Amazon räumt tatsächlich mit den gekauften Bewertungen auf

artikel_amazonAmazon hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt schärfer gegen zweifelhafte Rezensionen vorgehen zu wollen: In den USA werden gefälschte Bewertungen sogar gewerblich vermittelt – Amazon klagte. Trotzdem sind auch andere, über Ecken ins Leben gerufene Bewertungen, vielleicht erinnert sich der ein oder andere etwa noch an die WeTab-Kontroversen, Amazon ein Dorn im Auge. Nun wird Amazon auf Dauer nicht verhindern können, dass die HiWis eines Professors dessen neuestes Werk hochloben, damit ein paar Fachbücher mehr über die virtuelle Ladentheke wandern. Allerdings räumt der Händler wirklich stärker mit gekauften Bewertungen auf.

Eine neue Analyse hat ergeben, dass Amazon bereits Mio. von Rezensionen entfernt hat. Hier reagiert Amazon nicht nur auf Bewertungen empfindlich für die Geld geflossen ist, sondern auch auf solche, für welche der Rezensent z. B. als Anreiz das jeweilige Produkt gratis erhielt. Denn die Durchschnittsbewertung derartiger Reviews liegt mit 4,74 Sternen höher als bei jenen, für die kein Gratis-Produkt vergeben wurde –  hier sind es 4,36 Sterne. Wobei beides zeigt, dass auf Amazon insgesamt deutlich mehr gelobt als kritisiert wird.Ermittelt hat die Ergebnisse ReviewMeta, laut welchen Amazon dabei auch viele, ältere Rezensionen entfernt hat. Man scheint es also ernst mit dem Aufräumen zu meinen.

amazon-rezensionen-2016

In Einzelfällen fehlen nun sogar tausende von Bewertungen zu einzelnen Produkten. Wohlgemerkt beziehen sich die Angaben von ReviewMeta auf Amazon.com, also nicht auf die deutsche Variante. Trotzdem gebe es laut ReviewMeta immer noch reichlich Rezensionen, zu denen die jeweiligen Anbieter durch Gratis-Produkte beigetragen hätten. Aber der Anteil nehme merklich ab. An den durchschnittlichen Produktwertungen hat sich durch das Aufräumen zudem weniger geändert, als man glauben sollte. Sprich, es steht nun kein ehemaliges 5-Sterne-Produkt auf einmal mit nur einem Stern da. Es scheint aber gelungen zu sein, dass bezahlte bzw. über Gratis-Produkte erkaufte Bewertungen nun deutlich unwichtiger werden. Sicherlich wird Amazon hier noch weiter dranbleiben.

Dass die Amazon-Bewertungen in der Regel inhaltlich trotzdem selten zu gebrauchen sind, dürfte der Händler freilich wenig beeinflussen können. Immer noch wird in den Rezensionen teilweise über den Bestellprozess oder gar die Freundlichkeit des Zustellers lamentiert. Begrüßenswert ist aber, dass Amazon etwas gegen offensichtlich fingierte Bewertungen unternimmt.

(via TechCrunch)

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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19 Kommentare

  1. Deliberation says:

    „Es scheint aber gelungen zu sein, dass bezahlte bzw. über Gratis-Produkte erkaufte Bewertungen nun deutlich unwichtiger werden. Sicherlich wird Amazon hier noch weiter dranbleiben.“

    Was ist denn mit dem hauseigenen Vine-Programm? Hier bekommen „ausgewählte Tester“ kostenlos Produkte, die sie dann teilweise schon vor dem öffentlichen Verkauf testen. Mir fällt schon lange auf, wie oberflächlich und teilweise zu positiv diese „Expertenbewertungen“ sind.

