Razer Edge: Kurze Eindrücke vom Handheld

Razer war in Hawaii auf dem Qualcomm Summit 2022 vertreten. Dort zeigte man Anwesenden, inklusive meiner Wenigkeit, live das kommende Handheld Razer Edge. Als technische Basis dienen unter anderem ein AMOLED-Display mit FHD+ als Auflösung, 144 Hz Bildwiederholrate und 6,8 Zoll Diagonale, das SoC Qualcomm Snapdragon G3x Gen 1, 8 GByte RAM und 128 GByte Speicherplatz (erweiterbar via microSD). Lasst mich kurz meine Eindrücke und ein paar News zum Gerät am Rande zusammenfassen.

Mein erster Gedankengang: Warum ist das Razer Edge kein Gaming-Smartphone? Der Hersteller produzierte bereits Gaming-Smartphones und das Edge nutzt ohnehin Android und kann auf den Google Play Store zugreifen. Nun, Razers zuständiger Mitarbeiter wischte das Thema flott vom Tisch: Razer habe kein Interesse mehr an Gaming-Smartphones und werde keine mehr herstellen – fertig. Da kann man sich den Hintergrund selbst dazudenken: Die bisherigen Modelle dürften sich mau verkauft haben. Für das Marketing ist es also wichtig, das Razer Edge näher an die Nintendo Switch oder das Steam Deck zu rücken, welche beide gut laufen.

Der Preis ist dabei mit 399,99 US-Dollar bzw. 499,99 US-Dollar für die 5G-Version durchaus attraktiv für die gebotene Hardware. Razer betonte dabei vor allem, dass man zu diesem Preis quasi das beste Handheld-Display biete. Und ja, dem kann ich zustimmen: Der AMOLED-Bildschirm des Razer Edge schickt etwa den LCD-Screen des Steam Decks zum Schämen in die Ecke. Dank der höheren Auflösung des Edge sucht auch die Nintendo Switch als OLED-Modell das Weite. Das sieht hier richtig knackig aus.

Zur angepassten Android-Software kann ich noch nichts sagen, denn bis zur Veröffentlichung wird sich da sicherlich noch etwas tun. Erste Eindrücke von der Geschwindigkeit des Systems und dem Multitasking deuten aber auf große Reserven hin. Razer verspricht auch lange Akkulaufzeiten, da man auf Effizienz besonderen Wert gelegt habe. Hier muss ich das Unternehmen erst einmal beim Wort nehmen. Bestätigen kann ich im wahrsten Sinne des Wortes aus erster Hand, dass das Razer Edge zwar einen Lüfter zur aktiven Kühlung nutzt, der aber auch bei der großen Hitze in Maui in Spielen nicht hörbar gewesen ist – klasse. Auch das Gehäuse fühlte sich komplett kühl an.

Zur Build-Qualität: Das Gehäuse fühlt sich hochwertig an und das Abnehmen der Controller-Einheit, im Wesentlichen eine spezielle Variante des Kishi-Aufsatzes, ist denkbar einfach. Das wirkt alles durchdacht und robust. Kritischer sehe ich die Zielgruppe des Razer Edge, denn sie dürfte extrem schmal ausfallen: Denn mal ehrlich, wer will schon ein Handheld für Android-Gaming? Mobile Gaming ist aus meiner Sicht immer noch ein Meme und die Landschaft eher traurig. Und wer dann doch größere Ambitionen hat, ist vielleicht mit einem Gaming-Smartphone, mit dem er dann auch telefonieren, Fotos knipsen und mehr kann, doch besser beraten.

Aber wie gesagt, Razer will ja weniger mit Gaming-Smartphones konkurrieren und sich mehr an anderen Gaming-Handhelds messen. Da fehlen unter Android aber schlichtweg Titel, die dem auch standhalten. Ein Steam Deck oder eine Nintendo Switch weisen da aus meiner Sicht dank anderer Software-Plattformen überlegene Bibliotheken auf. Klar, ihr könnt hier natürlich einen Emulator raufhauen und Gas geben. Razer befürwortet dies offiziell nicht, ist ja alles eine rechtliche Grauzone, wird es aber auch in keinster Weise behindern.

Bisher hat Razer das Edge ja nur für die USA angekündigt. Offiziell ist die klare Linie: Zu einem EU-Launch kann man nichts sagen. Aber… Ich sage es euch inoffiziell vorsichtig so: Im Januar ist die CES 2023 und da könnte man dann doch etwas zu einer Veröffentlichung in Europa vernehmen. Das lasse ich für euch, solltet ihr Interesse an dem Handheld haben, mal locker so stehen.

Müsste ich ein Fazit ziehen, sähe es vorläufig zum Razer Edge so aus: Tolle Hardware, durchdachte Kühlung, saubere Haptik – aber winzige Zielgruppe wegen des Betriebssystems und der vorhandenen Spiele-Software. Wie seht ihr das?

