BPjM stuft „Coin Master“, „Coin Trip“ und „Coin Kingdom“ nicht als jugendgefährdend ein

Computer- und Videospiele haben nicht nur das Potenzial erstklassig zu unterhalten, sie können sogar zum Nachdenken anregen oder bilden bzw. auf Kinder pädagogisch wirken. Leider gibt es aber auch Gegenbeispiele, die wenig Gameplay und Inhalt bieten und ganz darauf optimiert sind dem Spieler nur möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Da könnte man vermutlich auch die Apps „Coin Master“, „Coin Trip“ und „Coin Kingdom“ einreihen. Deswegen prüfte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) diese Titel. Man konnte aber letzten Endes „keine jugendgefährdende Wirkung im Sinne des Jugendschutzgesetzes“ feststellen.

So war die Frage, ob die Games Glücksspiel verharmlosen. Die Bundesprüfstelle hat entschieden, dass jenes nicht der Fall sei. Falls euch die Spiele gar nichts sagen: In „Coin Master“ baut ihr, wie in so vielen Mobile Games, ein virtuelles Dorf auf. Die Investitionen finanziert ihr auch durch virtuelles Geld – eben die Coins. Ihr könnt die Währung durch simuliertes Glücksspiel erwerben bzw. vermehren. Auch Echtgeld kann und soll dabei ausgegeben werden. „Coin Trip“ und „Coin Kingdom“ sind vom Prinzip her durchaus ähnlich aufgebaut.

Als Einführung empfehle ich euch gerne das obige Video von Jan Böhmermann, das es recht gut auf den Punkt bringt. Das Video hat dann auch die Kritik an den Spielen sehr befeuert. Ich selbst halte von derartigen Monetarisierungen in der genannten Form auch nichts, da das gesamte Gameplay drumherum gestrickt wird – siehe meine beiden Game-Over-Artikel. Für die BPjM geht es da aber natürlich nicht darum, ob man das Spielprinzip gutheißt, sondern ob es eben konkret als jugendgefährdend eingestuft werden muss. So heißt es: „Medien, die die Entwicklung und Erziehung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gefährden, gelten als sozial-ethisch desorientierend und sind zu indizieren.

Dabei gibt die BPjM zu bedenken, dass Spiele wie „Coin Master“ generell durchaus indiziert werden könnten:

Aufgrund der wissenschaftlich belegten Wirkung von simuliertem Glücksspiel kann die interaktive Spielhandlung grundsätzlich zur Prägung positiv gefärbter Glücksspieleinstellungen, einer Desensibilisierung gegenüber Glücksspielverlusten, der Förderung unrealistischer Gewinnerwartungen sowie zu einem (schnelleren) Umstieg zu echtem Glücksspiel führen. Dies führt zu einer Verharmlosung von Glücksspiel und einer damit einhergehenden Förderung der Bereitschaft zum Konsum bei hierfür anfälligen Kindern und Jugendlichen.

„Coin Master“ erfülle den Tatbestand aber nicht. Die Begründung lautet vereinfacht gesagt, dass die Spielautomaten im Spiel anders visuell gestaltet seien als reale Automaten, das Gameplay auch andere Spielhandlungen aufweise und neben dem Weiterkommen durch Coins auch Alternativen existieren. Es gebe also nicht die erforderliche Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche vom Spiel auf die Realität schließen könnten.

Die BPjM mahnt aber auch, dass man die Rechtsprechung und auch die Kriterien der Bundesprüfstelle zur Verharmlosung von Glücksspiel in Zukunft überarbeiten und erweitern müsste. Was sagt ihr zu der Entscheidung?

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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19 Kommentare

  1. KraftKlotz says:

    Ich finde, dass das Thema Glücksspiel im allgemeinen in der letzten zeit viel zu viel gehypt wird, grade jugendliche und junge Erwachsene spielen gefühlt alle irgendwelche Glücksspiele.
    Dabei wird die Gefahr die von Glücksspielen ausgeht völlig verharmlost.
    Ich kenne ein paar Leute die durch Glücksspiel alles im Leben verloren haben und bis zum Schluss das selbst nicht gesehen haben.
    Für mich ist Glücksspiel eine der verheerendsten Abhängigkeiten der heutigen zeit.
    Und die Politik möchte die Gesetzeslage für Glücksspiel sogar demnächst noch lockern.

