Ausprobiert: QNAP HS-251+ – Lüfterloses NAS mit Kodi-Integration für das Wohnzimmer

26. Dezember 2015 Kategorie: Backup & Security, Hardware, Smart Home, Streaming, geschrieben von: Oliver Pifferi

HS-251+_Top right_w _shadowAnfang November haben wir bereits vom Nachfolger des QNAP HS-251 berichtet, nun ist das Network Attached Storage (NAS) auch endlich in der Breite verfügbar und das Testsystem hat seinen Weg in meine Räumlichkeiten gefunden. Obwohl ich seit Jahren in Sachen NAS mit Synology-Geräten sehr gut fahre, schiele ich auch immer wieder in Richtung QNAP, sind diese beiden Hersteller doch meine persönlichen Maßstäbe für hochwertige NAS-Systeme für Zuhause und – wie immer sind nach oben kaum Grenzen gesetzt – auch für das ein- oder andere Kundenprojekt.

Nun ist also QNAP wieder an der Reihe und bringt mit der HS-251+ eine Neuauflage des Vorgängers auf den Markt, die neben ein paar technischen Neuerungen als Kernfeature zwei Wörter mitbringt, die mich aufhorchen lassen und quasi in Personalunion daherkommen: „Silent“ und „Kodi“. Ob diese Kombination nun so möglich ist oder an der Hürde „Ehefrau“ scheitert, erfahrt Ihr im folgenden Artikel.

Warum ich meine liebe Gattin an dieser Stelle erwähne, ist einfach: Für sie muss Technik nicht nur einfach, sondern im Idealfall auch nicht zu bemerken sein und neben den Flöhen, die sie eigentlich immer husten hört, sind ihr speziell die Festplatte und der Lüfter des Festplattenrecorders im Wohnzimmer ein Dorn im Auge. Möchte ein Netzwerkspeicher also wirklich silent sein und sich seinen Platz unter dem Fernseher verdienen, muss er bei aller gebotenen Technik also eben diese (mit einem skeptischen Blick ob des neuen Gerätes versehene) menschliche Hürde im Wohnzimmer überspringen. Doch schauen wir uns zunächst einmal die technischen Aspekte des QNAP HS-251+ an – immerhin eröffnet die NAS auf der QNAP-Produktseite ja eine eigene, neue Sparte namens Silent NAS:

DAS STECKT IM QNAP HS-251+:

  • Prozessor: Intel® Celeron® 2.0 GHz Quad-Core-Prozessor
  • Arbeitsspeicher: 2 GB DDR3L RAM
  • Flash ROM: 512 MB
  • Betriebssystem: QNAP QTS 4.2, basierend auf Linux 3.12.6
  • Netzwerk: 2 x Gigabit RJ-45
  • Abmessungen: 41,3 mm x 302 mm x 220 mm
  • Anschlüsse: 1 x HDMI (zweiter HDMI-Anschluss für Wartungszwecke überklebt)“, 2 x USB 3.0, 2 x USB 2.0 (Anbindung von Druckern, USB-Festplatten- und Sticks sowie USVs möglich), Kensington-Slot, Power- und Reset-Knopf, Infrarot-Empfänger für beiliegende Fernbedienung RM-IR002
  • Festplattenslots: 2 x 3.5″ oder 2.5″ SSD-(NAS-) Festplatten möglich, Kompatibilitätsliste unter https://www.qnap.com/compatibility
  • Stromverbrauch: 0,6 W im S3 Sleep Mode, 7,1 W beim Festplatten-Standby und 15,8 W im normalen Gebrauch (Referenzangabe des Herstellers bei der Nutzung zweier 3 TB-Festplatten von WD, Modell WD30EFRX)

Schaut man sich die blanken Daten an, so hat das HS-251+ dem Vorgänger einen neuen Prozessor (Vier anstatt zwei Kerne) und mit 2 GB den doppelten Hauptspeicher voraus. Im Zuge des Fokus auf die Nutzung mit Kodi (auch Plex steht unter anderem zur Auswahl) und der gebotenen Transkodierungsmöglichkeiten sollten diese Hardwareupgrades durchaus Sinn machen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

DER LIEFERUMFANG:

Neben dem HS-251+ an sich befinden sich in der Verpackung die gewohnten Schnellstartanleitungen, ein externes Netzteil, ein Netzwerkkabel und die Fernbedienung RM-IR002. Die Festplatten müssen natürlich extra beschafft werden, mit an Bord waren bei unserem Testmodell zwei WD Red WD20EFRX-68EUZN0 mit jeweils zwei Terabyte Platz. Diese sind speziell für NAS-Systeme und den 24/7-Betrieb ausgelegt und bringen 64 MB Cache bei einer 6 Gb/s-SATA-Anbindung mit.