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11 Kommentare

  1. Macht sich sicher gut mit GeforceNow.

  2. Mich würde dieses Handheld ausschließlich unter dem auch im Artikel angesprochenen Aspekt Retro-Gaming/Emulation interessieren. Da gibt es natürlich diverse günstigere Alternativen, aber einfach mal abwarten.

  3. Dachte immer die Zielgruppe wären Cloud Dienste wie der gamepass, GeForce now usw

    • André Westphal says:

      Das sehe ich in Deutschland aber als nicht-funktional an, da man dafür dann stabiles 5G mit hohen Datenraten plus eine Flatrate braucht, um das Aufkommen auch stemmen zu können.

      • Ich spiele in Deutschland mit LTE/5G stabil im Netz von o2 und zuletzt der Telekom in der Cloud. Sowohl beim Urlaub an der Nordsee, in Brandenburg und Zuhause im Ruhrgebiet. Von Ausnahmen abgesehen ging das bisher ziemlich gut.

        Aber es gibt auch noch eine Technik, die auch das Razer unterstützt: WLAN. Zuhause oder unterwegs am Hotspot, im Hotel. Viele Anwendungsmöglichkeiten für diese Art von Device.

        Da ich aber ein Smartphone und ein Tablet habe, spricht mich das Gerät hier aktuell nicht an.

        • André Westphal says:

          Also ich sehe da den Anwendungsbereich, wenn man Cloud-Gaming nutzen will, primär unterwegs z. B. beim Pendeln. Und da sind die Verbindungen ja notorisch instabil, zumindest ist das meine Erfahrung. Wenn ich mal ÖPNV oder Fernzüge nutze, kann ich froh sein, wenn überhaupt eine Verbindung zustande kommt – LTE ist dann auch schon Luxus. Das hängt aber freilich auch von den Strecken ab – ich wohne in HH (vorher Kiel).

          Cloud-Gaming daheim ist natürlich Geschmackssache – ich selbst sehe das eher als Notlösung, weil es mir in Bildqualität und Latenzen gegenüber lokaler Hardware noch zu weit zurücksteht. Daher würde ich es Zuhause nicht nutzen, unterwegs sehe ich aber definitiv eine Berechtigung – aber noch praktische Hürden wegen den genannten Punkten (teure Flatrates, instabiles 5G).

          Kommt aber immer auf die Präferenzen an. Wie du selbst ja auch schreibst, greift für dich wieder ein anderer Punkt, den ich hier als Krux sehe: Du nutzt dann doch Tablet oder Smartphone. Daher glaube ich, Razers Edge hat eine sehr schmale Zielgruppe. Aber mal sehen, wenn die kaufwillig genug ist, kanns auch in der Nische ein Erfolg sein. Ich hab das Gerät ja anfassen und ansehen können und die Hardware an sich hinterließ einen sehr guten Eindruck.

      • Gibts beides. Ist vielleicht noch etwas teuer.
        Ich bekomme hier zum Teil 1500MBit/s per 5G Netz.
        Im Idealfall hat das Gerät genug Power um die Spiele lokal auszuführen.

        • André Westphal says:

          Power nutzt ja nix, wenns kein Spiele-Angebot gibt – und unter Android ist „echtes“ Gaming eher eine Lachnummer. Zumindest, wenn man darunter Core-Gaming versteht. Da kommen halt viele, weniger vorteilhafte Umstände zusammen.

  4. Wenn Cloud Gaming funktionieren würde, Mobilfunk mit günstigen Flats auch für junge Menschen bezahlbar wäre und das alles noch stabil laufen würde… dann wär das was. Mir mangelt es eher an Software und Infrakstruktur… die Technik und das Gerät wären toll. Ich sehe aber nicht, dass das in nächster Zeit funktionieren wird. Vielleicht in 5 Jahren.

  5. Ich finde diese Variante exakt richtig und für mich perfekt. Ich will einfach nicht auf meinem Smartphone zocken, wenn ne Benachrichtigung kommt, ne Whatsapp Nachricht etc. Umso mehr solche Devices auf den Markt kommen desto besser wird das Gaming Angebot bei Android werden. Ich kaufs mir! Find das Ding Klasse.

    • Na, ich finde es bekloppt. Die Möglichkeit zu telefonieren und eine Kamera sind das Einzige was das Razer von einem Telefon unterscheidet. Das hätten die noch dazu setzen sollen damit es kein teures OneTrickPony ist. Vor allem da der Controller abnehmbar ist.
      Ich habe eine Zeitlang ein One Plus 8 und den Kishi benutzt. Man kann in einen nicht Stören Modus wechseln und gut ist mit Nachrichten. Wirklich brauchbar fand ich Android Spiele nicht. habe es nur für Emulation und Xbox game pass genutzt. Aber seit ich ein Steam Deck habe ziehe ich das vor wegen der besseren Haptik. Liegt mit seiner Klobigkeit einfach besser in der Männerhand.
      Dennoch fände ich das Gerät mit Handyfunktion und halbwegs brauchbarer Kamera für sagen wir dann Mal 600€ interessant während ich als reines Gaminggerät jedem eher das Steam Deck empfehlen würde, nicht nur weil es günstiger ist.

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