Nintendo startet Creators Program und zieht erneut Zorn von YouTubern auf sich

31. Januar 2015 Kategorie: Games, geschrieben von: Pascal Wuttke

Nintendo steht seit geraumer Zeit mit „Let’s Playern“ auf YouTube auf Kriegsfuß. Grund hierfür ist, dass Nintendo im Jahr 2013 urplötzlich die Werbeeinnahmen für Videos mit Nintendo-Content zu 100% für sich beanspruchte. Nintendo erhielt dank der Content-ID-Regelung von YouTube, welches Urhebern von Content bei Missbrauch durch Dritte Hilfe leistet, Recht. Dass die ganze Gamer-YouTube-Gemeinschaft dennoch auf die Barrikaden gegangen ist, kann man sich denken. Nintendo hat jedoch eingesehen, dass YouTube eine extrem wichtige Plattform für Videospiele geworden ist und wollte es sich nicht komplett verscherzen. Aus diesem Grund kündigte das japanische Unternehmen das „Nintendo Creators Program“ an, dass nun endlich gestartet ist – und erneut Zwietracht sät.

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Das Creators Program sieht vor, dass YouTuber ihre Kanäle anmelden, die auch Nicht-Nintendo-Spielevideos enthalten können. Werden diese Kanäle genehmigt seitens Nintendo sollen die YouTuber 70 Prozent der Werbeeinnahmen, die durch YouTubes Monetarisierungsprogramm erzeugt werden, erhalten. Doch Videoproduzenten können auch individuelle Videos bei Nintendo einreichen anstatt ganzer Kanäle und würden dann 60 Prozent erhalten.

Klingt prinzipiell nach einem guten Mittelweg. Doch die Einnahmenteilungs-Politik von Nintendo ist an einige Bedingungen geknüpft, die den YouTubern einfach nicht schmeckt. So dauert das „Approval“-Verfahren von Nintendo nach dem Einreichen eines Videos bis zu drei Werktage, da Nintendo auf Nummer sicher gehen möchte, dass keine anstößige Sprache in den Videos verwendet wird. Doch am meisten stört die Let’s Play-Community eine Whitelist, die Nintendo veröffentlicht hat. Diese zeigt, zu welchen Spielen generell Videos gemacht würden dürfen. Und auf dieser Liste fehlen mehr als die Hälfte der veröffentlichten Wii U-Spiele und einige Spiele aus dem Nintendo 3DS-Katalog.

Zwei namhafte Beispiele wären hier „Super Smash Bros.“ und „Hyrule Warriors“ für die Wii U. Ersteres allein erfreut sich einer sehr großen eSports Anhängerschaft und das allein würde viele Videos auf YouTube auf Nintendos Blacklist setzen. Als Grund hierfür munkelt man, dass bei einigen Charakteren in den Spielen, wie beispielsweise Mega Man in Super Smash Bros. eben nicht Nintendo der Rechteinhaber ist, sondern Capcom und diese Spiele daher auf der Blacklist stehen.

Einige größere US-Let’s Player wie Zack Scott – der mehrere Dutzend Videos zu Nintendo-Spielen auf seinem Kanal hat, die auf Nintendos Blacklist stehen – sehen im Nintendo Creators Program alles andere als ein Entgegenkommen. In einem Facebook-Post sagte er hierzu:

„I’ve always felt our relationship was mutually beneficial, and most developers from large AAA studios to the smallest indies agree. When comparing other developers’ policies, I see no appeal for established YouTubers.“

Es bleibt also abzuwarten wie die Videogame-YouTuber weiter handeln. Bislang hat man Nintendo immer versucht zur Vernunft zu bringen, indem man die produzierten Videos immerhin als kostenloses Marketing schmackhaft machen wollte. Nintendo könnte sich mit dem Verhalten ins eigene Bein schießen und schließlich gar kein Video mehr auf YouTube vorfinden, weil keiner mehr unter solchen Umständen produzieren möchte.

(Quelle: Re/code)



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Über den Autor: Pascal Wuttke

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