    • André Westphal says:

      Ich sehe es persönlich zumindest so, dass Apps wie „Coin Master“, die sich ja mit ihren bunten Bildchen im Comic-Look ganz offensichtlich auch an jüngere Nutzer wenden, „ab 18 Jahren“ freigegeben sein müssten, weil Echtgeld verwendet werden kann. Die Industrie ist da generell eben mit allen Wassern gewaschen, siehe auch die Kontroverse um das letzte NBA-Game von 2K, dessen Trailer einem Casino-Werbespot glich.

    • Alle Spiele die Mikrotransaktionen und keine Monatsabo mit Festen Beträgen und NIX weiter oder Einmalzahlung beim Gamekauf gehören VERBOTEN egal ob für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Alles kostet damit mehr als jedes Abospiel oder Einmalzahlspiel. Das sind nix anderes als Kasino-Games, Glückspiel, Pay2Win oder wie man sie sonst schimpfen mag. Gegenwert haben diese sogut wie nicht, Inhaltlich meist weniger als nix, reine ABZOCKE.
      Meine Empfehlung, sowas löschen, verbannen für ewig aus dem Haushalt. Kinder sowas strikt verbieten und auch erklären warum solche Dinge Müll sind. Lieber ordentliche Spiele die zwar mehr auf einmal oder per Monatsabo kosten aber da hat man die Kosten im Blick.
      Selbst schon meine Erfahrung gemacht und weiß eben wovon ich spreche, nie wieder so ein Müll.

  2. Ich sehe da in erster Linie die Eltern in der Pflicht. Und wenn der Nachwuchs seine 10 Euro Taschengeld komplett in ein Spiel verfeuert ist es halt erst mal weg und er zieht daraus hoffentlich die richtigen Schlussfolgerungen beim nächsten Mal sinnvoller mit seinem Geld umzugehen.

    • André Westphal says:

      Es geht da ja auch um die psychologischen Effekte – etwa die Gewöhnung an solche Mechanismen und das forcierte Abhängigkeitsverhältnis. Der eine ist dafür empfänglicher als der andere – wie mit Alkohl bzw. allem, was süchtig machen kann.

      Und insgesamt treibt es die Gaming-Industrie da aktuell sehr auf die Spitze, da ganze Titel nur um solche Mechanismen herum gestrickt werden. Es ist legitim mit einem guten Game auch gutes Geld verdienen zu wollen – aber manches sackt mir moralisch derzeit auch zu tief ab.

      • Natürlich zielt die Werbung und solche Spiele genau darauf ab. Aber das tun Süßigkeiten auch, oder ganz generell Werbung für Kinderprodukte.

        In erster Linie tragen die Eltern die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder.

        Und erst danach sollte man näher darauf schauen ob es manche Anbieter vielleicht etwas übertreiben mit ihrer auf Kinder zugeschnittenen Werbung. Aber wenn Du damit anfängst musst Du gleich auch 95% der Werbung für Süßigkeit (Industriezucker kann man durchaus auch als „Gift“ ansehen) und quasi sämtliche Werbung für Spielzeug verbieten.

        • André Westphal says:

          Das kannst du aber wiederum nicht vergleichen: Zum einen kaufst du Süßigkeiten und hast dann keine Folgeinvestitionen. Das Gummibärchen flüstert dir ja nicht „Gib 10 Euro aus, dann schmecke ich noch besser“ – ein Spiel macht das durch aggressive In-App-Monetarisierung.

          Dazu kommt, dass solche Spiele, auch auf Basis psychologischer Studien, ganz bewusst so entwickelt werden, um pathologische Verhaltensweisen zu hervorzurufen.

