WhatsApp legt sich mit Apple wegen kommender Privacy-Kennzeichnungen an

WhatsApp liegt offenbar aktuell mit Apple im Clinch. Es geht um neue Privacy-Labels, welche das Unternehmen aus Cupertino in seinem App Store einführen möchte. Sie sollen quasi auf einen Blick kennzeichnen, ob eine App guten Datenschutz bietet oder das Gegenteil der Fall ist. WhatsApp kritisiert, dass Apple nur andere ins Gericht nehme – nicht aber sich selbst, da der hauseigene Dienst iMessage auf allen iPhones vorinstalliert sei.

Demnach sei es seitens Apple verwerflich, dass iMessage sozusagen außer Konkurrenz laufe. Apple messe also mit zweierlei Maß. Apple hatte bereits im Juni 2020 im Rahmen seiner WWDC angekündigt, dass man im App Store zukünftig mit derlei Labels arbeiten wolle. Bis Januar 2021 haben App-Entwickler Zeit, um die notwendigen Angaben dazu zu hinterlegen, welche Benutzerdaten sie sammeln.

Apple will dabei dann Labels vergeben, die etwa darauf hinweisen, dass Finanzinformationen oder nutzergenerierte Daten ausgewertet werden. WhatsApp befürchtet natürlich, dass potenzielle Nutzer dadurch abgeschreckt werden könnten. Außerdem seien Apples allgemeine Hinweise irreführend und würden nicht das Gesamtbild wiedergeben. Etwa werde unterschlagen, wie WhatsApp etwa Nutzerdaten durch seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirksam schütze.

Facebook hatte schon im August Werbung schaltende Unternehmen gewarnt, dass man ab iOS 14 wohl mit schlechteren Ergebnissen rechnen müsse. Das soll auch daran liegen, dass Apple an seiner viel kritisierten IDFA-Implementierung arbeitet, um den Zugriff einzuschränken. Apple verschob die Anpassungen aber dann schließlich auf 2021.

Ab wann ihr nun die Privacy-Labels im Apple App Store erblicken werdet, ist offen. Neben WhatsApp und dem Mutterkonzern Facebook hatten auch viele andere Entwickler Kritik an Apples aus ihrer Sicht pauschalisierenden Kennzeichnungen geübt.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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40 Kommentare

  1. Verstehe ich nicht. Wenn WhatsApp doch gar keine Nutzerdaten sammelt, hätten sie doch maximal ein Lob in Form des besten Labels zu fürchten, oder? Sollte es am Ende anders sein? Gute Aktion von Apple.

    • Artikel gelesen?

      > WhatsApp kritisiert, dass Apple nur andere ins Gericht nehme – nicht aber sich selbst, da der hauseigene Dienst iMessage auf allen iPhones vorinstalliert sei.

      Es geht ihnen um die Labels dir Apple ihrem Konkurrenzprodukt geben wird.. oder eben auch nicht.

      • Kann ich zwar bedingt nachvollziehen… aber bei erstinstallation muss man bei Apple Produkten auch allem zustimmen (oder eben nicht). Ist also mMn ein großes mimimi von WhatsApp.

      • Krümelmonster says:

        Sie schieben das als Grund vor, darüber kann man auch diskutieren, unabhängig von WhatsApp.
        Es geht ihnen aber nur darum, aufgrund von mehr Transparenz in einem schlechteren Licht zu erscheinen, da dem User dann deutlich vor Augen gehalten wird, welche Daten die App einsehen will. Und es werden welche dabei sein, die das abschreckt, weil sie sich vorher schlicht keine Gedanken gemacht haben.

        • Woher will Apple überhaupt wissen, was die App macht, damit sie eine ordentliche Bewertung abgeben können?

          Basieren die Bewertungen am Ende auf Vermutungen seitens Apple? Wird man gelöscht, wenn man sich dann wegen Verleumdung beschwert?

          • DragonHunter says:

            @Tamino:
            Lesen bildet. Wo die Bewertung her kommt, steht im Artikel drin.
            „Bis Januar 2021 haben App-Entwickler Zeit, um die notwendigen Angaben dazu zu hinterlegen, welche Benutzerdaten sie sammeln.“
            Natuerlich muessen die Entwickler da ehrlich sein, aber das sollte beim ueber deren Köpfen schwebenden Damokles-Schwert „Auslistung“ nicht das Problem sein. Apple hätte kein Problem damit, WA mal eben ausm Store zu entfernen.

  2. Einerseits ist es sicher nachvollziehbar, dass Apple damit nicht in erster Linie den hauseigenen Dienst im Auge hat, auf der anderen Seite ist auch klar, dass Whatsapp berfürchtet, dass damit Nutzer abgeschreckt werden könnten – wobei gerade letzteres viel wohl nicht abhalten wird, denn schließlich haben Whatsapp ja „alle“ … 😉

  3. Zwingt einen keiner, dass man iMessage nutzen muss, oder gab es da in den letzten AGB eine Änderung? Von daher ist dieses Gejammer von Fratzenbuch-WhatsApp-whatever völlig unnötig.

