Gespräch mit Michael Zöller, Samsungs European Head of Visual Display

6. Januar 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Auf der CES 2017 hatte ich die Chance an einem recht lockeren und intimen Roundtable mit Michael Zöller, Samsungs European Head of Visual Display, teilzunehmen. Das war eine recht spannende Angelegenheit, da Zöller hier mit einer extrem kleinen Gruppe von Journalisten und Bloggern ins Gespräch kam – wir hatten die Chance Detailfragen zu stellen, während Zöller nochmal persönlich verdeutlichte, worauf es Samsung nun mit den neuen QLED-TVs ankommt. So wurde Zöller etwa nicht müde zu betonen, dass Samsung keinerlei Interesse an OLED-Fernsehern habe und QLED stattdessen als Nachfolger für sowohl aktuelle LCDs als auch OLEDs verstehe.

Zöller erklärte auch, dass er zwar noch Raum für Innovationen im TV-Segment sehe, aber Samsung mit den neuen QLEDs ziemlich nahe dran an dem sei, was der Hersteller als perfekte Bildqualität verstehe. Es gebe zwar noch Möglichkeiten die Qualität zu verbessern, aber in anderen Bereichen sehe er eigentlich mittlerweile mehr Chancen Alleinstellungsmerkmale zu generieren. Samsung habe mit den QLED-Serien des Jahres 2017 Helligkeit, Farbe und Kontrast deutlich über das Niveau bisheriger Generationen gehievt. Zudem sollen die neuen Fernseher allesamt der deutschen Energieeffizienzklasse A+ entsprechen und somit auch den Stromverbrauch deutlich optimieren.

Samsung hat zudem, das konnte ich in der Tat auch selbst überprüfen, die Reflexionen deutlich reduziert. Das wird dank neuer Filtertechnologien erreicht und führt in allen Umgebungen mit Lichteinfall zu sichtbaren Vorteilen. Ich konnte selbst Vergleiche zwischen Samsungs UHD-TVs des Jahres 2016 mit den neuen QLED-Modellen begutachten und Zöller übertreibt hier keinesfalls. Falls ihr also die Lichtverhältnisse in eurem Wohnzimmer schlecht kontrollieren könnt oder schlichtweg meistens bei Tag den Fernseher anknipst, sind die QLED gegenüber den bisherigen Generationen wirklich deutlich vorzuziehen. Laut Zöller habe man die Reflexionen faktisch halbiert.

Gespräch mit Michael Zöller, Samsungs European Head of Visual Display

Zöller griff dabei auch indirekt LGs Seitenhiebe auf Samsung auf: So hatte LG ja bemängelt, dass sich die Konkurrenz zu wenig um verbesserte Blickwinkel bemühe. Hier sei Samsung aber auch deutlich vorangekommen: Die neuen Quantum Dots sollen weniger direktional strahlen und so den neuen QLEDs im Grunde die Lösung des Blickwinkel-Problems ermöglichen. Auf dem Showfloor der CES 2017 zeigte Samsung auch entsprechende Demonstrationen. Michael Zöller betonte weiterhin, dass Samsung in der OLED-Technik für Fernseher aktuell keine Vorteile gegenüber QLED erkennen könne: Deswegen sei es auch sinnlos jene Technik zu verfolgen – schon rein aus der Sicht eines Verbrauchers.

Ob man dieser Argumentation folgen mag, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Allerdings gab sich Zöller hier sehr ehrlich und gestand ein, dass die OLEDs natürlich bei den Schwarzwerten immer noch die Nase vorne haben und deswegen ehemaligen Plasma-Besitzern nahe lägen. Für die meisten Konsumenten dürften aber laut Zöller die anderen Vorteile der QLED-Technik weit schwerer wiegen als der eine Vorzug der OLEDs. Samsung erreiche mit den  neuen QLED nun Helligkeiten von 1.500 bis 2.000 Nits als Spitzen. Dabei habe man in Studien ermittelt, dass die meisten Kunden eine maximale Helligkeit von 1500 Nits als ideal empfänden. Samsung sei aber bis 2.000 Nits gegangen, damit man Spielraum habe. Der bekennende Auto-Enthusiast Zöller zog hier den Vergleich zu einem Porsche: Zwar fahre man damit natürlich meistens nicht mit voller Geschwindigkeit, doch den Puffer zu haben, wenn es darauf ankäme, sei ideal.