          Selbst wenn man sagt „Sind die doch selbst Schuld“ oder „Sollen die Eltern mal besser aufpassen“, ist das dahinter stehende Geschäftsprinzip alles andere als moralisch und ethisch vertretbar – meine Meinung. Und da sehe ich eben durchaus den Gesetzgeber und die Politik in der Verantwortung zu reagieren – etwa mit einer 18er-Freigabe für solche Titel mit simuliertem Glücksspiel und Echtgeld-Mechanismen.

          • Ich verstehe durchaus was Du meinst, mit sind nur bei der Tiefe und Ausgestaltung der jeweiligen Verantwortung nicht ganz einer Meinung.

            Dass solche Spiele moralisch verwerflich sind keine Frage. Das sind aber auch 1000 andere Dinge die trotzdem legal sind. Im Zusammenhang mit Glücksspiel fallen mit da zum Beispiel die ganzen Spielotheken „Casinos“ ein die in jedem Kuhdorf, Tankstellen usw. stehen. In die Läden gehen (nahezu) ausschließlich Spielsüchtige und gescheiterte Existenzen.

            Das weiß jeder, auch der Staat, und dennoch wird dem Treiben munter zugesehen solange es kein allzu großes Problem wird und nur eine Randgruppe trifft. Sind ja doch auch irgendwie selbst schuld diese Süchtigen… Müssen doch wissen was die machen… Und ordentlich an den Steuern verdienen wir ja auch noch.

            Das ist in meinen Augen moralisch sicher deutlich verwerflicher als eine geschickt zur Manipulation gestaltete App bei der sich der finanzielle Verlust in der Regel doch deutlich in Grenzen hält.

          • Sorry aber Gummibärchen sagen genau das selbe, alles was Zucker hat… darauf ziehlt es doch ab, wie Zigaretten, Alk & Co. Gleiche Prinzip nur andere Herangehensweise… alles Süchtigmacher die bei und vor allem Labilen und wenig selbstbewußten Kindern schadhafte Wirkung hat. Nicht umsonst ist die Zuckerindustrie so groß oder Alk, Tabak… es dauert Jahrzehnte bis man die Fehler erkennt in der Gesellschaft und noch länger bis man sie verteufelt. Der Ausstieg von Süchtigen selten möglich, dazu noch Sozial kostspielig.

      • Ganz einfach, wenn Kids Alk wollen schenkst ein bis sie Kotzen und dann filmst sie, damit sie sich selbst sehen wie es tatsächlich ist. So sieht der Nachwuch dies aus der Cam Perspektive und kennt es auch aus eingener Erfahrung. Wirkt wunder…
        gleiches beim Rauchen, eine Kippe nach der anderen bis zum Kotzen… sie merken das schon, wenn nicht hast eh keine Chance, gerade solche Ausreißer sind nicht für sinvolle Gespräche empfänglich.

    • Und wenn dir die Spielsucht sagt, dass das Sinnvoll war und die Eltern das nicht mitbekommen?

      • Dann ist ziemlich schnell das Taschengeld leer und spätestens dann bekommen es die Eltern mit und können regulierend und erzieherisch dagegen wirken.

        • Das war früher ja auch mit den Telefonrechnungen so. ..wenn’s ums Geld geht könne sich die Eltern da langfristig nicht rausreden, nichts bemerkt zu haben.

  3. Ich begrüße grundsätzlich weniger Regulation und stimmem elknipso, dass hier Eltern und Zivilgeesllschaft in der Pflicht sind

  4. Das ist allerdings eine sehr unbeliebte Position. ..zumindest bei Eltern. Denen wäre es lieber, den eigenen Kindern keine Medienkompetenz vermitteln zu müssen. 😀

    • KraftKlotz says:

      Man muss dabei aber leider auch bedenken, dass es viele Eltern gibt, die selbst kaum bis keine Medienkompetenzen haben und somit aufkommende Probleme ihrer Sprösslinge nicht wahrnehmen oder nicht wissen wie sie darauf einwirken können.
      Oftmals spielen ja auch die Eltern selbst spiele mit solchen Mechanismen, es gilt ja immer noch der Grundsatz, richtiges verhalten muss auch vorgelebt werden.