  4. chris1977ce says:

    Hoffentlich kriegt Whatsapp mal einen Dämpfer und einige schwenken um auf Signal und/oder Threema.

    • Oder auf iMessage, zumindest die, die ein iPhone haben. 🙂

      • Und die, die ein Android haben? Das ist der Grund, weshalb man iMessage hier meistens nicht nutzt.

        • Die bekommen bis iMessage einfach vollkommen unverschlüsselte SMS. Apple ist das doch egal. 😀

          • Naja, mir als Nutzer im Grunde aber auch. Ich überlege tatsächlich, ob ich meinen WhatsApp Account doch mal schließe. Konsequenz wäre, dass ich dann iMessage oder eben SMS nutzen könnte. Aber damit würde ich eben ganz grundsätzlich alle erreichen können, und das aus einer einzigen App heraus, was bei einem Wechsel auf einen anderen Messenger auch wieder nicht der Fall ist.

            • Ja, mir – auch als Nutzer – allerdings nicht. … und von WhatsApp auf SMS zu wechseln ist halt auch die Welt brennen sehen wollen. 😀

              Ich glaube es ist verlockend, den eigenen Privatsphäre Defätismus als etwas universelles zu begreifen. Den meisten Menschen ist es wenn es drauf ankommt allerdings doch sehr wichtig, wie sicher ihre Kommunikation ist.

            • Signal kann auch als SMS App genutzt werden

  5. Getroffene Hunde bellen…

  6. Dass WhatsApp sich da meldet war klar. Ich hoffe auch, dass es dann mal den (unwahrscheinlichen) Umschwung gibt.

    • Wozu? WA kann das, wofür ich es nutze, doch perfekt. Unwichtigen Leuten bei (seltenem) Bedarf unwichtige Nachrichten senden. Für alle anderen Anlässe hat man Alternativen.

      • So sieht es aus.

        • Ihr solltet einfach alle aufhören, unwichtigen Leuten eure Nummer zu geben. Problem gelöst. 😀

          • Nochmal: welches Problem?

            • Dass man sich über so etwas überhaupt Gedanken machen muss. Kontakte, die ich gespeichert habe, sind für mich per se wichtig. Aus unterschiedlichen Gründen, aber wenn sie nicht irgendwie wichtig wären, hätte ich sie nicht gespeichert. Ähnlich ist es mit den Nachrichten, Nachrichten, die ich verschicke, sind (für mich) wichtig. Wenn sie nicht wichtig wären, würde ich sie nicht versenden. Und ja, auch ein einfaches „hallo wie geht es dir?“ kann schon mal wichtig sein, gerade in Zeiten wie diesen.

              • Was Du als wichtig für dich definierst überschneidet sich aber nicht zwangsläufig mit der Vertraulichkeit im Sinne des Datenschutzes, was Tenor der oben von Dirk erwähnten Nachrichten ist. Ein „Hallo, wie geht es dir?“ mag für dich und den Empfänger wichtig sein, inhaltlich im Bezug auf Datenschutz ist es für Dritte völlig belanglos.
                Ich vergleiche WhatsApp immer mit Postkarten, da kann auch jeder auf dem Zustellweg mitlesen. Was ich nicht auf eine Postkarte schreiben würde, kommt auch nicht nach Whatsapp, fertig.

              • Du versendest konsequenterweise auch keine Emails, richtig? Sorry, aber das ist für mich nur Ideologie.

            • Naja, Whatsapp liest ja auch die gesamte Kontaktliste aus und hat somit alle Telefonnummern deiner wichtigen, sowie unwichtigen Kontakte. Datenschutztechnisch also nicht so geil.
              Generell wird mit der Telefonnummer sehr achtlos umgegangen, wenn man bedenkt, dass diese oft für 2FA und dergleichen eingesetzt wird. Kommt vermutlich noch aus der Zeit, als man Prepaidnummern bekommen hat, ohne seine Identität nachweisen zu müssen.

              Lange Rede, kurzer Sinn: Verteilt eure Telefonnummern nicht achtlos herum.

  7. Erinnert mich stark an die Reaktion vieler Lebensmittelproduzenten, die auf die Barrikaden gingen, als man über die einfache Beampelung der Lebensmittel im Hinblick auf Zuckergehalt usw. ging.
    Hier wie da Befürchtungen, dass die Kundschaft ein schlechtes Gefühl bekommen und die Produkte meiden.

    • Nur das Problem ist, dass die Eigenmarken von der Vorgabe ausgeschlossen sind.
      Das ist ähnlich wie mit dem Tracking, die Einstellungen beziehen sich nur auf Dritt-Apps. Die eigenen Apple-Apps sind ausgenommen und dürfen schön weiter Datensammeln, die Apple auch laut AGB vermarktet. Man behindert also die Konkurrenz, damit ein eigenes Produkt besser dasteht. Dieses Vorgehen nennt man ausnutzen der Marktposition!

      • Man kann es ausnutzen nennen, man kann aber auch sagen, dass das ein völlig normales Verhalten von Apple ist. Und jeder,, der das kritisiert, würde das ganz genauso machen, wenn er in der Position wäre.

