Netflix-Kunden können ihren Content bald in allen EU-Ländern abrufen

16. Mai 2016 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: André Westphal

euIch hatte bereits Ende April über einen durchgesickerten Entwurf zu einer neuen EU-Verordnung bzgl. der Einschränkungen des GeoBlockings gebloggt. Nun greift Reuters das Thema erneut auf, denn Freitag vergangener Woche beschritten die EU-Mitgliedsstaaten diesen Weg weiter: Die Repräsentanten der EU-Länder haben den Entwurf bekräftigt. Am 26. Mai soll er von den zuständigen Ministern verabschiedet werden. Das Ergebnis wäre dann, dass ein deutscher Netflix-Kunde seine gewohnten Inhalte innerhalb der EU auch dann abrufen könnte, wenn er sich im Zuge einer Reise beispielsweise in Italien aufhielte.

Natürlich würden nicht nur Kunden von Netflix von dieser Regelung profitieren, sondern etwa auch Abonnenten von Sky, MaxDome Amazon Prime und Co. Die Aufhebung des GeoBlockings gilt aber nur bei „temporärer Abwesenheit“. Sprich, wer von Deutschland nach Griechenland auswandert, kann dann dort eben doch nicht langfristig seine gewohnten Streaming-Dienste aus Deutschland nutzen. Gelten soll die neue EU-Verordnung nach aktuellem Stand der Planung voraussichtlich ab 2017 – zeitgleich zur Abschaffung der Roaming-Gebühren.

Während die neue EU-Verordnung für Kunden von Vorteil ist, haben sich viele Unternehmen bereits entrüstet gezeigt und ihrem Ärger Luft gemacht: Da beispielsweise Filmstudios je nach Land unterschiedliche Lizenzgebühren erheben, könnte die neue Verordnung die Streaming-Anbieter nun teuer zu stehen kommen. So dürften die Studios verstärkt die Hände aufhalten, wenn Filme für deutsche Kunden eben nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auch bei Reisen im Ausland abrufbar bleiben.

Generell sind länderspezifische Lizenzen für Filmstudios von enormer Wichtigkeit, so dass die neuen Bestrebungen der EU in jener Branche auf Widerstand treffen. Für die Zukunft sind deutlich komplexere Verhandlungen zu befürchten. Die Industrie argumentiert natürlich, dass das langfristig auch den Kunden schade, da man so eventuell höhere Lizenzgebühren von Streaming-Anbietern einfordern müsse. Jene dürften die Mehrkosten in Form höherer Preise auf die Kunden umlegen. Ob es dazu kommt, ist aber natürlich offen. Wir alle wissen ja, dass die Unternehmen pauschal natürlich um jeden Cent fürchten und schnell entsprechende Horrorszenarien konstruieren.


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1958 Artikel geschrieben.