Alle QLED bieten übrigens 10-bit-Panel und sollen auch das Clouding gegenüber vergangenen Generationen stark reduzieren. Etwas enttäuschend: Nur die Q9 nutzen allerdings eine Direct-LED-Beleuchtung. Alle anderen Serien, also die Q8 und Q7, verwenden noch Edge LED. Trotzdem sollen beispielsweise auch die Q8 nun stark verbessertes Local Dimming bieten – mit wesentlich mehr Zonen. Zöller sprach von einer „deutlichsten Reduzierung des Cloudings„. Zu den Preisen der neuen Samsung QLED schwieg Zöller zwar noch, deutete aber Premium-Preise an: „QLED ist besser als OLED, deswegen gehe ich davon aus, dass wir auch nicht billiger sein werden als OLED.“

SUHD will Samsung als Marke im Übrigen aussterben lassen.. Sobald die K-Serie ausgelaufen sei, werde man SUHD nicht mehr als Bezeichnung verwenden. Auch spannend: Samsung wisse laut Zöller noch nicht, ob man weiter mit der Bezeichnung Ultra HD Premium arbeiten wolle. Es kann also sein, dass Samsung sich nicht mehr um die Zertifizierung bemüht. Als Begründung nannte Zöller, dass nun auch Fernseher mit einer maximalen Helligkeit von 540 Nits das Siegel für Ultra HD Premium erhalten können, womit Samsung aber nicht einverstanden sei. Auch erwähnte der Samsung-Manager, dass man kein Interesse an Dolby Vision habe und bei HDR10 für Streaming und Ultra HD Blu-rays  sowie HLG für Fernsehübertragungen verbleiben werde.

Später betonte Michael Zöller zudem noch Samsungs Arbeit am Design der QLED-Fernseher: Etwa gibt es jetzt eben nur noch ein transparentes Kabel für alle Schnittstellen, das dem TV zugeführt wird. Ab Werk ist jenes 5 m lang, separat wird es auch noch ein Kabel mit 15 Metern Länge geben. Das Kabel ist in der Tat extrem unauffällig und darauf kommt es Samsung wohl auch an. In diesem Zuge hob Zöller auch die verbesserte Wandhalterung hervor, welche nun eben so gut wie keinen Abstand mehr zur Wand lässt. Trotzdem werden übrigens weiterhin auch VESA-Halterungen verwendbar sein. Wer aber eben Samsungs eigene Halterung ohne Abstand wünscht, wird jene kaufen müssen – was sich der südkoreanische Hersteller bestimmt entsprechend von Stilliebhabern versilbern lässt. Macht aber dann natürlich mehr her. Leider sind die Preise noch offen. Zöller bestätigte aber, dass die Wandhalterung den Q9 bereits beiliegen wird. Bei allen anderen Serien muss sie nachgekauft werden.

Vorteil der Samsung-Wandhalterung: Sie ist nachträglich ausrichtbar. Das heißt, selbst wenn leicht schief gebohrt wurde, kann sie Ausrichtung nachträglich korrigiert werden. Muss man Samsung lassen, das damit ein erhebliches Problem gelöst wurde: Einmal das Loch falsch gesetzt, musste bisher nochmals die Bohrmaschine ran. Denn schließlich hat kein Mensch Lust sich seinen TV schief an die Wand zu hängen. Hier hat Samsung eifrig mitgedacht. Sogar die Neigung lässt sich ändern. Ich denke das dürfte vielen Kunden als greifbarer Vorteil erscheinen: 5 % links und rechts lässt dich die Ausrichtung laut Zöller dank der Mechanik korrigieren – wie bei einem Bild eben.

Zöller bezeichnete die neuen QLED bzw. die Q8 zudem als „klassische, deutsche Geräte“ (aus Südkorea): Denn die Gehäuse der TVs bestehen dieses Mal komplett aus echtem Metall. Dabei klärte der Deutsche auch auf, dass eigentlich die Q8 Samsungs Flaggschiffe seien und die Q9 sozusagen nochmal die oberste Premium-Ebene für absolute Enthusiasten markieren, die noch sozusagen auch die letzten 3 % Bildqualität mitnehmen möchten. Dabei sind die Q9 nur flach, die Q8 nur Curved und die Q7 wird es als flache und als Curved-Version (Q7c) geben. Viel Wert habe Samsung dabei auch auf die Sprachsteuerung gelegt, welche nun an den TVs erstmals die gleiche Technik wie Samsungs S Voice für mobile Endgeräte nutzt. Dadurch soll die Erkennung stark verbessert worden sein.

Nun denn, ich fand das Gespräch mit Michael Zöller von Samsung sehr angenehm und interessant – ob ich selbst nun die Samsung QLED den LG OLED vorziehen würden, kann ich aktuell kaum sagen. Tatsächlich war ich bisher OLED-Verfechter und empfinde LGs Fokus auf dynamische Metadaten als absolut richtig. Doch hat in der Tat auch Samsung gute Argumente und die Ingenieure aus Südkorea haben zusätzlich noch ein Ass im Ärmel im Bezug auf HDMI 2.1 und dynamische Metadaten angedeutet – doch dazu dann im nächsten Beitrag zum Thema Ultra HD auf der CES 2017 etwas mehr.


Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 2182 Artikel geschrieben.