        • Deshalb ja auch die Idee, Apple zu regulieren. Ein alternativer App-Store z.B. könnte den Nutzern die Möglichkeit geben, auf dieses „normale“ Verhalten Apples zu reagieren und einfach umzusteigen.

          Apple ist wahnsinnig flexibel. China hat denen gesagt, die Cloud muss in China liegen sonst wird das nichts und dann war das in Nullkommanichts erledigt. So wär das im Zweifel auch mit der Auflage altstores zuzulassen.

      • Quelle?
        Davon unabhängig zielte mein Kommentar auf die reflexartige Reaktion ab, wenn es jemand Transparenz über das eigene Treiben möchte und ggf. damit das Geschäftsmodell nachhaltig gefährden könnte, weil die Menschen ja aufwachen könnten.
        Zu Apples Marktposition: Was hat die denn damit zu tun?
        Die Marktposition einiger Lebensmittelhersteller hat dazu geführt, dass die Lebensmittelkennzeichnung deutlich abgeschwächt wurde (man schaue nur in andere Länder, zum Beispiel Frankreich, was durch weniger stark ausgeprägte Lobbyarbeit möglich ist) und auf freiwillige Teilnahme gesetzt wird. Analogie zu Apples aktuellen Thema: Die Macht von Facebook und anderen hat dazu geführt, dass Apple die ursprünglichen Pläne zumindest verschoben hat.
        Ich bin absolut kein Apple-Fan, habe auch kein einziges Produkt (aus Gründen), aber wo steht denn, dass Apple seine eigene Produkte nicht unter die gleichen Bedingungen stellt und entsprechend kennzeichnet? Vielleicht nutzt Apple ja auch die Gelegenheit, man bissle auszumisten und sich auf das Nötigste zu besinnen. Dann könnten sie damit vielleicht sogar Kunden gewinnen, sinngemäß: Schaut her, wie wenig wir erheben und verarbeiten.
        Auf Apple zu hauen, finde ich hier unangemessen. Vielleicht habe ich aber auch etwas übersehen, möchte ich nicht ausschließen.

    • Hier wie da sind die Befürchtungen völlig umsonst. Die Menschen werden immer fetter.

  8. WhatsApp soll einfach mal ruhig sein. Deren Nutzerdaten gehen zu Facebook und wie Facebook mit Nutzerdaten umgeht ist ja allgemein bekannt. Spoiler: beschissen. Bei iMessage bleiben die Daten allein bei Apple.

  9. Halte ich für sehr wichtig. Wer weiß denn schon, das Twitch einen Adressscore ausgewertet? Mh? Ich vermute nur die, die wissen, mit welchen Werkzeugen sowas ausgewertet werden kann. Da wird einem erst klar, was da teilweise für Dinge in gang gesetzt werden. Der Fan denkt, er tut seinem Liebsten einen Gefallen. Dabei hat Twitch aka Amazon ein extrem perfides Business auf Twitch ausgebaut.
    Sowas gehört schon lange „deklariert“

  10. Anscheinend sind die Eigenmarken nicht ausgeschlossen:
    https://www.theverge.com/2020/12/9/22165959/apple-privacy-nutrition-labels-all-apps-preinstalled-messages-web

    Die Argumente sind dann wohl doch nur vorgeschoben.

    @Andre

  11. Apple, Facebook/Whatsapp, Zoom, etc. stehlen die Daten mit dem ersten Einverständnis auf das Adressbuch zuzugreifen – warum die sich nicht benehmen können – ja, weil diese Systeme und Apps so erlaubt werden (genauso wie die verschissene PSD2 – F*** *** EU).
    Datensparsamkeit bedeutet: Kein Zoom, kein Whatsapp und von Apple/Microsoft auf Linux wechseln – die bescheidenen Erfolgen von „Social Media“ liegen doch eher im Harvesting und Monetarisieren von Nutzerdaten (ca. 1.000,- EURO pro Nase und Monat).

    • Hast Du dazu irgendwelche Quellen? Würde mich echt interessieren, denn wenn pro Benutzer 1000 Euro im Monat mit dessen Daten verdient werden können, dann muss dieses Geld ja auch irgendwo her kommen. Und wenn in jedem Produkt und jeder Dienstleistung 10% für Werbung eingepreist wären, müsste ja jeder Benutzer 10.000 Euro Umsatz im Monat machen, damit das irgendwo wieder reingewirtschaftet wird.

      • Danke für diesen Kommentar. Während hier viele einfach ihre unreflektierte Meinung in ihre Tastatur hämmern bist du einer der wenigen, der reflektiert und nachdenkt bevor er antwortet. Es gab eine Zeit, da waren die Kommentare hier im Blog allgemein brauchbar, aber das ist lange her

  12. Tja was bleibt ihnen übrig. Facebook und WhatsApp leben davon Daten zu sammeln. Sobald das auch nur ansatzweise transparenter wird, ist ihr Geschäftsmodell gefährdet. Zumal eigentlich jeder inzwischen weiß, dass beides Gift ist, er nur nicht davon wegkommt.

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