Facebook erweitert Tools zur Suizid-Prävention

1. März 2017 Kategorie: Internet, Social Network, geschrieben von: André Westphal

Suizid ist ein schwieriges Thema: Auch in meinem Bekanntenkreis gab es leider gleich mehrere Fälle. Im Nachhinein fragt man sich natürlich: Hätte man das Schlimmste verhindern können? Zumindest von meinen eigenen Erfahrungen ausgehend, war es immer so, dass diejenigen ihre Absichten nie gegenüber anderen äußerten, teilweise sogar nach Außen hin lebensfroh wirkten. Doch Menschen sind unterschiedlich und Facebook erweitert deswegen im sozialen Netzwerken die Möglichkeiten auf möglicherweise suizidgefährdete Personen hinzuweisen oder ihnen zu helfen.

Ganz ehrlich – wenn ihr mich fragt, dient die ganze Sache natürlich zumindest auch dazu Facebooks Image aufzupolieren. Wie viel es in der Praxis wirklich greifbar bewirken kann – das ist extrem schwer zu sagen. Aber das ist nur meine Meinung, sowohl als Medienpädagoge als auch als Mensch, der leider eben mehrfach mit dem Thema Selbstmord in Berührung gekommen ist.

Doch sicherlich gibt es eben diejenigen, die vielleicht unentschlossen Selbstmordgedanken hegen und schwerwiegende, psychische Probleme haben – und jene in einem Netzwerk wie Facebook nach außen tragen. Vielleicht ist der Bekannten-, Freundes- und Familienkreis dann hilflos im Umgang. Wobei man dann meiner Meinung nach ohnehin weniger einen „Like“ oder einen Pseudo-Kuschel-Kommentar unter einen traurigen Post setzen sollte. Dann bringt es mehr den Arsch hochzukriegen, denjenigen zu besuchen, zu quatschen oder vielleicht auch ohne großes Trara etwas zu unternehmen. Selbst ein Anruf ist dann ein persönlicherer Weg, als über Facebook Kommentare auszutauschen, während man eben doch allein am PC sitzt.

Ihr seht, das Thema beschäftigt mich aufgrund meiner Erfahrungen ein wenig. Es gibt aber eben auch Menschen in depressiven Phasen bzw. mit Problemen, die bewusst die Distanz suchen und vielleicht nur noch über Wege wie Facebook und Co. zu erreichen sind. Vielleicht sind Facebooks neue Maßnahmen dann tatsächlich hilfreich?

Bereits Mitte 2016 hatte Facebook ja die Maßnahmen zur Suizidprävention und Hilfe für Betroffene erweitert. Nun setzt man diese Tools auch für Live-Chats und Live-Videos ein. Das soll es für Freunde des Suizidgefährdeten erleichtern, sowohl direkt mit dem Betroffenen Kontakt aufzunehmen als auch den Fall an Facebook zu melden. Facebook schlägt den suizidalen Personen dann Hilfsmöglichkeiten vor oder Kontakte, die sie erreichen könnten. Auch Seelsorgen-Telefondienste will man vernetzen.

Entwickelt hat Facebook diese Maßnahmen ursprünglich mit Organisationen wie Save.org, National Suicide Prevention Lifeline, Forefront und Crisis Text Line. Auch in Deutschland hat Facebook regionale Partner. Seht ihr jedenfalls nach Einführung der Features ein Live-Video, in dem jemand seinen Kummer eröffnet oder wie eine Gefahr für sich selbst wirkt, könnt ihr entweder den Macher des Videos direkt kontaktieren oder das ganze bei Facebook melden. Facebook will dann auch denjenigen unterstützen, der das jeweilige Video gemeldet hat, damit möglichst sensibel vorgegangen wird.

Zudem soll es über den Messenger direkt möglich sein, dass sich suizidgefährdete Personen direkt mit Mitarbeitern von Facebooks-Partnerorganisationen in Verbindung setzen, wenn eben ein akuter Fall gemeldet wurde und es gewünscht ist. Das soll die Hemmschwelle senken, nach Unterstützung zu fragen.

Hinter den Kulissen verbessert Facebook zudem die Möglichkeiten Suizidgefährdungen zu melden. Es sollen beispielsweise schon bestimmte Muster in Beiträgen erkannt werden, die auf eine Gefährdung hindeuten. Vermeint Facebook dann ein User bzw. ein Post sei besonders bedenklich, kann die Option eine Suizidgefährdung zu melden besonders hervorgehoben werden.

Wie so oft testet Facebook die neuen Möglichkeiten aber erstmal eingeschränkt in den USA in Zusammenarbeit mit Präventionsexperten. Nach und nach will man alle neuen Technologien dann international ausweiten.

Die große Frage ist eben: Wird es in der Praxis etwas bringen oder ist das vielleicht eher Marketing Facebooks im eigenen Sinne, das ein heikles Thema instrumentalisiert? Das ist eine sehr schwierige Frage, auf die ich keine Antwort geben mag. Wenn nur ein Selbstmord durch Facebooks Strategie verhindert wird, dann spricht das natürlich bereits dafür. Doch am Ende wird kein Melde-Button und keine Messenger-Vernetzungen jemanden davon abhalten sich das Leben zu nehmen, wenn er wirklich mit der Welt abgeschlossen hat. Eine Kehrtwende geschieht durch echte, menschliche Unterstützung aus dem Umfeld und vor allem eben den eigenen Willen sich und sein Leben zu ändern – eine Entscheidung die jeder Mensch alleine trifft.

(via Facebook)

 

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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1795 Artikel geschrieben.