Filme, Musik, Serien und Spiele werden innerhalb der EU grenzüberschreitend abrufbar sein

Bereits Mitte 2016 hatte ich darüber gebloggt, dass das Europäische Parlament und der Europäische Rat dem Geoblocking innerhalb der Europäischen Union gerne ein definitives Ende setzen würden. Dass es hier durchaus zu positiven Entwicklungen im Sinne der Kunden kommen dürfte, zeigen auch die aktuellen Untersuchungen wegen der Regionssperren bei Steam. In einer frischen Pressemitteilung teilt das Parlament nun Neuigkeiten mit. Informell haben Parlament und Rat am Dienstag beschlossen, das Geoblocking innerhalb der EU weiter einzuschränken.

Ganz konkret geht es in diesem Fall darum, dass gewährleistet sein muss, dass ihr bei Reisen und zeitlich beschränkten Aufenthalten im Ausland weiterhin auf euren gewohnten Content Zugriff erhaltet. Darüber hatte Sascha Ende Dezember schon einmal gebloggt.

Der neue Beschluss soll sicherstellen, dass ihr z. B. bei Urlaub in einem anderen EU-Land währenddessen dennoch auf das deutsche Angebot von Amazon Prime Video, Netflix, Spotify oder eben Steam Zugriff erhaltet. Aktuell scheitert das oft, so dass eure Abonnements im Ausland eingeschränkt oder komplett nutzlos sind.

Der Hintergrund liegt oft nicht in der Launenhaftigkeit der Streaming-Anbieter begründet, sondern in den Lizenzabkommen mit den jeweiligen Rechteinhabern. Beispielsweise kann es sein, dass Amazon Prime Video für Deutschland die Rechte an einer Serie erworben hat – in Frankreich aber jemand anders der Lizenznehmer ist. Dann seid ihr als Endkunden die Leidtragenden, da euch im Ausland der Zugriff verwehrt bleibt.

Die neue EU-Regelung unterbindet die bisherige Verfahrensweise – mit einer Einschränkung. So greift die grenzüberschreitende Nutzung nur bei Diensten, die auch mit Kosten für die Kunden verbunden sind.

Kostenlose Angebote sind ausgenommen. Das ist einigermaßen interessant, denn rein theoretisch müssten dann etwa für Spotify Free und Premium unterschiedliche Regelungen greifen.

Auch interessant: Laut der neuen Regelungen dürfen die Anbieter der jeweiligen Dienste dann „vertretbare und angemessene Maßnahmen“ ergreifen, um sicherzustellen, dass die Abonnenten tatsächlich auch aus einem EU-Land stammen.

Als geeignete Methoden sind elektronische Varianten zur Bestätigung der Identität (wohl über den Personalausweis),Verifizierung der  Zahlungsdaten, die Postadresse oder IP-Überprüfungen genannt. Dabei sollen die Kunden aber transparent darüber informiert werden, wie ihre Identität und ihr Wohnsitz überprüft werden.

Noch müssen formal nochmals offiziell das EU-Parlament, der Rat und der Rechtsausschuss zustimmen, um die Einigung in Stein zu meißeln. Da bereits informell eine Einigung erzielt wurde, sollte das aber in der Tat nur noch eine Formsache sein. Aus Kundensicht ist das natürlich eine tolle Sache.

Interessant wird es sein, zu sehen, wie die Anbieter nun eventuell mit Kommentaren reagieren. Nachlesen könnt ihr die Details auch direkt in der Pressemitteilung des Europäischen Parlaments.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. @André: Bei Spotify Free und Premium ist das bisher schon immer unterschiedlich gewesen. Ein Freund konnte mit seinem Schwedischen Premium Account dauerhaft in Deutschland hören, solange er zahlte. Im Ausland (EU) wird aber mein Deutscher Free Account nach 14 Tagen abgeschaltet, bis ich wieder mal zwischendurch in Deutschland bin.

  2. Gute Idee der EU. Leider sind sprachliche Minderheiten in den verschiedenen Staaten immer noch benachteiligt…

  3. …und wo ist das Problem wenn z.B. eine Handvoll Deutscher außerhalb der EU (also z.B. in Asien) sich ein bisschen Deutsches Trash-TV reinziehen wollen? Die Einheimischen dort schauen sich das mangels Sprachkenntnissen eh kaum an. Wo keine Rechte da keine Pflichten, oder, kann man das nicht auch irgendwie berwerkstelligen, so außerhalb der paranoiden Bürokratie?

  4. ich wusste garnicht, dass es so eine Sperre gibt.
    Mich würde eher eine entsperrung der USA / Deutschland Sperre interessieren

  5. Gute Idee, schlechte Umsetzung. Als Bewohner von D, darf ich dann zwar im Urlaub mein Abo aus D nutzen, muss dafür aber auch die D-Preise zahlen. Ein Abo zu Auslandskonditionen darf ich also nie abschließen. Das ist das Gegenteil von Wettbewerb 🙁

  6. Guter Schritt, aber nicht weit genug. Mich stört es enorm, dass wir von einem geeinten Europa sprechen, aber gleichzeitig das TV Programm unserer Nachbarn nicht nutzen dürfen. (obwohl bspw unsere Öffis frei für alle in Europa über Sat senden). Diese Linzenvergaben, für Streaming, Sat oder sonst einen Verbreitungsweg, sollten grundsätzlich innerhalb der EU neu gedacht werden.

  7. Gilt das dann auch für die Mediatheken der Öffentlich-rechtlichen?

  8. André Westphal says:

    @ Stephan

    Die Mediatheken sind ja kostenlos nutzbar – den Rundfunkbeitrag könnte man zwar als Bezahlung sehen, aber das nicht im klassischen Sinne ein Abonnement ist,glaube ich nicht, dass die einbezogen sind. Oder es gibt dann mal wieder eine Klage dazu und es wird geklärt :-).

  9. @André
    Damit könnte die GEZ ihre Einnahmen erneut vervielfachen. Einfach das Angebot in der ganzen EU verfügbar machen und dann alle abkassieren. 🙂

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