Mastercard verdoppelt das Limit für kontaktlose Zahlungen

Neben Anbietern wie N26, Revolut und Co. hat nun auch Mastercard das Limit für kontaktlose Zahlungen deutlich erhöht: Es steht nun bei 50 statt wie bisher 25 Euro. Somit könnt ihr in Kürze kontaktlos mit entsprechenden Kreditkarten Beträge von bis zu 50 Euro zahlen, ohne eine PIN eingeben zu müssen.

Man habe sich auch zu diesem Schritt entschlossen, da die kontaktlosen Zahlungen wegen COVID-19 derzeit rasant angestiegen seien. Selbst die WHO empfiehlt ja derzeit den Umgang mit Bargeld möglichst zu vermeiden. Denn das Coronavirus kann sich an derartigen Oberflächen für mehrere Tage festsetzen. Kein Wunder also, dass derzeit in Europa 75 % aller Mastercard-Transaktionen kontaktlos ablaufen – bei Visa dürfte es nicht anders aussehen.

Mastercard weist darauf hin, dass es möglicherweise sogar noch hygienischer und einfacher sei die jeweilige Mastercard mit einem Smartphone oder einer Smartwatch zu verknüpfen. Dann könne man biometrische Authentifizierungen nutzen und müsse das Gerät zum Zahlen nicht aus der Hand geben und ebenfalls keine PIN eingeben oder Unterschrift leisten.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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44 Kommentare

  1. Finde ich sehr gut, wenn auch nicht unbedingt den Grund, der die Änderung angestoßen hat.
    Somit dürften jetzt wohl über 95% meiner Kartenzahlungen kontaktlos laufen.

  2. Ich bezahle seit Beginn der Corona-Krise nur noch kontaktlos. Mittlerweile geht dies auch in meinem Bäckereien, die ich besuche. Es wird dort sogar extra darauf hingewiesen, nur noch kontaktlos zu bezahlen, mit Anderen Worten: diese Geschäfte wollen gar kein Bargeld mehr. Kann ich verstehen, in der aktuellen Krise.

  3. Hmm, bei meinen Visa Karten von Amazon und DKB musste ich bei den letzten Einkäufen jeweils die PIN eingeben, Betrag war jeweils unter 40€.

    Bin am überlegen, ob ich mein altes iPhone SE reaktiviere und da die dkb Karte einrichte. Muss man dort wirklich nie eine PIN eingeben? Und was gibt man ein, falls doch?

    • iPhones und Apple Watch benötigen nie die PIN, egal wie hoch der Betrag. Bei der Apple Watch gibst du die PIN ja ein, wenn du sie anlegst. Beim iPhone identifizierst du dich mit Touch ID respektive Face ID.

    • Also tatsächlich soll es dort planmäßig nie eine Pin-Eingabe gaben – unabhängig vom Betrag oder der Zahl der Transaktionen. In jetzt knapp einem Jahr mit Apple- und Google Pay hat das bis auf drei Fälle auch immer ohne Probleme geklappt. Einmal war eine Störung bei der Bank das Problem und die anderen beiden male lag das am Terminal bzw. dessen Software.
      Denn das Terminal muss CDCVM (simpel gesagt die Funktionalität durch die dem Terminal mitgeteilt wird das der Inhaber der Karte sich bereits am Gerät verifiziert hat) unterstützen da sonst ab dem Limit eben die Pin-Abfrage kommt. Bei mir hatte ich für die hinterlegten Karten (bei einer anderen Bank) trotzdem eine PIN für solche Fälle. Da müsste man dann einmal bei der DKB nachfragen ob da bei der Einrichtung vielleicht auch eine gesetzt wird.

    • Das schöne ist, selbst mit den aktuellen Umständen bestehen bei uns noch viele Geschäfte auf die Grenze von 5 oder 10€ um mit Karte zahlen zu können. Unter der Grenze ist nämlich nichts ansteckend… 😉

    • Nachdem Du einmal gesteckt hast, müsstest Du wieder 5 Mal oder bis zu 125 € (?) kontaktlos ohne PIN auskommen.