  5. Ich kann mich hier auch nur für eine Regulierung aussprechen. Viele Eltern haben gar nicht den Horizont die Gefahren zu erkennen. Oder sie könnten es, aber sie haben nicht die Muße, sich damit auseinanderzusetzen, da Beruf und Haushalt auch noch zu managen sind. Beide Gruppen vertrauen darauf, ähnlich wie es bei echtem Glücksspiel oder der Indizierung von Filmen ja auch der Fall ist, dass die angebotenen Inhalte geprüft und entsprechend eingestuft werden. Dies ist hier jedoch nicht der Fall und ich finde es erschreckend, dass die Prüfstelle das Spiel für nicht bedenklich hält. Dies trifft im Übrigen auf ganz viele andere Spiele ebenfalls zu, wo ich mir auch mehr Kontrolle wünsche. Natürlich gilt es auch, den Kindern eine vernünftige Medienkompetenz zu vermitteln. Aber eine Regulierung durch die Eltern oder die Höhe des Taschengeldes funktioniert auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Wie sehr soll ich meine Kinder regulieren oder beobachten? Was geht zu weit. Hinzu kommt: Es bekommen nicht alle Kinder Taschengeld in gleicher Höhe. Hierdurch entsteht dann also noch zusätzlich sozialer Druck, also die doppelte Belastung für die Psyche des Kindes. Hier wäre eine vorgeschaltete Instanz meiner Meinung nach sinnvoll. Und zudem sollte es mehr Aufklärungsangebote für Eltern ohne entsprechenden Horizont geben; aber die werden wahrscheinlich wieder nur von denen wahr genommen, die Sie nicht brauchen.

  6. Der letzte Satz macht zumindest etwa Hoffnung: „Die BPjM mahnt aber auch, dass man die Rechtsprechung und auch die Kriterien der Bundesprüfstelle zur Verharmlosung von Glücksspiel in Zukunft überarbeiten und erweitern müsste.“ Gibt es da schon Initiativen ?! Wobei eigentlich generell In-App-Käufe für Minderjährige gesperrt sein sollten und da bräuchte es dann aber entsprechend markierte Simkarten (oder ähnliche Mechanismen), die soetwas unterbinden. Verantwortliche Eltern sollten ohnehin nur Smartphones Heranwachsenden ab 15 oder gar 16 Jahren übergeben. Zuvor reicht, wenn überhaupt, ein ganz normales „Dumbphone“….

  7. Tobias P. says:

    Leider sind diese slots und Glücksräder allgegenwärtig.
    Nicht nur in reinen slot games und Freemium games. Selbst in Kaufspielen mit den lootboxen.oder generell Zufallsgenererierten Belohnungen.

    Entwickler sollten die Spiele mindestens mit FETTEN Warnhinweisen versehen.wie z.b. für Epilepsie.

    Und der Glücksspiel Markt sollte endlich mal richtig reguliert werden. Insbesondere online wo noch der wilde Westen herrscht aber auch offline.

    Milliarden von Euros verschwinden aus unserer Volkswirtschaft an sonnige Inselstaaten für echtes online Glücksspiel. Freemium Spiele noch nicht mit eingerechnet.

    Und diese Süchtigen entwenden nicht nur Geld aus unserer Volkswirtschaft. Sondern sind meistens auch nicht sehr gesellschaftsfähig und tragen nicht viel zu unserem Sozialstaat bei.

    Das selbe gilt für pokern. Die eigenen skills sind zwar wichtig. Aber viele von den 97% aller online pokerspieler die geld verlieren reden sich ein dass das mit Glück und Pech zu tun hatte und denken sie wären voll die pros. Obwohl sie diesen Monat schon wieder die Hälfte ihres Gehalts verloren haben.
    Und ja beim online Poker verlieren wirklich 97% Geld.
    3% sind break even oder im plus
    Und nur 0,2% können davon Leben
    Wobei das in Deutschland weniger als 0,2% sind
    Weil in der 3. WELT reichen 500$/monat zum überleben. In Deutschland wird das mit 500$ pokergewinnen im Monat schwer.

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