F1 2021 angespielt: Tolle Umsetzung des Formel-1-Zirkus

Computer und Konsolen begleiten mich seit meiner Jugend. Angefangen mit einem Nintendo Entertainment System zog 1996 dann auch irgendwann ein PC bei uns in den Haushalt ein. Ein Pentium 1 mit 100 MHz und 16 MB RAM im System. Das war damals was und wenn ich mich recht entsinne, hat das Ding meine Eltern auch einen dicken Batzen Geld gekostet. Es dauerte nicht lang, bis die ersten Spiele auf dem Ding gespielt wurden. Rollenspiele und Sportspiele sind seither meine liebsten Genres, wenn ich mal Zeit finde, die Konsole oder den Rechner anzuschalten.

Eine Menge Zeit „vergeudete“ ich damals mit Micropose Grand Prix 2 und 3. Damals großer Schumi-Fan spielte ich bis in die Nacht und erfreute mich an der hohen Anpassbarkeit des Spiels. Im Rahmen dieses Berichts wagte ich einen Blick zurück und ich muss sagen, dass Grand Prix 3 (21 Jahre alt) damals schon ziemlich gut aussah. Dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich aufhörte regelmäßig Formel 1 zu schauen. Schumi weg, nervige Werbeeinblendungen gefühlt alle 10 Sekunden und die Zeit konnte man halt auch irgendwie besser verbringen. Rennspiele sind jedoch nach wie vor immer wieder mit drin, doch ein Formel-1-Spiel kam mir schon lange nicht mehr unter die Augen. Umso neugieriger war ich auf F1 2021, das sehr vielversprechend klang und aussah.

Also angeschaltet und rein in den Autositz. Das Spiel selbst bietet verschiedene Spielmodi, an denen ihr euch die Hörner abstoßen könnt. Darf es ein Einzelrennen sein, eine Karriere, die man auch zu zweit meistern (Co-Op oder vs.) kann, oder lieber Online-Rennen und Wettkämpfe? So ziemlich alles ist mit an Bord.

Doch ein Modus hat mich besonders gereizt, der sich Braking Point schimpft. Aber bevor ich dazu komme, lasst uns ein paar Worte zum generellen Schwierigkeitsgrad verlieren, denn da ist auch für jeden etwas dabei. Die Mechanik an sich muss ich euch ja sicher nicht erklären. Rennen startet und ihr versucht euch mit den Triggern an der Ideallinie zu reiben und möglichst viele Gegner hinter euch zu lassen.

Im einfachsten Schwierigkeitsgrad unterstützt das System in nahezu allen Aspekten und gibt euch dennoch das Gefühl der eigenen Kontrolle. Doch ihr könnt das System auf Wunsch pimpen und alles ausschalten oder gerade so viel anlassen, um euch den Kick zu geben. Selten gibt es meiner Meinung nach Rennspiele, die euch so viel Kontrolle geben und auf Wunsch auch derart komplex sein können. Reifenabrieb, Schadensmodelle etc. all das kann beeinflusst werden. Das hat natürlich auch immensen Einfluss auf den Spielspaß, denn man will ja nicht die Laune verlieren. Auch die KI-Fahrer machen euch auf Wunsch ordentlich die Hölle heiß, ohne dass man euch direkt ins Kiesbett kickt. Sollte das doch mal passieren, habt ihr eine zweite Chance: Über die Sofort-Wiederholung könnt ihr auf Wunsch 10 Sekunden zurückspringen und erlebt die Szene noch einmal neu.

Während des Rennens unterstützt euch ein KI-Helfer namens Jeff, der euch Tipps zur Rennstrategie und zu Fahrmanövern gibt. Was man so gar nicht realisiert: Man kann mit Jeff sprechen und ihn allerlei Dinge fragen. Er gibt euch Informationen zu eurem Teamkameraden, zu Rivalen, zum Rennen an sich und vieles mehr. Dadurch wird euch ein echtes Renngefühl vermittelt. Coole Sache.

In Kombination mit der Grafik wird daraus ein echtes Erlebnis, was mich zum Teil wirklich begeistert zurücklässt. Ich spiele das Spiel auf der Xbox Series X und dort in Dolby Vision, da ich mit einem Insider-Build unterwegs bin. Die Grafik ist teilweise wirklich nah an der Realität und Autos, Fahrermodels und Rennstrecken sind mit viel Liebe gemodelt und mit Details versehen worden.

Gerade Nachtrennen sehen unter anderem richtig gut aus. Einzig an der Konsistenz mangelt es hier und da. Während einige Dinge richtig gut aussehen, sehen einige Streckenabschnitte teilweise nicht richtig fertig aus und dann hat man auch wieder Szenen, in denen Spielemodelle wenig detailliert und kantig wirken. Das Spiel ist ja noch Day-0, von daher ist da sicher noch Verbesserungspotenzial dahinter. Eine Szene ist beispielsweise immer sehr ruckelig: Ihr werdet nach dem Rennen interviewt und beantwortet die Fragen. Die ganze Szene ruckelt und wirkt unglaublich hölzern. Keine Ahnung, was da los ist, aber das wird hoffentlich noch gefixt.

