Amazon bastelt angeblich an werbefinanzierter Alternative zu Prime Video

13. November 2017 Kategorie: Streaming, geschrieben von: André Westphal

Amazon soll laut aktuellen Gerüchten an einer kostenlosen, aber dafür werbefinanzierten Alternative zu Prime Video arbeiten. Statt wie aktuell eine Jahresgebühr zu zahlen, in welcher das Videostreaming enthalten ist, könntet ihr als zusätzliche Option, wie auch bei beispielsweise YouTube, Werbeclips über euch ergehen lassen. Verhandlungen mit den Rechteinhabern sowie potentiellen Werbepartnern sollen angeblich bereits laufen. Der Vorteil für Amazon wäre, dass man unter anderem vielleicht seine Eigenproduktionen wie „The Man in the High Castle“, „Transparent“ oder auch „The Tick“ auf diese Weise einer noch breiteren Zielgruppe zugänglich machen könnte.

Doch auch Unternehmen und Marketingmacher könnten von einem werbefinanzierten Amazon Prime Video eventuell mehr als angetan sein: Viele Zuschauer verzichten immer stärker auf lineares Fernsehen, um Inhalte nach eigenem Gutdünken bei Streaming-Angeboten zu konsumieren. Vor allem die zeitliche Unabhängigkeit spielt dabei unter anderem eine große Rolle. Da via Amazon Prime Video, Netflix und Co. aber aktuell keine Werbung schaltbar ist, entgeht den Werbetreibenden viel Potential.

Zugleich würde eine werbefinanzierte Erweiterung von Amazon Prime Video natürlich auch die Konkurrenz unter Druck setzen. Netflix hat gerade erst die Preise erhöht und Facebook will ebenfalls mit eigenem Content um die Gunst der Zuschauer buhlen. Und auch Apple hat höher gesteckte Ziele als in den vergangenen Jahren und plant unter anderem eine Serie mit Reese Witherspoon und Jennifer Aniston anzubieten.

Amazon würde bei der werbefinanzierten Version seines Programms dann auch detaillierte Zuschauerinformationen mit seinen Partnern teilen: Wie lange ihr eine Serienfolge angesehen habt, um welche Uhrzeiten, wie viele Episoden ihr durchhaltet, etc. – all das und mehr wären für Werbetreibende spannende Daten. Am Ende wäre das Angebot also formal zwar kostenlos, aber auf eine andere Weise bezahlt ihr dann natürlich dennoch.

Verbinden könnte Amazon das ganze Prinzip Gerüchten zufolge auch mit seinen Channels. Es ist auch mehr als wahrscheinlich, dass nicht das komplette Angebot von Amazon Prime Video dann kostenlos wäre – sondern eben nur eine bestimmte Auswahl. Das wäre somit gleichzeitig auch eine Möglichkeit so potentielle Abonnenten auf den Geschmack zu bringen, damit sie erst die werbefinanzierte Version antesten und dann doch das Portmonnaie zücken.

Am Ende würde man sich lustigerweise auf diese Weise natürlich auch wieder dem traditionellen, mit Werbung gespickten Fernsehen annähern und so die Unterschiede zwischen klassischen TV-Sendern und Streaming-Anbietern weiter verwischen. Aber warten wir es erstmal ab, denn Amazon selbst schweigt offiziell noch.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
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