KAZAM Tornado 348 Testbericht: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

8. Februar 2015 Kategorie: Android, geschrieben von: Pascal Wuttke

KAZAM machte erstmals kurz vor dem Jahreswechsel 2013/2014 auf sich aufmerksam, als das von zwei Ex-HTC-Teammitgliedern gegründete Unternehmen nicht nur sieben Android-Smartphones auf den Markt werfen wollte, sondern für diese auch noch das Versprechen mit auf den Weg gab, das Display bei Schäden kostenlos zu ersetzen. An diesem Versprechen hält KAZAM auch bis heute noch fest, doch so richtig will das Unternehmen nicht vom Fleck kommen. Zu unbekannt sind die Smartphones gegenüber der unzähligen Android-Konkurrenz, die im Minutentakt neue Mobilgeräte auf den Markt werfen. Aus diesem Grund hat sich KAZAM die Kunst des Marketings auf die Fahnen geschrieben und wartet mit dem Tornado 348 als weltweit dünnstes Smartphone und echtem Octa-Core-Prozessor im edlen Gewand zum kleinen Preis auf.

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Auch für mich war KAZAM bislang zugegeben eher als Randerscheinung aufgetreten. Als einer der vielen Hersteller für günstige Android-Einsteigermodelle blieb mir der Name daher eher wegen des lustigen Klangs im Hinterkopf, zumindest bis mir ein Test des Tornado 348 angeboten wurde. Ein Smartphone mit offensichtlich viel Power unter dem Gehäuse und einem schicken Design für 299 Euro? Das musste ich mir genauer ansehen. Doch wie immer zuerst der Reihe nach.

Was steckt drin?

Display: 4,8 Zoll (12,19 cm) AMOLED bei 1280 x 720 Pixel (306 ppi) mit Gorilla Glas 3
Prozessor: Mediatek MT6592 (1,7 Ghz Octa-Core ARM Cortex A7)
Arbeitsspeicher: 1 GB RAM
Speicher: 16 GB (nicht erweiterbar, abz. Systemdaten 9,75 GB nutzbar)
Kamera: Rückseite 8 MP / Front 5 MP
Betriebssystem: Android 4.4.2 KitKat
Akku: 2.050 mAh (nicht austauschbar)
Abmessungen: 139,8 x 67,5 x 5,15 mm, 95 Gramm
Netzwerkunterstützung: HSDPA 42,2 Mbps (3G)
Verbindungstechnologien: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0, A-GPS
Farben: Weiß (mit Goldrahmen) / Schwarz (mit Silbergrauem Rahmen)

Haptik und Optik

Das erste Mal in der Hand fühlt sich das KAZAM Tornado 348 extrem hochwertig an. Die Verarbeitung ist an jeder Ecke und Kante sehr präzise, sodass es nirgendwo knarzt oder verbiegt. Kann es auch gar nicht, da die komplette Front- und Rückseite aus Gorilla Glas 3 gefertigt ist. Das Design des Tornado 348 fand seine Inspiration offenbar irgendwo zwischen Sonys Xperia Z-Reihe und der iPhone 4-Generation. Doch hier sprechen wir halt eben nicht von einem 600 Euro Smartphone, sondern von einem 300 Euro Smartphone. Hier kann man einfach nur den Hut vor KAZAM ziehen, die beweisen, dass ein edles und solide verarbeitetes Smartphone kein 600 Euro-und-aufwärts-Preisschild bedeutet. Dass sich KAZAM bei anderen großen Herstellern optisch bedient hat, macht sich nicht zuletzt bei der Farbgebung bemerkbar. So kommt die schwarze Tornado 348-Variante mit einem silbergrauen Rahmen und die weiße Version mit einem Goldrahmen daher. Schade ist hier leider, dass die weiße Variante nicht noch alternativ ebenfalls mit Silberrahmen bestellt werden kann, denn nicht jeder kann sich mit der Goldkante anfreunden.

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Ein weiterer dicker Pluspunkt beim Design des KAZAM Tornado 348 ist die Leichtigkeit des Smartphones. Mit gerade einmal 95 Gramm ist das Gerät ein Fliegengewicht und jeder, der mein Testgerät in der Hand hielt, fragte mich, ob dies ein Smartphone oder eine Spielzeugattrappe sei. Ich persönlich habe zwar auch nichts gegen ein schweres Smartphone, das dem Gerät in meinen Augen eine zusätzliche Wertigkeit verleihen KANN, aber gegen weniger Gewicht in der Tasche ist nie etwas einzuwenden.