      • Bei den wenigsten Kreditkarten muss man jedes Mal die PIN eingeben. Bei den meisten Karten wird die PIN nur ab einem bestimmten Betrag fällig. Die Höhe legt die Bank fest.

        Nun gibt es seit Herbst letzten Jahres eine Vorgabe der EU: ab 150,- EUR Gesamtbetrag wird ebenfalls die PIN fällig. Egal, wie hoch die einzelnen Transaktionen sind/waren. Die meisten Banken haben das nicht gut umgesetzt. Nach dem 5. Vorgang wird die Zahlung abgelehnt, Kassierer/in muss den Vorgang neu starten, die Karte muss gesteckt und dann die PIN eingegeben werden. Danach hat man für 5 weitere Zahlungen Ruhe.
        Einzig Revolut macht das anders (zumindest habe ich keine andere Bank gefunden). Das Limit liegt wirklich bei 150,- EUR, kann jederzeit in der App zurückgesetzt werden, und kurz vorm Erreichen bekommt man eine Nachricht.

  4. torben.torpedo says:

    Aluhut auf. Corona wurde von Mastercard erfunden um Kartenzahlungen zu fördern und damit mehr Geld zu verdienen. Aluhut ab und Ironie auf aus. 😉

  5. Heisenberg says:

    Nutze eh schon lange kein Bargeld mehr, ist kein Automat hier in der Nähe, aber Google pay ist besser als meine MasterCard, hab die Karte vorhin ausversehen benutzt, musste Pin an dem dummen Terminal eingeben -.-

  6. Na viel Spaß, damit ist kontaktloses bezahlen nun noch gefährlicher geworden. Es gibt genug Videos bei Youtube, wo man sieht, wie einfach es ist von einer Karte unerlaubt Geld abzubuchen. Zudem ist Bargeld NICHT gefährlich, dass hat kürzlich die Bundesbank bestätigt.

    • Genug Videos bei Youtube die Blödsinn verbreiten. Selbst wenn es gelingen sollte, kontaktlos etwas unerlaubt von einer Karte abzubuchen, kannst Du es jederzeit wieder zurückbuchen lassen. Die Bank muss Dir belegen, dass Du die Zahlung genehmigt hast. Das kann die Bank bei kontaklosen Zahlungen ohne PIN natürlich nicht und trägt deshalb das volle Risiko. Versuche mal einen verlorenen oder gestohlenen 50 € Schein von Deiner Bank zurückzubekommen. Dürfte schwierig werden.
      Für den potentiellen Täter kommt noch erschwerend hinzu, dass er sich das erbeutete Geld ja auf irgendeinem Konto auszahlen lassen muss. Das dürfte nicht so ganz einfach sein, besonders wenn es mit dem auf ihn zugelassenen Terminal vermehrt zu Rückbuchungen oder Anzeigen kommt.

      • Da kennst du wohl nicht die aktuellen Statistiken? Der Raub von virtuellem Geld ist um ein vielfaches höher als von Bargeld. Habe das selbst erlebt. Bargeld hat eben nur keine Lobby und die Banken versuchen immer ihr Image zu wahren und Hacks nicht bekannt werden zu lassen.

        Hinzu kommt die aktuelle Gefahr von Bankenpleiten. Die Einlagensicherung wird hier wahrscheinlich nicht greifen, da systembedingt mehrere Banken Probleme bekommen werden.

        • Gibt es eigentlich eine Obergrenze für den Mist, den du verzapfen kannst. Streust du hier gezielt Fake-News oder bist du einfach ein … wenig …?

        • Was meinst Du mit „virtuellem Geld“? Das hat doch nichts mit kontaktlosen Zahlungen zu tun.

          Was hat die Einlagensicherung mit kontaktlosen Zahlungen zu tun?

        • Die Statistik würde ich gerne mal sehen.. 😉

          Darüber hinausn dürfte bei „virtuellem Geld“ auch OnlineBanking etc. zählen. Aber auch damit wage ich die kühne Behauptung dass der Raub von bargeld höher ist.

