Angehört und angeschaut: Jabras Audio-Lab in Ballerup

Im Januar hatte ich bereits die Gelegenheit mir das Samsung Audio Lab im Norden von Los Angeles, bzw. ganz genau genommen in Valencia, anzusehen. Doch so weit muss man den Blick per se gar nicht schweifen lassen, wenn man sich für derartige Einrichtungen interessiert. Auch Jabra hat mich im Rahmen des Jabra Media Summit 2018 in sein eigenes Audio Lab im GN-Hauptsitz im dänischen Ballerup eingeladen.

Während in Samsungs Audio Lab allerdings Produkte entwickelt werden, nutzt Jabra sein Pendant in Ballerup vorwiegend, um Tests von Prototypen durchzuführen. Außerdem hebt der Hersteller bzw. das dortige Ingenieursteam hervor, dass man auch die Berechtigung erhalten habe die Geräte nach den jeweiligen Standards für die FCC oder die entsprechenden Behörden der EU zu prüfen. Die Standards sind hier also sehr hoch und Jabras Audio Lab wird regelmäßig durch die dänische Regierung geprüft.

Die verantwortlichen Mitarbeiter wirken hier übrigens äußerst enthusiastisch. Gut, dass kann man auch erwarten, wenn Medienvertreter eintrudeln. Doch hier erschien mir nichts gespielt, sondern sehr authentisch. Einige Kollegen und ich fragten daher auch nach, was speziell die Arbeit für Jabra denn für die technischen Mitarbeiter interessant mache. Hier bekamen wir die Antwort, dass GN und Jabra im Labor Experimentierfreude zulassen. Sprich, es sei in Ordnung, wenn quasi „von zehn Schnapsideen vielleicht acht am Ende sinnlos sind, aber eben zwei uns eine Weiterentwicklung bringen, welche uns über die Konkurrenz stellt„. Offenbar fördert der Hersteller hier also Innovation und Freiräume – und nimmt dabei auch die unvermeidlichen Fehlschläge auf dem Weg zum Erfolg hin.

Die Art der Tests weicht dabei naturgemäß davon ab, wie z. B. Samsung seine Soundbars auf die Probe stellt. Etwa erläuterten die Ingenieure die Schwierigkeit von True Wireless: Schließlich bauen derartige Kopfhörer nicht nur absolut kabellos zu mobilen Endgeräten eine Verbindung auf, sondern auch untereinander. Das sei technisch ein extrem komplexes Unterfangen, wolle man Verbindungsabbrüche und Instabilitäten ausschließen. Im Audio Lab testet man deswegen z. B. mit „Wasserköpfen“ (vereinfacht gesprochen), um zu simulieren, wie die Bluetooth-Verbindung quasi bei der Datenübertragung durch den menschlichen Kopf funktioniert. Ein Problem sei dabei aber laut den Technikern, dass man z. B. auch einberechnen müsse, dass ein Teil der Strahlung nicht durch sondern am Kopf vorbei verlaufe. Hier sind also viele Faktoren zu bedenken, auf die man auf Anhieb nicht direkt kommt.

Andere Tests beziehen sich natürlich auf den Klang – sowohl im Bezug auf die Musikwiedergabe als vor allem auch Telefonie. Letzterer hat Jabra gleich mehrere Räume gewidmet. Das wundert wenig, wenn man bedenkt, dass der Hersteller eben auch für Geschäftskunden mit hohen Ansprüchen eine ganze Reihe an Produkten im Angebot hat. Und Kunden wie Microsoft erwarten natürlich auch in offenen und vollgepackten Büros dennoch glasklare Qualität. Entsprechend simuliert Jabra hier in speziellen Kammern hohe Geräuschpegel und testet dann seine aktive Geräuschunterdrückung. Das konnte ich selbst antesten.

So führte man mich in einen Raum, in dem eines der Headsets für Geschäftskunden getestet wurde. Eine Stimme sabbelte in den Kopfhörer bzw. dessen Mikro, während über Lautsprecher ein hoher Geräuschpegel im Raum erzeugt wurde – vergleichbar mit einem belebten Büro. Außerhalb des Raumes konnte ich nun Kopfhörer aufsetzen, um mich quasi in den Gesprächspartner hineinzuversetzen. Tatsächlich wurden die Hintergrundgeräusche nahezu komplett durch die aktive Geräuschunterdrückung blockiert. Eine durchaus beeindruckende Demonstration, zumal Jabra diese Technik ja mittlerweile etwa auch für sein Elite 65e für Privatkunden adaptiert.

In anderen Räumen stand z. B. die Simulation von Wind auf dem Plan – spielt etwa eine Rolle, damit der HearThrough-Modus, bekannt von den Jabra Elite Sport, so angepasst werden kann, dass er neben der steilen Brise auch andere Umgebungsgeräusche zulässt. Hier betreibt man also den entsprechenden Aufwand, damit derartige Features am Ende wirklich praxistauglich sind. Das hat mich dann auch etwas schmunzeln lassen: So musste ich daran zurückdenken, als ich HearThrough mal beim Radfahren aktivierte und mir plötzlich über die Elite Sports der Fahrtwind quasi akustisch ins Ohr rauschte.

