Anker Soundcore Motion+ im Test: Hoch die Bässe?

Anker hat mit dem Soundcore Motion+ Mitte Mai einen neuen Bluetooth-Lautsprecher veröffentlicht, dessen technische Daten angesichts des Preises von 99,99 Euro recht spannend wirken. So ist der Lautsprecher dank Schuztklasse IPX7 geschützt gegen Wasser und bietet außerdem Bluetooth aptX etwas, das leider noch keine Selbstverständlichkeit ist.

So bietet der Codec aptX, zumindest potentiell, eine höhere Bitrate und bessere Klangqualität. Das Ergebnis hängt aber freilich auch von der restlichen Wiedergabekette ab – und zwar sowohl in Soft- als auch Hardware. Laut Anker unterstützt der Soundcore Motion+ außerdem Hi-Res Audio. Mit BassUp ist zudem eine Technik an Bord, welche die Basswiedergabe ankurbeln soll. Was davon zu halten ist, beschreibe ich aber später noch.

Zusätzlich zu den obigen Daten ist für den Anker Soundcore Motion+ ein Frequenzbereich von 50 bis 40kHz angegeben. Das ist durchaus nicht ohne – zum Vergleich kommt der Ultimate Ears Megablast, den ich Ende 2017 getestet habe und unterwegs selbst als Standard-Speaker nutze, nur auf 60 bis 20 kHz. Aber auf einem Datenblatt kann man viele tolle Sachen vermerken, in der Praxis kommt es darauf an, wie der Lautsprecher wirklich klingt.

Bevor ich zum Klang des Anker Soundcore Motion+ übergehe, sage ich aber noch kurz etwas zu Ausstattung und Verarbeitung. Nach meinen persönlichen Eindrücken des Sounds, den ich natürlich mit unterschiedlichen musikalischen Genres sowohl unterwegs als auch in Wohn-, Schlafzimmer und Küche getestet habe, komme ich noch zur App und etwaigen Besonderheiten. Am Ende folgt mein Test-Fazit.

Ausstattung und Verarbeitung

Der Anker Soundcore Motion+ wird mit Schutzklasse IPX7 beworben – das besagt, dass er etwa Regenschauern problemlos standhalten sollte und kurzzeitiges Untertauchen übersteht, aber nicht länger unter Wasser verbringen sollte. Das Gehäuse ist dabei an allen Seiten, außer vorne, mit einer Gummierung versehen, welche allerdings rasch Spuren von Fingerabdrücken zeigt, immerhin bei Stürzen aber wohl etwas polstern dürfte.

Sollte der Soundcore Motion+ auf der Vorderseite landen, dürfte das wiederum wenig nutzen – dort sitzt der Lautsprechergrill, der im Falle einer unsanften Landung schnell Beulen davontragen dürfte. Hinter einer kleinen Abdeckung an der Seite sitzen übrigens die Anschlüsse für USB Typ-C (Aufladung) plus 3,5-mm-Audio. Darüber ist der Power-Button angebracht.

Nach dem Anschalten begrüßt einen der Speaker mit einem kurzen Gedudel. An der Oberseite sitzen noch Tasten für die Lautstärke und BassUp. Ob letzteres an- oder ausgeschaltet ist, kennzeichnet auch eine LED. Auch die Bluetooth-Verbindung wird so durch eine separate Leuchte deutlich gemacht.

Insgesamt ist der Anker Soundcore Motion+ sauber verarbeitet und für seine Größe erstaunlich wuchtig im Gewicht. Ich denke wenn man mit ihm nicht Basketball spielt und ihn dabei ständig auf den Lautsprechergrill plumpsen lässt, dürfte der Speaker einiges aushalten.

Der Klang

Gegenüber meinem Ultimate Ears Megablast ist mir beim Soundcore Motion+ sofort ein entscheidender Nachteil bewusst geworden, an den viele vielleicht beim Kauf erst einmal gar nicht denken: Der Höreindruck des Soundcore Motion+ ist stark davon abhängig, wo ihr abhängig vom aufgestellten Lautsprecher sitzt. Das erklärt vielleicht einige kritische Amazon-Rezensionen, die mir persönlich spanisch vorkamen, als ich den Speaker das erste Mal im Bett mit einem meiner aktuellen Lieblingssongs, I Mean Us „Johnny The Hero“ nutzte.

Das Lied eignet sich recht gut zum Testen, da es mit sehr einfachen, klaren Synthies beginnt, später aber Gitarrenwälle abfeuert. „Wow, geiler Sound, besser als der Megablast!“, dachte ich im ersten Moment. Am nächsten Tag packte ich den Soundcore Motion+ auf meinen Schreibtisch und vermeinte, dass meine Equalizer-Einstellungen gelöscht sein müssten: Die Bässe wirkten schwächer, die Höhen kamen mir zu flirrend vor. Tatsächlich beeinflusst aber eben die Aufstellung den Höreindruck geradezu ungewohnt stark.

Wer also, wie ich, an 360°-Modelle wie eben den erwähnten Ultimate Ears Megablast gewohnt ist, der wird sich hier umstellen müssen. Um mehrere Personen bei einer Grillparty oder dergleichen zu beschallen, sind die 360°-Modelle schlichtweg deutlich besser geeignet, da sie unabhängig von der Position stets ein gleich gutes Ergebnis für die Zuhörer liefern. Man nimmt das bei den vielen Rundum-Lautsprechern mittlerweile fast als selbstverständlich hin – ist es aber eben nicht.

