Matter ist fertig: Version 1.0 veröffentlicht, Zertifizierungsprogramm startet

Bereits vor einigen Tagen hat die Connectivity Standard Alliance (CSA) den öffentlich einsehbaren Code von Matter 1.0  auf GitHub fertiggestellt. Da war schon klar: Da ist etwas im Busch und man wird sich sicherlich in Kürze ausführlicher dazu äußern. Am seit längerem in Arbeit befindlichen Smart-Home-Standard „Matter“ werkeln mit Amazon, Apple und Google zahlreiche weitere Partner aus der Tech-Branche. Dieser Standard soll marken- und plattformübergreifende Interoperabilität erlauben und Smart Home somit für den Laien einfacher gestalten – unter Wahrung von Datenschutz und Sicherheit. Google hat da beispielsweise in weiser Voraussicht bereits die Google-Home-App mit zahlreichen Neuerungen bestückt und auch Apple bereitet sich mit iOS und iPadOS 16.1 bereits auf Matter vor. Nun meldet sich auch die CSA zum Matter-Release endlich wieder zu Wort:

Die Spezifikation Matter 1.0 wurde nun freigegeben und das Matter-Zertifizierungsprogramm eröffnet. Bedeutet: Man stellt ab sofort Entwicklern ein entsprechendes Software Development Kit (SDK) zur Verfügung. Außerdem können fortan bereits im Umlauf befindliche Produkte auf die Matter-Unterstützung aktualisiert werden, sofern sie denn vorab abgenickt und zertifiziert wurden. Hierzu müssen Geräte ein Zertifizierungsprogramm in einem von acht autorisierten Testlabors durchlaufen. Hierbei wird nicht nur Matter, sondern auch die zugrundeliegenden Netzwerktechnologien Wi-Fi und Thread getestet.

Auch einige Details hat man nochmals zu Matter verlauten lassen – weitere dürften sicherlich zeitnah folgen. Derzeit arbeiten mehr als 550 Technologieunternehmen am offenen IoT-Standard mit. Klar, man ist da erst am Anfang und viele Gerätetypen und Feature-Sets unterstützt Matter zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht. Auch das wichtige Multi-Admin-Feature lässt noch auf sich warten.

Zum Start sind das nur die folgenden, man gab aber bereits eine Roadmap zu weiteren Gerätearten bekannt: Beleuchtung, die Steuerung von Heizung, Lüftung sowie Klimatechnik. Ebenso mit von der Partie: Beschattungslösungen (Rollläden, Jalousien, etc.), Sicherheitssensoren sowie TV- und Streaming-Geräte.

Wer Matter bisher nicht kennt, der sei kurz ins Boot geholt. Matter ist ein IP-basiertes Protokoll. Geräte können auf verschiedenen Wegen an Matter „angebunden werden“. Für Geräte mit bandbreiten-intensiver Nutzung, wie Sicherheitskameras, wird auf Wi-Fi gesetzt. Für Sensoren, batteriebetriebene Komponenten und weitere bandbreitensparsame Geräte wird der Funkstandard Thread verwendet. Dieser ist besonders energieeffizient und erlaubt auch den Betrieb als Mesh-Netzwerk unter stromgebundenen Komponenten, wie das beispielsweise auch bei ZigBee der Fall ist. Voraussetzung ist aber auch hier eine entsprechende Schnittstelle zu Matter, der sogenannte Thread-Border-Router. Die Geräte werden bei Inbetriebnahme über Bluetooth Low Energy erstmalig angelernt. Die Geräte kommunizieren in erster Linie lokal, also ohne Cloud. Eine Cloud-Anbindung über WLAN oder Ethernet ist aber ebenso vorgesehen. Neben der Interoperabilität seien bei Matter noch die Sicherheitsrichtlinien und -prozesse hervorzuheben: Man setzt hier auf eine Distributed-Ledger-Technologie und eine Public-Key-Infrastruktur, um die Gerätezertifizierung zu validieren. So will man zertifizierte und aktuelle Geräte forcieren. In Kurzform:

Matter:

Matter basiert als Standard auf drei Technologien: Bluetooth LE für das Set-up, Wi-Fi für die Benutzung, wenn hohe Bandbreiten erforderlich sind, z. B. Videostreaming über eine Kamera, und das noch junge Protokoll Thread für beispielsweise Bewegungssensoren und andere Szenarien, in denen wenig Bandbreite benötigt wird (Lampen von Nanoleaf, Eve-Hardware und den HomePod mini als Border-Router hatten wir schon einige Male erwähnt). Oberflächen von Apps für die Automatisierungen werden arbeiten wie bisher, nur unter der Haube soll bestenfalls alles kompatibel werden.

