Underground: Amazon bezahlt Entwickler für Nutzung der kostenlosen Apps, aber warum?

29. August 2015 Kategorie: Android, Internet, geschrieben von:

artikel_amazon_undergroundKostenlose In-App-Käufe und Premium-Apps kostenlos – mit diesem Brett präsentierte Amazon seine Underground-App, die Euch Zugang zu zahlreichen Apps und Games bietet – für Euch völlig kostenlos. Zwar soll man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen, aber man sollte sich durchaus bewusst sein, dass man heutzutage nichts geschenkt bekommt. Amazon weiß aber anscheinend selbst noch nicht so genau, wohin die Reise mit Underground gehen wird, klärt nun aber wenigstens ein bisschen auf, wie das ganze System funktioniert.

Nutzer und Entwickler profitieren gleichermaßen vom kostenlosen Angebot, nur Amazon scheint das Angebot im Moment Kosten zu verursachen. Denn Amazon bezahlt die Entwickler für die Nutzung der kostenlosen Apps. Pro Minute erhält der Entwickler 0,2 Cent (US-Dollar), also einen Cent alle 5 Minuten, beziehungsweise 12 Cent pro Spielstunde, die durch Nutzer verursacht wird. Das klingt sehr wenig, kann sich aber sehr schnell rentieren, nämlich dann, wenn ein Spiel oder eine App erfolgreich ist und viel genutzt wird.

Das Ganze wird sich für einen Entwickler natürlich nicht rechnen, wenn dieser über In-App-Käufe oder einen hohen Kaufpreis auf einen höheren Betrag pro Nutzungsminute kommt. Das dürfte jedoch in den seltensten Fällen zutreffen und wenn dann auch nur durch relativ wenige Nutzer, die eben mal ein paar mehr Euro in ein „Free to play2-Game buttern. Schönes Dinge, sowohl für Nutzer als auch für Entwickler.

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Jetzt ist natürlich die Frage, was Amazon davon hat. Nun, Amazon macht dadurch sein App-Angebot auf einen Schlag sehr viel attraktiver. Android-Nutzer hatten bisher keinen Grund, Apps bei Amazon anstatt im Google Play Store zu beziehen. Oft sind die Apps nicht aktuell und auch die Installation ist aufwändiger, wenn man kein Fire-Gerät benutzt. Mit der für Nutzer zu erwartenden Ersparnis ist das allerdings ein attraktives Angebot. Und man kann so eventuell Nutzer vom Play Store weglocken, immerhin ist Google Amazons größter Konkurrent (oder umgekehrt), wenn es um die Distribution von Apps geht.

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass die erhobenen Nutzungsstatistiken auch für Amazon sehr interessant sein können. Amazon entwickelt mit den Amazon Game Studios auch selbst Spiele, da passt es natürlich super, wenn man weiß, was die Masse spielt. Das mag etwas weit hergeholt sein, aber eine einfachere und durchsichtigere Marktforschung gibt es nicht. Amazon sieht genau, wer welches Game wie lange zockt, kann es Kunden zuordnen, weiß also auch Herkunft, Alter und andere Präferenzen (zum Beispiel durch Amazon-Bestellungen) des Nutzers. Dies kann nicht nur Vorteile bei der Entwicklung von Spielen bringen, sondern auch bei der ausgelieferten Werbung.

Was Amazon genau vor hat, ist nicht so ganz klar. Schon bei der Vorstellung ließ Amazon wissen, dass es sich um ein langfristig angelegtes Projekt handelt, das sich im Laufe der Zeit ändern kann und man sich in der Zwischenzeit über die kostenlosen Apps freuen sollte. Amazon muss sich auch nicht gedrängt fühlen, mit Underground unbedingt Gewinn machen zu müssen. Dafür ist Amazon ja auch bekannt, Marktbeherrschung um jeden Preis, auch wenn das Unternehmen dadurch selbst keine Gewinne macht. So richtig auf Dauer kann aber auch ein solches Konzept nicht aufgehen.

Amazon Underground
Amazon Underground
Entwickler: Amazon.com
Preis: Kostenlos
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(via Android Police)

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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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