DER ERSTE START:

Das HS-251+ lässt sich in Sachen Festplattenspeicher entsprechend schnell ausrüsten – die offenbar durch einen Magneten an ihrer Stelle gehaltene Frontblende kann leicht abgezogen werden (und haftet anschliessend wieder ebenso gut!), dahinter befinden sich die beiden Slots für die Festplatten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das NAS schnell in das TV-Möbel integriert und die erste Hürde umschifft (Zitat: „Ja, Schatz – das war schon immer da – nein, nein, kein neues Spielzeug!“), via HDMI angeschlossen und… Pustekuchen! Ein wenig Aufflackern einer Linux-Konsole und kurz danach dann der lapidare Hinweis, dass doch zuerst die Einrichtung des Paketes HD Station getätigt werden solle. Wer jetzt also gedacht hat, das ganze Konzept am Fernseher klappt separat vom Rest der Funktionalität als netzwerkbasierter Festplattenspeicher quasi out-of-the-box, hat noch ein wenig Arbeit vor sich.

qnap_hs251_hdstation

Begeben wir uns also daran, das System überhaupt erst einmal einzurichten: Die Festplatten sind ja – wie bereits erwähnt – schnell eingebaut und das NAS via DHCP bzw. QFinder-Applikation schnell gefunden. Die restliche Konfiguration geschieht wie gewohnt über ein Webinterface, wobei die aktuelle QTS-Version 4.2.0 bereits installiert war. Im Normalfall müsst Ihr – wie es auch bei den Synology-Geräten der Fall ist – erst einmal ein Initial-Setup durchlaufen und das jeweilige Betriebssystem (hier QTS genannt) auf das NAS bannen. Das geht hier mit drei Möglichkeiten – durch Eingabe des Cloud-Schlüssels am Gerät, über den bereits erwähnten QFinder oder (samt Unterstützung einer externen Tastatur bzw. der IR-Fernbedienung) via HDMI am Fernseher. Ist das erfolgt, könnt Ihr dann via Browser die Verwaltungsoberfläche des QNAP-Gerätes ansteuern, nachdem Ihr die gewohnte Standardk0mbination aus Benutzernamen- und Kennwort eingegeben habt:

qnap_hs251_startscreen

Ihr werdet nach erfolgreicher Anmeldung vom System wie folgt begrüßt:

qnap_hs251_willkommen

Die üblichen Assistenten nah der Neueinrichtung eines Gerätes kann man natürlich durchlaufen, muss man aber nicht – schließlich juckt es ja in den Fingern und wir wollen uns näher mit den Möglichkeiten der HS-251+ beschäftigen und werfen mal einen Blick auf die Systemsteuerung, die einen – trotz aller bunten und modernen Optik – mit ihren Möglichkeiten zunächst einmal zu überfordern droht.

qnap_hs251_systemsteuerung

Ja, hier kann man sich entsprechend austoben, doch zunächst sollten wir dafür sorgen, einen ständigen Datenspeicher zu kreieren – dies geschieht (hat man ihn in dem Wust der Optionen denn mal gefunden) im Speichermanager. Ich habe mich an dieser Stelle für ein RAID 1 entschieden und den Schwellwert des entstandenen Volumens (netto 1,81 TB) zunächst auf den Standardwert von 80% stehen lassen – ein Fakt, der mich im Laufe des Tests ein wenig ins Schwitzen gebracht hat.

Grund hierfür ist die normalerweise grüne Status-Leuchte an dem NAS selbst. Liegt Ihr also abends bequem auf der Couch und auf einmal wird die Leuchte rot, denkt auch Ihr wahrscheinlich erstmal an etwas ganz Böses, einen Festplattenausfall zum Beispiel. Da ich zu dem Zeitpunkt noch keine E-Mail-Benachrichtigung an dem HS-251+ eingerichtet hatte, war die gemütliche Stimmung natürlich recht schnell verflogen, bis ein Blick auf das Webinterface die Ursache offenbarte: Durch ein aktuelles Backup wurde der Schwellwert von 80% entsprechend überschritten und sorgte für das rote Lämpchen im Wohnzimmer. Gut, wenn man es weiß, aber das Gefühl, kurz nach Ersteinrichtung einen Festplattenfehler zu haben, ist kein Schönes. Nun denn, wieder etwas gelernt.

