WOT spioniert Nutzer aus: Heute Abend Reportage im NDR

1. November 2016 Kategorie: Backup & Security, Internet, geschrieben von: André Westphal

WOT spioniert Nutzer aus: Heute Abend Reportage im NDRIm NDR läuft heute Abend eine Reportage über die Weitergabe und Verwendung vermeintlich anonymer Datensätze. So wird im Magazin Panorama 3 der recht plakativ betitelte Beitrag „Nackt im Netz: Millionen Nutzer ausgespäht“ laufen. Dabei ist es kein Geheimnis, dass international Anbieter von Datensätzen mit ihren Informationen Milliarden umsetzen. Die Daten sind für Unternehmen quasi Gold wert, um Nutzerverhalten auszuwerten und ihre Produkte richtig zu vermarkten. Zwar erhalten die Partner der Datensatz-Anbieter die Angaben anonymisiert, laut NDR sei es aber keine große Kunst, die Informationen doch wieder Personen zuzuordnen.

Allerdings muss man sagen, dass der Text des NDRs dazu teils recht vage bleibt. So erwähnt man nur, dass Reporter von Panorama und Zapp „Zugang zu einem umfangreichen Datensatz erlangen und ihn auswerten“ konnten. Wie genau sie es dann geschafft hatten, die anonymisierten Daten erneut konkreten Personen zuzuordnen, geht aus dem Post des NDRs größtenteils nicht hervor. Genau hier wären aber genauere Angaben notwendig, um die Aussagen des NDRs zu verstehen und zu bewerten.

Laut NDR ließen jedenfalls die den Reportern vorliegenden Daten Rückschlüsse darauf zu, wo und wann sich einzelne User aufhielten. Auch konnte man über Links zu einem Online-Speicher einem Manager aus Hamburg etwa „Kontoauszüge, Architektenzeichnungen, Lohnabrechnungen mit Hinweisen auf das Bonus-System des Arbeitgebers, eine Kopie des Personalausweises und detaillierte Auszüge aus den Unterlagen zu einem Bankkredit“ zuordnen. Über die Dokumente waren der volle Name des Managers, seiner Frau, die Anschrift und weitere persönliche Daten die die Telefonnummern und E-Mail-Adressen ersichtlich.

Besonders kritisch ist dabei Web of Trust (WOT) zu sehen: Eigentlich soll die Browser-Erweiterung der Firma Nutzern helfen sicher zu surfen. Websites werden durch die Erweiterung über eine Ampel als sicher bzw. unsicher bewertet. Genau jene Anwendung speichert und übermittelt aber Daten zum Surf-Verhalten an Server im Ausland. Dort entstehen Profile mit Datum, Uhrzeit, Ort und aufgerufener Web-Adresse sowie einer Nutzer-Kennung. Anschließend wandern die Daten zu Zwischenhändlern, welche sie weiter verkaufen. So kam auch der NDR an die Datensätze.

Die Reporter erkundigten sich auch bei WOT nach diesem Vorgehen, erhielt aber keinerlei Stellungnahme. Zwar weist WOT auf seiner Website offen darauf hin, dass die Erweiterung Daten speichert und an Dritte weitergibt – betont aber, dass jenes anonym geschehe. Das sei aber laut NDR nicht wirklich der Fall, da man über Stichproben 50 Nutzer identifizieren konnte.

Teilweise reichte dafür eine gespeicherte E-Mail-Adresse, welche den Namen enthielt. Der Datenschutzbeauftrage Hamburgs, Johannes Caspar, nimmt WOT verbal ins Visier und bewertet das Vorgehen als juristisch fragwürdig. Gekommen waren die NDR-Reporter an die vermeintlich anonymen Daten durch Gründung einer Scheinfirma, welche vorgab im Big-Data-Markt aktiv zu sein. Rasch konnten sie dann Datensätze von Nutzern aus Deutschland einkaufen.

Vielen Entwicklern von ähnlicher Software, mit der es im Browser beginnt, dürfte das größtenteils übrigens schnurz sein. Meistens sitzen jene im Ausland und die Plug-Ins erreichen deutsche Nutzer über Server aus den USA. Sollten deutsche Nutzer also versuchen den Rechtsweg zu beschreiten, dürfte es wenig Aussichten auf Erfolg geben. Mehr zum Thema, vielleicht auch mit ein paar aufschlussreichen, zusätzlichen Details, seht ihr dann bei Interesse heute Abend im NDR – 21:15 Uhr beginnt Panorama 3 mit dem Beitrag.



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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