Zendure SolarFlow: Modulares Speichersystem ausprobiert

Mitte März stellte Zendure mit SolarFlow das erste Plug-and-Play-Speichersystem des Unternehmens für Solarstrom auf dem Balkon vor. SolarFlow besteht aus einem PV-Hub und bis zu vier Batterien und kann mit handelsüblichen Balkon-Solarmodulen verwendet werden. Damit können Verbraucher tagsüber Solarenergie speichern und nachts nutzen. Hier geht es zur Anbieterseite.

Tagsüber fließt die von Sonnenkollektoren erzeugte Energie durch PV-Hub und wird von Mikrowechselrichtern in Wechselstrom umgewandelt, um Haushaltsgeräte zu betreiben.Überschüssige Energie wird intelligent in Akkus für den Nachtgebrauch gespeichert. Die intelligente Flusskontrolle stellt sicher, dass überschüssige Energie tagsüber effizient gespeichert wird, und der PV-Hub (mit einem einstellbaren Bereich von 100 W bis 1200 W) speist standardmäßig 600 W an den Mikrowechselrichter ein, wodurch der Strombedarf während der Stoßzeiten vollständig gedeckt wird.

Eine einzelne Batterie hat eine Kapazität von 960 Wh und kann durch Stapeln mit bis zu drei weiteren Batterien auf eine maximale Kapazität von 3.840 Wh erweitert werden. Damit ist das Ganze ideal für Personen mit einem Stromverbrauch von 2 bis 4 kWh pro Nacht.

Mittlerweile konnte ich mir das Ganze einmal anschauen. Vorausgesetzt wird ein Balkonkraftwerk, da habe ich derzeit das Anker SOLIX im Einsatz. Großartig umbauen muss man nichts, man zieht die Panels vom Solix-Wechselrichter ab und klemmt diese auf den PV-HUB von Zendure.

Von dem wiederum geht es per Kabel in euren Wechselrichter. Der PV-Hub sorgt also für ein Verteilen des Eingangs auf euren Wechselrichter und seine Batterie(n). Das ist es schon gewesen – wenn man davon absieht, dass man die Batterie noch an den PV-Hub klemmen muss.

Grundsätzlich kein Hexenwerk und in wenigen Augenblicken aufgebaut. Entsprechende Kabel und alles andere ist komplett im Lieferumfang enthalten:

Zendure PV-Hub
Zendure AB1000 Akku
1 x 1,5 m Verbindungskabel PV Hub mit AB1000 Akku
2 x Y-Stecker MC4
2 x Verlängerung 60 cm MC4
4 x Verlängerung 300 cm MC4

Zendure liefert eine App mit, mit der ihr das System einrichtet. Dafür müsst ihr per Bluetooth oder WLAN mit dem Gerät verbunden sein. Viel einzustellen gibt es in der App nicht, das Zendure-System kennt nicht euren Verbrauch und deshalb solltet ihr im Vorfeld etwas recherchieren, was euer Balkonkraftwerk leistet und was ihr verbraucht. Denn machen wir uns nichts vor, wer tagsüber sehr viel verbraucht und demzufolge nichts verschenkt, der kann auch kaum ohne Verlust zusätzliche Batterien aufladen.

Daten Batterien:

max. Ausgangsleistung 1.200 Watt
Spannung 48 Volt
max. Ladeleistung 8.00Watt
Gewicht 11,5 Kilo
Maße 350 × 200 × 186,5 mm
Akkutechnik LiFePo4
Garantie 10 Jahre

Wer tagsüber wenig verbraucht, der kann die Batterien aufladen und diese dann in der Nacht nutzen. Vielleicht als Faustregel, wenn man daheim nicht alles genauestens protokolliert: Abends vor dem Zubettgehen Zählerstand notieren, das Gleiche morgens nach dem Aufstehen. Damit man vielleicht ein Gespür dafür bekommt, was ihr in der Nacht verbraucht. Ganz ehrlich, also vorab: wer so eine Lösung für eine Ersparnis kauft, der muss sehr genau rechnen. Momentan ist es ja so, dass 600 Watt erlaubt sind, der PV-Hub kann grundsätzlich aber bis zu 1200 Watt Leistung ausgeben, entsprechende Hardware vorausgesetzt.

Die App von Zendure selbst ist recht überschaubar aufgebaut, viel zu sehen gibt es da nicht. Ihr seht quasi fast live, was über eure Panels reinkommt und was davon in die Batterie geht und was in euer Netz. Wer der Meinung ist, dass er am Tage wenig verbraucht, der stellt in der App also ein, dass viel Leistung in die Batterie fließt, nicht aber den Wechselrichter. Einfache Rechnung: Wer alles ins Haus pumpt, verschenkt vielleicht Energie.