Doch zurück zum Thema: Erst nach Erstellung des Standard-Volumes können die QNAP-Apps wie die Photo Station, die Music Station etc. genutzt werden, denn die Standardfreigaben für diese samt der Möglichkeiten, eigene Freigaben zu erstellen, verlangen halt einen fertigen Datenspeicher. Während sich das RAID im Hintergrund initialisiert (und das möchte man nun wirklich nicht live verfolgen), kann man sich in aller Ruhe um die weitere Einrichtung des NAS-Systems und dessen Individualisierung kümmern.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

DIE FUNKTIONEN:

Ja, hier kann mal viel zu schreiben oder generell sagen: Schaut Euch den Funktionsumfang einmal an, denn genau wie bei den Mitbewerbern in diesem Marktsegment (oder besser gesagt: Den führenden Mitbewerbern!) bietet das QNAP QTS in der aktuellen Version so viele Möglichkeiten, dass es fast schier unmöglich ist, sie aufzuzählen. Der Heimanwender wird sich über die Möglichkeit freuen, das NAS als DNLA-Medienserver zu nutzen, um vom Player der Wahl die Inhalte auf den Fernseher zu bekommen.

Praktisch, dass im Rahmen der HD Station auch Kodi in der aktuellen stabilen Version 15.2 „Isengard“ an Bord ist und – sofern man es nutzt – nichts über das interne Hausnetz streamt, sondern von den lokalen Festplatten: Hier ist natürlich alles auf einem Gerät, was erst einmal toll klingt, aber in der Umsetzung ein wenig holprig daherkommt, doch dazu später mehr. Die Funktion, das NAS als Ablage für die heimischen Fotos und Videos ebenso wie für Musik zu nutzen, ist natürlich ebenso ein Standard-Bordmitteln wie die Nutzung als reine Datenablage, die durch eigene, mit Benutzern und Rechten versehene Freigaben realisiert werden kann – quasi die Grundidee einer Netzwerkfestplatte im klassischen Sinn.

Auch die Möglichkeit, beispielsweise Apples TimeMachine-Sicherungen direkt auf der NAS zu integrieren, ist natürlich ebenso gegeben (bei den Windows-Backups ist das eher egal, die sichern bei mir auf eine separate „Backup“-Freigabe) – und damit erschöpft sich eigentlich mein Nutzen für ein NAS in den heimischen vier Wänden. Gerade dieser Sicherungsaspekt ist nicht zu unterschätzen, kann man doch auch bei dieser QNAP via Rsync ein NAS-to-NAS-Backup einrichten oder aber ein Backup des NAS über einen angeschlossen USB-Datenträger planen – auch eine Amazon S3-Anbindung ist gegeben.

Was noch dazu kommt, ist die modulare Erweiterbarkeit über das App Center – auch das ist nichts Neues, aber funktioniert ebenso gut wie bei – na, Ihr wisst schon: Ob eMule oder Torrent-Erweiterungen für die Downloadfraktion, diverse Medienserver (neben Kodi auch noch Plex oder TwonkyMedia), der übliche Webserver samt PHP-Unterstützung, Squid als Proxy-Server oder eben verschiedene andere Dienstprogramme vom Virenscanner bis hin zu einigen CMS wie WordPress, Joomla oder Drupal: Ihr habt die Qual der Wahl und könnt per Mausklick die Funktionen eines einst schnöden Speichers im heimischen Netzwerk bis zum Letzten erweitern. Schaut Euch bei Interesse die Optik ruhig einmal an, direkt bei QNAP gibt es hierfür eine speziell angelegte Demoseite.

Abstand genommen habe ich übrigens von der Nutzung der HS-251+ als Virtualisierungshost – das ist ja mit dem Modul Virtualization Station möglich, aber aufgrund der verwendeten Hardware und der Tatsache, dass das NAS primär doch eben nur Netzwerkspeicher sein soll, habe ich diese Funktion mal aussen vor gelassen. Für den ein oder anderen mag das vielleicht interessant sein, aber ob ich bei 2 GB Hauptspeicher etwas für eine virtuelle Maschine, die auf einem Celeron-Prozessor läuft, abzwacken möchte, habe ich für mich einfach einmal verneint – es sei nur soviel gesagt: Die Möglichkeit ist da, inwieweit das dann performant ist, steht sicherlich auf einem anderen Blatt.