  7. Aaah, Vorsicht mit den WHO Zitaten was Bargeld angeht. Da gab es einige falsche Zusammenfassungen und viel Diskussion von Bargeldlobbies und Payment Anbietern… Mein Stand ist, dass die WHO nun offiziell nichts zur Übertragung von Covid-19 über Bargeld gesagt hat.

    https://www.marketwatch.com/story/who-we-did-not-say-that-cash-was-transmitting-coronavirus-2020-03-06

  8. Allerdings heißt das jetzt nicht, dass das sofort an jedem Kartenterminal umkonfiguriert ist.

    • So ist es! Am besten geeignet halte ich daher die Zahlung per Handy/Smartwatch unter Verwendung von CDCVM. Mir ist bislang auch noch kein terminal untergekommen, das das nicht unterstützt und daher trotzdem eine PIN forderte.

  9. Hier werden zwei Rollen vermischt: Issuer (N26, Revolut) und Scheme (Mastercard). Mastercard kann zwar grundsätzlich ein höheres Limit erlauben, jedoch müssen auch die Issuer mitziehen, die die Zahlungen autorisieren und auch die Terminals bei den Händlern müssen entsprechend neu konfiguriert werden.

    Visa erlaubt schon länger kontaktlose Zahlungen bis 50 EUR ohne PIN. Wenn die ausgebende Bank (Issuer) oder das POS-Terminal allerdings weiterhin schon ab 25 EUR eine PIN sehen wollen, nützt das nichts. Als konkretes Beispiel fällt mir etwa eine SB-Kasse einer Rossmann-Filiale in einem Bahnhof ein. Auch bei Beträgen von nur wenigen Cent verlangen die Terminals bei kontaktloser Zahlung eine PIN. Bei Verwendung von G PAY muss analog immer vorher entsperrt werden (CDCVM). Sonst geht es damit bis 25 EUR in der Regel auch ohne Entsperren.

    • Ich habe gestern einen Betrag von knapp 170,- Euro kontaktlos mit dem Smartphone bezahlt. Mit Google Pay und einer verknüpften DKB VISA-Card (allerdings mit vorherigem Entsperren).

      Kürzlich hatte ich auch mal ein Gespräch mit einer Kassiererin. Ihr war (wie mir) völlig unklar, wann man eine PIN eingeben muss. Manchmal, sagte sie, geschieht dies bei Kleinstbeträgen, manchmal muss man bei selbst größeren Beträgen nichts eingeben. Dass das auch vom Issuer abhängt, macht die Sache etwas nachvollziehbarer, danke für die Erläuterungen! Ehrlich gesagt wäre es für den Kunden aber transparenter, wenn man das nach Scheme regeln würde.

      A propos „doofe Regelung“ bzw „kürzlich im MediaMarkt“: ich habe etwas kleines kontaktlos per Google Pay bezahlt. Das hat auch funktioniert. Danach wurde ich gefragt, ob die Verknüpfte Karte eine VISA oder eine Girocard sei. Als ich erwiderte, dass es sich um eine VISA-Karte handelt, wurde ich nach der Karte und einem Ausweis gefragt…

      Ich weiß, dass dieser MediaMarkt bei KK-Zahlung IMMER nach einer Identifikation fragt. Aber dass dies auch bei Google Pay der Fall ist, hat mich dann doch etwas irritiert, wenn nicht sogar amüsiert. Schildbürgerstreich nannte man so etwas früher.

      • Das hatte ich auch noch nicht Was die wohl machen, wenn man per in G PAY hinterlegte virtueller PayPal Debit Mastercard bezahlt hat. Keine physikalische Karte, keine Name, keine Unterschrift zum vergleichen. Und auch wenn es die verknüpfte Karte auch physikalisch gibt, heißt das ja nicht, dass man sie auch dabei hat (das ist ja der Witz bei X Pay). Und selbst WENN man sie dabei hat, lässt sich kaum feststellen, ob es (wegen Tokenization) sich um dieselbe Karte handelt, die im Handy hinterlegt wurde.

