Nintendo trägt die Wii U zu Grabe: Keine Entwicklung weiterer Spiele

21. Januar 2017 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von: André Westphal

Ihr seid Konsolenspieler? Ich vermute dann besitzt ihr mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine Sony PlayStation 4. Mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit nennt ihr vielleicht eine Microsoft Xbox One euer Eigen. Doch da gibt es ja auch noch eine dritte Plattform, welche heute kaum noch Erwähnung findet: die Nintendo Wii U. Ursprünglich träumte Nintendo, siegestrunken vom Erfolg der Wii, davon 100 Mio. Wii U abzusetzen. Mitte 2016 stand die Zahl laut Marktforschern eher bei ca. 12 Mio. verkauften Einheiten. Nun hat Nintendo bestätigt: „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ wird das letzte First-Party-Spiel, das Nintendo für die Wii U entwickelt hat.

Einen langen Atem kann der Wii U niemand bescheinigen: Während die PS4 im November 2013 erschien und sich mittlerweile ca. 55 Mio. mal verkauft hat, kommt die Wii U nicht einmal auf einen Bruchteil dieser Zahl und wird bereits nach viereinhalb Jahren in den Ruhestand geschickt. Die Nintendo Wii U kam ca. ein Jahr früher als PS4 / Xbox One in den Handel. Bestätigt hat das Aus der First-Party-Entwicklung kein Geringerer, als der Präsident von Nintendo of America, Reggie Fils-Aime: „Von uns als First-Party kommen keine neuen Entwicklungen mehr, nachdem ‚The Legend of Zelda: Breath of the Wild‘ erschienen ist.“ Fils-Aime ergänzt: „Wir stehen nun in der Tat beim End-of-Life der Wii U.“ Allerdings ist es natürlich möglich, dass Nintendo noch andere Spiele für die Wii U in der Entwicklung hat und jene noch abschließt. Hier gibt es etwas Interpretationsspielraum.

Die Online-Dienste für die Nintendo Wii U sollen aber definitiv noch weiter aktiv bleiben, bestätigt Fils-Aime. Letzten Endes hat sich die Wii U für Nintendo allerdings, besonders im Vergleich zum immensen Erfolg der Wii, als enormer Flop erwiesen. Vermutlich lag dies daran, dass Nintendo ähnlich wie bei der Wii hoffte die Gamer mit einem speziellen Gimmick zu ködern: Statt Bewegungssteuerung war es dieses Mal der Tablet-Controller. Doch die Resonanz blieb verhalten, der Support durch Third-Party-Entwickler blieb lustlos und Microsoft Xbox One und Sony PlayStation 4 zogen mit ihrem Fokus auf Core-Gaming rasch vorbei. Laut den jüngsten Nintendo-Geschäftsergebnissen wurde die Wii U bis September 2016 nur ca. 13,36 Mio. mal verkauft.

Die Frage ist allerdings, ob die am 3. März 2017 erscheinende Switch nun an die Erfolge der Wii anknüpfen wird oder ihr ein ähnliches Schicksal wie der Wii U blüht: Meiner Meinung nach hat Nintendo mit der Switch eine sehr ähnliche Strategie wie mit der Wii und Wii U verfolgt. Man setzt abermals auf ein bestimmtes Gimmick, in diesem Fall die mobile Kerneinheit. Für mich sitzt die Switch damit zwischen den Stühlen. Ihr fehlt die Leistung der bereits mehrere Jahre alten PS4 und Xbox One genau so wie die Mobilität eines Smartphones oder klassischen Handhelds – dafür ist die zentrale Einheit zu klobig. Auch die Möglichkeit Videos zu Streamen soll z. B. erst via Update folgen. Nintendo-Fans predigen, dass die First-Party-Spiele erneut für viele ein Kaufgrund sein werden. Doch ist das aus meiner Sicht eher eine Nische bzw. eine überschaubare Gemeinschaft knallharter Nintendo-Fans. Da der Verkaufspreis der Switch über dem einer PS4 oder Xbox One liegt, sehe ich auf die Switch eine eher düstere Zukunft zukommen. Denn auch Familien, die es auf kindgerechte, knallbunte Unterhaltung abgesehen haben, werden an den Konkurrenzmodellen zuhauf fündig.

Noch ist es für Hiobsbotschaften zur Nintendo Switch jedoch zu früh, also heißt es abwarten. Das Schicksal der Wii U hat Nintendo nun allerdings besiegelt.

(via Polygon)

 

Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1777 Artikel geschrieben.