Insofern sind auch die höheren Frequenzangaben des Anker Soundcore Motion+ in der Praxis so eine Sache. Ob ihr davon einen Vorteil habt, hängt davon ab, wie ihr den Lautsprecher verwendet. Die Wiedergabe kann durchaus differenziert sein: Angus & Julia Stone mit ihrem verträumten „Santa Monica Dream“ klingen an diesem Lautsprecher richtig klasse. Selbiges gilt auch für Sneaker Pimps mit „Lightning Field“. Gerade ruhigere Songs mit Akustikgitarre oder Piano profitieren am Soundcore Motion+.

Meiner Meinung nach eignet sich der Soundcore Motion+ deswegen besser für Hörer, die rockigere / handgemachte Musik hören, als für diejenigen, die fette Beats krachen lassen. Der Schwerpunkt liegt eher auf der Differenzierung als auf einem basslastigen, kraftvollen Sound. Natürlich kann man via Equalizer nachhelfen, aber wenn ich etwa den, zugegebenermaßen auch teureren, Megablast oder auch nur den Blast daneben stelle, dann hält der Soundcore Motion+ da in Lautstärke und Bass nicht mit.

Für sich genommen finde ich den Klang des Anker Soundcore Motion+ für seinen Preis gut, wenn ich da nicht nur an die mehrfach erwähnten, direkten Vergleiche zu den Megablast und Blast, sondern auch zu bisher in meinem Besitz befindlichen Divoom Bluetune-2 oder Rapoo A800 denke. Solltet ihr die Lautsprecher aber viel unterwegs mit anderen Leuten nutzen wollen, dann bedenkt definitiv die Vor- und Nachteile von 360°-Konkurrenten.

Die Soundcore-App und weitere Anmerkungen

Die SoundCore-App gibt sich sehr schnörkellos und ermöglicht es euch im Wesentlichen, Firmware-Updates vorzunehmen, die Lautstärke zu regeln und am Equalizer zu drehen. Übrigens ist BassUp hier unter der Equalizer-Einstellung „Mehr Bass“ zu finden. Witzig: „Treble“ hat man hier mit „Beben“ übersetzt

Das Feature BassUp kann man aber getrost als Marketing-Gag verbuchen. Schaltet man es direkt am Speaker ab, wird der Klang bei Standard-Einstellungen sehr flach. Sinniger ist es, sich im Equalizer in der Soundcore App selbst passende Einstellungen zu basteln – je nach Geschmack und den bevorzugten Musikrichtungen. Wer viel beatlastige Genres hört, Hip Hop, Trip Hop, Club Music, etc. der schraubt die Bässe etwas nach oben, wer Rock präferiert, bastelt vielleicht lieber an den Mitten und Höhen herum.

Wer möchte, kann übrigens auch zwei Soundcore Motion+ verbinden und im Stereo-Modus nutzen. Anker empfiehlt dann in Innenräumen maximal 5 Meter Abstand zwischen den Lautsprechern zu lassen – bis zu 15 Meter sollen es draußen sein. Leider konnte ich diese Funktion nicht selbst testen, da ich nur ein Modell zum Ausprobieren habe.

Akkulaufzeit? Ankers angegebene 12 Stunden sind nach meinen Erfahrungen realistisch. Was ihr in der Praxis rausholt, hängt aber natürlich stark von den verwendeten Lautstärken und auch ein bisschen den Genres ab – sprich wie stark etwa die Bässe im Dauertakt pumpen.

Kleine Kuriosität: Der Lautsprecher habe laut einigen Anwendern bereits ein Update auf die Firmware 28.28 erhalten. Mein Testmuster verblieb aber über den gesamten Zeitraum bei der Version 24.26 und konnte keine aktuellere Software aufspüren.

Fazit

Der Anker Soundcore Motion+ ist ein super verarbeiteter Bluetooth-Lautsprecher für sowohl die Küche oder auch unterwegs, der mit langen Akkulaufzeiten, transparentem Klang und einer sauberen App überzeugt. Allerdings ist der Höreindruck stark von der Sitzposition abhängig. So ist es ja nach Anwendungsszenario so eine Sache, ob ihr von dem breiten Frequenzbereich und aptX wirklich etwas habt oder nicht andere Schwerpunkte setzen solltet.

Meiner Meinung nach liefert Anker hier ein rundes Gesamtpaket zu fairem Preis ab – wenn ihr auf Sprachsteuerungen verzichten könnt, denn die sind nicht an Bord. Wollt ihr aber häufig mit gleichbleibendem Klang mehrere Leute beschallen, dann könnt ihr euch je nach Vorliebe auch mal 360°-Konkurrenten wie z. B. den Ultimate Ears Blast anschauen. Und auch der JBL Flip 4 ist da vielleicht als wasserdichte Box eine Alternative.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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Ein Kommentar

  1. Am Schluss steht jbl flip 4 als Alternative. Sind die beiden wirklich vergleichbar?
    Ist der motion+ nicht deutlich stärker?

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