Während das KAZAM Tornado 348 optisch eine Augenweide ist, sieht es bei der Haptik und Bedienung leider ein wenig anders aus. Das offiziell im Guiness Buch der Rekorde 2014 als dünnste Smartphone der Welt eingetragene Mobiltelefon ist durch seine dünne Glaskonstruktion leider extrem rutschig, sodass ich ständig die Angst im Nacken hatte, das Gerät fallen zu lassen. Ein Case dürfte für das Smartphone wohl leider Pflicht sein, auch wenn es einiges der Schönheit wieder wegnimmt. Leider liegt auch die 4,8 Zoll Bildschirmgröße in Kombination mit den Abmessungen von 139,8 x 67,5 x 5,15 mm nicht gerade optimal in der Hand. Alles ist einen Ticken zu groß, um das Gerät sicher und angenehm in einer Hand zu bedienen. Menschen mit langen Fingern dürften hier weniger Schwierigkeiten haben, aber in meinen Augen ist die Bauart leider etwas zu groß geraten.

Augenschmaus hin oder her: es war die wohl schlimmste Schnapsidee von KAZAM den Power- und die Lautstärketasten auf der linken Seite des Gehäuses anzubringen. Auch nach längerer Nutzungsdauer konnte ich mich einfach nicht an das Umgreifen der Finger gewöhnen und habe den Sitz der Knöpfe stets verflucht, wenn ich mal wieder hilflos auf der rechten Seite nach ihnen suchte. Welcher Design-Hintergrund hier verborgen liegt, er bleibt mir schleierhaft.

Das Display

KAZAM setzt beim Tornado 348 auf ein AMOLED Display bei einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln und einer Pixeldichte von 306 ppi. Während die Farben des Displays AMOLED-gewohnt knackig und lebendig wirken und gleichzeitig echte Schwarzwerte bieten, empfand ich das Display doch eher ein wenig „over the top“ – sprich: die Farben waren ein wenig zu übersättigt und die Weißwerte zu gelbstichig. Beim Thema Displayhelligkeit kann ich nicht klagen. Nichts desto trotz ist das Display angenehm scharf und Text ist aus normaler Entfernung absolut pixelfrei ablesbar. Nur erscheint mir die Konkurrenz selbst im „niedrigeren“ Auflösungsbereich da einen besseren Job zu machen (bspw. Samsung mit dem Galaxy Alpha).

Das Display war, trotz AMOLED, stets gut ablesbar. Es setzte allerdings voraus, dass ich die Displayhelligkeit stets manuell regeln musste, denn die automatische Helligkeitsregulierung ist eine Katastrophe. Insbesondere in schwächer beleuchteten Räumen tanzt die Bildschirmhelligkeit Samba und wird dauerhaft heller und dunkler, je nachdem wie man das Smartphone in Richtung einer Lichtquelle hält. Dies mag vielleicht auch bei anderen Smartphones so sein, doch da die Helligkeitsreglung sehr empfindlich ist, regelt die Helligkeit in Sekundenschnelle hoch oder runter. Das war alles andere als schön und brachte mich dazu, tatsächlich auf manuelle Helligkeitseinstellungen umzuschwenken.

Ein großer Vorteil bei der Wahl eines KAZAM-Smartphones ist nach wie vor, dass die Firma verspricht, das Display einmalig bei Schäden zu reparieren – und das trotz des relativ niedrigen Geräte-Einstiegspreises. Von diesem Service können sich andere Unternehmen eine Scheibe abschneiden.

Der Akku

Von Haus aus kommt das KAZAM Tornado 348 mit einem zunächst durchschnittlich erscheinenden 2.050 mAh Akku, der nicht austauschbar ist. Dennoch muss sich der Akku nicht vor der Konkurrenz verstecken und hat mich einige Male tatsächlich überrascht. Der Mediatek Octa-Core Prozessor ist in der Lage, bei Belieben, Kerne zu- oder abzuschalten und die Rechenleistung bei Nichtgebrauch des Smartphones so niedrig wie möglich zu halten. Dies spiegelt sich natürlich positiv in der Akkulaufzeit wider. Zusätzlich hat KAZAM eine „CPU-Energiesparmodus“-Einstellung versteckt, welche die maximale CPU-Leistung beschränkt.