Die meiste Zeit meiner bisherigen Spielzeit habe ich mit Braking Point verbracht. Dabei handelt es sich um eine festgelegte Karriere, in der ihr als Rookie aus der F2 in die F1 aufsteigt und dort auf einen alteingesessenen Team-Kollegen trefft, der seine Felle davonschwimmen sieht. So entwickelt sich ein offener Schlagabtausch zwischen den Beiden der diesen Modus antreibt.

Ihr startet manchmal nur in bestimmten Bereichen eines Rennens, um beispielsweise einen Getriebeschaden durch gekonnte Rennfähigkeiten auszugleichen oder ihr fahrt auch mal ein komplettes Rennen. Das Besondere dabei: Ihr spielt beide Seiten, den neuen und den alten und bekommt Einblicke in beide Charaktere. Ist wirklich gut gemacht und zum Teil sowohl herausfordernd als auch motivierend.

Im Menü bekommt man Mails zugespielt und kann sich auch in Social Media hineinlesen und ein Bild davon machen, ob man gemocht wird oder nicht. Es gibt mit diesem Modus nur ein Problem. Da wir von einem stark linearen Modus sprechen, kommt er mit sehr gutem Fahrvermögen nicht wirklich klar, beziehungsweise werdet ihr nicht dafür belohnt. Ihr startet beispielsweise auf Platz 11 und sollt noch in die Punkte fahren. Das Spiel wird euch niemals erlauben aufs Treppchen zu kommen, selbst wenn ihr gut genug seid. Meiner Meinung hätte man hier ruhig noch mehr Atmosphäre und Diskussionsstoff reinpacken können. Das Ganze ist hier und da „zu brav“ und zu wenig emotional.

Noch ein paar Worte zur Karriere, die ihr nun auch Co-Op bestreiten könnt, was sich sicher viele gewünscht haben und noch mehr Motivation bringt, denn auch gegeneinander kann gespielt werden. So bestreitet ihr die Saison entweder zusammen oder keilt euch um den Weltmeistertitel. Upgrades können gekauft werden, um euer Auto besser zu machen. Der My-Team-Modus bietet euch die Gelegenheit ein eigenes F1-Team aufzubauen und dabei könnt ihr euch auch mit dem Management befassen.

Ein Fazit? Formel 1 2021 gefällt mir wirklich gut. Codemasters macht verdammt viel richtig und das Spiel kommt mit einer sehr guten Atmosphäre zum Käufer, auf den sich das Spiel außerdem noch sehr gut einstellen lässt. Für jeden ist hier etwas dabei, sei es der Neuling, der noch nie etwas von Formel 1 und Rennspielen gehört hat, oder der F1-Veteran mit ordentlichen Fahrerskills.

Hier und da gibt es sicher Verbesserungspotenzial, doch das ist zugegeben auch Jammern auf sehr hohem Niveau. Ein großer Pluspunkt für das Spiel ist auch die Tatsache, dass man es mal für Zwischendurch hernehmen kann. Ihr habt nur eine halbe Stunde Zeit? Das Spiel passt da mit einem schnellen Rennen rein, aber auch lange Sessions kann man eben mit Story- und Karrieremodus problemlos füllen. Ihr sucht nach einem Rennspiel? Das Ding könnte etwas für euch sein.

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Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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10 Kommentare

  1. Sind zum Teil immer noch Bugs drin, die seit Jahren nicht gefixt werden bei Codemasters. Ist halt wie bei Fifa und Co. Man spielt es, weil man die Simulation mag. Wirklich gut ist das Ganze trotzdem nicht umgesetzt.

  2. Hörensagen? Ansonsten die Bugs mal benennen. Außer die Bestrafungsprobleme habe ich nach jetzt 30 Spielstunden gar nix zu beanstanden gefunden.

  3. 2. Bild im Artikel: Autos von 2022 werden auch schon gezeigt?

  4. Mich hat bei F1 2020 geärgert das dennoch Zuschauer im Spiel waren. So viel zum Thema Realität 😀

    • Ben.Utzer says:

      Es waren ja nicht mal die Strecken im Spiel wie in der realen Saison. Auf Konsole nicht mal der schwarze MAMG.

  5. „Vergeuden“ ist in Bezug auf Grand Prix 2 & Co. das falsche Wort! Die GP-Reihe war damals erheblich mehr Simulation als es die F1-Reihe heute ist. Wer auf Simulation steht, ist bei Assetto Corsa (Competizione) oder Automobilista 2 *deutlich* besser aufgehoben…

  6. Zum Thema „Microprose Grand Prix“ habe ich grade zufällig in meinem kleinen privaten Retro-Blog
    einen Artikel zum Programmierer Geoff Crammond“ verfasst.

    https://retrospiele-de.blogspot.com/2021/07/legenden-geoff-crammond.html

    Demjenigen der etwas mehr zu ihm erfahren möchte, wünsche ich viel Spaß beim lesen.

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