        • Eben, das war ja das Witzige. Der Kassierer wusste ja noch nicht einmal, was für eine Karte ich verwendet habe. Deshalb musste er ja auch fragen, ob ich eine VISA-Karte (irgendeine…) verknüpft habe. Wie will er dann mittels eines für einen völlig anderen Bezahlvorgang konzipierten Prozess feststellen, ob ich zur Zahlung mit dem genutzten Zahlungsmittel überhaupt befugt bin? Gar nicht! Insofern sorgt der Prozess hier auch nicht für einen generellen Nutzen, sondern befriedigt lediglich den eigenen Vorgang. Auf Deutsch: sinnlos. 😀

          Es war nur ein weiteres Indiz dafür, dass die Technik schneller voranschreitet, als die Händler mitkommen.

      • MediaMarkt und die Karten. Eine neverendig Story. Das ist genau so ein Schwachsinn, wie das Quittieren der Ware. Das gibt es bei keinem anderen Händler.

        Davon einmal abgesehen, kann ich mir gut vorstellen, dass die Scheme-Regeln so eine Schikane gar nicht erlauben, da damit ja die Vorteile einer kontaktlosen Zahlung, zumindest in zeitlicher Hinsicht, ad absurdum geführt werden.

        • Hab ich auch schon mal überlegt. Hab (bei MC) bislang nichts finden können, was das verbieten würde. Noch nicht einmal zu dem Thema, ob Händler von Kunden die Aushändigung der Karte verlangen dürfen. Im Voraus können Händler ja so einiges als Bedingungen festlegen. Wenn ein Händler bei Kreditkartenzahlungen unbedingt einen Ausweis oder einen Handstand sehen will, kann er das erstmal so machen. Es ist ja niemand gezwungen, diese Bedingungen zu akzeptieren. Mittlerweile würde ich, falls die Ausweisvorlage nicht per Schild am Eingang angekündigt wird und es alternative Bezugsquellen für die gewünschte Ware gäbe, freundlich aber bestimmt um Stornierung der Zahlung bitten.

  10. Das hatte ich auch noch nicht 🙂 Was die wohl machen, wenn man per in G PAY hinterlegte virtueller PayPal Debit Mastercard bezahlt hat. Keine physikalische Karte, keine Name, keine Unterschrift zum vergleichen. Und auch wenn es die verknüpfte Karte auch physikalisch gibt, heißt das ja nicht, dass man sie auch dabei hat (das ist ja der Witz bei X Pay). Und selbst WENN man sie dabei hat, lässt sich kaum feststellen, ob es (wegen Tokenization) sich um dieselbe Karte handelt, die im Handy hinterlegt wurde.

  11. Hab ich auch schon mal überlegt. Hab (bei MC) bislang nichts finden können, was das verbieten würde. Noch nicht einmal zu dem Thema, ob Händler von Kunden die Aushändigung der Karte verlangen dürfen. Im Voraus können Händler ja so einiges als Bedingungen festlegen. Wenn ein Händler bei Kreditkartenzahlungen unbedingt einen Ausweis oder einen Handstand sehen will, kann er das erstmal so machen. Es ist ja niemand gezwungen, diese Bedingungen zu akzeptieren. Mittlerweile würde ich, falls die Ausweisvorlage nicht per Schild am Eingang angekündigt wird und es alternative Bezugsquellen für die gewünschte Ware gäbe, freundlich aber bestimmt um Stornierung der Zahlung bitten.

  12. Der mit dem Aluhut says:

    Karte ist doch out!
    Da gibt es einen interessanten Artikel:

    Quelle: „Stern“

    Mikrochips unter der Haut: Mit der Hand bezahlen – sieht so unsere Zukunft aus?
    Von Gernot Kramper

    Patrick Kramer schaut konzentriert. Er atmet einmal laut ein und aus, während er in seiner rechten Hand eine Spritze hält, deren weiße Griffe an die einer Schere erinnern. Vorne in der Spitze der Spritze steckt ein fingernagellanger, mit Glas ummantelter Mikrochip, den er gleich einem Bankangestellten injizieren wird. Dazu greift Kramer mit seiner rechten Hand in die linke Hand seines Gegenübers, zieht ein Stück Haut zwischen Daumen und Zeigefinger nach oben und sticht mit der Nadel hinein. Man hört ein leises Klicken. Dann ist alles vorbei.