    Geht Amazon auch dagegen vor? Sicher nicht. Amazon verhält sich hier wie jeder Händler mit einer erheblichen Marktmacht, es zählen nur die eigenen Regeln. Klingt wie die Arbeit eines Zentralkomitees. Da wird auch für die Masse vordefiniert, von dem die Leute noch nicht einmal wissen, dass es für sie in Zukunft von Vorteil sein wird… meint das Zentralkomitee. 😉

  2. Finde ich gut, dass dagegen vorgegangen wird. Wobei von derart unseriösen Praktikaten wie Bewertungen gegen gratis Produkte nicht nur kleine Firmen Gebrauch machen.
    Samsung zum Beispiel ist damit auch schon häufiger negativ aufgefallen. Sogar mit einer besonders perfiden Methode, man vergibt die Testgerät gratis, aber teilt dem Tester erst nach „Prüfung der Qualität des Testberichts“ mit ob er sein Gerät behalten darf oder nicht. Das ist in meinen Augen hochgradig unseriös.

  3. Besonders facepalm-mäßig finde ich, wenn jemand die Fragefunktion für einen Artikel benutzt und manche bisherige Besteller diese Funktion nicht raffen. Die erhalten die Frage als Mail und antworten dann Sinnvolles wie „Woher soll ich das dann wissen?“ oder „Dämliche Frage“ oder „Keine Ahnung“ und das erscheint dann auf der Produktseite.

    Sowas darf Amazon auch gerne mal löschen 🙂

  4. Deliberation says:

    Ja, das ist allerdings ein Hammer. Allerdings kann Amazon schlecht wissen, auf welche Rezensionen diese Praxis zutrifft und auf welche nicht.

  5. Das ist schon mal ein guter Schritt. Allerdings vermisse ich ein gewisses Engagement seitens Amazon, gegen Pseudo-Anbieter vorzugehen. Die Preissuche macht keinen Spaß, wenn man immer wieder auf diese Fake-Angebote trifft, die darauf abzielen, wenig erfahrene Käufer mit Lockangeboten zu prellen, indem sie um Vorkasse bitten (an Amazon vorbei).

  6. Deliberation says:

    Ja, das Phänomen mit den Anbietern, die darum bitten, sie VOR dem Kauf zu kontaktieren. Einerseits ein echt krasses Problem. Andererseits kann ich nicht verstehen, wie geil jemand auf ein Schnäppchen sein muss, wenn eine Vollformat-DSLR für 400 Euro angeboten wird. Da MÜSSEN doch sämtliche Alarmglocken angehen!?

  7. @Deliberation
    Das Problem ist die Gier, die schaltet bei manchen die restlichen 3 Gehirnzellen auch noch ab.

    Sonst würde dieser Trick auch nicht immer wieder funktionieren: ich habe 5 Millionen, du zahlst mir 10000 und bekommst die Hälfte. Oder ähnliches.

    Dann gibt es irgendwann auch den Punkt wo Amazon nicht mehr helfen kann, sondern nur ein Arzt.

  8. Schön wäre auch wenn Amazon mal die Bewertungen unterteilt, mal angenommen ein Anbieter X bietet Schutzfolie XY für die Handys A B C D E F G und H an, dann sind auch alle Bewertungen zusammen geworfen, das finde ich ziemlich blöde, klar kann man unter der Suche die für sein Gerät Namentlich passende suchen, aber was bringt es mir wenn die Folie beim Handy A 1000 5Sterne Bewertungen hat und die Folie für Handy B eben schlechter ist mit 400 3 Sterne Bewertungenen. Finde das sollte getrennt werden.

  9. Ob Sie diese ganzen 5-Sterne-Bewertungen rauskicken, ist mir ziemlich egal. Wenn ich mich wirklich für ein Produkt interessiere, dann schaue ich mir eh meist die ausgewogenen 3-Sterne-Bewertungen an. Die scheinen mir am hilfreichsten und neutralsten zu sein.

  10. Dass die Bewertungen von Testern besser als der Durchschnitt sind, habe ich bereits befürchtet. Allerdings würde ich dabei nicht von Fake-Berichten sprechen, diese eher deutlich davon abgrenzen. Ich bin selbst Produkttester für Amazon-Produkte und scheue mich nicht, einige davon auseinanderzunehmen, wenn sie nicht gut sind. Tester bekommen keine Motivation, ihre Bewertungen möglichst positiv zu verfassen, da auch schlechte keinen Einfluss auf ihre weitere Teilnahme als Tester haben. Wichtiger ist, dass andere Kunden die Bewertungen als hilfreich erachten. Ist das zu oft nicht der Fall, kann man auch mal als Tester rausfliegen. Einige „Kollegen“ sind aber möglicherweise durch den Preisnachlass … nachsichtiger, was insgesamt natürlich die tatsächliche Bewertung verfälscht.

