Klage gegen Google: Manipulation des Werbemarktes, Schädigen der Nutzer und Angriffe auf die Privatsphäre

Bei Google wird dieser Tage der sprichwörtliche Baum brennen – und sollte die Klage, die in mehreren US-Bundesstaaten gegen den Internet-Giganten eingereicht wurde, in Teilen die Wahrheit aussagen und das Unternehmen auch tatsächlich dementsprechend verurteilt werden, dann dürfte man wohl viel guten Ruf, Nutzer-Vertrauen und Partner verloren haben – nebst einer vermutlich gigantischen Geldstrafe, die dann wartet.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, seine Macht im Werbemarkt ausgenutzt und Dritte systematisch unterdrückt zu haben. Das klingt bekannt, aber die Details sind schon wirklich hart. Bisher war die Anklageschrift in großen Teilen geschwärzt – Nachrichtenorganisationen, darunter auch die New York Times, hatten den Richter in diesem Fall gebeten, die Schwärzungen aus der Klage zu entfernen.

Google hatte laut Vorwürfen einen geheimen Deal mit Facebook namens „Jedi Blue“, hier geht es darum, dass sich Facebook und Google gegenseitig decken, wenn jemand herausbekommt, wie der Werbemarkt manipuliert wird. Google wolle das Web, so wie wir es kennen, auch in keinen „Walled Garden“ verwandeln, man wolle es aber kontrollieren. Wer braucht schon Cookies und Ähnliches zum Tracken, wenn man dafür sorgt, dass sich Nutzer in seinen Browser einloggen?

Google wird auch vorgeworfen, an Facebook und Microsoft herangetreten zu sein, um diese Unternehmen davon abzuhalten, die Privatsphäre der Benutzer zu erhöhen. Google sagte in einem internen Dokument ebenfalls, dass es die europäischen Datenschutzbestimmungen in Zusammenarbeit mit anderen Technologieunternehmen erfolgreich „verlangsamt“ habe. Ein Google-Sprecher sagte in einer Erklärung gegenüber der New York Times, dass nur weil der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton „etwas sagt, es noch lange nicht wahr ist“. „Wir haben uns klar für einheitliche Datenschutzregeln rund um den Globus ausgesprochen“, sagte der Sprecher.

Das von Google initiierte und angebliche schnellere AMP für die Anzeige von Webseiten? Angeblich Kontrolle. Nutzer und Anbieter hätten es deutlich schwerer, andere Werbemarktplätze und Möglichkeiten zu nutzen – außer jene von Google. Um AMP zu pushen, habe man laut Vorwürfen sogar die Werbung auf normalen Seiten verlangsamt. Googles Plan sei es, durch unterschiedliche Taktiken den Werbemarkt komplett in seine Hand zu bekommen.

Weiterführende und interessante Threads, darunter auch welche von Twitter: fasterthanlime, Patrick McGee, hackernews.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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8 Kommentare

  1. Da fehlen mir die Worte.
    Ich glaube es muss sich grundlegend etwas ändern, was die Nutzung von persönlichen Daten zu Werbezwecken angeht. Sowie die Kopplung von Seitenaufrufen und Werbeeinnahmen. Ich sehe das als die Wurzeln der ganzen „Übel“. Warum nicht die Nutzung persönlicher Daten zu Werbezwecken verbieten? Oder den Daten einen angemessenen Preis geben, der an die Eigentümer der Daten, also die entsprechende Person, gezahlt werden muss? Dann sollten sich doch einige Auswüchse von alleine erledigen.

    • (Das das nicht so einfach umzusetzen ist, ist mir auch klar… aber eine Bewegung in diese Richtung sollte doch möglich sein)

  2. Wolfgang D. says:

    „Wer braucht schon Cookies und Ähnliches zum Tracken, wenn man dafür sorgt, dass sich Nutzer in seinen Browser einloggen“
    Wird Zeit, den Megakonzernen Grenzen zu setzen, auch Apple und Microsoft..
    Das ist also immer mal eine neue Strategie zur Machtergreifung, und es wird Zeit, solches Verhalten zu unterbinden. Hoffentlich bekommen das wenigstens die Amis endlich mal gebacken, hier bei uns ist man ja mit der optimalen politischen Korrektheit voll beschäftigt.

    Hatte mich neulich schon gewundert, als die Google Suchseite meldete „Zum Aussschalten von Safe Browsing musst du dich anmelden“, bei denen klemmt wohl ein bit? Linuxdistribution, non-Chrome Browser. Suchmaschine gewechselt, aber Bing/Ecosia/DDG sind eben nicht so die Bringer.

    • Du kannst Ungoogled Chromium oder LibreWolf verwenden, alles andere trackt dich auf irgend eine Weise. DDG sollte man auch nicht verwenden, die unterliegen dem Patriot Act und müssen Daten speichern.

      • Wolfgang D. says:

        „Ungoogled Chromium oder LibreWolf verwenden“
        Das hilft aber nicht gegen einen Zwang zum Einloggen, oder auch, Google- Apple- Microsoft- SonstwasID existieren. Ein Tritt in die Weichteile von Google bzw. dessen MuttErSieEs Konzern ist viel wirksamer.

        Unter dem Strich benutzt man einen Browser nicht aus politischen Gründen, sondern für passende Suchergebnisse… meinjanur

  3. >>Wird Zeit, den Megakonzernen Grenzen zu setzen, auch Apple und Microsoft..<<
    Tja und was wären die Alternativen? Zurück in die Steinzeit???

    Warten wir doch erst mal ab, was sich bewahrheitet und ob Google verurteilt wird. "In dubio pro reo."

  4. Wer Google heutzutage noch nutzt ist es echt selber schuld. Das “don’t be evil” Google von vor 10 Jahren gibt es nicht mehr…wenn es das überhaupt jemals gegeben hat.

    Wenn ich daran denke von wie vielen Menschen Google seit fast 2 Dekaden fast alles an Daten Daten füttern was so anfällt, wird mir echt schlecht.

    Ich hab beim CCC mal einen Vortag gesehen, wie jemand nur anhand der Veröffentlichungsdatum von Artikeln beim Spiegel korreliert hat, wann die Autoren im Urlaub sind und wer mit wem zusammen im Urlaub ist. Jetzt stellt euch mal vor, was Google aus den Nutzerdaten alles raus korrelieren kann.

    • Wolfgang D. says:

      So ähnlich wie „der Computermann war vergangene Woche hier, und jetzt ist der PC wieder kaputt – der Fachmann ist am Fehler Schuld!“

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