Hier einmal ein paar Screenshots der App, recht übersichtlich, wie ich finde:

Eingang und Ausgang Batterie:

Einstellungen der Entladegrenze und Akku-Info:

Startseite und Ladekapazitätsbegrenzung des Akkus:

Was bleibt am Ende: Das System von Zendure hat zum jetzigen Zeitpunkt für mich noch Tücken. Ihr habt relativ wenige Einstellungsmöglichkeiten in der App. Wer seinen Verbrauch nachrechnet, wird vielleicht ungefähr wissen, wie weit er mit seinen Panels kommt. Letzten Endes ist es aber so: Wer tagsüber viel verbraucht, der braucht vielleicht nicht so eine Lösung, da ohnehin keine bis wenig Energie verschenkt wird.

Der Anschaffungspreis mit einer Batterie liegt bei 1.300 bis 1.400 Euro mit dem Hub und den Kabeln. Laut der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin dürfte ein 600-Watt-Balkonkraftwerk um 400 Kilowattstunden im Jahr liefern, die meisten werden sicherlich sagen, dass sie bei guter Ausnutzung auch gerne mal mehr im Jahr einfahren.

Gehen wir mal der einfachen Rechnung halber von einem Preis von 50 Cent pro kWh und ausgebeuteten 400 Kilowattstunden aus: Rechnet man sich das schön und geht von nur 80 % Eigenverbrauch aus und 20 %, die man in die Batterien knüppeln kann, dann gewinnt man 80 Kilowatt im Jahr – oder auch 40 Euro. Das macht eine Amortisierung sehr schwierig bis unmöglich, selbst bei der Garantiezeit von 10 Jahren. Des Weiteren sollte die Aufstellung gut durchdacht sein. Möchte ich noch mehr Geraffel auf einem Balkon haben? Kann ich die Batterien so platzieren, dass sie bestenfalls vor extremer Sonneneinstrahlung oder Kälte geschützt sind?

Laut Hersteller soll da übrigens nicht so viel passieren. Zendure empfiehlt kein stetiges Auf- und Abbauen, sondern sichert zu, dass die Lade- und Entladeregelung durch das BMS temperaturgesteuert abläuft. Letzten Endes ein solides System, wenn man in die Zielgruppe fällt. Zendure dürfte aber noch etwas mehr Power in die App stecken, um gewisse Dinge granularer durch den Anwender regeln zu lassen. So fehlt beispielsweise eine verbrauchsorientierte Einspeisung und einiges mehr. Vermutung: Zendure wird noch einiges nacharbeiten und durch die derzeitige Bewegung auf dem Markt werden wir da zeitnah viele andere Lösungen sehen.

Übrigens, bei Interesse: Das Handbuch könnt ihr hier einsehen.

Update: In der Zwischenzeit hat Zendure seine App verbessert und mehreren Produkten Neuerungen verpasst:

Satellitenbatterie:

1. Unterstützung für Gerätefirmware-Updates über Bluetooth OTA, Verbesserung der Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit.

2. Optimierter Betrieb der XT90-Umkehrleistungsausgabe, Verbesserung des Benutzererlebnisses.

3. Digitale Handbuchfunktion zur Geräteeinstellungsseite hinzugefügt, um Benutzern das Ansehen von Hardwareparametern und Gebrauchsanweisungen zu erleichtern.

SolarFlow:

1. Unterstützung für mehr PV-Mikro-Wechselrichter

2. intelligenter Matching-Modus, der mit intelligenten Steckdosen zusammenarbeitet, um die Ausgangsleistung von SolarFlow basierend auf Leistungsüberwachungsdaten intelligent zu steuern.

3. Optimiertes Energieflussdiagramm, Bereitstellung detaillierterer Erklärungen und Anzeigedaten.

4. Neue SOC-Mindestentladungsgrenze hinzugefügt, die es ermöglicht, Schutzstrom-Einstellungen auf Basis des lokalen Klimas vorzunehmen, um die Lebensdauer der Batterie zu verlängern.

5. Optimierte Logik des Teilens des Stromnutzungsplans des Geräts.

6. Digitale Handbuchfunktion zur Geräteeinstellungsseite hinzugefügt, um Benutzern das Ansehen von Hardwareparametern und Gebrauchsanweisungen zu erleichtern.

7. Start der benutzerdefinierten Automatisierungsfunktion, die Einstellungen basierend auf mehreren Auslösebedingungen ermöglicht, verschiedene benutzerdefinierte Aktionen oder Benachrichtigungsnachrichten auszulösen.

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14 Kommentare

  1. Ich würde eher umgekehrt rechnen, 20% Eigenverbauch (120 W) und 80% dann speichern. Über den Tag verteilt sollte man so am meisten sparen können. Man denkt damit seine Grundlast ab.

  2. Vielleicht ist die Lösung ein Balkonkraftwerk mit 2 Modulen um die Zendure Akkus zu laden, um diesen Strom nach Sonnenuntergang zu nutzen. Ein zweites Balkonkraftwerk um Tagsüber einzuspeisen
    Das Zendure SolarFlow war bei der Vorbestellung recht günstig und die Inbetriebnahme sehr einfach.
    Da es neu ist gibt es noch Luft nach oben und ich hoffe, das die Entwicklung weiterhin fortschreitet.