    So schnell kommt sie also, die Zukunft. Er klebt ein Pflaster auf die Einstichstelle und rät seinem Kunden, die Hand ein, zwei Tage ruhigzustellen. In Zukunft wird der Angestellte mit einer Handbewegung durch den Haupteingang seiner Firma gehen können. Statt eines Hausausweises muss er lediglich seine Hand auf ein Kontaktfeld legen. Theoretisch könnte er mit dem Mikrochip unter der Haut auch seinen Einkauf bezahlen oder seine eigene Haustür öffnen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig.

    Was für manche Beobachter nach gruseliger Science-Fiction klingt, ist für Menschen wie Kramer gelebter und gewünschter Fortschritt. Der Unternehmer verdient sein Geld unter anderem damit, Menschen Chips unter die Haut zu jagen. Doch wie sicher ist diese Technik? Sieht so wirklich die Zukunft aus? Und: Wie viel Skepsis ist angebracht? Der stern hat Kramer einen Tag lang bei seiner Arbeit in Berlin begleitet.
    Mikrochips unter der Haut: „Es gibt keine Nachteile“

    Ein paar Stunden zuvor. Patrick Kramer steht vor dem Haupteingang der Zentrale der Sparda-Bank Berlin im Stadtteil Prenzlauer Berg. Er hat sich unter das Vordach gestellt, um sich an diesem milden Donnerstagmorgen vor Nieselregen zu schützen. Er wirkt ein wenig müde. Doch wenn Kramer einmal mit dem Reden angefangen hat, hört er kaum wieder auf.

    Sobald ihm eine Frage gestellt wird, werden Kramers Antworten zu Monologen. Er will seinen Teil dazu beitragen, dass mehr Menschen offener und toleranter gegenüber neuen Technologien werden. Das habe er sich zur Aufgabe gemacht, sagt er, als er vor sechs Jahren, 2014, seine Firma Digiwell – Upgraded Humans gegründet hat. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Biohacking und der digitalen Transformation des Menschen. Dazu gehört unter anderem auch das Setzen von Mikrochips.

    Er selbst trage momentan fünf solcher Implantate unter der Haut. Auf einem seien seine ICE-Daten (In Case of Emergency – also medizinische Daten, falls ihm etwas passieren sollte) abgespeichert. Die Anzahl variiere, erzählt er. „Sie machen meinen Alltag bequemer. Es gibt keine Nachteile“, sagt Kramer. Er sitzt inzwischen auf einer Couch im Empfangsbereich der Genossenschaftsbank und streicht sich über die kleine Delle zwischen Daumen und Zeigefinger, unter der einer der Mikrochips steckt. „Nur weil so ein kleines Reiskorn unter der Haut sitzt, haben viele Menschen gleich Verschwörungstheorien im Kopf.“
    Sparda-Bank „verschenkt“ Mikrochips

    Wenige Minuten später wird er von der Pressesprecherin der Bank abgeholt. Mit dem Fahrstuhl geht es ganz nach oben in den sechsten Stock, Vorstandsetage. Über einen mehr als zehn Meter langen Flur, vorbei an Konferenzräumen und riesigen Einzelbüros, wird Kramer in einen offenen Raum geleitet, der an eine Hotellobby erinnert. Überall stehen bunte Sessel und Sofas. In einer Ecke des Raumes hat sogar eine hüfthohe braune Bar mit zwei weißen Stehhockern Platz. „Normalerweise sieht es hier nicht so aus“, sagt die Sprecherin.

    Der Grund für die Ausstattung ist ein Werbeclip. „Du bist anders? #seianders“, heißt der Slogan. Damit hatte die Sparda-Bank Berlin Ende September des vergangenen Jahres medial für Aufmerksamkeit gesorgt. Über 500.000 Mal wurde das entsprechende Video auf Youtube aufgerufen. Es bewirbt Baufinanzierung – mit Mikrochip-Implantaten. Wer bis Ende März einen Kredit über mindestens 50.000 Euro aufnimmt, bekommt gratis einen eingesetzt.

    Die Genossenschaftsbank kooperiert mit Kramers Firma. Am heutigen Tag soll diese Zusammenarbeit gefeiert werden: Das Fernsehen ist da, ein Podcaster und ein hauseigenes Kamera-Team sind vor Ort. Zur Krönung soll dem Vorstandsvorsitzenden Frank Kohler ein Chip implantiert werden. Doch der ist krank. Deshalb wird ein anderer Angestellter von Kramer „gechipt“.