DIE NUTZUNG AM TV:

Nach der erfolgten Ersteinrichtung und der Verfügbarkeit im Netz konnte ich dann einen neuen Versuch starten, die Inhalte des NAS auf dem Fernseher anzeigen zu lassen – mittlerweile hatte ich dann die sogenannte HybridDesk Station installiert, die die softwareseitige Schnittstelle bietet. Bei der Installation sollte man im Idealfall nicht wild weiterklicken, sondern schon bewusst schauen, was man sich auf das NAS (und ergo den Startbildschirm) schaufelt – Facebook, LibreOffice, Firefox und Wesnoth waren da nicht ganz in meinem Fokus.

qnap_hs251_Hybrid Desk

Ergo habe ich mich auf Kodi und ein paar Codecs samt YouTube konzentriert und nach erfolgter Installation auf dem NAS sah das Bild am TV schon entsprechend anders aus. Kleiner Schönheitsfehler: Weist man den Benutzern auf dem NAS Benutzerbilder zu, werden die auf dem Startbildschirm am Fernseher offenbar nicht wiedergegeben – sicherlich kein Beinbruch, in Sachen Personalisierung aber ein kleiner Dämpfer meiner Euphorie.

qnap_hs251_hdstation_login

Jetzt mag man sich vorstellen, dass die Auswahl samt Bildschirmtastatur mit der mitgelieferten Fernbedienung zwar nicht in einem Riesenabenteuer ausartet, allerdings auch nicht furchtbar bequem ist – eine USB-Tastatur oder eine Tastatur-/Mauskombi (in meinem Fall eine Logitech K400) helfen hier, wenn man mal doch mehr mit den Eingabegeräten machen möchte. Das man das gegebenenfalls tun muss, offenbart sich beim Start der ersten Anwendung: Wer denkt, die Photo Station startet nach Auswahl nun brav, hat sich getäuscht – eine erneute Authentifizierung ist notwendig und verstärkt meinen ersten Eindruck, dass da jemand einen Linux-Desktop auf den Fernseher gebracht und vergessen hat, ein Single Sign-On  zu implementieren.

Und so ist es offenbar auch – startet man die Spotify-App das erste Mal, geht die Authentifizierung via Browser auf und auch die Video- und Music Station kommen mit demselben Effekt um die Ecke. An dieser Stelle muss ich sagen: QNAP, das geht doch bestimmt besser – diese Lösung ist (auch, wenn ich zig Module nachladen kann) nichts Halbes und nichts Ganzes und sinnigerweise ist einzig und allein Kodi die einzige Anwendung, die so funktioniert, wie sie soll.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Zuge dessen bleibt zu erwähnen, dass meine Vorfreude bezüglich der Integration eines NAS-Systems im Wohnzimmer durch diese Adaption eines Linux-Desktops auf Basis von Ubuntu 14.04.1 LTS einen empfindlichen Dämpfer bekommen hat – das hätte man anders lösen können, denn entweder bringe ich reine Apps oder eben reine Desktop-Anwendungen auf die Reihe, aber nicht solch eine halbgare Lösung. Lasse ich mal Kodi oder Plex weg, verpufft leider eigentlich jeglicher Grund, dieses  NAS-System im Wohnzimmer zu betreiben bzw. dafür einen HDMI-Anschluss zu opfern. Und das ärgert einfach – oder ich hatte von Anfang an eine falsche Erwartungshaltung. Dazu kommt, dass die Steuerung über die Fernbedienung zwar möglich, aber sehr hakelig ist, da wirklich ein sehr genauer Zeig Richtung NAS erfolgen muss – hier hilft wirklich eine kleine Media Center Tastatur oder ähnliches. Schade, QNAP – diese Chance ist für den Moment vertan!

DIE PERFORMANCE:

Im Großen und Ganzen kann ich gegen die Performance der QNAP HS-251+ nichts Negatives sagen. Sie tut in einem reinem Gigabit-Netzwerk, was sie soll und hat in sehr ansprechender Zeit meine SMB-Freigaben meiner Synology DS-214 über das Netz kopiert. Nicht per Rsync, sondern über die eigene File Station – natürlich wurden die rein technischen 100-120 MB/s, die ein Gigabit-Netzwerk im optimalsten Fall erreichen soll, hier nicht geknackt, aber das habe ich auch nicht erwartet. Ein Testlauf mit dem HELIOS LanTest unter Mac OS X 10.11.2 (2013er iMac mit Fusion Drive) ergab dann beim Beispieltestlauf (Benchmark auf eine Freigabe via AFP & SMB) bei Nutzung eines Netzwerkanschlusses die folgenden Werte:

qnap_hs251_helios

Im Durchschnitt liest das HS-251+ also in der vorliegenden Testkonfiguration die 300 MB-Musterdatei mit 69,5 MB/s (AFP: 72,4) und schreibt diese mit 60,6 (AFP: 48,9) – bedenken muss man, dass das HS-251+ ein Gerät für den Einsatz in den heimischen vier Wänden ist und so meiner Meinung nach seinen Zweck erfüllt.