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Doch Akkulaufzeiten variieren bekanntlich von Nutzer zu Nutzer. Deshalb habe ich einen Akkubenchmark angeworfen, der mir etwas mehr Klarheit über eine realistische Laufzeit bringen sollte. Für den Benchmark habe ich die Bildschirmhelligkeit manuell auf 50% gestellt, die SIM-Karte wurde zwar entfernt, dafür war die ganze Zeit das WLAN sowie die Datensynchronisation im Hintergrund aktiviert. Der Akku wurde auf 100% vollgeladen und der Benchmark führt einen Stress-Test mit einem Mix aus Surfen im Web, Bearbeitung von Text und Bildern sowie die Wiedergabe von Videoclips durch. Dieser Test wird so lange durchgezogen, bis der Akku auf 20% heruntergefahren ist, sodass man einen Wert in Stunden und Minuten erhält. Hier addiert man die restlichen 20% Akkulaufzeit hinzu und erhält einen Richtwert zur Akkulaufzeit. Dennoch muss ich erneut anmerken, dass dieser Test KEINE in Stein gemeißelte Aussage darüber ist, ob der Akku bei Euch genauso lang durchalten würde. Jeder Nutzer hat unterschiedliche Anwendungsszenarios über Tag, hat unterschiedlich viele Apps installiert, die im Hintergrund ausgeführt werden und auch die Auslastung des Prozessors sowie die Displayhelligkeit spielen eine große Rolle!

Nach Durchführung des Akku-Benchmarks sprang also ein Ergebnis von 5 Stunden und 37 Minuten beim KAZAM Tornado 348 heraus, was ein guter Durchschnittswert ist und somit nur drei Minuten hinter dem LG G3 und nur 15 Minuten hinter dem Motorola Moto X 2014 liegt.

Performance

Ich war ja tatsächlich voller Vorfreude den Achtkern-Prozessor mal so richtig austesten zu können. Nach der ersten Einrichtung und Inbetriebnahme wirkte das KAZAM Tornado 348 auch noch recht flott und ich fegte nur so durch den App Drawer und die Menüs. Doch diese Freude stellte sich recht schnell wieder ein, denn bereits nach kurzer Zeit ruckelte das Gerät, was das Zeug hielt. Der von KAZAM relativ nüchtern gehaltene Stock-Launcher mit einigen Anpassungen bleibt zumindest auf den Homescreens flüssig und flott, aber der relativ kräftige Mediatek Octa-Core Prozessor verhungert dank mageren 1 GB RAM leider am langen Arm. Insbesondere macht sich das beim Öffnen des Multitasking-Menüs bemerkbar, das durch den linken der drei schwach beleuchteten Hardware-Buttons am unteren Geräterand durch längeres Drücken aktiviert wird. Entweder es passierte trotz haptischem Feedbacks gar nichts, oder es dauerte ein bis zwei Sekunden, bis sich das Multitasking-Menü dann mal bequemte zu erscheinen.

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Auch das Öffnen von Untermenüs in Apps dauerte häufiger länger als der Geduldsfaden zuließ. Hier nützt die Power von acht Kernen einfach nichts, wenn diese A: zu schwach getaktet sind und B: einfach zu wenig Arbeitsspeicher zur Unterstützung zur Seite stehen haben. Hier hat KAZAM leider am falschen Ende gespart und bringt Power-User eher auf die Palme.

Im Bereich Mobile-Gaming zeichnet das KAZAM Tornado 348 kein gutes Bild. Während eher anspruchslose Spiele wie Angry Birds zwar problemlos und flüssig zu spielen sind, sieht es bei grafikintensiveren Spielen ganz anders aus. Eine Runde Asphalt 8 bringt das Tornado an seine Grenzen. Die Framerate liegt sichlich im Keller und es stottert bereits merklich beim Intro. So macht das weder Spaß noch Sinn.

Dennoch habe ich mal den AnTuTu-Benchmark zu Rate gezogen, der für das Tornado 348 eine Punktzahl von 32.628 vergab. Das sieht auf dem Blatt gar nicht so übel aus, schließlich liegt es auch hier nicht weit vom LG G3 entfernt, jedoch zeigte mir die Praxis schließlich etwas gänzlich anderes.