    Daniel heißt er. Ein schlaksiger Mann mit dunklem Haar und Brille. Er sagt, er sei es leid, ständig so viel mit sich herumzuschleppen, wenn er aus dem Haus geht. Zur Demonstration legt er sein Handy, sein Portemonnaie und Schlüssel für Auto und Büro auf den Tisch. „Das ist lästig“, sagt er und schüttelt dabei mit dem Kopf. „Am liebsten würde ich gar nichts mehr davon verwenden.“
    2000 bis 3500 Deutsche tragen einen Mikrochip unter der Haut

    Mikrochips sollen seinen Alltag bequemer machen. Er will nicht länger nach einem Schlüssel suchen oder beim Einkauf das Portemonnaie herauskramen, um zu bezahlen. In Zukunft will Daniel alles mit einer Handbewegung erledigen. In einem kleinen Konferenzraum, in dem der Vorstand der Genossenschaftsbank normalerweise Unternehmensstrategien bespricht, bekommt Daniel wenig später seinen Wunsch erfüllt. Kramer implantiert.

    Daniel gehört nun zu einer Minderheit. Schätzungsweise 2000 bis 3500 Menschen tragen in Deutschland einen Mikrochip unter der Haut. Kramer ist sich sicher, dass es in Zukunft deutlich mehr sein werden. „Die digitale Transformation wird unter der Haut weitergehen“, glaubt er.

    In Schweden ist das längst Realität. Dort gibt es sogar Implantierpartys, auf denen sich Dutzende Menschen zwischen Wein und Bier von Piercern Chips injizieren lassen. In der schwedischen Firma TUI Nordic trägt jeder fünfte Mitarbeiter einen Mikrochip in der Hand. „Wir chippen unsere Mitarbeiter nicht, sie lassen sich freiwillig chippen“, versicherte Geschäftsführer Alexander Huber dem „Spiegel“ im Interview.

    Patrick Kramer nervt die Fokussierung auf Schweden: „Vor allem verstehe ich nicht, dass die Leute nicht wissen, dass diese Technik nicht neu ist. Sie existiert bereits seit mehr als 40 Jahren.“
    Neu ist die Technologie nicht

    Jens Tiemann bestätigt Kramers Aussage. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer-Institut FOKUS. „Tatsächlich nutzen diese Mikrochips die RFID-Technologie, also Identifizierung mittels elektromagnetischer Wellen“, so der Experte. „Die gibt es bereits seit den 1970er-Jahren.“

    Chips, die Hunde implantiert bekommen, basieren auf dieser Technologie – genauso wie Etiketten im Einzelhandel. „Letztendlich liest ein Gerät dabei Informationen von einem Transponder ab.“ Darauf basieren auch die Mikrochips, die Kramer implantiert. Allerdings müsse man dabei noch einmal differenzieren, sagt Tiemann. „Diese Chips nutzen die sogenannte Near Field Communication, kurz NFC. Das ist eine Untergruppe der RFID-Kommunikation, die einen Datenaustausch zwischen zwei Geräten ermöglicht.“

    Im Alltag wird die Technologie bereits beim kontaktlosen Zahlen mit der EC-Karte oder dem Smartphone verwendet. Der Unterschied zu den Mikrochips besteht nur darin, dass die Technologie nicht unter der Haut steckt, sondern in der Karte beziehungsweise im Smartphone. Genau aus diesem Grund kann Kramer die Skepsis einiger Menschen gegenüber Mikrochips nicht verstehen. „Es ist doch die gleiche Technologie und sie ist sicher“, sagt er. Doch ist sie das wirklich?

    Es gibt zwei zentrale Fragen der Sicherheit. Die nach der gesundheitlichen und die nach der technischen. Andreas Sjostrom, Schwede und Technikchef beim IT-Dienstleister Capgemini, nutzte einen und hat ihn sich wieder entfernen lassen. Zu seinen Erkenntnissen hat er schon 2017 geblogt. Dort schreibt er: „Mikrochips sind eine schlechte Idee“. Auch weil er das Verhältnis von Nutzen und gesundheitlichem Risiko nicht als gerechtfertigt ansieht.

