotor – bei dieser Preiskategorie jedoch zu vernachlässigen, da ist man auch bei konkurrierenden Produkten nicht besser unterwegs.

Kamera

Besonders die Hauptkamera überzeugt bei guten Lichtverhältnissen: Hier setzt realme auf einen 64-Megapixel-Sensor, welcher Farben zumeist natürlich und ausreichend scharf abbildet. Das realme 6 bietet einen, in meinen Augen für diese Preisklasse recht starken HDR-Modus. Der Portrait-Effekt machte alles in allem einen guten Job, auch einige Objekte wurden erkannt und konnten „freigestellt“ werden – möglich, dass man hier von der dediziert verbauten Linse profitiert.

Die Weitwinkelkamera lieferte oftmals übersättigte Aufnahmen, die immensen Schärfeeinbußen und der Detailverlust sind – auch im Vergleich zur Hauptkamera – nicht von der Hand zu weisen – für Schnappschüsse ist der Weitwinkel dennoch ausreichend. Ebenfalls deutlichen Schärfeverlust liefern gezoomte Aufnahmen, logisch, denn da setzt man nur auf den Digitalzoom der Hauptkamera.

Farben wirken beim Digitalzoom deutlich ausgewaschener, ein Effekt, den ich teilweise auch bei der Frontkamera – je nach Sonneneinstrahlung – feststellte. Die Frontkamera lieferte in puncto Schärfe und Farbwiedergabe ansonsten zufriedenstellende Ergebnisse ab. Ebenfalls einen Schnappschuss-Charakter liefert die Makrokamera ab – da hätte man drauf verzichten können, denn im Makro-Bereich lieferte auch die Hauptkamera ganz gut ab. Von den unterschiedlichen Linsen habe ich euch mal verschiedenste Aufnahmen an dieser Stelle bereitgestellt.

Zwischenfazit: Die Hauptkamera liefert bei guten Lichtverhältnissen ab, auch der Weitwinkelmodus ist – insbesondere in Anbetracht des Preises – in Ordnung, Zoom & Makro haben da eher einen Schnappschuss-Charakter.

Lautsprecher

Schade, dass man den Lautsprecher der Hörermuschel im oberen Gehäuserand nicht zum Stereo-Klang mit einbezieht. Für das eine oder andere Kurzvideo reicht der interne – recht flache – Sound völlig aus. Zurück zum Ursprung eines Smartphones: der Telefonie. Über den Lautsprecher in der Hörmuschel konnte ich meinen Gesprächspartner laut und deutlich verstehen, dieser gab mir ebenfalls das Feedback einer guten Verständlichkeit – Sprachqualität der Mikrofone sollte also auch in Ordnung gehen.

Akku

Das realme 6 ist mit einem 4.300 mAh Akku ausgestattet, sodass es mir in der Benutzung – auch bei aktivierten 90 Hz – problemlos durch den Tag reichte. Hervorzuheben ist nicht gar die Akkulaufzeit, sondern die Ladegeschwindigkeit: Mittels 30 Watt pumpt man das Smartphone in einer knappen Stunde wieder voll. Der 30-Watt-Charger liegt im Lieferumfang bei, da kann sich manch anderer Hersteller mit Smartphones in weit höheren Preisregionen eine Scheibe abschneiden. 😉

Bei der Ladetechnologie setzt man auf VOOC, eine Technologie, die man sich im BBK-Konzern unter anderem auch mit Tochterunternehmen OnePlus (dort allerdings unter dem Namen „Warp-Charge“) teilt. Genauer gesagt: Es ist dasselbe Netzteil wie beim OnePlus 8 und OnePlus 8 Pro und mit diesem absolut für die 30-Watt-Druckbetankung kompatibel – gleicht diesem sogar bis aufs Logo optisch aufs Genaueste. Hier setzt man trotz des niedrigen Preises auf eine – ausgereifte – Schnelladetechnologie der Flaggschiffe. VOOC / Warp ist für mich nach wie vor die stärkste Proprietärlösung: Das Gerät ist fix voll – auch bei paralleller Benutzung – bleibt aber über den Ladevorgang hinweg sehr kühl.

Fazit

Mit dem realme 6 schickt man einen ernstzunehmenden Konkurrenten für Geräte wie die Redmi-Note-Reihe ins Rennen. Ab 229 Euro geht es hier los mit 64 Gigabyte – der Straßenpreis liegt inzwischen sogar um die 210 Euro. Wer mehr Speicher benötigt, der hat ab 269 Euro 128 Gigabyte zur Wahl – die zusätzlich teure Arbeitsspeicher-Option kann man sich denke ich sparen. Was es für den Preis gibt: Flaggschiff-Features wie 90 Hz und 30-Watt-Schnellladung sowie eine zufriedenstellende Hauptkamera. Abstriche muss man – nicht zuletzt auch wegen des Preisschildes – bei der Display-Technologie, – Helligkeit sowie den anderen Kameralinsen machen.

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Felix Frank

Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Student auf Lehramt. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Wie kommt man in den CaschyChat wie auf Bild 1 zu sehen?

  2. Das dank LCD und 90 Hz der Akku nen ganzen Tag hält bezweifel ich mal. Benachrichtigungsled ?? Wenn es ein OLED wäre könnte man ja auf AoD zurückgreifen.

    Dieser Nachtteil wurde leider gar nicht erwähnt. Jedesmal das komplette Display anwerfen ist mit Sicherheit die Variante mit dem meisten Akkuverbrauch.

    Dazu kommt eben Customrom´s wegen MTK SoC gleich null.

  3. Das redmi k30 hat 120hz und kostet das selbe

  4. Was ist denn eine „dezidiert verbaute Linse“? Dezidiert bedeutet „energisch“.
    Richtig wäre wohl eher „eine verbaute dedizierte Linse“. Dediziert bedeutet nämlich „gewidmet, für etwas bestimmt“.

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