Die Kamera

Selten hört man von einer fantastischen Kamera, die in einem unter-300-Euro-Smartphone verbaut ist und man wird es wohl auch nicht im Zusammenhang mit dem KAZAM Tornado 348 hören – zumindest nicht von mir. Die Bilder, die die rückseitige 8 Megapixel produziert, sind unterdurchschnittlich in allen Bereichen. Es fehlt teilweise drastisch an Kontrast und Sättigung, die nicht mal durch den HDR-Modus gerettet werden können. Details sind kaum zu erkennen (dafür sichtbares Rauschen) und die Bilder sind doch eher verwaschen, als scharf. Die Schnappschüsse kommen so leider leblos, farblos und detaillos am Ende heraus. Die Kamerasoftware ist zudem sehr unübersichtlich und so musste ich doch einiges an Zeit aufwenden, bis ich herausfand, wie man Bilder im 16:9 Format anstatt der Standardeinstellung 4:3 aufnehmen kann. Alles in allem fällt die Kamera mit wehenden Fahnen unten durch und es macht nicht den geringsten Spaß auch nur ein Foto damit zu schießen.

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Software und Features

Wie bereits erwähnt, wird das KAZAM Tornado mit einer Near-Stock-Version von Android 4.4.2 KitKat ausgeliefert. Ein Wort zur baldigen Verfügbarkeit von Android 5.0 Lollipop sucht man vergeblich. Der Launcher des KAZAM Tornado 348, oder auch simpel „Carefree“-Launcher, kommt an vielen Ecken durch seine Farbgebung verschiedener Bestätigungsdialoge und dem Raster auf den Homescreens beim Verschieben von Icons wie ein Überbleibsel der Android 2.3 Gingerbread-Ära rüber. Dies wird spätestens nach der Installation des Messengers WhatsApp offensichtlich. Denn statt des gewohnten Icons befindet sich ein kleines Android-Marketplace Icon am WhatsApp-Logo. Was hier falsch gelaufen ist, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Dennoch begrüße ich, dass KAZAM es nicht für nötig hielt, einen Custom-Launcher über Android 4.4.2 zu legen, denn ich fürchte spätestens dann wäre die Usability-Katastrophe komplett gewesen.

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Dennoch führt KAZAM einige Extras in das Tornado 348 ein, die sich tatsächlich als nützlich erwiesen haben. So findet sich ein anpassbares QuickSettings Menü in der Benachrichtigungsleiste wieder sowie einige Features, die leider etwas zu tief in den Einstellungen vergraben sind. Nach etwas Wühlen findet man beispielsweise eine Double-tap-to-wake-Funktion für das Display im ausgeschalteten Zustand vor, ein Hosentaschenmodus verhindert das versehentliche Aktivieren des Smartphones und Anrufe können angenommen und getätigt werden, wenn man das Smartphone ans Ohr legt.

Fazit

Das KAZAM Tornado 348 liegt exakt zwischen zwei Welten für mich. Das Handy ist eine optische Augenweide und sollte für andere Hersteller als Richtlinie gelten, wie man günstige Smartphones mit hochwertigen Materialien verarbeitet. Auch die Fakten, dass das Gerät so schön leicht und das aktuell dünnste der Welt ist, zählen zu den größten Pluspunkten für das KAZAM Tornado 348. Display und Akkulaufzeit liegen im Durchschnitt oder sogar leicht darüber, was ebenfalls positiv gewertet werden darf.

Wären da nicht die zahlreichen drastischen Kritkpunkte: Viel zu kleiner Speicher (abzüglich System nur 9,75 GB nutzbar), die Disco-Helligkeitsregulierung, der schwachbrüstige Mediatek-Prozessor mit nur 1 GB RAM, die kleineren UI-Katastrophen im Launcher und schließlich die unterirdische Kamera machen das KAZAM 348 für mich absolut uninteressant. Leider ist das Gerät ein erneuter Beweis dafür, dass man Datenblättern und Marketing-Salven nicht immer Glauben schenken darf. Es ist schließlich nicht alles Gold, was glänzt.

Das KAZAM Tornado 348 ist ab sofort für 299,99 Euro im Online-Shop von KAZAM erhältlich.



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Über den Autor: Pascal Wuttke

Nerdlicht in einer dieser hippen Startup-Städte vor Anker. Macht was mit Medien... Auch bei den üblichen Kandidaten des sozialen Interwebs auffindbar: Google+, Twitter, Xing, LinkedIn und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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