    Zur technischen Sicherheit äußert sich Tiemann. Sind die Chips sicher? Tiemann sagt jein: „Es gibt inzwischen mehrere Generationen. Die ersten waren leicht zu hacken, das hat der Chaos Computer Club bereits vor einigen Jahren gezeigt. Sie lassen sich aber nicht orten, wie es vielleicht einige Menschen vermuten. Mittlerweile ist die Verschlüsslung zudem sicher. Es hat sich einiges getan.“ Aus seiner Sicht sind Mikrochips vielmehr ein datenschutzrechtliches Problem. „Bei der BVG gibt es kontaktlose Monatskarten. Darauf soll angeblich nichts gespeichert werden. Nun ist es in der Vergangenheit aber mehrmals vorgekommen, dass Haltestellen daraufgeschrieben wurden.“
    Wann lohnt sich ein Mikrochip unter der Haut?

    Mit anderen Worten: Der Mensch wird gläserner. Man hinterlässt durch die Technologie überall Spuren, technische Schnipsel, die sich verfolgen und auswerten lassen. Kramer sieht darin kein Problem. „Natürlich hinterlassen wir Informationen. Aber das machen wir auch, wenn wir auf Instagram ein Foto posten, bei Amazon etwas bestellen oder über Twitter unsere Meinung im Netz verbreiten.“

    Ganz unrecht hat er damit nicht, findet Sebastian Drosselmeier. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Doktorand am Münchner Kolleg Ethik in der Praxis. Er sieht in den Mikrochips selbst zunächst kein ethisches Problem: „Eine gewisse Skepsis gegenüber neuer Technik ist durchaus berechtigt. Daraus darf allerdings kein Dogma werden. Es braucht immer einen Diskurs über die Vor- und Nachteile von ’neuen‘ Technologien.“

    Aus Kramers Sicht gibt es zwei klare Vorteile: „Für Menschen mit chronischen Krankheiten wie akutem Nierenversagen, Epilepsie, Alzheimer, Parkison, Blindheit oder mit fehlenden Gliedmaßen geben die kleinen Reiskörner ein Stück Menschenwürde zurück. Ich habe beispielsweise eine Kundin, ein junges Mädchen, das keine Hände hat. Sie kann durch einen Chip im Fuß Türen öffnen“, sagt er. „Der andere Vorteil ist, dass es meinen Alltag erleichtert, weil sie den Haustürschlüssel, den Mitarbeiterausweis, die Autoschlüssel, die Visitenkarten, Notizzettel, Zutrittskarten für das Fitness-Studio ersetzen und unsere digitale Identität absichern.“
    Patrick Kramer: „Ich werde damit nicht aufhören“

    Aus Sicht der Nutzer ist ein Mikrochip definitiv ein Fortschritt. Er macht ihren Alltag in einigen Bereichen deutlich bequemer. Doch den Diskurs über Chancen und Risiken gilt es noch zu führen. Er bewegt sich oft zwischen zwei Polen – totale Freiheit und totale Kontrolle. Es könnte eine spannende gesellschaftliche Debatte werden.

    Erst recht, weil ein Chip unter der Haut eventuell erst der Anfang sein könnte. Denn die Möglichkeiten der digitalen Transformation des Menschen sind in der Tat schon weiter. Tesla-Chef Elon Musk entwickelt beispielsweise mit seinem Projekt Neuralink Computer-Implantate fürs Gehirn.

    Später am Abend steht Patrick Kramer am Bahngleis des Berliner Hauptbahnhofs und wartet auf seinen Zug nach Hamburg. Es war ein langer Tag für ihn. Fünf Mikrochips hat er heute implantiert und zig Fragen zum Thema beantwortet. „Endlich nach Hause“, sagt er. Und klingt glücklich. Sein Terminkalender in den nächsten Wochen ist voll mit ähnlichen Terminen und Konferenzen. Aber es gehe weiter, sagt er. „Wir müssen einfach aufgeschlossener werden. Die digitale Transformation hat gerade erst begonnen.“ Und er will sie jeden Tag ein bisschen weiter vorantreiben.

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