Zahlreiche Unternehmen haben sich bereits zu Matter bekannt. Spannend bleibt, wie fix man da nun mit Zertifizierungen und Updates voranschreitet. Feststehen dürfte, dass Eve als Matter-Pionier sicherlich als einer der ersten Hersteller entsprechende Updates bereitstellen werden. Wir halten euch diesbezüglich auf alle Fälle auf dem Laufenden.

In diesem Artikel sind Partner-Links enthalten, wir kennzeichnen ihn daher als Werbung. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Lehrer. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: felix@caschys.blog

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

17 Kommentare

  1. Spannend finde ich die Frage welche Unternehmen sich jetzt in dem Sinn als Nachhaltig präsentieren werden, dass sie auch ihre „alten Produkte“ noch mit Matter ausstatten. Diejenigen, die das tun, würden sich für mich damit auch für neue Produkte qualifizieren.

  2. Ich schaue dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits sind Interoperabilität und Manipulationsschutz eine gute Sache. Andererseits befürchte ich, dass man als Benutzer diese Vorteile mit einem Verlust an kreativen Möglichkeiten und auch einem Kontrollverlust erkauft. Mein Smarthome-System (Home Assistant) läuft mit ziemlich vielen Geräten, die meisten davon mit einer Alternative zur Steuerung über die Cloud des Herstellers oder mit selbst angepasster und geflashter Firmware. Keine Ahnung ob das mit Matter noch möglich sein wird.

    • Home Assistant soll künftig direkt als Matter Zentrale dienen, von daher würde ich mir da keine Gedanken machen.
      Eher im Gegenteil, die Hersteller werden nach und nach im Zugzwang sein Matter zu unterstützen. Dadurch wird die Abschaltung der clouds oder Insolvenzen der Hersteller nicht mehr unbedingt dazu führen, dass die Hardware nutzlos wird.

      • Ich wette das viele den Weg gehen, dass nur das Gateway Matter kompatibel sein wird und dann dahinter wieder ein eigenes Süppchen gekocht wird. So wird man dann wieder nur über die Hersteller eigene App sämtliche Funktionen nutzen und Matter halt nur die Grundfunktionalitäten bzw. den kleinsten gemeinsamen Nenner abbilden.

        • Dem kann man nur aus dem Wege gehen Hardware von Hersteller, die das so handhaben, nicht zu kaufen. Mache ich bisher mit Hardware mit Cloud Pflicht bzw. Wifi Verbindung statt Zigbee auch schon genauso.

        • Die Kunden haben es in der Hand.

          Solche schlechten Lösungen einfach nicht kaufen und das Thema ist schnell vom Tisch.

  3. Ich lasse mich überraschen, was Matter bringt, welche Geräte neu kommen ( und was die am Ende kosten werden ) und vor allem, welche Hersteller ihre aktuellen System per Update auf Matter bringen werden.
    Ich werde jetzt nicht in den nächsten Laden rennen und mir das Zeug kaufen, da warte ich erst mal 1 Jahr bis alle Kinderkrankheiten beseitigt sind.

    Mein Smarthome-System ist zwar kommerzielle Software, dafür aber offen für alle System und auch Matter wird sich sicherlich in Kürze einbinden lassen, da bin ich total entspannt, vermutlich wird es nur ein passendes Gateway dafür benötigen.
    Meine Befürchtung ist, das die neuen Geräte recht teuer werden.

    Nur weil heute Matter verfügbar ist, wird mein aktuelles System nicht schlechter oder gar aufhören, zu laufen, also abwarten, Tee trinken und schauen was kommt.

    • Vermute dass dein aktuelles System auch Kabelgebunden ist. Das wird durch Matter nie geschlagen, sei denn die Geräte laufen über Ethernet.

  4. Juergen Siebert says:

    Eins haben alle smart System gleich, wenn der Strom ausfällt, ist Feierabend mit steuern.

  5. PetrosiliusZwackelmann says:

    Kann ich dann mit Matter auch Hue-Hardware an eine Ikea-Bridge koppeln und Apple HomeKit zeigt die mir dann auch an? Ging ja bisher nicht, weil Apple immer die passende Bridge für Update wollte.

  6. @PetrosiliusZwackelmann: Du benutzt die Ikea-Bridge anstatt der Hue Bridge für Hue Geräte? Die Hue Bridge ist doch um längen besser …

Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.