    • Das ist tatsächlich auch in meinen Augen die Lösung. Leider theoretisch nicht legal, da man nur eine Anlage vereinfacht in Betrieb nehmen darf.

  3. Ich bin ja froh, das endlich mal jemand so ein Balkon PV System heraus bringt!
    Die letzten 2 Jahre hatte ich echt überlegt, so was in Eigenbau Lösung selbst zu machen.
    Anfang dieses Jahres sind aber die Preise für die Batterie Speicher so extrem gefallen, das ich mir für 1450 Euro bereits 4.8 kw Speicher gekauft habe. Dagegen ist dieses System mit 1 kW einfach zu teuer.

  4. Hallo, ein interessanter Test! Ist es möglich ein absolutes Leistungslimit (also auch bei vollem Akku) wie z.B. 300W für die Weitergabe an den Wechselrichter einzugeben? Ich frage mich, ob man so evtl. ein drittes Panel weiterhin direkt am Wechselrichter betreiben könnte?

  5. Der Preis muss sehr deutlich fallen, damit solche Systeme wirtschaftlich werden.
    Derzeit ist das Anker System dem am nächsten, aber mit aktuell €1000 immer noch zu kostspielig, um rentabel zu sein.
    Meine Empfehlung ist weiterhin ein 300 Watt Heizstab, für kleines Geld, der in den Brauchwasserspeicher eingebaut wird, sofern möglich.
    Alternative ist eine, in Zukunft unverzichtbare Klimaanlage, die Strom genau dann verbraucht, wenn er anfällt.

    Klar, in einer Mietwohnung wird Beides kaum möglich sein, aber wo möglich schlagen beide Lösungen Akku Systeme um Längen.

  6. Mal abgesehen vom Preis. Wir sind Mieter und haben ganz wundervolle Durchlauferhitzer auf Strombasis – und am 01.07. wieder einen Strompreis von 25 Cent statt 40.
    Kann man dem System vorgeben den gespeicherten Strom erst ab 22 Uhr abzugeben? Das reicht bei 200-300W Grundlast (Aquarium usw)

    Nicht vergessen. Seit ??Freitag?? werden die Tage wieder kürzer. Ab Oktober kommt quasi gar nichts mehr rein. Im Januar kannst Du froh sein wenn man im Monat 10kWh erzeugt. Aktuell sind es im Schnitt 4.5 kWh pro Tag, vieles davon natürlich verschenkt.

  7. Die 400kwh die sie Hochschule da schreibt sind der EIGNEVERBRAUCN, nicht die erzeugungsleistung.
    Man sagt, dass man in unseren Breiten (Deutschland) zwischen 800-1000kwh pro kwp erzeugen kann.
    Also bei 0,8kwP PV modul (2x400watt) zwischen 640kwh und 800kwh
    Details gibts beim PV-Tool des Akkudoktor
    https://pvtools.sektorsonne.de/

    Trotzdem ist der speicher (noch) unrentabel. Im Sommer läuft der speicher über, im Winter verhungert er. Der eigenbau schlägt hie4r die Fertigen Systeme um längen. Aber das gebastel muss man halt wollen und können

  8. Gibt es eigentlich einen kleinen Speicher, bei dem ich pauschal einstellen kann, dass er zwischen 10:00 und 18:00 Uhr auflädt und danach dann einspeist? ich weiß, dass das rechtlich mit SteckerPVanlagen so nicht erlaubt ist, aber das außen vor gelassen, wäre das doch eine super Möglichkeit das Stromnetz zu entlasten.

    • Genau dies macht doch das System hier?

      • Ja, aber es braucht den Hub dafür. Eine ausgereifte App Lösung mit vernetztem Akku könnte diesen tagsüber alleine als „Verbraucher“ einschalten, ohne dass ich ein weiteres Element benötige.

        • APP reicht da nicht, du brauchst auch Hardware für eine Batterie. Je nachdem dazu eben entweder DCDC oder ACDC Wechselrichter

          • Warum brauche ich zwingend Hardware. Wir unterstellen folgende Anlage. Ein Balkonkraftwerk speist über einen AC/DC Mikrowechselrichter direkt über eine Schuko-Außensteckdose in den Hausstromkreis ein.

            Ich weiß, dass ich eine Grundlast von 300 W habe. Die aktuelle Ausgangsleistung am Wechselrichter kann ich über eine App mehr oder weniger live auslesen.

            Alles was ein vernetztes System bräuchte wäre jetzt ein Akku, der irgendwo im Haus als Verbraucher angesteckt ist, dessen Ladevorgang (natürlich ggf. mit Ladeoptimierung) dann startet, wenn das Balkonkraftwerk > 300 W leistet. Das müsste mit aktuellen smarten Geräten doch ohne Weiteres funktionieren.

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