    Trotzdem sind das keine gekauften Bewertungen. Ich finde die neuen Richtlinien/Beschränkungen von Amazon sinnvoll, bin aber froh, dass weiterhin Testercommunitys existieren dürfen. Hauptsache, der Kontakt zum Händler ist unmöglich und der Tester wird offiziell nicht zu einer Bewertung verpflichtet.
    Weniger sinnvoll finde ich hingegen, dass solche Bewertungen nicht mehr gesondert gekennzeichnet werden dürfen. Wenn es tatsächlich leicht bessere Benotungen durch Tester gab, wird dies auch weiterhin so sein. Nur sieht es der Normalkunde nicht mehr. Amazon hingegen kann sagen, dass Tester-Bewertungen beinahe ausgestorben sind und fast nur noch „echte Käufermeinungen“ existieren.

  11. Öhm, das ist eben das Problem wenn jeder bewerten kann wie er Lust hat. Das trifft nicht nur die positiven Bewertungen, sondern auch die vernichtenden 1-Sterne-Bewertungen. Da gibt’s viele die das Produkt an sich doof finden und eigentlich gar keine Erfahrung haben die sie vermitteln könnten, oder sowas wie „x hatte einen Transportschaden, Umtausch funktionierte problemlos, alles toll -> ein Stern“, kampagnenartiges Downvoting …
    Egal wie sinnvoll die Bewertung ist, sie zählt halt genau einmal.

  12. Deliberation says:

    Jaja, das leidige Thema der Schwarmintelligenz. Amazon ist aber sicher auch so erfolgreich, weil man dort zu jedem beliebigen Artikel mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendeine Rezension findet. Dass viele Leute ihre Meinung mit dem Wort „Rezession“ einleiten, spricht schon Bände. Dabei habe ich nichts gegen fremde Meinungen, auch dann nicht, wenn sie vor Rechtschreibfehlern so strotzen. Es nervt mich nur ungemein, dass viele User ein unbändiges Mitteilungsbedürfnis haben, auch wenn sie eigentlich nichts zu sagen haben.

    Ein gutes Beispiel war die gängige Praxis, ein Produkt vor Veröffentlichung zu bewerten. Bis Amazon dies abgestellt hat, fabulierten hier User von „dem besten“ Gerät seiner Art, wenn nur die Spezifikationen auf dem Papier gut aussahen. Andere vergaben einen Stern, weil sie den Hersteller doof finden.

    Zu Dir Stephan, erstmal vielen Dank für Deine Meinung. Was mich an dem Vine-Programm stört, habe ich ja oben schon zum Besten gegeben. Doch stimmt zudem mein Eindruck, dass Vine-Tester oftmals zu schnell einen Erfahrungsbericht abgeben? Beispiel Samsung Galaxy 7. Wenn hier ein Vine-Tester am 4. April seinen Bericht schreibt, kann noch nicht sonderlich viel Erfahrung vorliegen. Durch solche Rezensionen, die meist etwas länger ausfallen, quält man sich dann hindurch, nur um am Ende genauso schlau zu sein, als wenn man die Produktdetail-Seite beim Hersteller durchliest.

  13. Na dann räumen sie hoffentlich auch die Honor 8 Bewertungen auf. Die Cashbackaktion mit den 50 Euro, wenn man die Verpackung zerschneidet, Amazonbewertung schreibt, Facebook postet etc. ist wohl ein wenig übertrieben. Ich z.B. bin gerade an Facebook gescheitert. (posten funzt aus dem vmall-Formular nicht, keine Fehlermeldung, mehrere Browser getestet) Ich gehe mal davon aus, der Support macht sich da keine große Mühe, sowas zu lösen, was man so liest.
    Irgendwie ist es auch schade, dass sogar Firmen so einen Unsinn veranstalten, die es eigentlich nicht nötig hätten, denn das Produkt ist in Ordnung.