In anderen, komplett gedämmten Kammern geht es darum bestimmte Frequenzen zu messen. Lustigerweise besteht hier selbst der Boden aus einer Art Trampolin-Stoff unter dem weiteres Dämmmaterial sitzt. In dieser reflexionsfreien Kammer kann also tatsächlich komplette Stille entstehen. Andere Redakteure empfanden dies als sehr ungewohnt bzw. sogar unangenehm. Auf mich wirkte es extrem entspannend. Aber auch das Gegenteil gibt es in Jabras Audio Lab: Echokammern, die über Wände verfügen, welche Reflexionen möglichst maximieren. Auch das ist für einige Tests nämlich von Wichtigkeit.

Leider durfte ich vieles in Jabras Audio Lab nicht für euch ablichten. Spannend war der Besuch aber allemal, denn so ein Blick hinter die Kulissen zeigt den Aufwand, welcher hinter Produkten wie den Jabra Elite 65t und Co. steckt. Dass etwa für ein Feature wie den HearThrough-Modus so umfangreiche Tests durchgeführt werden, ist schon mal interessant zu beobachten. Dabei legt man laut den Ingenieuren auf Präzision Wert: „Wenn jemand bei uns im Labor Messungen durchführt und von den Ergebnissen enttäuscht ist, dann hatte derjenige eine schlechte Idee. Wir haben hier exzellentes und absolut genaues Equipment, daran liegt es also auf keinen Fall„, war eine der Aussagen, welche die Techniker augenzwinkernd zu Protokoll gaben.

Was mir nicht so bewusst war: Jabra schöpft, das merkte man auch im Audio Lab, viel Potential aus seinen Synergieeffekten. Dadurch dass die Mutter GN unter unterschiedlichen Marken medizinische Hörgeräte, Produkte für Geschäftskunden und eben Lösungen für Privatkunden anbietet, kann Jabra Know-How unterschiedlicher Bereiche für seine Produkte anzapfen. Wie bereits erwähnt, bin ich privat sozusagen Heavy-User der Elite Sports, die bei mir erst diese Woche einen Halbmarathonlauf befeuert haben. Insofern hat es mir wirklich Spaß gemacht, mal selbst zu sehen, wo das Dingelchen herkommt, dass ich fast jeden Tag im Ohr habe.

Gerade im Markt für True-Wireless-Produkte wird es sicherlich in den nächsten Jahren noch viel Bewegung geben. Neben Jabra sind hier ja auch andere Player wie Jaybird, Samsung oder natürlich Apple eifrig dabei ein Stück vom Kuchen für sich zu sichern. Nutzt ihr selbst auch True-Wireless-Kopfhörer oder habt ihr daran Interesse? Ich selbst kann zum Sport nur absolut empfehlen, sich derartige Produkte anzuschauen. Wer einmal ohne Kabel mit einem gut sitzenden True-Wireless-Kopfhörer Joggen gewesen ist, will meiner Ansicht nach nicht mehr zurück.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

4 Kommentare

  1. Aus Interesse: „Auch Jabra hat mich […] eingeladen.“ ist wörtlich zu nehmen, oder?
    Ich finde den Artikel zwar grundsätzlich interessant, empfinde es aber durchaus als problematisch, wenn ein Hersteller (auch auf Grund solcher Reisen) so viel Aufmerksamkeit bekommt und das mit persönlichen Empfehlungen der Produkte einhergeht.

    • hm, sehe ich nicht ganz so. Gerade wenn ein Autor ein Produkt persönlich intensiv nutzt, finde ich es interessant, wenn er auch hinter die Kulissen schauen kann. Wichtig ist mir hierbei, dass Einladungen klar erkennbar sind.
      In einem Blog wird es zudem auch schwierig einen Markt komplett abzudecken. Eine Konzentration auf wenige Hersteller finde ich deshalb nachvollziehbar.

    • @Jakob: In fast allen Fällen bekommen Journalisten von der Hersteller-Agentur oder dem AG die Reise bezahlt, damit sie ihre Arbeit machen können. Vieles lehnen wir aus Zeitgründen ab, wir sind ein kleines Blog. Aber wir führen das – im Gegensatz zu den wohl meisten anderen – transparent auf. https://stadt-bremerhaven.de/transparenz/

  2. Das Headset auf dem ersten Bild sieht aus wie ein Evolve 75. Habe ich letztens ausprobiert, leider bringt das ANC prinzipbedingt bei einem on-ear nicht so viel wie bei einem over-ear (als Vergleich hab ich ein QC25) und als Arbeitsheadset ist es mir etwas zu schwer. Im täglichen Gebrauch benutze ich ein Evolve 65 und ein Sennheiser DW Pro 2 DECT. Mit dem Sennheiser hab ich überragende Bewegungsfreiheit und es ist etwas leichter, in allen anderen Punkten liegt das Jabra vorne. Der Akku hält mindestens einen ganzen Tag am Telefon aus, und wenn’s doch mal eng wird, geht’s nahtlos per USB-Kabel weiter, einfach einstecken. Klangqualität reicht zum Musikhören im Büro aus und, was noch wichtiger ist, das Mikrofon hat eine sehr gute Richtwirkung, Umgebungsgeräusche werden stark abgeschirmt. Ich habe probehalber mal das QC25 in einer Telefonkonferenz benutzt. Für mich super angenehm, für alle anderen Teilnehmer furchtbar, weil sie nur noch die Kollegen bei mir im Büro quatschen gehört haben :-). Zu den Consumerheadsets von Jabra kann ich nichts sagen, bei den Businessheadsets macht man nichts falsch. Meiner Meinung nach hat Jabra von der Übernahme durch GN Netcom vor einigen Jahren profitiert, das ist ja leider nicht immer so.

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