Zum Vergleich die (minimal langsamere) Performance unter einem Windows 10-Testsystem auf einem Dell Latitude E5450:

qnap_hs251_helios_windows

Das Kratzen an den physischen Grenzen des Gigabit-Netzwerkes habe ich eh nicht erwartet – zum Vergleich hier noch einmal dieselben Werte unter Mac OS X mit erfolgter Portbündelung im Load-Balancing-Verfahren:

qnap_hs251_helios_lan_bundle

Eine großartige Verbesserung ist hier allerdings gar nicht festzustellen – eher das Gegenteil ist der Fall. Hier gilt es aber zu bedenken, dass natürlich ein „dummer“ Switch die Mehrwert-Features der einzelnen Port Trunking-Optionen weniger nutzen kann. Sowohl mein nicht-managebarer Switch als auch der direkte Anschluß an die FRITZ!Box 6490 bringen also keine Performancesteigerung und (leider) auch gar nicht die oft auf dem Papier angepriesene Verdopplung des Netzwerkdurchsatzes: Hier spielen dann andere Faktoren eine Rolle, mit denen die HS-251+ direkt nichts zu tun hat.

DAS FAZIT:

Das QNAP HS-251+ (Produktseite) ist eine verbesserte Neuauflage des Vorgängermodells und gefällt in Sachen geringer Lautstärke und Design. Optisch reiht sich das NAS wunderbar in die vorhandene HiFi-/TV-Landschaft ein und schafft es durch das lüfterlose Gehäuse auch, der Frau im Hause zu gefallen – die hört zwar immer noch die Festplatten, empfindet aber die Lautstärke von Geräten wie unserer Dreambox oder der Xbox One als weitaus schlimmer.

Je nach Wahl der Festplatten wird man auch mal mehr, mal weniger hören, aber eine gehäusetechnische Alternative für alle von Lärm geplagten Menschen ist das HS-251+ alle Male. Abstriche machen muss man leider bei der Funktionalität am HDMI-Anschluss des Fernsehers – mehrmaliges Anmelden und eher ein Linux-Desktop, der mit als Apps getarnten Browseranwendungen läuft ist nicht das, was ich persönlich mir von dem NAS erhofft hatte. Einziger Lichtblick ist bei diesem Konstrukt die Nutzung von Kodi, doch das kann man auch mit einem Media Player Marke Eigenbau und einem „normalen“ Netzwerkspeicher wahrscheinlich direkter und eleganter zusammenschustern.

In Sachen GUI ist in meinen Augen QNAPs QTS-System nah dran an Synologys DSM, wirkt zum Teil aber ein wenig unübersichtlicher und weitaus weniger „abgerundet“ – einzelne Übersetzungsfehler unterstreichen dies. Von den Funktionen schenken sich beide NAS-Platzhirsche in Sachen Erweiterbarkeit via Softwaremodulen recht wenig, nur hätte ich die Wahl zwischen beiden Herstellern, würde es – trotz der Vorzüge und speziell der geringen Geräuschkulisse – immer noch ein Synology-System werden. QNAP hat in den letzten Jahren stark aufgeholt, die letzte Konsequenz fehlt meines Erachtens leider noch – das fängt bei den noch recht billig wirkenden Apps für die Smartphones an und hört bei einer Plastikfernbedienung in Alu-Optik auf.

Würde man das HS-251+ als reines „Silent NAS“ verkaufen und wäre die Erwartungshaltung bedingt dadurch eine andere, könnte man mit dem Gerät durchaus Boden gut machen. So aber bleibt es bei mir bei einem gemischten Eindruck und der Erkenntnis, dass man hier eine Chance vertan hat. Silent NAS: Ja, Multimedia-Allrounder im Wohnzimmer: Leider nein!


 

Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: Oliver Pifferi

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Oliver hat bereits 431 Artikel geschrieben.