  14. Deliberation says:

    Ja, das ist vor allem nervig, weil Honor auf der Aktionsseite selbst von drei Schritten spricht. Erst in den Teilnahmebedingungen oder dem Video werden plötzlich noch weitere Schritte erwähnt, die getan werden müssen, um den Cashback-Betrag zu bekommen.

    Sowas nenne ich Betrug, denn hier wird ein Kauf incentiviert, ohne dass die wesentlichen Faktoren auf den ersten Blick erkennbar sind.

    Und bevor jemand sagt, Betrug könne man doch nicht sagen, hier die Definition:

    „Be·tru̱g
    Substantiv [der]
    der Vorgang, dass jmd. einer Person absichtlich die Unwahrheit sagt oder etwas vortäuscht und sich damit einen materiellen Vorteil verschafft.“

    Quelle: https://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#safe=off&q=Betrug

    Und meines Erachtens täuscht hier Honor aktiv einen einfacheren Prozess vor, als dieser es dann tatsächlich ist.

  15. wat für Bullshit

    Man liest doch nicht die Lobesrotze der anderen, man sollte ja vorher schon wissen was man sucht und sich vorab informieren. Bei Amazon liest man die 1-2 Sterne und max. 3Sterne Bewertungen durch wenn die 1-2 nur Bullshit enthalten und keine nachvollziehbare Kritik/Bewertung enthalten. Rumgehäule und 3 Zeilen Dummquasselei sollte auch nie einen interessieren egal wie viele Sterne ein Rating hat.

    Man sollte gucken ob man mit der kritiesierten, nenen wir es mal Mängel, bei dem Produkt klar kommt, stört es einen oder passt dies so gar nicht zu dem was man erwartet?

  16. @Deliberation
    Manche Produkte erhalten Viner tatsächlich deutlich früher als der normale Kunde, es kann also schon ne Weile im Test sein. Obs beim S7 auch so war, weiß ich allerdings nicht.

    Es ist aber tatsächlich so, dass ich mich schon öfter gefragt habe, wie manch Viner nach einem Tag eine fundierte Bewertung für ein komplexes technisches Gerät abgeben kann. Wir kommen manchmal schon an die 28 Tage heran, die man Zeit zur Rezension hat.

    Leider geiern einige Viner danach, möglichst früh die Rezi einzustellen und die „hilfreichs“ abzusahnen. Geht natürlich nur auf Kosten der Qualität.

    Wenn man lang genug dabei ist, ist einem der Rang innerhalb der Rezensenten aber eher egal. Der Rang des Rezensenten hat nämlich keinerlei Einfluss darauf, ob man zum Vine-Programm eingeladen wird oder welche Testprodukte man sich aussuchen kann.

    Das die Viner tw. sehr hoch in den Rängen liegen liegt eher daran, dass die Viner recht viele Rezis schreiben und doch viele Kunden die VineRezis hilfreich beurteilen.

    Zudem ist meines Wissens nach noch kein Viner wegen zu wenig hilfreicher Bewertungen gekickt worden

  17. Sollen doch nur verifizierte Käufer bewerten können. Dann gäbe es zwar deutlich weniger Bewertungen, aber dann eben auch nur von Leuten, die es wirklich gekauft haben.

  18. Deliberation says:

    Für Amazon sind die vielen Bewertungen halt auch ein Wettbewerbsvorteil. Da wollen die natürlich die etlichen Bewertungen mitnehmen, die mit „ich habe das Gerät zwar nicht bei Amazon gekauft, aber“ anfangen.

  19. @Deliberation und sunworker. Klar, ein Normalsterbliche, der das Hirn einschaltet, fällt auf die Fake-Angebote nicht rein. Dennoch soll man die nicht Schalten und Walten lassen – es muss etwas dagegen getan werden.
    Denn: 1.) ist es Betrug (oder versuchter Betrug) und 2.) nervt das ungemein (z.B. bei der Preisrecherche)

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